{"id":1004,"date":"2003-05-16T12:41:34","date_gmt":"2003-05-16T11:41:34","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/einsatz\/?p=1004"},"modified":"2003-05-16T12:41:34","modified_gmt":"2003-05-16T11:41:34","slug":"mein-tagebuch-der-hilfe-bagdad-16-mai-2003","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/2003\/05\/16\/mein-tagebuch-der-hilfe-bagdad-16-mai-2003\/","title":{"rendered":"Mein Tagebuch der Hilfe. Bagdad, 16. Mai 2003"},"content":{"rendered":"<figure style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/old.roteskreuz.at\/prod_images\/8a49ec88f25ee0333123221163838d25.jpg\" alt=\"Martina Schloffer in bagdad\" width=\"200\" height=\"206\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Martina Schloffer in Bagdad<\/figcaption><\/figure>\n<blockquote><p>Unter dem Titel: IRAK \u2013 mein Tagebuch der Hilfe berichtete Martina Schloffer im Jahr 2003 direkt aus Bagdad, wo sie von Mai bis September 2003 als Delegierte des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz stationiert war. Wir ver\u00f6ffentlichen dieses Tagebuch nun auch in unserem Einsatzblog.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die gr\u00f6\u00dften Probleme vor Ort stellen zurzeit nicht explodierte Minen, Munition und Streubomben dar. Auch von den Verteidigern zur\u00fcckgelassene Kampfpanzer und anderes verlassenes Kriegsger\u00e4t ist aufgrund der darin gelagerten Munition eine weitere Gefahr. Auch sehr erfahrene Minen-Experten des Internationalen Roten Kreuzes bezeichnen die Situation im Irak als dramatisch. Immer wieder werden Kinder schwer verletzt oder get\u00f6tet, weil sie nicht explodierte Streubomben-Teile finden und damit spielen. Diese Explosivstoffe sehen aus wie halbgro\u00dfe Getr\u00e4nkedosen mit Fransen, sie sind bunt und wirken von au\u00dfen f\u00fcr Kinder wie \u201eSpielzeug\u201c. Besonders dramatisch sind Zwischenf\u00e4lle, wo derartige Munition erst nach mehreren Minuten des Spielens \u2013 dann mitten unter vielen Kindern &#8211; explodiert. Das sind leider keine Einzelf\u00e4lle, alleine im Bereich der irakischen Hauptstadt Bagdad sind \u00fcber 700 gef\u00e4hrliche Stellen, an denen Explosivstoffe liegen, bekannt. Wie viele dieser hinterh\u00e4ltigen Fallen noch unbekannt sind, kann niemand auch nur absch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Das Internationale Rote Kreuz (IKRK) hat mit einer Informationskampagne begonnen. \u00dcber H\u00f6rfunk- und Fernsehspots wird die Bev\u00f6lkerung \u00fcber die extrem gef\u00e4hrlichen Minen und Explosivstoffe aufgekl\u00e4rt. Eltern werden gebeten, ihren Kindern die Gefahren zu erkl\u00e4ren. Gemeinsam mit den lokalen Organisationen wurde das Informationsprogramm gro\u00dffl\u00e4chig gestartet, um zu verhindern, dass viele weitere Menschen, haupts\u00e4chlich Kinder, zu schaden kommen. Gef\u00e4hrliche Pl\u00e4tze werden gekennzeichnet, Brosch\u00fcren mit Comics und Poster warnen vor den Gefahren durch Explosivstoffe. Auch mit den Kommandanten der Koalitionsstreitkr\u00e4fte stehen wir in dauernden Kontakt und melden gef\u00e4hrliche Regionen, damit die R\u00e4umung durch die Armeen veranlasst werden kann. Der Schutz der unbeteiligten Zivilbev\u00f6lkerung ist Aufgabe der Besatzungsarmee, so sagt es das vierte Genfer Abkommen, das von allen Konfliktpartnern ratifiziert wurde.<\/p>\n<p>Die Sicherheit hat sich in der vergangenen Woche nicht deutlich verbessert, weiterhin gibt es fast jede Nacht Pl\u00fcnderungen. Au\u00dferhalb der Hauptstadt Bagdad wird an den Landstrassen von Stra\u00dfenr\u00e4ubern berichtet, die Fahrzeuge \u00fcberfallen und stehlen.<\/p>\n<p>In der Nacht h\u00f6rt man vereinzelt Schiessereien, bei Dunkelheit traut sich niemand auf die Strassen. Die Gesch\u00e4fte schlie\u00dfen um 3.00 Uhr am Nachmittag, damit zum Einbruch der Dunkelheit jeder zu Hause sein kann. Zu kaufen gibt es nahezu alles, das Problem ist, dass die \u00f6ffentlich Bediensteten seit Wochen kein Gehalt mehr bekommen, und damit auch kaum Geldkreislauf vorhanden ist &#8211; das Bankwesen funktioniert nicht. Auch \u00c4rzte und Krankenschwestern erhalten keine L\u00f6hne, k\u00f6nnen daher ihre Familien nicht mehr ern\u00e4hren. \u00dcber kurz oder lang kommen viele dieser Personen dann gar nicht mehr zur Arbeit, sondern versuchen ihre Familie anderw\u00e4rtig \u201edurchzuf\u00fcttern\u201c. Der Benzinpreis steigt t\u00e4glich, dadurch ist auch der Preis f\u00fcr eine Busfahrkarte jeden Tag h\u00f6her.<\/p>\n<p>Die Krankenh\u00e4user in Bagdad sind mittlerweile wieder relativ gut ausgestattet, auch das Personal ist in der Lage den wesentlichen Aufgaben nachzukommen. Speziell im Bereich der Lieferung der ben\u00f6tigten Medikamente und des Kleinmaterials wie Verbandsstoffe und chirurgische Hilfsmittel auf Tagesbasis ist das Rote Kreuz im Moment t\u00e4tig.<\/p>\n<p>An Medikamenten und chirurgischem und. medizinischem Material ist in den Lagern des Gesundheitsministeriums nahezu alles verf\u00fcgbar, schwierig ist die Transportlogistik und die Lagerung in den Spit\u00e4lern, da viele Dinge \u00fcber Nacht \u201everschwinden\u201c oder aufgrund fehlenden Stroms nicht k\u00fchl gehalten werden k\u00f6nnen. Auch ist oft kein Benzin f\u00fcr den Transport verf\u00fcgbar. Das ist &#8211; in einem der erd\u00f6lreichsten L\u00e4nder der Welt \u2013 ungew\u00f6hnlich.<\/p>\n<p>Die rasche Wiederherstellung der \u00f6ffentlichen Ordnung durch Sicherheit auf den Strassen, Versorgungssicherheit mit Strom, Wasser und Treibstoff und auch Geh\u00e4lter f\u00fcr die \u00f6ffentlich Angestellten durch die daf\u00fcr verantwortlichen Besatzungsm\u00e4chte hat wohl oberste Priorit\u00e4t.<\/p>\n<p>Unsere Spezialisten-Teams fahren weiterhin t\u00e4glich aus Bagdad in die Regionen. Sie bestehen meistens aus medizinischen Experten, Suchleuten und Wassertechnikern, kl\u00e4ren die Bed\u00fcrfnisse in der Umgebung ab und schicken dann die passenden Teams. Die Wassertechniker sind immer noch sehr gefragte Leute, denn die meisten Wasserwerke ben\u00f6tigen noch immer technische Betreuung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem Titel: IRAK \u2013 mein Tagebuch der Hilfe berichtete Martina Schloffer im Jahr 2003 direkt aus Bagdad, wo sie<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[41,8],"tags":[220,228,256,369],"class_list":["post-1004","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bagdad","category-irak","tag-ikrk","tag-irak","tag-krieg","tag-schloffer"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1004","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1004"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1004\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1004"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1004"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1004"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}