{"id":1030,"date":"2003-07-21T13:05:40","date_gmt":"2003-07-21T12:05:40","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/einsatz\/?p=1030"},"modified":"2003-07-21T13:05:40","modified_gmt":"2003-07-21T12:05:40","slug":"mein-tagebuch-der-hilfe-bagdad-21-juli-2003","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/2003\/07\/21\/mein-tagebuch-der-hilfe-bagdad-21-juli-2003\/","title":{"rendered":"Mein Tagebuch der Hilfe. Bagdad, 21. Juli 2003"},"content":{"rendered":"<figure style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/old.roteskreuz.at\/prod_images\/8a49ec88f25ee0333123221163838d25.jpg\" alt=\"Martina Schloffer in bagdad\" width=\"200\" height=\"206\" \/><figcaption class=\"wp-caption-text\">Martina Schloffer in Bagdad<\/figcaption><\/figure>\n<blockquote><p>Unter dem Titel: IRAK \u2013 mein Tagebuch der Hilfe berichtete Martina Schloffer im Jahr 2003 direkt aus Bagdad, wo sie von Mai bis September 2003 als Delegierte des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz stationiert war. Wir ver\u00f6ffentlichen dieses Tagebuch nun auch in unserem Einsatzblog.<\/p><\/blockquote>\n<p>Niemand hier wei\u00df genau, wie gef\u00e4hrlich die Situation ist. Das Rote Kreuz hat auf jeden Fall die Sicherheitsstufen hinauf geschraubt \u2013 die Ausgangssperre am Abend und die \u00e4u\u00dferst vorsichtige Bewegung in Bagdad werden uns also auch in n\u00e4chster Zeit erhalten bleiben.<\/p>\n<p>In der vergangenen Woche habe ich einen Kurzurlaub in \u00d6sterreich verbracht. F\u00fcr ganze drei Tage habe ich Bagdad Richtung Heimat verlassen, um bei der Hochzeit einer Freundin in Krems dabei zu sein. Es war sehr fein, Eltern und Freunde zu treffen. Bei einer Stippvisite in meiner Wohnung habe ich bemerkt, dass ich einen neuen Nachbarn habe, aber ich hatte nicht einmal die Zeit, um ihn zu begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Alle haben mir erz\u00e4hlt, wie hei\u00df der Sommer in Wien ist. Als ich in Schwechat angekommen bin, hat es geregnet! Das hat so gut getan. Ich bin freiwillig im Regen stehen geblieben, weil ich es so genossen habe, die Tropfen auf meinem Kopf zu sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zu meinem Alltag. Eigentlich habe ich einen Schreibtischjob, auch wenn sich das in Bagdad anders auswirkt. Ich bin st\u00e4ndig unterwegs, von einem Meeting zum anderen, von einem B\u00fcro zum anderen. Denn als Koordinatorin f\u00fcr die Hilfsaktivit\u00e4ten der einzelnen nationalen Rotkreuzgesellschaften bin ich verpflichtet, das gespendete Geld nach seinem Bestimmungszweck zu verwenden. Bei mir laufen also die F\u00e4den zusammen: Viele Spender aus aller Welt geben Geld an ihre Rotkreuz- oder Rothalbmondgesellschaft, weil sie etwas f\u00fcr die Kinder im Irak tun m\u00f6chten, oder weil sie uns helfen, die Wasserversorgung wieder aufzubauen oder die Programme f\u00fcr Minenopfer unterst\u00fctzen, oder die Familienzusammenf\u00fchrungen. Wir haben die Verpflichtung gegen\u00fcber den Spendern, dass dieses Geld so verwendet wird, wie es gewidmet ist.<\/p>\n<p>Es ist meine Aufgabe, mich mit diesen einzelnen Gesellschaften abzustimmen und zu wissen, wof\u00fcr sie Geld haben und wo es nach den R\u00fcckmeldungen unserer Teams gebraucht wird. Norwegen finanziert zum Beispiel eine Anti-Minen-Kampagne und orthop\u00e4dische Werkst\u00e4tten im Norden des Landes. Aus \u00d6sterreich haben wir Blutbeutel und Ger\u00e4te f\u00fcr Bluttransfusionen zur Versorgung von Kliniken bekommen. Mit dem von \u00d6sterreich gestifteten Wassertank-Fahrzeug gelingt es uns endlich, auch abgelegene Orte mit Trinkwasser zu versorgen. Diese Hilfe kommt speziell den Kindern zu, die gerade unter der Wasserknappheit extrem zu leiden haben.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist es auch manchmal schwierig, der Spenden-Verpflichtung nachzukommen. Wie \u00fcberall gibt es begehrte Bereiche, die schnell abgedeckt sind und andere dringende Projekte, f\u00fcr die kein Geld da ist. Es gibt aber auch Spenden, die sozusagen \u201efrei\u201c sind und dann je nach Dringlichkeit verwendet werden.<\/p>\n<p>Die Notwendigkeiten und der Bedarf \u00e4ndern sich oft schnell, beinahe w\u00f6chentlich gibt es neue Listen mit \u00fcberlebenswichtigen Projekten, die angegangen werden m\u00fcssen. Wo soviel Hilfe gebraucht wird, ist auch die Zusammenarbeit mit anderen Organisationen sehr wichtig. Damit m\u00f6glichst alle Bereiche und Regionen abgedeckt werden, sprechen wir uns untereinander ab. Sodass jede Expertise ganz effizient eingesetzt wird.<\/p>\n<p>Das internationale Interesse sinkt sp\u00fcrbar ab, die langfristige Hilfe ist \u00fcberhaupt ein unbeliebtes Thema. Es braucht einiges an \u00dcberzeugungsarbeit, um den Spendern klar zu machen, wie wichtig langfristige Aufbauhilfe f\u00fcr die Stabilit\u00e4t des Landes ist.<\/p>\n<p>Denn die erste Welle der Nothilfe ist inzwischen vorbei, es geht nicht um Notoperationen, oder fehlende Medikamente, es geht darum, ein Land aus dem R\u00fcckstand zu holen und wieder aufzubauen. Der Krieg hat seine Spuren in ganz grundlegenden Dingen wie bei der Wasser- und Stromversorgung hinterlassen. Nach den Genfer Konventionen ist die Besatzungsmacht verpflichtet, die Basisversorgung wieder herzustellen. Auch da muss nach wie vor \u00dcberzeugungsarbeit geleistet werden.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Teil der Rotkreuz-Arbeit passiert im Stillen. Familienzusammenf\u00fchrung, die Bearbeitung von Suchantr\u00e4gen, der Austausch von Rotkreuz-Nachrichten sind Bereiche, in denen wir sehr aktiv sind und die sehr wichtig sind. Von au\u00dfen betrachtet, handelt es sich dabei um unspektakul\u00e4re Kleinarbeit, die f\u00fcr die betroffenen Familien aber verst\u00e4ndlicherweise eine unglaubliche Bedeutung hat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem Titel: IRAK \u2013 mein Tagebuch der Hilfe berichtete Martina Schloffer im Jahr 2003 direkt aus Bagdad, wo sie<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[41,8],"tags":[228,255,256,369,372],"class_list":["post-1030","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bagdad","category-irak","tag-irak","tag-krems","tag-krieg","tag-schloffer","tag-schwechat"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1030","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1030"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1030\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1030"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1030"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1030"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}