{"id":1520,"date":"2011-02-17T03:04:57","date_gmt":"2011-02-17T02:04:57","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/einsatz\/?p=1520"},"modified":"2011-02-17T03:04:57","modified_gmt":"2011-02-17T02:04:57","slug":"1520","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/2011\/02\/17\/1520\/","title":{"rendered":"Von Spinnen, Vodoo und toten Hendeln"},"content":{"rendered":"<p>Und wieder mal liege ich im Moskitodome zur\u00fcck gezogen und schreibe des nouvelles.<\/p>\n<p>Ich weiss nicht, ob sich mein Franz\u00f6sisch mittlerweile gebessert hat, ich verstehe aber langsam mehr. Zumindest bilde ich mir das ein.<\/p>\n<p>Nach einem erfolgreichen 1. Kurs hatten wir uns ein Wochenende verdient. Samstag abend verantalteten wir ein kleines MAX Willkommens- (von Alex gebauten) Griller Einweihungs und sowieso und \u00fcberhaupt BBQ (also auf Deutsch: Grillen). In gem\u00fctlicher Runde (wir waren acht) sa\u00dfen wir etwas zusammen und unser Herr \u00fcber das Hendl war der Konstrukteur und Erbauer- Alex. Nicht nur als Logistiker ist er begnadet (das sind die Leute, die daf\u00fcr sorgen, dass ich mein Material zu dem Zeitpunkt in der Menge und an dem Platz habe, an dem ich es brauche) auch als kroatischer Chef de Cuisine ist er un\u00fcbertroffen. Das ganze dauert 2 bis 3 Stunden. Nicht vergessen, wir haben vorher gearbeitet und auch wenn bei uns die Sicherheitsbstimmungen im Gegensatz zu PaP liberaler sind, heisst es trotzdem, dass um 22 Uhr jeder in seinem Haus zu sein hat und alleine hat sowieso niemand was ausserhalb des Hauses bzw. des Office auf der Strasse zu suchen. Wie gesagt, es ist ruhig, aber nicht immer ungef\u00e4hrlich.<\/p>\n<p>Die Hauptge<a href=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/02\/mack.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1528\" src=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/02\/mack-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"129\" height=\"129\" srcset=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/02\/mack-150x150.jpg 150w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/02\/mack-100x100.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 129px) 100vw, 129px\" \/><\/a>fahr lauert auf den Strassen. Soweit ich weiss, sind die Hauptverletzungsursachen von Delegierten im Ausland Unf\u00e4lle im Strassenverkehr. Wobei die Regel gilt bei LKW<img decoding=\"async\" src=\"\/DOCUME%7E1\/User\/LOCALS%7E1\/Temp\/moz-screenshot.png\" alt=\"\" \/> von vorne, links, rechts, hinten oder Nebenfahrbahn hat er Vorfahrt, es sei denn es geht sich aus. Diese MACK LKWs sind riesig, fahren im Schnitt 70-90 km\/h und\u00a0 sind von Natur aus st\u00e4rker. In meinem 1. Einsatz waren wir durch die Landcruiser (Gel\u00e4ndew\u00e4gen einer japan. Automarke) gesch\u00fctzt. Hier f\u00e4hrt aber jeder so ein Ding. Warum wir um 22 Uhr im Bett respektive im Haus sein sollen erkl\u00e4ren auch folgende Argumente:<\/p>\n<p style=\"text-align: right\"><a href=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/02\/IMGP0108.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-thumbnail wp-image-1522 alignright\" src=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/02\/IMGP0108-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"131\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: left\">\n<p style=\"text-align: left\">\n<p style=\"text-align: left\">1. Die Strasse, so es eine gibt besteht aus Asphalt und 50-70% L\u00f6chern, die schnell mal 30cm tief sind und sich \u00fcber die gesamte Fahrbahnbreite erstrecken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: left\">2. In der Nacht fahren Autos mit entweder Fernlicht oder ohne Licht. Man kann sich jetzt aussuchen, was man lieber hat: geblendet werden oder den anderen auch nicht sehen.<\/p>\n<p>Jeden Tag sterben Menschen, weil Autos ausweichen, sie \u00fcbersehen oder weil der andere Verkehrsteilnehmer st\u00e4rker ist. Es gibt auch einige Wracks nach Frontalcrash hier. Also ich bin lieber in meinem Moskitodome und schreibe hier.<\/p>\n<p>Am Sonntag war dann frei. Nein, wir arbeiten nicht 7 Tage die Woche. Es gibt Kollegen, die sind seit Mai hier. Wer w\u00fcrde diese Art von Arbeit 10 Monate aushalten? Nicht zu vergessen, dass auch unsere lokalen Mitarbeiter gerne mal frei haben. Jeder h\u00e4ngt sonntags seinen eigenen Gedanken nach. Lesen, surfen, mit der Heimat sprechen- Skype sei Dank&#8230;<\/p>\n<p>Aber genug davon. Heute wurde der 2. Kurs erfolgreich beendet. Er wurde diesmal in einer Kirche abgehalten. \u00dcberhaupt scheint die Religion hier eine gro\u00dfe Rolle zu spielen. Der \u00fcberwiegende Teil hier ist christlich (r\u00f6m. kath, protestantisch,&#8230; Aufz\u00e4hlung erhebt keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit) und ein bisschen Vodoo.\u00a0 Wird auch praktiziert, angeblich zumindest. Auf jeden Fall beginnt der Fortbildungstag mit einem kleinen Gebet der Teilnehmer.(Auch hier: wir akzeptieren diese Einstellung, heissen sie aber weder gut noch schlecht. Es sind lediglich meine Beobachtungen)<\/p>\n<p>Ich lerne auch meine Teammitglieder immer besser kennen. Sie haben Geduld und sprechen so langsam (im Notfall mit ein bisserl English) dass ich mit komme. Einzig unsere Ladies, die die Schulungen durchf\u00fchren: ich bekomme ganz ehrlich nicht mit, wann Nicol, die Trainerin auf English wechselt. Es h\u00f6rt sich alles irgendwie gleich unverst\u00e4ndlich an. Ist aber auch egal und eher amusant. Mein Team zeigt mir, wenn wir Zeit haben, die Sch\u00f6nheit des Landes, macht mich auf verschiedene Dinge aufmerksam.<\/p>\n<p>Jackie zeigte mir die Schule, die wir mit betreuen, die ich aber bisher noch nicht gesehen hatte. 4 R\u00e4ume f\u00fcr theoretisch knapp 4000 Kinder die schulpflichtig w\u00e4ren. Es gibt eine Tafel, aber kaum Stifte geschweige denn Schreibpapier. Die Menschen, die es schaffen zu studieren und \u00c4rzte, Professoren oder was auch immer zu werden, kehren oft der Heimat den R\u00fccken, weil in franz. sprechenden L\u00e4ndern (Kanada, Frankreich,..) mehr Geld zu verdienen ist. Ein nicht unerheblicher Teil des haitianischen Einkommens besteht aus \u00dcberweisungen von Haitianern, die ihr Geld ausw\u00e4rts verdienen, um der Familie daheim ein \u00dcberleben zu erm\u00f6glichen. Auch ich habe mich gefragt, wie es f\u00fcr mich w\u00e4re, ins Ausland gehen zu m\u00fcssen, damit meine Familie daheim \u00fcberleben kann&#8230;. Ich bin zu keiner zufrieden stellenden Entscheidung gekommen. Man darf aber auch nicht vergessen, dass w\u00e4hrend des Bebens auch die Universit\u00e4t in PaP zerst\u00f6rt worden ist. Also wieder schwerer Fachkr\u00e4fte auszubilden&#8230;<\/p>\n<p>Mit diesem eher traurigen Thema m\u00f6chte ich aber nicht enden.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte zum Abschlu\u00df meinen Teamkollegen noch danken, dass sie mir nette Geschichten \u00fcber Vogelspinnen erz\u00e4hlt haben. 3 Tage danach habe ich immer noch selbst in meinem Zimmer Schlapfen angezogen und checke den Weg aufs Klo immer genau ab. Ich weiss, dass sie ungiftig sind, ab<a href=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/02\/images.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1521 alignright\" src=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/02\/images.jpg\" alt=\"\" width=\"125\" height=\"197\" \/><\/a>er sollte so ein Vieh vor meinem Moskitodom auftauchen, gibt es einen Anruf via Handy (das ist immer im Dom drin) ans Rote Kreuz nach Wien mit den Worten:&#8220;<strong> ICH BIN EIN STAR HOLT MICH HIER RAUS.&#8220;<\/strong> Dann werde ich ohne Stern gehen. Es gibt ohnehin (wie gestern und heute) Reis f\u00fcr alle.\u00a0 Oder irgendwer muss mich bergen und mich wiederbeleben nach dem Herzinfarkt. (Mindestens so wie auf dem Bild sollen die hier aussehen) In diesem Sinne. A plutard<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Und wieder mal liege ich im Moskitodome zur\u00fcck gezogen und schreibe des nouvelles. 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