{"id":1578,"date":"2011-03-20T03:54:06","date_gmt":"2011-03-20T02:54:06","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/einsatz\/?p=1578"},"modified":"2011-03-20T03:54:06","modified_gmt":"2011-03-20T02:54:06","slug":"was-war-eigentlich-mei-leistung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/2011\/03\/20\/was-war-eigentlich-mei-leistung\/","title":{"rendered":"Was war eigentlich mei Leistung?"},"content":{"rendered":"<p>Mit diesem mittlerweile legend\u00e4ren Zitat m\u00f6chte ich meinen Angek\u00fcndigten R\u00fcckblick auf\u00a0 fast 7 Wochen Haiti beginnen.<\/p>\n<p>Bisher konntet Ihr Heiteres, Ernstes, Wirkliches, Ertr\u00e4umtes und auch manches zum Schmunzeln lesen. Was habe ich hier tats\u00e4chlich weiter gebracht? Hab ich ausser zu bloggen auch sinnvolles gemacht oder gar Leben gerettet?<\/p>\n<p>Nein, ich habe keine Leben gerettet. Klingt jetzt f\u00fcr einen Arzt nicht wirklich ermutigend. Ich bin aber auch nie m\u00fcde geworden zu betonen, dass ich hier nicht als Arzt gearbeitet habe. Ich war HP (hygiene promotion) Experte it medizinischem Background. DAS ist ein gro\u00dfer Unterschied. meine Arbeit war von allem Anfang an nicht PatientInnen zu betreuen, sie gar zu versorgen oder zu retten. Daf\u00fcr gibt es MSF (\u00c4rzte ohne Grenzen) oder andere NGOs (die Abk\u00fcrzung hatten wir schon). Meine Arbeit kann man nicht messen. Durch meine Arbeit haben nicht nachweislich 500 Menchen keine Cholera bekommen. Das ist das Problem auch mit Public Health. Nach Nichtraucherkampagnen kann man nicht sagen: dadurch haben wir 600 Nichtraucher mehr- also potentiell 15 F\u00e4lle weniger an Lungenkrebs. W\u00e4re cool..geht aber nicht.<\/p>\n<p>Also ich werde mal einen groben \u00dcberblick geben. Nicht alles war erfolgreich, manches auch etwas weniger..<\/p>\n<ul>\n<li>Zun\u00e4chst mal habe ich versucht, mein Team und auch die Volunteers mit Material zu versorgen. Nicht nur Chlor, Plakate, usw&#8230; auch zum Beispiel Picture Cards (also Karten mit Bildern, die den Weg der Verunreinigung von Wasser und Lebensmitteln abbildet). Ich hatte ein Reservoir an viiiiielen Karten, aber trotzdem stellt jeder sein eigenes Kartenset zusammen- je nach Ziel. Schummelzettel f\u00fcr mein Team, Cholera Info Zettel,&#8230; Auch hier: man sitzt den ganzen Tag vorm Computer, hat nicht den Eindruck, etwas sinnvolles weiter zu bringen, aber es ist eine Arbeit, die gemacht werden muss.<\/li>\n<li>Wir haben unsere community volunteers mit Trainings unterst\u00fctzt, diese geschult, mit Material unterst\u00fctzt und so versucht Menschen zu motivieren, ihre wertvolle Arbeit zu leisten. Es geht hierbei um Hausbesuche in ihren communities, Schulungen- einfach Verbreitung der Infos zum Thema Cholera und ihre Pr\u00e4vention (Stichwort Picture Cards weiter oben). Dazu muss man sagen, dass es in unserer Region noch immer wieder mal Choleraf\u00e4lle gibt, die Zahl aber stetig ab nimmt. Nicht alles ist unserer Arbeit zu verdanken, aber t\u00e4glich durchschnittlich 20.000 (in Worten zwanzigtausend) Liter gechlortes und damit sicheres Wasser, die in den communities behandelt werden, sind ein wichtiger Teil der Arbeit.<\/li>\n<li>Zur weiteren Unterst\u00fctzung, Entwicklung neuer Ideen, Fragen,.. usw. fanden und finden immer wieder Meetings mit den Freiwilligen der communities statt. Ich habe dar\u00fcber berichtet<\/li>\n<li>Nachem der Bau der Shelter und damit der Latrinen beginnt, haben wir auch hier im Rahmen des Latrinenbaus eine Hygieneschulung geplant und implementiert um hier nochmals die Wichtigkeit\u00a0 einer sauberen Latrine, des H\u00e4ndewaschens,.. zu betonen und diese den Menschen im Ged\u00e4chtnis zu halten. Weniger Gefahr von Cholera, erh\u00f6hter Lebensstandard<\/li>\n<li>Wir haben versucht, in 8 Schulen H\u00e4ndesdesinfektion zu zeigen und die Schulen mit Chlor zu versorgen. Dies hat halb funktioniert. Leider oder zum Gl\u00fcck, das sei dahin gestellt, hat letzte Woche eine andere NGO in unserem Distrikt begonnen, an insgesamt \u00fcber 30 Schulen- unter anderem auch dem Gro\u00dfteil unserer- Seifen, K\u00fcbel, Chlor&#8230; zu verteilen. Ausserdem haben sie ein nettes Programm auf die Beine gestellt, um \u00e4ltere Sch\u00fcler quasi als &#8222;Big Brothers \/ Sisters&#8220; zu trainieren. Nicht im Sinne von \u00dcberwachung, sondern als gutes Vorbild f\u00fcr die Kleinen. Nachdem das Budget gr\u00f6sser ist bzw. die NGO sich auf Schulen spezialisiert hat,konnten wir nach R\u00fccksprache die Versorgung auch unserer restlichen Schulen sicher stellen. Es ist einfach n\u00f6tig, um Doppelgleisigkeiten und evt. unterschiedliche Chlormengen zu vermeiden.\u00a0 Das passiert leider ab und zu, wenn so etwas ohne R\u00fccksprache durchgef\u00fchrt wird<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Ihr werdet Euch jetzt fragen, warum man unterschiedliche Chlormengen nehmen kann? Es geht hier um unterschiedliche Bed\u00fcrfnisse: wir forcierten die Desinfektion. Wobei Chlorwasser und Seife einander in der Wirkung weitgehend aufheben (Chlor wirkt als S\u00e4ure, Seife als Base). Deshalb propagiert die andere Organisation nur die Desinfektion von Wasser, die mit weniger Chlor einher geht. Hier wird aber das H\u00e4ndewaschen mit diesem Wasser und Seife empfohlen. Langer Rede kurzer Sinn: Zu viele K\u00f6che verderben den Brei.<\/em><\/p>\n<p>Ich verbuche dies unter : netter Versuch, leider nicht ganz geklappt. Das wichtigste: den Schulen wird weiter geholfen- ist ja egal von wem.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr haben wir einer Schule, Lumiere de Dieux, vermutlich einer der \u00e4rmsten Schulen auf der Latrinen- Priorit\u00e4tenliste ganz nach oben gesetzt. Da sollte sich bald etwas tun. Warum wir nicht mehr tun? Altes Problem: ohne entsprechende Unterlagen wie Urkunde \u00fcber das Eigentum des Grundes, offizielle Berechtigung,&#8230; also alles um beim Aufbau zu helfen sind uns die H\u00e4nde gebunden. Ich hoffe, sie haben bald alles zusammen. <figure id=\"attachment_1580\" aria-describedby=\"caption-attachment-1580\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/03\/IMGP0424.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1580\" src=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/03\/IMGP0424-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"225\" srcset=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/03\/IMGP0424-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/03\/IMGP0424-768x576.jpg 768w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/03\/IMGP0424-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1580\" class=\"wp-caption-text\">Die Schule steht schon seit einem Jahr.Erstaunlich<\/figcaption><\/figure>Latrinen sind schnell gebaut, im Notfall aber auch schnell wieder zugesch\u00fcttet, falls es Probleme mit dem Eigent\u00fcmer gibt. Ganz so b\u00fcrokratisch wollen wir nicht sein,auch wenn man von manchen Dingen leider nicht absehen kann.<\/p>\n<p>Um die Schule auch ein bisschen zu unterst\u00fctzen, werden wir den Weltwassertag dort auch feiern. Dies f\u00fchrt uns zum n\u00e4chsten Punkt<br \/>\nWWD: ich verbuche das mal als Erfolg, auch wenn er erst in 3 Tagen statt findet. Sollte es keine Hibernation (Ausgangssperre) geben- Morgen sind Wahlen und keiner weiss, wie es danach im Land aussieht- wird der Tag wie geplant statt finden. Das Material ist zumindest schon in der Schule. Ich denke, dass<a href=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/03\/IMGP0425.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-1581\" src=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/03\/IMGP0425-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/03\/IMGP0425-150x150.jpg 150w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/03\/IMGP0425-100x100.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a> jedem die Bedeutung von Wasser in jeder Form bewusst sein sollte. Von Lebensspender bis zum Todbringer ist hier alles m\u00f6glich. DAS wollen wir den Kindern n\u00e4her bringen und die Wichtigkeit, auf Wasser zu achten, weil es sehr wertvoll ist.<br \/>\nNicht zu vergessen die Meetings, die Treffen mit anderen NGOs, 108.351 Berichte schreiben, Kontakt zum Chef, nach Wien, was auch immer halten. Ja, da kam einiges zusammen.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich war es eine grosse Erfahrung, ich durfte viel lernen, durfte Wissen anwenden, Menschen, Freunde kennen lernen und meinen Durst nach neuen &#8222;Zivilisationen&#8220;\u00a0 stillen. Es ist immer sch\u00f6n, neue L\u00e4nder, Menschen zu entecken, sich an die jeweiligen Gepflogenheiten zu gew\u00f6hnen und sich anzupassen versuchen.<\/p>\n<p>Nein, das ist nicht mein letzter Blogbeitrag. Dies ist nur meine Zusammenfassung. Ich werde mich nochmals melden: das Geheimnis des WWD wird noch gel\u00f6st. Keine Angst.<\/p>\n<p>Ich hoffe, anders als in der Politik, das dies eine Ausreichende Erkl\u00e4rung auf die Frage war: WAS WAR EIGENTLICH MEI LEISTUNG?<\/p>\n<p>Somit werde ich nun meinen letzten Samstag Abend in unserem Haus in Leogane verbringen. A bientot.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit diesem mittlerweile legend\u00e4ren Zitat m\u00f6chte ich meinen Angek\u00fcndigten R\u00fcckblick auf\u00a0 fast 7 Wochen Haiti beginnen. 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