{"id":1608,"date":"2011-04-20T14:50:27","date_gmt":"2011-04-20T13:50:27","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/einsatz\/?p=1608"},"modified":"2011-04-20T14:50:27","modified_gmt":"2011-04-20T13:50:27","slug":"nach-misrata-und-zuruck-mit-der-mara-dolores","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/2011\/04\/20\/nach-misrata-und-zuruck-mit-der-mara-dolores\/","title":{"rendered":"Nach Misrata und zur\u00fcck mit der \u201aMaria Dolores\u2018"},"content":{"rendered":"<h3>Der erfahrene Notarzt, Chirurg und Tropenmediziner G\u00fcnter Kittel berichtet von seinem Einsatz in Libyen.<\/h3>\n<p>Heute, es ist Mittwoch vormittags, bin ich auf dem Schiff von Tobruk zur\u00fcck nach Malta und hoffe, euch dieses Mail am Abend von Malta schicken zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich sollte wir, ein dreik\u00f6pfiges Team des IKRK Sonntag um 3 Uhr fr\u00fch Malta Richtung Misrata mit der \u201aMara Dolores\u2018, einem modernen australischen F\u00e4hrschiff, verlassen haben. Nach 2 Stunden Fahrt gab es Maschinenschaden, was vorl\u00e4ufige Umkehr bedeutete. Sonntag abends ging es dann endg\u00fcltig los. In nicht ganz bequemer Stellung fanden wir etwas Schlaf. Am Montag Morgen versuchten wir dann, 24 Meilen vor der libyschen K\u00fcste, Kontakt mit dem libyschen Roten Halbmond aufzunehmen, was nicht gelang. Als wir uns langsam der K\u00fcste n\u00e4herten, sahen wir in nicht allzu weiter Entfernung von den Hafenanlagen von Misrata immer wieder Rauch aufsteigen, offensichtlich von Explosionen. Dem Kapit\u00e4n gelang es schlie\u00dflich, mit dem Hafen \u00fcber Funk zu sprechen. Er wurde angewiesen, zuzuwarten, die Lage sei zu gef\u00e4hrlich. Ein weiteres Schiff versuchte, in den Hafen einzulaufen. Kurze Zeit sp\u00e4ter kehrte es um, der Beschuss war zu nahe dem Hafen. Wir h\u00f6rten \u00fcber Funk, dass es NATO Luftschutz anforderte. Danach h\u00f6rten wir Flugzeuge, ein wenig unheimlich, sie waren nur zu h\u00f6ren, zu sehen war nichts.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1609\" aria-describedby=\"caption-attachment-1609\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/04\/P1050891.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1609 \" title=\"Die Hafenanlagen von Misrata - immer wieder steigt Rauch auf\" src=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/04\/P1050891-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" srcset=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/04\/P1050891-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/04\/P1050891-768x576.jpg 768w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/04\/P1050891.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1609\" class=\"wp-caption-text\">Die Hafenanlagen von Misrata - immer wieder steigt Rauch auf<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nun, nach einiger Zeit liefen wir dann in den Hafen ein. Misrata hat eine riesige Hafenanlage, riesige Kr\u00e4ne von Waagner Biro. Aber alles schien v\u00f6llig verlassen, unheimlich ruhig. Nach Stunden des Wartens tauchten einige Libyer auf, winkten uns zu und nach viel Gerede einigte man sich, die Fl\u00fcchtlinge in ein relativ sicheres Areal des Hafens mit LKW\u2019s zu bringen. Wir hatten eine Kapazit\u00e4t f\u00fcr 600 Leute. Haupts\u00e4chlich konzentrierten wir uns auf Fl\u00fcchtlinge aus dem Sudan, dem Tschad, Niger und Mali, da diese zum gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt am verwundbarsten scheinen. Au\u00dferdem einigten wir uns, ein paar libysche Familien an Bord zu nehmen, sowie einige Verwundete.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1615\" aria-describedby=\"caption-attachment-1615\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/04\/P1050897.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1615 \" title=\"Wartende Fl\u00fcchtlinge im Hafen von Misrata\" src=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/04\/P1050897-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" srcset=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/04\/P1050897-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/04\/P1050897-768x576.jpg 768w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/04\/P1050897.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1615\" class=\"wp-caption-text\">Wartende Fl\u00fcchtlinge im Hafen von Misrata<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dann ging alles zwar extrem langsam, aber geordnet vonstatten. Alles Fl\u00fcchtlinge wurden registriert, bekamen einen Platz zugewiesen. Nat\u00fcrlich kamen mehr als wir nehmen konnten. Aber auch die Abgewiesenen akzeptierten ohne Jammern ihr Schicksal, sie hatten ja begr\u00fcndete Hoffnung, mit dem n\u00e4chsten Transport mitgenommen zu werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1610\" aria-describedby=\"caption-attachment-1610\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/04\/P1050902.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1610 \" title=\"Alle Fl\u00fcchtlinge wurden registriert, bekamen einen Platz zugewiesen. \" src=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/04\/P1050902-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" srcset=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/04\/P1050902-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/04\/P1050902-768x576.jpg 768w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/04\/P1050902.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1610\" class=\"wp-caption-text\">Alle Fl\u00fcchtlinge wurden registriert, bekamen einen Platz zugewiesen. <\/figcaption><\/figure>\n<p>Wie ist die Lage in der Stadt? Interessanterweise waren die anwesenden Libyer sehr zuversichtlich und zeigten keinerlei Absicht, Misrata zu verlassen. Es g\u00e4be noch genug Essen, Wasser- und Stromversorgung werde langsam zu Problem, aber man helfe einander mit viel Idealismus. Die Versorgung mit Medikamenten und medizinischen Instrumenten sei schlecht, aber man komme noch zurecht. Die Verletzten w\u00fcrden entweder nach Tunesien oder \u00c4gypten gebracht.<\/p>\n<p>Die Fahrt nach Tobruk dann dauerte 16 Stunden, eine etwas anstrengende Nacht, die See war rauh, und viele der \u00fcber 600 Passagiere wurden seekrank. Abgesehen davon gab es keine Probleme. Die Mannschaft des Schiffes, in erster Linie Rum\u00e4nen und Filipinos, verhielt sich vorbildlich.<\/p>\n<p>In Tobruk warteten schon Ambulanzen und Busse, vom Roten Halbmond organisiert, um die Verletzten in Spit\u00e4ler und die Fl\u00fcchtlinge an die nahe \u00e4gyptische Grenze zu bringen.<\/p>\n<p>Uns blieb nicht viel Zeit zur Erholung. Nach einer Stunde brachen wir zur 24-st\u00fcndigen Fahrt zur\u00fcck nach Malta auf, um uns auf die n\u00e4chste Fahrt vorzubereiten.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.google.at\/maps\/ms?hl=de&amp;gl=at&amp;ie=UTF8&amp;oe=UTF8&amp;msa=0&amp;msid=201800357162683374155.0004a159f4bc8cadc4c33\">Die Schiffs-Evakuierung wurde auf Google-Maps nachgezeichnet, um einen Eindruck zu bekommen.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.icrc.org\/eng\/resources\/documents\/news-release\/2011\/libya-news-2011-04-18.htm\">Auch das IKRK berichtet in einer Pressemeldung vom Fl\u00fcchtlings-Evakuierungs-Transport, den G\u00fcnter Kittel begleitet hat.<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der erfahrene Notarzt, Chirurg und Tropenmediziner G\u00fcnter Kittel berichtet von seinem Einsatz in Libyen. 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