{"id":1775,"date":"2011-08-07T15:44:55","date_gmt":"2011-08-07T14:44:55","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/einsatz\/?p=1775"},"modified":"2011-08-07T15:44:55","modified_gmt":"2011-08-07T14:44:55","slug":"ankunft-in-addis-abeba","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/2011\/08\/07\/ankunft-in-addis-abeba\/","title":{"rendered":"Ankunft in Addis Abeba"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin diesen Montag in Addis Abeba, meiner neuen Duty Station f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre angekommen. Ich muss gestehen, dass ich ein etwas mulmiges Gef\u00fchl im Bauch hatte, als ich in Wien ins Flugzeug stieg, wohl auch, weil die derzeitige D\u00fcrrekatastrophe am Horn von Afrika einem wieder einmal dramatisch vor Augen f\u00fchrt, wie viel Verantwortung Helfer in komplexen Krisensituation schultern, vor allem, wenn sie wie ich F\u00fchrungs- und Koordinationsaufgaben \u00fcbernehmen. Auch wenn es nicht das erste mal ist, dass ich in so einer Situation bin, so ist \u00c4thiopien doch ein Neubeginn mit wieder ne\u00fcn Herausforderungen, auf die ich mich zwar freue, aber auch irgendwie Angst davor habe, nicht das Bestm\u00f6gliche f\u00fcr die Not und Mangel leidenden Betroffenen mit den mir zur Verf\u00fcgung gestellten Mitteln herauszuholen. Gar nicht einfach, sich das in einer Welt, in der nur Sieger und \u201eWe Can Typen\u201c z\u00e4hlen, einzugestehen. Also los geht\u2019s.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_1777\" aria-describedby=\"caption-attachment-1777\" style=\"width: 500px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/08\/AddisAbeba.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-1777  \" title=\"AddisAbeba\" src=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/08\/AddisAbeba-300x225.jpg\" alt=\"\" width=\"500\" srcset=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/08\/AddisAbeba-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/08\/AddisAbeba-768x576.jpg 768w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/08\/AddisAbeba-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2011\/08\/AddisAbeba.jpg 1152w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-1777\" class=\"wp-caption-text\">Ankunft in der \u00c4thiopischen Hauptstadt Addis Abeba<\/figcaption><\/figure>\n<h2>Ankunft in Addis Abeba<\/h2>\n<p>In Addis wurde ich herzlich von meinen beiden \u00d6RK Kollegen Omar und Seifu am Flughafen empfangen. Es ist ziemlich regnerisch und kalt, was f\u00fcr die Jahreszeit im Hochland von Abbessinien (Addis liegt auf 2.400 m H\u00f6he) normal ist. Man sollte nicht glauben, dass nur wenige hundert Kilometer weiter eine D\u00fcrrekatastrophe w\u00fctet. Die ersten Tage vergingen dann, wie nicht anders zu erwarten, mit vielen Antrittsbesuchen und Formalit\u00e4ten, die zu erledigen sind, um sich eine funktionierende pers\u00f6nliche Infrastruktur aufzubauen. Zum Gl\u00fcck hatte ich schon die letzten Monate gut Gelegenheit, mich in den Kontext der \u00d6RK Projekte hier einzuarbeiten und so kann ich leichter in die laufenden Aufgaben und Problemstellungen einsteigen. Arbeit gibt es jedenfalls genug, um die manchmal kurz aufflackernden Heimwehanf\u00e4lle zu unterdr\u00fccken. Heute ist schon Samstag und ich bin noch nicht ein einziges Mal zum Spazierengehen gekommen. Hotel, B\u00fcro, Meetings, \u00c4mter und wieder Hotel, so sahen die letzten Tage aus. Stadterkundungen werden wohl noch warten m\u00fcssen&#8230; Vielleicht ein erster Spaziergang heute Nachmittag oder am Sonntag, wenn ich dann auch mit Hilfe meines Kollegen Seifu nach einer Behausung zu suchen beginnen werde. Ganz gr\u00fcn ist mir die ne\u00fc Umgebung mit Unmengen an Menschen, Bettlern (viele davon schwer behindert oder Kinder), Trickbetr\u00fcgern und dichtem Verkehr auf Stra\u00dfen mit nicht vertrauten Namen ohnedies vorerst nicht. Aber das braucht wohl noch viel mehr Zeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Die D\u00fcrekatastrophe und ihre Gr\u00fcnde<\/h2>\n<p>Die katastrophale Situation\u00a0im\u00a0S\u00fcden \u00c4thiopiens\u00a0ist durch den Ausfall der Regenf\u00e4lle im Okt-Nov 2010 gefolgt vom Ausfall der Hauptregenzeit von M\u00e4rz bis Mai 2011 begr\u00fcndet. Die Miniregenf\u00e4lle, die normalerweise die Situation zwischen Juni und Juli auffetten,\u00a0sind heuer ebenfalls komplett weggefallen. Dadurch hat sich eine kritische Wassersituation in den betroffenen Gebieten ergeben, die bisher nach unterschiedlichen Sch\u00e4tzungen bis zu 1 Mill Rinder get\u00f6tet hat. Das hei\u00dft z.B. f\u00fcr \u201ewohlhabende\u201c Familien die fr\u00fcher 500 Rinder hatten, dass ihnen gerade noch 100 bleiben, f\u00fcr die Mehrheit der Kleinpastoralisten \u2013 also Hirten, die \u00fcblicherweise Herden von 50 \u2013 100 St\u00fcck Vieh haben aber bedeutet es, dass sie auf 1-2 Tiere reduziert wurden. Wenn nicht unmittelbar Hilfe \u2013 Anliefern von Wasser mit Tankwagen, Viehfutterverteilung \u2013 initiiert wird, werden bis zum hoffentlichen Einsetzen der Oktober \u2013 November Regenf\u00e4lle in vielen Gemeinden so gut wie alle Tiere tot sein. Und was dann?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Besonders gef\u00e4hrdet: die Alten<\/h2>\n<p>Unterdessen sind vor allem die \u00c4lteren in den D\u00f6rfern extrem gef\u00e4hrdet vom Hunger, da es in dieser Gegend Tradition ist, dass sie als letztes essen, nachdem die Kinder und J\u00fcngeren gegessen haben. Wohlgemerkt freiwillig! Das gr\u00f6\u00dfere Problem der anlaufenden Hilfe ist im Moment logistischer Natur, da viele Gegenden nur schwer zug\u00e4nglich sind,\u00a0aber noch viel mehr die ben\u00f6tigten Lebensmittel nicht in \u00c4thiopien vorhanden sind und somit die Beschaffung von au\u00dferhalb erfolgen muss. Die hohen Preise f\u00fcr Lebensmittel schlie\u00dflich und die generelle Knappheit essentieller G\u00fcter in den lokalen M\u00e4rkten verschlimmert die Situation noch weiter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Wassermangel f\u00fchrt zu Krankheit<\/h2>\n<p>Durch die unzureichende Trinkwasserversorgung sind bereits verst\u00e4rkt Masern und Durchfallerkrankungen aufgetreten. Durch den Mangel an Wasser und Nahrung gehen Kinder nicht mehr zur Schule. Die Notwendigkeit, mit den wenigen verbleibenden Tieren auf der Suche nach Wasserstellen und Weidepl\u00e4tzen permanent herumzuziehen, versch\u00e4rft diese Situation noch. Schulausspeisungsprogramme sind hier dringend gefragt, um die Kinder vor noch gr\u00f6\u00dferem Schaden zu bewahren. Kleinkinder werden in vielen betroffenen Gemeinden nur noch mit gezuckertem Wasser gef\u00fcttert, da ein Becher Milch, der normalerweise 2-3 Birr kostet, jetzt 15 Birr kostet. Das ist erschreckend, wenn man bedenkt, dass Milch f\u00fcr die Hirten eine Hauptnahrungsgrundlage darstellt und mit Masse nicht mehr von den eigenen Tieren gewonnen werden kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Die Organisation der Hilfe<\/h2>\n<p>Alle sind sich einig, dass dringend und schnell eine koordinierte Verst\u00e4rkung der Hilfsma\u00dfnahmen im Bereich Wasserversorgung und Nahrungsmittelhilfe flankiert von Rehabilitierung von Brunnen, Wasserstellen und Irrigierungsnetzen von den Hilfsorganisationen in enger Zusammenarbeit mit den zust\u00e4ndigen Regierungsstellen n\u00f6tig ist,\u00a0um eine Megakatastrophe zu verhindern, bei der wir dann Hungertote anstatt, wie zur Zeit noch, Tierkadaver z\u00e4hlen. Fragt sich nur, ob daf\u00fcr gen\u00fcgend Mittel vorhanden sein werden. Mal sehen was bei Nachbar in Not und anderen international angelaufenen Spendenaufrufen so reinkommt. Das \u00c4thiopische Rote Kreuz arbeitet unerm\u00fcdlich mit seinen Freiwilligen, um die entlegenen Dorfgemeinschaften mit den vorhandenen Mitteln zu unterst\u00fctzen und hofft auf mehr finanzielle Unterst\u00fctzung um ihre Hilfsma\u00dfnahmen gemeinsam mit den t\u00e4glich eintreffenden Rotkreuz- Kollegen aus verschiedenen L\u00e4ndern auszuweiten. In der zwischen Zeit treffen laufend weitere Informationen im ERCS (Ethiopean Red Cross Society) Hauptquartier aus verschiedenen Landesteilen ein, die ein immer dramatischer Bild der Situation und m\u00f6glicher noch katastrophalerer Entwicklungen, wenn die n\u00e4chste Regenzeit wieder unergiebig ausf\u00e4llt bzw. den betroffenen Menschen nicht geholfen wird, zeigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die n\u00e4chsten Wochen werden sicher sehr spannend und ich freue mich besonders auf die anstehenden Projektbesuche, bei denen ich dann Gelegenheit bekommen werde, sowohl den Norden als auch den S\u00fcden des Landes wieder zu sehen. Als Tourist war ich ja 2002 schon mal, wenn auch unter ganz anderen Umst\u00e4nden, dort.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h2>Spenden<\/h2>\n<p>Alle Informationen zur Rotkreuz-Hilfe in Afrika auf <a title=\"\u00dcbersichtsseite: Rotrkeuz-Hilfe am Horn von Afrika\" href=\"http:\/\/www.roteskreuz.at\/afrika\">www.roteskreuz.at\/afrika<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Nachbar in Not<\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/www.nachbarinnot.at\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" title=\"Nachbar in Not: Hunger in Ostafrika\" src=\"http:\/\/www.roteskreuz.at\/typo3temp\/pics\/dbdf72b705.gif\" alt=\"Nachbar in Not: Hunger in Ostafrika\" width=\"220\" height=\"278\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin diesen Montag in Addis Abeba, meiner neuen Duty Station f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre angekommen. 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