{"id":2473,"date":"2012-09-27T14:23:43","date_gmt":"2012-09-27T13:23:43","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/einsatz\/?p=2473"},"modified":"2012-09-27T14:23:43","modified_gmt":"2012-09-27T13:23:43","slug":"wuha-hiwot-now-hiwot-wuha-now","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/2012\/09\/27\/wuha-hiwot-now-hiwot-wuha-now\/","title":{"rendered":"Wuha Hiwot now \u2013 Hiwot Wuha now!"},"content":{"rendered":"<p>M\u00e4rz 2012, auf dem Weg von Addis Abeba nach Shasheme, f\u00fcnf Fahrstunden s\u00fcdlich der \u00c4thiopischen Hauptstadt, wo das \u00d6sterreichische Rote Kreuz, f\u00fcr das ich hier bin, das \u00c4thiopische Rote Kreuz beim Bau von Brunnen und der Arbeit mit l\u00e4ndlichen Gemeinden im Gesundheitsvorsorgebereich unterst\u00fctzt. Die Rift Valley Seen ziehen einer nach dem anderen am Fenster unseres Gel\u00e4ndewagens vorbei. Die Landschaft ist Afrika pur: Weites Land, gelbe Savanne, duerre Schirmakazien an schwefelfarbenen Seen und vulkangeformte Berge und H\u00fcgel im Hintergrund. Bloss letztere sieht man im Moment nur schemenhaft, denn die Luft ist voll mit Staub und alle paar Kilometer wirbelt eine Windhose den ausgetrockneten Boden hoch auf. Vor drei Monaten, als ich hier das letzte Mal durchkam, war alles viel gr\u00fcner, die Luft war klar und die Sicht ungetr\u00fcbt. Freilich, da war gerade die Hauptregenzeit zu Ende und Natur, Tier und Mensch atmeten auf, standen wieder in vollem Saft. Die schlimmsten Auswirkungen der D\u00fcrre von 2010-2011 war durch massive Nahrungsmittel- und Saatguthilfe gerade noch einmal abgewendet worden, auch wenn die Wiederstandskraft der Menschen nachhaltig gesch\u00e4digt wurde, weil die Herden jetzt nur noch einen Bruchteil der Gr\u00f6sse vor der D\u00fcrre haben und die, wenn \u00fcberhaupt je vorhanden gewesenen, bescheidenen Reserven restlos aufgezehrt sind.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2012\/09\/RS589_DSC_0458-scr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"850\" height=\"569\" class=\"alignright size-full wp-image-2478\" title=\"RS589_DSC_0458-scr\" src=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2012\/09\/RS589_DSC_0458-scr.jpg\" alt=\"Rotkreuz-Delegierter Klaus Palkovits in \u00c4thiopien\" srcset=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2012\/09\/RS589_DSC_0458-scr.jpg 850w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2012\/09\/RS589_DSC_0458-scr-300x201.jpg 300w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2012\/09\/RS589_DSC_0458-scr-768x514.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><\/a>Jetzt sind die Felder abgeerntet und alle warten sehns\u00fcchtig auf die Belg Regenf\u00e4lle, die kleine Regenzeit. Sie ist so wichtig f\u00fcr die Subsitenzbauern hier, die von der Hand im Mund leben. Nach der Hauptregenzeit von Juli bis September koennen sie die Ernte \u2013 Shorgum, Teff und andere Getreidesorten &#8211; einfahren, die ihnen f\u00fcr einige Monate Nahrung spenden, wenn der Regen gut war. Aber so ab Februar werden die Portionen Injera (das traditionelle Fladengericht der \u00c4thiopier, das meist mit Gem\u00fcse und manchmal etwas Fleisch t\u00e4glich zubereitet wird), die die Frauen fuer ihre Familien bereiten kleiner. Wenn die kleinen Regen dann ab Februar einsetzen, ist der Boden bereits gepfl\u00fcgt und die Saat vorbereitet fuer die zweite, k\u00fcrzere Vegetationsperiode, die im Juni geerntet werden soll. Dazwischen essen die einfachen Leute viele Kartoffeln und sonstige Wurzeln. Die kleinere Ernte im Juni n\u00e4hrt die Menschen dann (wenn hoffentlich die Kiremt Regenzeit, die grossen Regen, ergiebig waren) bis in den November, Dezember, wenn die grosse Ernte ansteht. Wenn man von weniger als einem Euro pro Tag lebt, wie die meisten Menschen hier und das ganze Einkommen nur aus der Landwirtschaft zieht, hat man keine Reserven, um Klimaph\u00e4nomene auszugleichen. Es heisst also Regen oder Hunger.<\/p>\n<blockquote><p>Wuha Hiwot now \u2013 Hiwot Wuha now &#8211; heisst es auf Amharisch \u2013 Wasser ist Leben \u2013 Leben ist Wasser. Nie war mir die Bedeutung dieser Binsenweisheit gegenw\u00e4rtiger als in diesen Tagen hier in \u00c4thiopien.<\/p><\/blockquote>\n<p>Jetzt ist schon fast der M\u00e4rz vorbei und noch immer ist kein Tropfen Regen gefallen. Es ist ein El Ninjo Jahr, sagen viele, da kann man nicht wissen, was mit dem Regen sein wird. Die Oromo hier, genauso wie die Amharen im Norden, die Somali im S\u00fcden und die Afar im Osten klagen alle, dass die Belg Regen ueber die letzten 10, 20 Jahre immer \u00f6fter unergiebig sind oder ganz ausbleiben. Klimawandel oder nicht, f\u00fcr Millionen von Kleinbauern am Horn von Afrika ist das keine akademische Frage sondern ein Ph\u00e4nomen, dessen Auswirkungen f\u00fcr sie den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeutet. Die Angst, dass der Regen wie im Vorjahr gar nicht kommt oder in minimalen Mengen, steht den sonst so stolzen Bewohnern dieser Region ins Gesicht geschrieben. Denn was ihnen und ihren Familien dann bevorsteht, wissen sie nur zu genau. Dann werden sie wieder hungern, werden das Saatgut essen, das sie zum Pflanzen vorgesehen hatten, werden sich in langen Schlangen zu Lebensmittelverteilungen anstellen, werden wieder vergeblich um das \u00dcberleben ihrer ohnehin schon dezimierten Herden k\u00e4mpfen. Viele werden diese t\u00e4glichen Kaempfe ums Ueberleben wieder verlieren \u2013 Mensch wie Vieh. Nicht weil sie mit Bl\u00e4hbaeuchen verhungern, sondern weil sie ohne Widerstandskr\u00e4fte den schwierigen Bedingungen ihrer Existenz im Wechselspiel der Natur nicht gewachsen sind. Weil sie ohne Wasser keine M\u00f6glichkeit haben auch nur die Basishygiene aufrecht zu erhalten, weil sie in ihrer Verzweiflung verunreinigtes Wasser und Lebensmittel zu sich nehmen und dann erkranken und sterben, an Durchfall, an Erk\u00e4ltungen und anderen Leiden, die man im reichen Norden nie und nimmer als lebensbedrohend einstufen wuerde. Ein stilles Verl\u00f6schen, wie der Tropfen Wasser, der in der trockenen Erde fast unbemerkt versickert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00e4rz 2012, auf dem Weg von Addis Abeba nach Shasheme, f\u00fcnf Fahrstunden s\u00fcdlich der \u00c4thiopischen Hauptstadt, wo das \u00d6sterreichische Rote<\/p>\n","protected":false},"author":26,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[40],"tags":[71,267,344,389],"class_list":["post-2473","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-athiopien","tag-bauern","tag-landwirtschaft","tag-regen","tag-sterben"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2473","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/users\/26"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2473"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2473\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2473"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2473"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2473"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}