{"id":2717,"date":"2013-07-16T10:17:33","date_gmt":"2013-07-16T09:17:33","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/einsatz\/?p=2717"},"modified":"2013-07-16T10:17:33","modified_gmt":"2013-07-16T09:17:33","slug":"in-manchen-orten-leben-mehr-syrer-als-libanesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/2013\/07\/16\/in-manchen-orten-leben-mehr-syrer-als-libanesen\/","title":{"rendered":"&#8222;In manchen Orten leben mehr Syrer als Libanesen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>Montagnachmittag einige Tage vor Ramadan: In der Moschee von Ketermaya sitzen rund 80 Menschen und warten geduldig. Die meisten von ihnen sind Frauen \u2013 viele davon mit Kindern. Vertreter der Stadtgemeinde und des Libanesischen Roten Kreuzes treffen einander, begr\u00fc\u00dfen sich und beginnen die Unterlagen, die sie in den H\u00e4nden halten, abzugleichen.<\/p>\n<p>Kurz zuvor ist ein Lastwagen des Libanesischen Roten Kreuzes vorgefahren. Heute findet die Verteilung von Hilfsg\u00fctern statt. Die Menschen, die so geduldig in der Moschee warten, sind Fl\u00fcchtlinge aus Syrien. In keinem anderen Land sind sie so zahlreich wie im kleinen Libanon. Nach offiziellen Angaben suchen rund 600.000 Frauen, M\u00e4nner und Kinder hier Zuflucht. Aber jeder wei\u00df, dass es bedeutend mehr sind. \u201eEs k\u00f6nnten rund eineinhalb Millionen Menschen sein\u201c, sagt George Kettaneh, Generalsekret\u00e4r des Libanesischen Roten Kreuzes. \u201eDiese Fl\u00fcchtlingswelle bringt ein Land wie den Libanon, der nur 4,5 Millionen Einwohner hat, an die Grenzen seiner Kapazit\u00e4ten. In manchen Orten leben bereits mehr Syrer als Libanesen.\u201c<\/p>\n<p>Vor dem LKW in Ketermaya hat sich indessen eine Menschenschlange gebildet. Mitarbeiter des Roten Kreuzes kontrollieren Berechtigungskarten und zerfledderte Ausweiskopien, bevor sie die Hilfspakete an die Fl\u00fcchtlinge verteilen. 7,7 Kilo wiegt ein solches Paket. Diesmal werden Hygieneartikel verteilt \u2013Waschmittel und Zahnb\u00fcrsten, Binden und Toilettenpapier. Dinge des t\u00e4glichen Bedarfs, denn die Fl\u00fcchtlinge mussten meist ihr gesamte Hab und Gut zur\u00fccklassen. Die Verteilung geht z\u00fcgig voran. Jene, die ihr Paket erhalten haben, machen sich umgehen auf den Weg zu ihren Familien. Die meisten \u2013 rund 60 Prozent \u2013 haben sich private Unterk\u00fcnfte gemietet. Kleine Wohnungen, Zimmer, Besenkammern oder Garagen. Andere sind bei Gastfamilien untergekommen. Gro\u00dfe Fl\u00fcchtlingslager \u2013 wie es sie zum Beispiel in der T\u00fcrkei gibt \u2013 l\u00e4sst der libanesische Staat nicht zu. Man m\u00f6chte unbedingt vermeiden, dass solche Camps zu permanenten St\u00e4dten werden. Diese Erfahrung haben die Libanesen n\u00e4mlich bereits gemacht. Knapp 400.000 pal\u00e4stinensische Fl\u00fcchtlinge leben im Libanon. Die meisten in Lagern, deren gr\u00f6\u00dftes in Ein Al-Hilweh liegt, nur wenige Kilometer von Ketermaya entfernt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2718\" aria-describedby=\"caption-attachment-2718\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2013\/07\/T2M6822.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2718\" alt=\"Das Libanesische Rote Kreuz verteilt in Ketermaya Hilfsg\u00fcter an syrische Fl\u00fcchtlinge.\" src=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2013\/07\/T2M6822-300x200.jpg\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2718\" class=\"wp-caption-text\">Das Libanesische Rote Kreuz verteilt in Ketermaya Hilfsg\u00fcter an syrische Fl\u00fcchtlinge.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Trotz aller gegenteiliger Bem\u00fchungen der Regierung sprie\u00dfen viele so genannte \u201ewilde\u201c Lager, in denen syrische Fl\u00fcchtlinge leben, aus dem Boden. 400 derartige Camps soll es bereits geben. Sie werden mangels Alternative geduldet. Der Lastwagen des Roten Kreuzes hat mittlerweile Ketermaya verlassen. Die Ladefl\u00e4che ist noch zu zwei Drittel voll. Ein freiwilliger Helfer, lenkt den 7,5-Tonner von der asphaltierten Landstra\u00dfe auf eine Schotterpiste. Nach einige Kurven und einem kr\u00e4ftigen Anstieg erreicht er ein Fl\u00fcchtlings-Camp. \u201eHier leben 161 Syrer\u201c, sagt Maurice Risk. Er ist Finanzdirektor des Libanesischen Roten Kreuzes. Da die heutige Verteilung in seiner Heimatregion stattfindet, ist er pers\u00f6nlich dabei. Er kontrolliert Ausweise und Berechtigungskarten und f\u00fchrt Buch \u00fcber die verteilten Pakete. Die freiwilligen Helfer stehen auf der Ladefl\u00e4che und reichen die Hilfsg\u00fcter den wartenden Menschen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2720\" aria-describedby=\"caption-attachment-2720\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2013\/07\/T2M6845.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2720\" alt=\"Im Fl\u00fcchtlingslager bei Ketermaya leben 30 syrische Familien. \" src=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2013\/07\/T2M6845-300x200.jpg\" width=\"300\" height=\"200\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2720\" class=\"wp-caption-text\">Im Fl\u00fcchtlingslager bei Ketermaya leben 30 syrische Familien.<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_2721\" aria-describedby=\"caption-attachment-2721\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2013\/07\/T2M6842.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-2721\" alt=\"Maurice Risk (l) und ein Freiwilliger des Libanesischen Roten Kreuzes bei einer Hilfsg\u00fcterverteilung.\" src=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2013\/07\/T2M6842-200x300.jpg\" width=\"200\" height=\"300\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2721\" class=\"wp-caption-text\">Maurice Risk (l) und ein Freiwilliger des Libanesischen Roten Kreuzes bei einer Hilfsg\u00fcterverteilung.<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Pakete reichen noch f\u00fcr zwei weitere Verteilungen \u2013 eine vor einer Moschee, die andere bei einem Gemeindezentrum. \u201eMorgen haben wir sieben Verteilungen geplant\u201c, erz\u00e4hlt Maurice Risk. Und dann? \u201eDann geht es weiter\u201c, sagt er und hebt die Schultern. Wie genau es weiter geht wei\u00df er auch nicht. Fest steht, dass die syrischen Fl\u00fcchtlinge noch lange Hilfspakete ben\u00f6tigen werden. Im August werden wieder Nahrungsmittelpakete verteilt, mit Reis, Zucker, Thunfisch, Margarine und Hummus. Die \u00f6sterreichische Entwicklungszusammenarbeit finanziert die Versorgung von 2.500 Familien mit solchen Paketen. Genauso viele Fl\u00fcchtlingsfamilien lassen sich seit Anfang des Jahres im Libanon registrieren \u2013 w\u00f6chentlich. Wieviele tats\u00e4chlich kommen und sich nicht registrieren lassen, wei\u00df niemand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Montagnachmittag einige Tage vor Ramadan: In der Moschee von Ketermaya sitzen rund 80 Menschen und warten geduldig. 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