{"id":2874,"date":"2014-07-06T18:20:59","date_gmt":"2014-07-06T17:20:59","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/einsatz\/?p=2874"},"modified":"2014-07-06T18:20:59","modified_gmt":"2014-07-06T17:20:59","slug":"dead-body-management","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/2014\/07\/06\/dead-body-management\/","title":{"rendered":"Dead Body Management"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">Was wie eine wissenschaftliche Definition klingt ist in Wirklichkeit eine sehr sensible, wichtige und nicht ungef\u00e4hrliche Aufgabe, die wir Ende kommender Woche angehen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Alles in allem verstehen wir darunter T\u00e4tigkeiten, die neben dem Abtransport verstorbener Menschen, die Desinfektion des Leichnams und die \u00dcberwachung\u00a0des Begr\u00e4bnisses\u00a0auf der einen Seite die Desinfektion des Hauses des Verstorbenen, aller Gegenst\u00e4nde\u00a0und gegebenenfalls das Verbrennen einiger pers\u00f6nlicher Dinge auf der anderen Seite umfassen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Mitarbeiter sind sehr gut ausger\u00fcstet, muessen\u00a0aber tgl. aufpassen, nicht selbst zu erkranken &#8211; eine kleine Unachtsamkeit kann gen\u00fcgen. An ihnen haftet das Stigma des Todes, selbst wenn sie selbst nicht krank bzw. ansteckend sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir muessen\u00a0die Gef\u00fchle\u00a0der Angeh\u00f6rigen\u00a0respektieren und trotzdem auf die Sicherheit der Leute\u00a0beim Begr\u00e4bnis Acht geben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Klingt jetzt kompliziert&#8230;ist es auch&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dazu eine Geschichte, wie sie sich hier t\u00e4glich zutragen kann&#8230;<\/p>\n<blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\">Nun ein Vater\/ Sohn\/ Mutter\/ Tochter,.. ist verstorben. Dies ist schlimm genug. Jeder sagt, dass es Ebola war. Jeder sagt, dass ich mit diesem Menschen im Haus gelebt habe. Bin ich auch krank? Hab ich es? Ich habe Angst. Menschen kommen. Die \u201eAmbulanz\u201c kommt, um den Leichnam abzuholen. Sie tragen Ganzk\u00f6rperanz\u00fcge, haben Masken und Brillen auf. Ich darf den Leichnam nicht ber\u00fchren, mich verabschieden. Sie bespr\u00fchen\u00a0ihn mit Chlor, packen ihn in einen Sack und nehmen ihn mit. Wieder andere bespr\u00fchen\u00a0mein ganzes Haus, sagen mir, dass ich evt. auch krank sein k\u00f6nnte. Ich soll Menschenkontakt\u00a0meiden. Alle Nachbarn, das Dorf wissen es. Sie meiden mich&#8230; es gibt also ohnehin keinen Kontakt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mein Geld wird nicht angenommen, ich bin ausgegrenzt. Irgendwer von den Nachbarn erbarmt sich, bringt mir Essen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Leute, die den Verstorbenen abgeholt haben sagen, dass ich jetzt Besuch bekomme&#8230; jeden Tag&#8230; er oder sie wird mir Fragen stellen, wie es mir geht, ob ich erbreche, Durchfall habe, Schmerzen. Viele Menschen haben jetzt Schmerzen, Durchfall, Fieber&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Regenzeit und damit die Malariasaison haben begonnen. Hier hat jeder mal Durchfall&#8230;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Diesmal, so erkl\u00e4rt\u00a0man mir, soll ich mich melden, wenn ich Beschwerden bekomme. Dann wird mir Blut abgenommen und ich komme sicherheitshalber ins Ebolacenter\u00a0in <a title=\"Kailahun auf Google-Maps\" href=\"https:\/\/www.google.at\/maps\/place\/Kailahun\/@8.2580191,-11.4282917,8z\/data=!4m2!3m1!1s0xfa82a344c7ed7a5:0xa5ab548437ff5e03\">Kailahun<\/a>&#8230; wenn ich Gl\u00fcck\u00a0habe und es Sprit gibt. Es gibt f\u00fcr\u00a0den ganzen Distrikt Kailahun\u00a0drei spezielle Ambulanzwaegen, wovon einer defekt ist. \u00dcber\u00a0500.000 Einwohner hat Kailahun, auf einer Gr\u00f6sse\u00a0von ca. 60 x 60 km. Manchmal braucht es drei Tage bis sie Menschen holen. Eine Ambulanz ist in Wirklichkeit ein Gel\u00e4ndewagen, in dem bis zu 10 Menschen Platz finden m\u00fcssen. Potentielle F\u00e4lle und Erkrankte sitzen gemeinsam in dem Wagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Telefonnummer, die man anrufen soll ist eine Handynummer. Das Handynetz\u00a0war drei Tage zusammengebrochen. Also selbst wenn ich gewollt h\u00e4tte, ich h\u00e4tte\u00a0niemanden erreicht. Die Motorbiker, die hier quasi die Taxifahrer sind, weigern sich, mich mitzunehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Der Leichnam soll beerdigt werden. Alles riecht nach Chlor. Das Team hat Schutzkleidung an, schaut, dass alles OK ist. Der Imam bzw. der Pastor sprechen Gebete. Ich habe keine Ahnung, wer in dem Sack liegt, der begraben wird. Ich hoffe, es ist mein Angeh\u00f6riger. Alle meiden Koerperkontakt\u00a0untereinander &#8211; speziell aber mit mir. Sollte ich in den kommenden drei Wochen keine Probleme bekommen, sei ich nicht erkrankt. Das habe ich auch meinen Nachbarn erz\u00e4hlt. Sie glauben mir nicht wirklich. Auch sie haben Angst. Woher unsere Familie das bekommen hat wissen wir nicht. Man hat uns gesagt, dass es eventuell von dem toten Affen war, den wir gefunden haben, der zubereitet worden ist. Die Zubereitung h\u00e4tte schon gereicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auch ein anderer Nachbar wurde abgeholt- vor einigen Tagen schon. Er war krank, gestern hat man uns gesagt, dass er gestorben ist. Er war noch lebendig, als er weggebracht worden ist. Ob \u201eSIE\u201c das waren, die Leute mit den Masken, den Anz\u00fcgen? Ich habe geh\u00f6rt, die Kranken bekommen Spritzen, evt. wird Ihnen das Virus injiziert, &#8230; oder sie brauchen Organe, die sie unseren Freunden entnehmen und den Rest begraben \u201eSIE\u201c dann. Man sieht die Verstorbenen ja nicht mehr in diesen S\u00e4cken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Was ich jetzt machen werde? Das Dorf hat gestern versucht den letzten Wagen vom Gesundheitsministerium zu vertreiben. Sie haben Angst, dass \u201eSIE\u201c uns den Tod bringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ich werde wohl versuchen in ein anderes Dorf zu gehen&#8230; so schnell wie m\u00f6glich.. dort nimmt man mein Geld, man kennt mich nicht. Ich merke zwar, dass mich der Durchfall schw\u00e4cht, aber ich glaube nicht an dieses Ebolazeug. Ich werde einfach ganz fr\u00fch\u00a0starten, damit mich niemand sieht.. Ich habe Angst- Angst vor dem was kommt, was alle \u00fcber\u00a0mich denken und vor den Menschen in den Anz\u00fcgen, an denen der Tod haftet&#8230;..<\/p>\n<\/blockquote>\n<p style=\"text-align: justify\">Diesen Problemen stehen wir t\u00e4glich\u00a0gegen\u00fcber. Unsere Aufgabe ist es, einf\u00fchlsam\u00a0die Menschen zu informieren, sie zu betreuen und vor allem der grossen Mehrheit der Menschen die Angst zu nehmen. Es gibt ein Krankenhaus, in dem geholfen wird, es gibt Chance auf Heilung. Je mehr Menschen Angst haben, umso eher gibt es Zwischenf\u00e4lle, von denen das Rote Kreuz hier in Sierra Leone aber bisher verschont geblieben ist. Je mehr Menschen uns und unseren Botschaften vertrauen, umso mehr Menschen werden \u00fcberleben. Flucht ist hier keine L\u00f6sung<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Unsere Kolleginnen haben einen Slogan daf\u00fcr gefunden:<\/p>\n<h2 style=\"text-align: center\"><strong>\u201eSpread the words not the disease\u201c<\/strong><\/h2>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was wie eine wissenschaftliche Definition klingt ist in Wirklichkeit eine sehr sensible, wichtige und nicht ungef\u00e4hrliche Aufgabe, die wir Ende<\/p>\n","protected":false},"author":17,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[30],"tags":[134,180,200,414],"class_list":["post-2874","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-sierra-leone","tag-ebola","tag-geschichte","tag-hilfe","tag-tote"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2874","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/users\/17"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2874"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2874\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2874"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2874"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2874"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}