{"id":2986,"date":"2014-11-17T17:17:10","date_gmt":"2014-11-17T16:17:10","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/einsatz\/?p=2986"},"modified":"2014-11-17T17:17:10","modified_gmt":"2014-11-17T16:17:10","slug":"freitag-abend-in-monrovia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/2014\/11\/17\/freitag-abend-in-monrovia\/","title":{"rendered":"Freitag abend in Monrovia"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich sollte ich durchatmen. Ich habe in den letzten beiden Wochen 120 Stunden gearbeitet, Nachtschichten eingelegt, viele Menschen trainiert, Meetings besucht und versucht \u00fcberall zu helfen wo es n\u00f6tig war.<\/p>\n<p>Heute war mein letzter Arbeitstag- also theoretisch zumindest. Am Wochenende haben wir frei- theoretisch zumindest.<\/p>\n<p>Morgen ist um 11 Uhr das letzte Meeting mit der Leitung des Krankenhauses. Danach muss ich die Ergebnisse zusammenfassen und mein Handover- meine \u00dcbergabe vorbereiten.<\/p>\n<p>Am Montag fliege ich dann wieder nach Europa zur\u00fcck- nicht bevor ich bei uns eine \u00dcbergabe fertig gestellt habe, meine Ausr\u00fcstung wieder zur\u00fcck gegeben habe und noch ein letztes Mal zu Mittag gegessen habe. Mama SUSU macht die besten Schwamas hier im Ort.<\/p>\n<p>Nicht, dass es normal ist 60 Wochenstunden zu arbeiten, aber wir haben alles versucht, um die Er\u00f6ffnung der Geburtenstation rechtzeitig zu schaffen UND es hat Spass gemacht. Ansonsten herrscht die 40 Stunden Woche wie sonst auch.<\/p>\n<p>Ich nehme es vorweg: es geht sich nicht aus. Es heisst auf keinen Fall, dass das Projekt gescheitert ist, aber die Er\u00f6ffnung wird erst 1 Woche sp\u00e4ter als geplant statt finden. Bis dahin werden wir viel erreicht haben:<\/p>\n<ul>\n<li>Eine neue Triage (H\u00fctte, wo eine Voruntersuchung, Temperaturmessung und Befragung statt findet) wurde errichtet,<\/li>\n<li>ein kleiner Anbau wurde f\u00fcr Verdachtsf\u00e4lle umgebaut,<\/li>\n<li>1 neue Grube f\u00fcr scharfe Gegenst\u00e4nde,<\/li>\n<li>1 Grube f\u00fcr Plazentas wird gebuddelt worden sein.<\/li>\n<li>Wir haben 2 neue Ausg\u00e4nge gebaut,<\/li>\n<li>100 Personen mehrfach im Umgang mit der Schutzausr\u00fcstung (PPE) geschult,<\/li>\n<li>haben ein neues M\u00fcllsystem f\u00fcr potentiell infekti\u00f6sen Abfall eigef\u00fchrt,<\/li>\n<li>haben die Geburtenstation in verschiedene Zonen mit verschiedenem Risiko eingeteilt,<\/li>\n<li>haben mindestens 3 L\u00f6cher im Rohrsystem der Wasserleitung geflickt.<\/li>\n<li>Eine kaputte Pumpe wurde ersetzt.<\/li>\n<li>Das Leitungssystem wird hoch- gechlort um alle Bakterien abzut\u00f6ten<\/li>\n<li>SOPs (standard operating procedures) wurden erstellt und vorgestellt, dabei handelt es sich um Unterlagen, die erkl\u00e4ren, wer was wo an zieht und auf was man aufpassen muss.<\/li>\n<li>Ein Labor speziell f\u00fcr Ebola- Verdachtsf\u00e4lle wurde gewonnen<\/li>\n<li>Ebenso andere Organisationen, die im Notfall Ebola Patienten abholen und diese in Ebola Center (ETC) bringen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dazwischen habe ich geschlafen gegessen und ab und zu sogar Video geschaut.<\/p>\n<p>Das Spital wird von uns auch weiter mit PPE (Schutzausr\u00fcstung) unterst\u00fctzt und laufend geschult.<\/p>\n<p>Wir sind hier in der Delegation des <a href=\"https:\/\/www.icrc.org\/eng\/where-we-work\/africa\/liberia\/overview-liberia.htm\">Internationalen Kommitees des Roten Kreuzes<\/a> (IKRK) eine kleine HEALTH Abteilung:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"padding-left: 30px\">1 Chef<\/li>\n<li style=\"padding-left: 30px\">2 Mitarbeiter (1 ein Kollege- m\u00e4nnliche Hebamme und ich)<\/li>\n<li style=\"padding-left: 30px\">1 Field Officer- ein Kollege aus Liberia, der auch als Trainer fungiert und die Projekte betreut.<\/li>\n<\/ul>\n<p>W\u00e4hrend die anderen ihre Projekte weiter entwickeln, war die Wiederer\u00f6ffnung mein Projekt.<\/p>\n<p>Mit dem Personal gemeinsam konnten wir alles auf Schiene bringen- es wird toll. Derzeit werden 2 kleinere Spitalsambulanzen im Umgang mit PPE trainiert. Sie sind bereits das ganze Jahr ohne Unterbrechung ge\u00f6ffnet und bisher sind sie von Ebola verschont geblieben. Durch unsere Unterst\u00fctzung soll es auch so bleiben. Weitere drei sind geplant und wurden auch schon besucht.<\/p>\n<p>Inzwischen scheint sich die Lage hier zu beruhigen. Es werden langsam weniger F\u00e4lle, wobei man speziell jetzt aufpassen muss. Wir sind noch weit von der Bew\u00e4ltigung entfernt und wenn man jetzt sorglos wird, kann die Fallzahl schnell wieder zunehmen. Es wird deshalb besser, weil die Richtlinien (H\u00e4ndewaschen, Vermeidung von K\u00f6rperkontakt,..) greifen.<\/p>\n<p>Auf jeden Fall versuchen jetzt immer mehr andere Organisationen unserem Beispiel zu folgen und wie das IKRK die medizinische Grundversorgung wieder herzustellen. Menschen werden weiterhin krank, Kinder werden geboren, Operationen m\u00fcssen gemacht werden.<\/p>\n<p>Es fehlt an Personal- in unserem Krankenhaus hat sich gerade die Anzahl der Arzte auf 5 insgesamt ERH\u00d6HT, wobei der Chefarzt 72 Jahre altist.<\/p>\n<p>Mit 8 Betten werden wir in 9 Tagen starten, danach langsam auf bis zu 20 Betten erh\u00f6hen. In weiterer Folge wird die Schwangerschaftsambulanz er\u00f6ffnet- um ein HIV und Malaria Screening f\u00fcr die werdenden M\u00fctter zu erm\u00f6glichen. Auf diese Weise wird wieder ein St\u00fcckchen Normalit\u00e4t in Monrovia einkehren und ich kann dem Land guten Gewissens den R\u00fccken kehren.<\/p>\n<p><strong>Es ist f\u00fcr mich ein sch\u00f6ner Abschluss. Ein Jahr voller toter Menschen, voller Erkankung, voller \u00e4ngstlicher Freunde und Familien, voller Medienpr\u00e4senz und vieler Erfahrungen geht damit langsam zu Ende. Sollte die Seuche unter Kontrolle gebracht werden, ist meine Hilfe nicht mehr von N\u00f6ten. Wenn nicht gibt es vielleicht ein Wiedersehen.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich sollte ich durchatmen. 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