{"id":3172,"date":"2016-07-11T20:02:03","date_gmt":"2016-07-11T19:02:03","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/einsatz\/?p=3172"},"modified":"2016-07-11T20:02:03","modified_gmt":"2016-07-11T19:02:03","slug":"was-wurde-eigentlich-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/2016\/07\/11\/was-wurde-eigentlich-aus\/","title":{"rendered":"Was wurde eigentlich aus&#8230;"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2016\/07\/WP_20160709_09_27_15_Selfie.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3177 alignleft\" src=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2016\/07\/WP_20160709_09_27_15_Selfie-168x300.jpg\" alt=\"Mit Lumia Selfie aufgenommen\" width=\"168\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2016\/07\/WP_20160709_09_27_15_Selfie-168x300.jpg 168w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2016\/07\/WP_20160709_09_27_15_Selfie-768x1368.jpg 768w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2016\/07\/WP_20160709_09_27_15_Selfie-575x1024.jpg 575w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2016\/07\/WP_20160709_09_27_15_Selfie.jpg 916w\" sizes=\"auto, (max-width: 168px) 100vw, 168px\" \/><\/a><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Erinnern Sie sich noch? Vor etwa einem Jahr um diese Zeit war sie da: Die sogenannte Fl\u00fcchtlingswelle. Ein Strom von 1.000en Menschen, die vor Zerst\u00f6rung und Krieg flohen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Erinnern Sie sich noch? Es folgte eine Welle der Hilfebereitschaft. Viele kleine und gro\u00dfe Organisationen, tausende freiwillige HelferInnen, die an den Bahnh\u00f6fen, den Grenzen, in den Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften gearbeitet haben und auch noch arbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Und pl\u00f6tzlich wurde es still. 10.000e Fl\u00fcchtlinge strandeten in Griechenland und konnten nicht weiter. Die EU hatte und hat versagt. Die Menschen wurden zu Marionetten in politischen Spielchen und Machtk\u00e4mpfen auf allen Ebenen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Idomeni mit seinem Elend, mit seinem Schlamm wurde tats\u00e4chlich ein Synonym f\u00fcr die Schlammschlacht, der sich die Gesellschaft ausgesetzt sah. Ich durfte zwei Wochen dort helfen und habe Dinge gesehen, die man in Europa nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten hat und eigentlich bei uns nicht sehen darf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nach f\u00fcnf Monaten bin ich nach Griechenland zur\u00fcck gekehrt. Abermals versuchen das internationale Team aus Deutschen, FinnInnen, JapanerInnen und \u00d6sterreichern, inkl. mir, den Menschen dort zu helfen. Idomeni ist Geschichte, aber die Menschen, die dort ausgeharrt und gehofft haben, wurden jetzt auf mehrere Fl\u00fcchtlingslager aufgeteilt. Drei davon betreut das internationale Rotkreuz-Team<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nea Cavalla, Cherso und Softech sind Camps mit je etwa 1.500 bis 2.500 BewohnerInnen. Die Voraussetzungen haben<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">sich ge\u00e4ndert. Es ist organisierter, weniger Menschen in den Lagern, bessere Hilfe ist m\u00f6glich<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nachdem ich eine abenteuerliche Anreise \u00fcber Sarajevo nach Thessaloniki hatte- Direktflug w\u00e4re auch zu fad gewesen- fand ich mich in Kilkis wieder. Hier ist quasi die Operationsbasis des RKs. Neben den \u00f6sterreichischen Hygienespezialisten, die bereits seit einigen Wochen hier tolle Arbeit verrichten, befindet sich hier auch das BHC Modul (Basic Health Care).<br \/>\nJe nach Verf\u00fcgbarkeit von Personal sind pro Camp bzw. pro Team minimum 1 Arzt, 1 Krankenschwester\/ Pfleger, 1 Kinderkrankenschwester bzw. Pfleger und eine Hebamme. Au\u00dferdem haben wir eine Psychologin, die eine Art Selbsthilfegruppe hier betreut- jeweils in einem Lager eine.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Was hat sich ge\u00e4ndert?<br \/>\nZun\u00e4chst einmal haben wir t\u00e4gliche \u00d6ffnungszeiten von 9 bis 17 bzw. 18 Uhr. Davor und danach gibt es keine Versorgung durch uns. Es muss hier genauso 112 angerufen werden. Dies wird von den Menschen sehr gut angenommen.<br \/>\nDa das Wetter deutlich besser ist als letztes Mal, \u00e4ndern sich auch die typischen Krankheiten, die wir betreuen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2016\/07\/WP_20160710_08_41_33_Pro.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-3174\" src=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2016\/07\/WP_20160710_08_41_33_Pro-300x169.jpg\" alt=\"WP_20160710_08_41_33_Pro\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2016\/07\/WP_20160710_08_41_33_Pro-300x169.jpg 300w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2016\/07\/WP_20160710_08_41_33_Pro-768x432.jpg 768w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2016\/07\/WP_20160710_08_41_33_Pro-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2016\/07\/WP_20160710_08_41_33_Pro.jpg 1632w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Zur Erinnerung: im M\u00e4rz hat es 14 Tage fast ohne Unterlass geregnet. Viele Infekte der Atemwege waren die Folge. Momentan haben wir einerseits den Ramadan sein einigen Tagen vorbei, w\u00e4hrend dessen es gelegentlich einen Kollaps gegeben hat. Andererseits haben wir weit \u00fcber 35 Grad Au\u00dfentemperatur und Spitzenwerte von \u00fcber 40\u00b0 im Zelt. Daher ist vor allem die Gefahr der Dehydrierung, also Austrocknung, gro\u00df. Mein Verbrauch an Ibuprofen hat sich auch drastisch reduziert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es gibt ein Programm, mit dem Daten der Patienten anonymisiert an das griechische RK gesendet werden. Dieses sammelt die Daten aus ganz Griechenland, um potentielle Krankheitsausbr\u00fcche fr\u00fchzeitig zu erkennen. Durchfall, mit und ohne Blut, Verdacht auf parasit\u00e4re Erkrankungen, V.a. Masern,&#8230; m\u00fcssen gemeldet werden, um Vorsichtsma\u00dfnahmen zu veranlassen. Da die Auflagen der Medikamenten Einfuhr auch strenger geworden sind, ist es z.B. nicht mehr so einfach Ivermectin einzuf\u00fchren. Dises Medikament ist im Gegensatz zu \u00d6sterreich in Deutschland erlaubt. Es ist gegen Skabies- die Kr\u00e4tzmilbe- sehr gut wirksam, ist aber auch in Griechenland nicht zugelassen. F\u00fcr Lager ist es die ideale Erg\u00e4nzung der Medikation. Aber wir werden sicher Alternativen finden (m\u00fcssen).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2016\/07\/WP_20160710_08_41_43_Pro.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-medium wp-image-3175\" src=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2016\/07\/WP_20160710_08_41_43_Pro-300x169.jpg\" alt=\"WP_20160710_08_41_43_Pro\" width=\"300\" height=\"169\" srcset=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2016\/07\/WP_20160710_08_41_43_Pro-300x169.jpg 300w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2016\/07\/WP_20160710_08_41_43_Pro-768x432.jpg 768w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2016\/07\/WP_20160710_08_41_43_Pro-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2016\/07\/WP_20160710_08_41_43_Pro.jpg 1632w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Heute hatte ich noch Ben, einen deutschen Kinderarzt an meiner Seite. Dieser verl\u00e4sst uns morgen aber. Mit mir kam aber auch Daniela, eine sehr kompetente und nette Kinderkrankenschwester, die Ben ersetzen wird.<br \/>\nDas Patientenaufkommen hat sich etwas ge\u00e4ndert, wobei heute Sonntag war und wir es eher ruhig hatten. 66 PatientInnen in 9 Stunden sind ein guter Schnitt. Dies l\u00e4sst genug Zeit, um sich l\u00e4nger um die Damen, Herren und Kinder zu k\u00fcmmern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Fahrzeit in das Lager h\u00e4lt sich mit knapp 25 min. auch im Rahmen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wie \u00fcblich herrscht ein Mangel an \u00c4rzten. Gestern kam auch ein japanischer Arzt an. Gemeinsam werden wir das Kind schon schaukeln. Ich werde jetzt mal zumindest 8 Tage durcharbeiten (wie auch die anderen \u00c4rztInnen), da wir 3 \u00c4rztInnen f\u00fcr 3 Camps haben und mein Einsatz nur 14 Tage dauert, ist das f\u00fcr mich auch OK so.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In Summe ist die Stimmung im Team sehr gut. Virpi ist unsere Teamleaderin, also Chefin. Ich kenne sie aus Haiti, sie war die Leiterin des Health Centers des Roten Kreuzes in Port au Prince. Auch hier ist es sch\u00f6n, sie wieder zu sehen. \u00dcberhaupt sieht man hier wieder, wie klein die Welt bzw. die Rotkreuz Familie ist. Der eine war mit meiner Frau in Liberia, der andere mit mir in Haiti. Wir als HelferInnen sind schon ein eigener Schlag von Menschen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wir halten zusammen und behalten Ruhe. Immer wieder mal muss ein Team evakuiert werden- so auch heute, weil es passieren kann, dass es im Camp zu einem Raufhandel kommt. Dies h\u00f6rt sich jetzt schlimmer an, als es ist, aber es reicht schon, wenn sich vier Menschen streiten und evt. in die Haare bekommen. Das Problem w\u00e4re dann eines, wenn alle vier verletzt w\u00fcrden und durch ihre Familien zu uns gebracht w\u00fcrden. Da sind Streitereien manchmal vorprogrammiert. Da auch bei uns Eigenschutz vor Fremdschutz geht, versuchen wir in diesen F\u00e4llen einfach vorsichtig zu sein. Es kam auch schon vor, dass das Team mit dem Wagen aus dem Camp gefahren ist und dann einfach die Verletzten der Reihe nach zu uns bringen hat lassen. Dies kommt nicht so oft vor, trotzdem muss man auf der Hut sein. Was man nicht vergessen darf: auch hier sitzen die Menschen zum Teil bereits \u00fcber Monate fest. Es geht nicht vorw\u00e4rts noch zur\u00fcck. Es gibt keine Arbeit, keine Besch\u00e4ftigung. Menschen sind frustriert, werden auch hier zum Teil nicht gemocht.. Da kann sich so etwas mal entladen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ein anderer Punkt ist, dass wir alle Menschen gleich behandeln- dies ist ja Teil unserer Grunds\u00e4tze. Nichtsdestotrotz m\u00fcssen wir unseren PatientInnen auch klar machen, dass eine MRT Untersuchung auch f\u00fcr GriechInnen bis zu 5 Monate dauert. Da ist man aus \u00d6sterreich anderes gewohnt. Also muss man den Leuten zu verstehen geben, dass es leider genauso und nicht anders funktioniert und die Wartezeiten normal sind. Es ist schwer f\u00fcr alle helfenden Seiten, da wir keine Besserstellung von Fl\u00fcchtlingen wollen,aber eine Gleichberechtigung in med. Belangen. Aber alleine das kann zu Spannungen f\u00fchren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Was zu sehen ist ist, dass viele kleine Organisationen in den Camps helfen!!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Gemeinsam werden wir unsere PatientInnen weder nach \u00d6sterreich bringen, noch Ihnen Perspektiven geben k\u00f6nnen. Aber wir werden sie betreuen, ihnen Hoffnung geben und sie gesund machen, so gut es geht. Allein das ist meine Aufgabe- einfach:<br \/>\n<strong>Aus Liebe zum Menschen.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erinnern Sie sich noch? Vor etwa einem Jahr um diese Zeit war sie da: Die sogenannte Fl\u00fcchtlingswelle. 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