{"id":3282,"date":"2017-10-13T12:51:13","date_gmt":"2017-10-13T11:51:13","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/einsatz\/?p=3282"},"modified":"2018-08-08T11:35:41","modified_gmt":"2018-08-08T09:35:41","slug":"bangladesch-rohingya-und-ein-etwas-anderer-einsatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/2017\/10\/13\/bangladesch-rohingya-und-ein-etwas-anderer-einsatz\/","title":{"rendered":"Bangladesch, Rohingya und ein etwas anderer Einsatz"},"content":{"rendered":"<p><strong>Seit Mitte August sind Hunderttausende Menschen vor Gewalt in Myanmar \u00fcber die Grenze nach Bangladesch geflohen. Als Delegierte des \u00d6sterreichischen Roten Kreuzes\u00a0helfen wir den Menschen sauberes Wasser zur Verf\u00fcgung zu stellen. <\/strong><\/p>\n<p>von Wilfried Hildenbrand<\/p>\n<figure id=\"attachment_3319\" aria-describedby=\"caption-attachment-3319\" style=\"width: 2000px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2017\/11\/RS17616_2017_09_27-10_23_Bangladesch-1301-lpr.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3319 size-full\" src=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2017\/11\/RS17616_2017_09_27-10_23_Bangladesch-1301-lpr.jpg\" alt=\"\" width=\"2000\" height=\"1500\" srcset=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2017\/11\/RS17616_2017_09_27-10_23_Bangladesch-1301-lpr.jpg 2000w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2017\/11\/RS17616_2017_09_27-10_23_Bangladesch-1301-lpr-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2017\/11\/RS17616_2017_09_27-10_23_Bangladesch-1301-lpr-768x576.jpg 768w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2017\/11\/RS17616_2017_09_27-10_23_Bangladesch-1301-lpr-1024x768.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 2000px) 100vw, 2000px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3319\" class=\"wp-caption-text\">Wilfried Hildenbrand installiert eine Wasserentnahmestelle in Bangladesch.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Als ich aus Wien den Anruf erhielt dachte ich noch: Da f\u00e4hrst du hin, holst eine Wasseraufbereitungsanlage f\u00fcr 40\u00a0000 Personen (M40) aus dem Lager und baust sie in Bangladesch auf. Schon bei den ersten Meetings stellte sich dann heraus, dass die Sache diesmal wohl ein wenig komplexer werden w\u00fcrde, und so bin ich am 27. September sp\u00e4tabends samt einer riesigen Kiste voller Laborequipment in Wien Schwechat gestartet.<\/p>\n<p>\u00dcber Dubai erreichte ich Dhaka \u2013 die Hauptstadt von Bangladesch \u2013 am n\u00e4chsten Abend. Es regnete stark. Wie fast schon \u00fcblich fehlte auch diesmal eine Kleinigkeit vom privaten Gep\u00e4ck und schon beim Ausf\u00fcllen des \u00fcblichen Formulars fiel mir die extreme Hilfsbereitschaft der Bengalen auf, die bis heute allgegenw\u00e4rtig ist. Leider war die Maschine in die Krisenregion, in die h\u00fcgelige Gegend in der Provinz Cox\u00b4s Bazar, f\u00fcr den n\u00e4chsten Tag bereits ausgebucht. Also musste ich einen Tag warten. Beim Einchecken am US Bengal Schalter die freudige \u00dcberraschung, dass meine 45 Kilo schweres \u00a0\u00dcbergep\u00e4ck ohne Aufzahlung mitgenommen wurden. Ein \u201eJa\u201c auch auf die Frage des Personals, ob ich f\u00fcr die <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2017\/38\/rohingya-vertreibung-myanmar-burma-britische-kolonialpolitik\">Rohingya<\/a> komme, war genug.<\/p>\n<p>Das Team, bestehend aus zwei Schweden, einem Italiener, einem Japaner und Anja Pfeifer-Maier aus der Steiermark (Anja ist unsere Labor-Lady und wartete schon sehns\u00fcchtig auf das mitgebrachte Equipment), erwartete mich schon, um mich umgehend \u00fcber alle Aktivit\u00e4ten zu informieren. Mittlerweile verst\u00e4rkt noch ein Australier unser Team, das zwar aus vielen L\u00e4ndern kommt, aber bestens zusammenarbeitet.<\/p>\n<p>Unser Einsatzgebiet sind zwar verschiedene Camps: Diese sind aber zusammengewachsen, sodass wir eigentlich von einem Camp mit verschiedenen Sektoren sprechen k\u00f6nnen. Das Managona Camp beherbergt rund 70\u00a0000 Fl\u00fcchtlingen, das Hakim Para Camp 20\u00a0000 Fl\u00fcchtlingen und das Burma Para Camp 16\u00a0000 Fl\u00fcchtlinge. Da wir aber die einzigen sind, die ein schnell anwendbares System f\u00fcr den Fall eines sektoralen Choleraausbruches haben, ist es m\u00f6glich, dass wir auch in anderen Teilen des Lagers zum Einsatz kommen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3287\" aria-describedby=\"caption-attachment-3287\" style=\"width: 2085px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2017\/10\/2017_09_27-10_23_Bangladesch-1079-2017_09_27-10_23_Bangladesch-10841.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-3287\" src=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2017\/10\/2017_09_27-10_23_Bangladesch-1079-2017_09_27-10_23_Bangladesch-10841.jpg\" alt=\"\" width=\"2085\" height=\"481\" srcset=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2017\/10\/2017_09_27-10_23_Bangladesch-1079-2017_09_27-10_23_Bangladesch-10841.jpg 2085w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2017\/10\/2017_09_27-10_23_Bangladesch-1079-2017_09_27-10_23_Bangladesch-10841-300x69.jpg 300w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2017\/10\/2017_09_27-10_23_Bangladesch-1079-2017_09_27-10_23_Bangladesch-10841-768x177.jpg 768w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2017\/10\/2017_09_27-10_23_Bangladesch-1079-2017_09_27-10_23_Bangladesch-10841-1024x236.jpg 1024w\" sizes=\"auto, (max-width: 2085px) 100vw, 2085px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-3287\" class=\"wp-caption-text\">Quartiere aus Holz und Plastik &#8211; so weit das Auge reicht.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Es ist beeindruckend, wie schnell die Fl\u00fcchtlinge ihr Leben hier organisiert haben. Sie haben in die H\u00fcgel Plattformen gegraben, H\u00fctten gebaut, und f\u00fcr jeden Block wurden offizielle Sprecher gew\u00e4hlt. Wenn wir kommen, k\u00f6nnen wir uns kaum der helfenden H\u00e4nde erwehren, die sofort zur Stelle sind und uns interessiert und dankbar unterst\u00fctzen, aber auch ihr vorhandenes Wissen einbringen. Normal installieren wir in der N\u00e4he eines solchen Camps bei einem verschmutzten S\u00fc\u00dfwasser- f\u00fchrenden Fluss oder See eine Trinkwasseraufbereitungsanlage und bringen das Wasser mit Lastwagen in das Camp. Wir befinden uns aber in der N\u00e4he des Meeres und bei Flut dringt Salzwasser in die B\u00e4che und Fl\u00fcsse, was eine Entnahme f\u00fcr uns unm\u00f6glich macht.<\/p>\n<p>In diesem Gebiet gibt es nur eine Stra\u00dfe, die an einer Seite am Camp vorbeif\u00fchrt und man muss zu Fu\u00df \u00fcber steile, ca. 20 Meter hohe H\u00fcgel hineinwandern. Da gerade Regenzeit ist, haben wir einen sehr hohen Wasserspiegel und es gibt eine Menge selbst installierter Handpumpen, die eiligst zwischen vier und 12 Meter tief geschlagen wurden. Diese sind durch die Latrinen allerdings fast zur G\u00e4nze mit E. Coli Bakterien hoch verseucht, wodurch die Durchfallerkrankungen ansteigen und ein Choleraausbruch bef\u00fcrchtet wird. Daher haben wir zwei unterschiedliche Systeme entwickelt.<\/p>\n<p>Bei einem System wird direkt bei den Handpumpen eine Chlorl\u00f6sung in die Gef\u00e4\u00dfe der Fl\u00fcchtlinge gegeben und beim anderen suchen wir Bohrl\u00f6cher, die genug Wasser f\u00fcr kleine Pumpen liefern um Tanks zu f\u00fcllen, Chlor beizumischen und dann das Wasser abzugeben. Da in ein bis zwei Monaten durch das baldige Ende der Regenzeit diese Bohrl\u00f6cher austrocknen werden, arbeiten wir mit Hochdruck an einem Plan, Tiefenbohrungen durchzuf\u00fchren und ein Verteilsystem zu installieren. Wir arbeiten sehr eng mit dem Bengalischen Roten Halbmond sowie den anderen ERU-Einheiten wie der MSM 20 (Spanier und Engl\u00e4nder) und dem Feldhospital (Norweger, Finnen und Alex ein alter Bekannter aus\u00a0 Kroatien) zusammen.<\/p>\n<p>Ein kleines Beispiel der extrem unterschiedlichen Herausforderungen, mit denen die Fl\u00fcchtlinge es hier zu tun haben m\u00f6chte ich noch anmerken: Da es hier noch wildlebende Elefanten gibt, und deren Wege direkt durch das Camp f\u00fchren, gab es schon einige Attacken, bei denen Verletzte und vor meiner Ankunft sogar zwei Tote zu beklagen waren. Ich hoffe einen kleinen Einblick in diese f\u00fcr die Fl\u00fcchtlinge so extreme Lage gegeben zu haben. Am 16. Oktober fliegen Marko Skodak und Gudrun Weidhofer nach Bangladesch, um mich und Anja abzul\u00f6sen. F\u00fcr das Rote Kreuz gibt es noch viel zu tun. Leider.<\/p>\n<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-3282 gallery-columns-2 gallery-size-thumbnail'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/2017\/10\/13\/bangladesch-rohingya-und-ein-etwas-anderer-einsatz\/olympus-digital-camera-14\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2017\/10\/2017_09_27-10_23_Bangladesch-1243JPG-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-3289\" srcset=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2017\/10\/2017_09_27-10_23_Bangladesch-1243JPG-150x150.jpg 150w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2017\/10\/2017_09_27-10_23_Bangladesch-1243JPG-100x100.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-3289'>\n\t\t\t\tEin Frau mit Hilfsg\u00fctern\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/2017\/10\/13\/bangladesch-rohingya-und-ein-etwas-anderer-einsatz\/olympus-digital-camera-17\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2017\/10\/2017_09_27-10_23_Bangladesch-1124JPG-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-3292\" srcset=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2017\/10\/2017_09_27-10_23_Bangladesch-1124JPG-150x150.jpg 150w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2017\/10\/2017_09_27-10_23_Bangladesch-1124JPG-100x100.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-3292'>\n\t\t\t\tBehelfsm\u00e4\u00dfige Br\u00fccke \u00fcber einen Fluss\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/2017\/10\/13\/bangladesch-rohingya-und-ein-etwas-anderer-einsatz\/olympus-digital-camera-18\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2017\/10\/2017_09_27-10_23_Bangladesch-1120JPG-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-3293\" srcset=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2017\/10\/2017_09_27-10_23_Bangladesch-1120JPG-150x150.jpg 150w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2017\/10\/2017_09_27-10_23_Bangladesch-1120JPG-100x100.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-3293'>\n\t\t\t\tAnja Pfeifer-Maier nimmt eine Wasser-Probe\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/2017\/10\/13\/bangladesch-rohingya-und-ein-etwas-anderer-einsatz\/olympus-digital-camera-20\/'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"150\" src=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2017\/10\/2017_09_27-10_23_Bangladesch-1107JPG-150x150.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" aria-describedby=\"gallery-1-3295\" srcset=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2017\/10\/2017_09_27-10_23_Bangladesch-1107JPG-150x150.jpg 150w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2017\/10\/2017_09_27-10_23_Bangladesch-1107JPG-100x100.jpg 100w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-3295'>\n\t\t\t\tCamp-Bewohner pumpen Wasser aus dem Boden\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure>\n\t\t<\/div>\n\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Mitte August sind Hunderttausende Menschen vor Gewalt in Myanmar \u00fcber die Grenze nach Bangladesch geflohen. 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