{"id":581,"date":"2009-04-29T14:47:35","date_gmt":"2009-04-29T13:47:35","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/einsatz\/?p=581"},"modified":"2009-04-29T14:47:35","modified_gmt":"2009-04-29T13:47:35","slug":"trinkwasser-mit-dem-schiff-liefern","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/2009\/04\/29\/trinkwasser-mit-dem-schiff-liefern\/","title":{"rendered":"Trinkwasser mit dem Schiff liefern"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone\" src=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-content\/uploads\/sites\/6\/2009\/04\/wolf_michael1.jpg\" alt=\"wolf_michael1\" width=\"200\" height=\"300\" \/>Der \u00d6RK-Delegierte Michael Wolf berichtet aus Myanmar. Der Wassertechniker betreut dort den Wiederaufbau der Wasserversorgung nach dem Zyklon Nargis vor einem Jahr.<\/p>\n<p><strong>Der Job als Delegierter des Roten Kreuzes in Myanmar<\/strong><\/p>\n<p>Der \u00dcbergang von der ERU-Arbeit in China zur Schreibtischarbeit in Myanmar war gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig. Aber es spielte sich nach ein paar Monaten langsam ein.<\/p>\n<p>Ich arbeite hier als Teil des Rotkreuz-Netzwerkes, bestehend aus \u00d6RK, Myanmar Red Cross (MRCS) und internationaler Rotkreuz-F\u00f6deration an der Wieder-Herstellung der Wasserversorgung nach dem Zyklon Nargis. Die Projekte laufen alle unter MRCS, die F\u00f6deration gibt technische Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>Insgesamt unterst\u00fctzen wir 100.000 Haushalte (etwa eine halbe Million Menschen) im betroffenen Gebiet (Ayerwaddy Delta). Es hat etwas gedauert, bis der Wiederaufbau auf vollen Touren lief. Zun\u00e4chst galt es, die Formalit\u00e4ten der Zusammenarbeit zu regeln. Auch die Assessments und die Auswahl der D\u00f6rfer brauchten ihre Zeit.<\/p>\n<p>Reisen im Delta dauern nicht selten mehrere Stunden per Boot. Um in D\u00f6rfer zu gelangen, muss auf Ebbe und Flut sowie Str\u00f6mungen geachtet werden und es kommt auch auf die Gr\u00f6\u00dfe und Beladung des Bootes an.<\/p>\n<p><strong>Wasserversorgung in Myanmar<\/strong><\/p>\n<p>Von Oktober bis April ist Winter, das hei\u00dft Trockenzeit und nachts kann es &#8222;kalt&#8220; werden (eigentlich angenehm frisch).<\/p>\n<p>Die Hauptwasserversorgung in l\u00e4ndlichen Gebieten geschieht \u00fcber \u201erain water harvesting (RWH)&#8220;. Regenwasser wird entweder vom Hausdach in gro\u00dfen Tonkr\u00fcgen (150L) oder in Teichen (ponds) gesammelt.<\/p>\n<p>Viele Tongef\u00e4sse zerbrachen w\u00e4hrend des Sturms. Teiche wurden von salzigem Meerwasser \u00fcberschwemmt. Also mussten die Teiche gereinigt werden: Wasser auspumpen und die oberste (salzige) Erdschicht abtragen.<\/p>\n<p>Dann konnte wieder Regenwasser gesammelt werden, die Regenzeit hatte aber schon eingesetzt und somit konnten die Teiche nicht ganz gef\u00fcllt werden. In manchen Gegenden dringt auch salziges\/ versalztes Grundwasser in die Teiche ein.<\/p>\n<p>Insgesamt also steht f\u00fcr die Trockenzeit nur ein begrenztes Ma\u00df an gespeichertem Grundwasser zur Verf\u00fcgung. Die akute Wasserversorgung ist deshalb zur Zeit unser gro\u00dfes Thema. Wir stehen vor der logistischen Herausvorderung, Trinkwasser per Schiff zu verteilen. Und ausreichende, naheliegende und brauchbare Rohwasserquellen f\u00fcr die Wasseraufbereitung zu finden.<\/p>\n<p>In der Trockenzeit regnet es nicht nur ein wenig, sondern \u00fcberhaupt nicht, es f\u00e4llt \u00fcber Monate kein einziger Tropfen Wasser.<\/p>\n<p>Meine Arbeit als solche findet meist am Schreibtisch statt: Daten aus Reports extrahieren und sammeln, Richtlinien erstellen, Material bestellen und versenden, Personal interviewen und zur Rekrutierung vorschlagen, field visits planen\/ \u00e4ndern&#8230;<\/p>\n<p>Internet und Funk sind hier keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, was die Kommunikation und den Informationsaustausch sehr eingeschr\u00e4nkt. Weil auch die Reiset\u00e4tigkeit ins Feld eingeschr\u00e4nkt und aufwendig ist, sind die Projekte zum gr\u00f6\u00dften Teil &#8222;ferngesteuert&#8220;.<\/p>\n<p><strong>Myanmar ein Jahr nach der Katastrophe<\/strong><\/p>\n<p>Vom Zyklon sieht man kaum noch etwas. An gr\u00f6\u00dferen Geb\u00e4uden, z.B. Kl\u00f6stern sieht man noch Sch\u00e4den. Die Bev\u00f6lkerung ist ziemlich arm und lebte auch vor Nargis in eher armseligen Bambush\u00fctten, die sie wieder aufbauten. Wie viele Leute allerdings in einem Haus wohnen oder wie die Verh\u00e4ltnisse der Bev\u00f6lkerung wirklich sind, l\u00e4sst sich nur schwer einsch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Die Hauptstadt Yangon hingegen hat Hochh\u00e4user, aber auch eine ausgedehnte koloniale Altstadt. Pflanzen bewachsen die 100 Jahre alten, verfallenen und verwitterten Prunkbauten, aber auch hier geh\u00f6rt der Wassertransport per Handkarren oder LKW zum Alltagsbild.<\/p>\n<p>Von anderen NGOs h\u00f6rt man, dass sie nur begrenzt t\u00e4tig sein werden (sowohl zeitlich als auch geographisch). Das Rote Kreuz ist durch das MRCS jedoch permanent im Land (und in allen 13 betroffen Townships) t\u00e4tig und vertreten. Der Nargis Appeal der F\u00f6deration ist auf drei Jahre ausgelegt. Auf mittlere bis lange Frist ist das Rote Kreuz also die Organisation auf die sich die Menschen hier verlassen und z\u00e4hlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der \u00d6RK-Delegierte Michael Wolf berichtet aus Myanmar. 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