{"id":981,"date":"2005-03-16T11:20:02","date_gmt":"2005-03-16T10:20:02","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/einsatz\/?p=981"},"modified":"2005-03-16T11:20:02","modified_gmt":"2005-03-16T10:20:02","slug":"banda-aceh-und-retour-mittwoch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/2005\/03\/16\/banda-aceh-und-retour-mittwoch\/","title":{"rendered":"Banda Aceh und retour: Mittwoch"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Dieser mehrteilige Reisebericht des stv. Generalsekret\u00e4rs Dr. Werner Kerschbaum erschien auf der Homepage des \u00d6sterreichischen Roten Kreuzes im M\u00e4rz 2005. Anl\u00e4sslich des f\u00fcnften Jahrestags der Tsunamikatastrophe m\u00f6chten wir diese Beitr\u00e4ge erneut ver\u00f6ffentlichen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wecker stellen ist nicht notwendig. Um 5 Uhr wecken mich die Muezzins von den 3 umliegenden Moscheen mit ihren lang anhaltenden Gebetsrufen. Welche Auswirkungen hatte wohl ein 30min\u00fctiges fr\u00fchmorgendliches Gel\u00e4ute von allen Kirchen einer gr\u00f6\u00dferen Stadt im christlichen Europa? Die starke Rolle des Islam im \u00f6ffentlichen Leben ist un\u00fcberh\u00f6rbar. Auf Sumatra ist es eine \u201eweltlichere\u201c Form des Islam: man sieht keine Burkas und viele Frauen tragen nicht einmal Kopft\u00fccher.<\/p>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" width=\"520\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/old.roteskreuz.at\/prod_images\/9231f34c819cf1058c0f741631420631.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" hspace=\"0\" width=\"190\" height=\"142\" align=\"left\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/old.roteskreuz.at\/images\/spacer_1x1.gif\" border=\"0\" alt=\"space\" width=\"10\" height=\"142\" align=\"left\" \/><\/p>\n<div>Um 7.30 starten wir im Landcruiser zum 1. Tag der \u201e\u00dcbergabetour\u201c. Der \u201ealte\u201c Teamleader, Werner Meisinger aus Vorarlberg besucht mit seinem Nachfolger, dem Tiroler Michael Wolf sowie mit einer Begleiterin vom indonesischen Roten Kreuz und mit mir alle Stationen, wo entweder Trinkwasser produziert oder angeliefert wird.<br \/>\nDie 2 Nervenzentren der Rotkreuz Hilfe \u201eMade in Austria\u201c befinden sich einerseits am Fluss Krueng, der die Stadt durchquert, und andererseits an der Hauptstra\u00dfe beim Wasserwerk.<\/p>\n<p>T\u00e4glich werden an beiden Standorten 300.000 Liter Trinkwasser produziert und mit LKWs vom indonesischen Roten Kreuz an insgesamt 20 Verteilerpunkte in der Stadt bzw. in den Vororten gebracht. Die weitesten davon liegen 35 km vom Stadtzentrum entfernt in den H\u00fcgeln n\u00f6rdlich der Stadt. Etliche Verteilerstellen befinden sich in notd\u00fcrftig errichteten Zeltlagern, von den kinderreichen Fischerfamilien erg\u00e4nzt durch einfachste Holzh\u00fctten.<br \/>\nBei 35\u00b0 Celsius besuchen wir zwei dieser \u201eAu\u00dfenposten\u201c. Wir treffen gr\u00f6\u00dftenteils Frauen mit ihren Kindern an &#8211; alle sehr freundlich, neugierig und gerne zu einem gemeinsamen Foto bereit. Der Wassertank sei schon seit einigen Tagen leer, erkl\u00e4ren sie uns \u00fcber die mitgereiste Dolmetscherin vom Indonesischen Roten Kreuz. Die Einsatzleiter h\u00f6ren das mit Betroffenheit, sind aber nicht g\u00e4nzlich \u00fcberrascht. Von den LKW Chauffeuren soll die Gegend gemieden werden, weil sie im ehemaligen Rebellengebiet liegt.<\/p><\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/old.roteskreuz.at\/prod_images\/6d94fe201b17fee1b78566f8d25b466d.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"190\" height=\"142\" align=\"right\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/old.roteskreuz.at\/images\/spacer_1x1.gif\" border=\"0\" alt=\"space\" width=\"10\" height=\"142\" align=\"right\" \/><\/p>\n<div>T\u00e4glich k\u00f6nnen bis zu 40.000 Personen, also knapp 15 % der verbliebenen Bev\u00f6lkerung von Banda Aceh mit reinem Trinkwasser durch das Rote Kreuz versorgt werden. Besonders stolz ist das ERU Team auf einige \u201eGro\u00dfkunden\u201c: vor Ort t\u00e4tige Hilfsorganisationen wie OXFAM (UK), das Technische Hilfswerk (BRD), aber auch die spanische Armee vertrauen auf die Wasserqualit\u00e4t der \u00d6sterreicher.<br \/>\n40.000 Liter t\u00e4glich holen sich die dankbaren und stets freundlichen Einheimischen mit Kanistern direkt von den 2 Pumpstationen ab. Bemerkung am Rande f\u00fcr den europ\u00e4ischen Beobachter:<br \/>\nEs sind oft die Frauen, welche die Kanister bef\u00fcllen und auf bzw. in das Auto laden; w\u00e4hrend die M\u00e4nner am Steuer der Fahrzeuge warten. Ein hoher Besuch aus Kanada wurde uns schon am Vormittag \u00fcber das Telefon gemeldet und wir fahren deshalb in die Stadt zur Wasserentnahme und -aufbereitungsstelle am Fluss zur\u00fcck.<br \/>\nVom Team hat sie den Namen \u201eKonvent\u201c bekommen, weil unmittelbar  daneben ein katholisches Kloster steht.<br \/>\nKurz nach Mittag kann das ERU Water Team 3 kanadische Senatoren und den Vorsitzenden des Senats, begleitet von Mitgliedern der kanadischen Botschaft in Jakarta begr\u00fc\u00dfen. Die schon etwas \u00e4lteren Damen und Herren leiden offensichtlich unter dem feuchthei\u00dfen Klima. Mit viel Interesse und Aufmerksamkeit verfolgen sie die Ausf\u00fchrungen unserer Wasserexperten und sind erkennbar zufrieden und erleichtert zu sehen, dass ihre 50 Millionen Dollarspende an die internationale Rotkreuzbewegung gut angelegt ist.<br \/>\n\u00dcbrigens, von der \u00f6sterreichischen Botschaft in Jakarta hat sich noch niemand die Arbeit des vorwiegend \u00f6sterreichischen ERU Teams angesehen \u2026<\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<table border=\"0\" cellspacing=\"0\" cellpadding=\"0\" width=\"520\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/old.roteskreuz.at\/prod_images\/6e1f99a00b3c16a679573e68c1b726bd.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" hspace=\"0\" width=\"190\" height=\"142\" align=\"left\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/old.roteskreuz.at\/images\/spacer_1x1.gif\" border=\"0\" alt=\"space\" width=\"10\" height=\"142\" align=\"left\" \/><\/p>\n<div>Am Nachmittag kommen wir im Rahmen der \u00dcbergabetour auch an zahlreichen \u201eTemporary Location Camps\u201c vorbei. Diese werden von der indonesischen Regierung als \u00dcbergangsunterk\u00fcnfte errichtet. Es sind l\u00e4ngliche Holzbaracken, nach dem Vorbild indonesischer Langh\u00e4user auf 50 cm hohen Betonsockeln errichtet. Ein Langhaus bietet 12 Familien \u00e0 5 Personen Platz. F\u00fcr jede Familie ist ein Raum \u00e0 25m2 vorgesehen. Den Holzbaracken vorgelagert sind Kochstellen und Wasch\/Sanit\u00e4rr\u00e4ume. Ein Camp umfasst zwischen 10 und 30 solchen Langh\u00e4usern.<\/p>\n<p>Derzeit laufen Gespr\u00e4che zwischen dem Roten Kreuz und der indonesischen Regierung betreffend die Trinkwasserversorgung f\u00fcr diese Camps. Auf der Rundfahrt zu den Verteilerstellen durchqueren wir den \u201eGround Zero\u201c im Osten der Stadt. Von den ehemaligen H\u00e4usern sind nur mehr die gr\u00f6\u00dftenteils gefliesten \u201eBodenplatten\u201c \u00fcbrig geblieben. Die in einigen Medien gezogenen Vergleiche mit Hiroshima sind nicht \u00fcbertrieben: das Ausma\u00df der Zerst\u00f6rung ist unbeschreiblich. Ground Zero umfasst eine Fl\u00e4che von knapp 20 km2, auf der die bis zu 25m hohe Flutwelle alles platt gewalzt hat.<br \/>\nKnapp 3 Monate nach der Katastrophe stehen geborstene Fischerboote noch mitten im ehemals dichtbesiedelten und jetzt von Caterpillern eingeebneten Gebiet und ragen PKW Wracks aus den noch nicht ausgetrockneten Flutwasser T\u00fcmpeln. Viele \u00dcberlebende haben ihre Grundst\u00fccke bzw. Hausreste mit den nationalen rot-wei\u00dfen Fahnen markiert, wohl um zu verhindern, dass dort Bauschutt abgelagert und ein Wiederaufbau g\u00e4nzlich verhindert wird, oder das Land als \u201eunbewohnt\u201c von der Regierung beschlagnahmt wird. Auf einer Hausruine steht: \u201eDer Bewohner dieses Hauses lebt\u201c auf einer anderen: \u201eAchtung! Wir m\u00fcssen alle sterben.\u201c<\/p><\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/old.roteskreuz.at\/prod_images\/4b457e786e7ce2243770d9f1f4d19f7f.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" width=\"190\" height=\"142\" align=\"right\" \/><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/old.roteskreuz.at\/images\/spacer_1x1.gif\" border=\"0\" alt=\"space\" width=\"10\" height=\"142\" align=\"right\" \/><\/p>\n<div>Nur selten sieht man, dass feste Geb\u00e4ude wiederaufgebaut werden; von einem systematischen und organisiertem Wiederaufbau kann \u00fcberhaupt nicht gesprochen werden, soferne man die erw\u00e4hnten \u201eTemporary Location Camps\u201c nicht darunter subsumiert.<br \/>\nDer Weg vom Hafen zur\u00fcck in die Stadt quer durch zerst\u00f6rtes Gebiet scheint kein Ende zu nehmen. Das Bild ist vielleicht am besten vergleichbar mit einer Fahrt durch eine \u00fcberdimensional gro\u00dfe M\u00fcllhalde; verst\u00e4rkt wird dieser Eindruck durch Rauchschwaden, die von den vielen Stellen aufsteigen, wo R\u00e4umtrupps zusammengetragene Tr\u00fcmmer verbrennen.<\/div>\n<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Noch immer werden aus den mit Holz- und Metallteilen, Hausrat und M\u00fcll \u00fcbers\u00e4ten Flutwasserseen Leichen geborgen. Die in wei\u00df gekleideten \u201eEvacuation Teams\u201c des Indonesischen Roten Kreuzes finden t\u00e4glich noch immer rund 100 Leichen \u2013 bzw. Teile von Leichen. In \u201ebody bags\u201c werden diese geborgen und auf Lastwagen zu einem Massengrab im S\u00fcden der Stadt gebracht.<br \/>\nSchon etwas ersch\u00f6pft kehren wir um 18.30 kurz vor Einbruch der Dunkelheit in das Quartier der \u00f6sterreichischen Rotkreuz Mannschaft zur\u00fcck<br \/>\nEs befindet sich in einem gro\u00dfen Ferienhaus, welches von einem offensichtlich wohlhabenden Mann aus dem 700 km entfernten Medan angemietet wurde. Das 17k\u00f6pfige Team, dem auch Kollegen aus Malaysia, Mazedonien und Schweden angeh\u00f6ren, hat in dem nur d\u00fcrftig m\u00f6blierten 250 m2 gro\u00dfen Haus seine Feldbetten aufgeschlagen. \u00dcber jedem Schlafplatz thront der f\u00fcr diese Breiten unbedingt notwendige \u201eMoskito-Dom\u201c, ein aufgespanntes Ein-Mann Zeltnetz zur Abwehr der nicht nur l\u00e4stigen, sondern wegen der Malaria\u00fcbertragungsm\u00f6glichkeit auch gef\u00e4hrlichen Insekten.<br \/>\nP\u00fcnktlich um 19.30 beginnt das t\u00e4gliche Teammeeting: Jedes Teammitglied berichtet kurz von besonderen Vorf\u00e4llen, Erfolgen, Herausforderungen und getroffenen Ma\u00dfnahmen; eine ganz wichtige \u201e\u00dcbung\u201c, die \u00fcber den Informationscharakter hinaus \u2013 gerade bei T\u00e4tigkeiten in einem schwierigen Umfeld \u2013 den Zusammenhalt und damit die Wirksamkeit eines Teams sichert und weiterentwickelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser mehrteilige Reisebericht des stv. Generalsekret\u00e4rs Dr. Werner Kerschbaum erschien auf der Homepage des \u00d6sterreichischen Roten Kreuzes im M\u00e4rz 2005.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[42,7],"tags":[68,222,245,420,438],"class_list":["post-981","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-banda-aceh-indonesien-einsatzorte","category-indonesien","tag-banda-aceh","tag-indonesien","tag-kerschbaum","tag-tsunami","tag-wasser"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/981","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=981"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/981\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=981"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=981"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/einsatz\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=981"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}