{"id":142,"date":"2009-05-28T17:17:54","date_gmt":"2009-05-28T15:17:54","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/sociologist\/?p=142"},"modified":"2009-05-28T17:17:54","modified_gmt":"2009-05-28T15:17:54","slug":"uber-die-nutzung-des-internets-als-tool-zur-steigerung-der-politischen-partizipation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/2009\/05\/28\/uber-die-nutzung-des-internets-als-tool-zur-steigerung-der-politischen-partizipation\/","title":{"rendered":"\u00dcber die Nutzung des Internets als Tool zur Steigerung der politischen Partizipation"},"content":{"rendered":"<p>Dies ist eine Antwort auf den Artikel von Hannes J\u00e4hnert (<a href=\"http:\/\/foulder.blogspot.com\/\">foulder<\/a>) als Beitrag zur <a href=\"http:\/\/foulder.blogspot.com\/2009\/05\/npo-blogparade-runde-8.html\">NPO-Blogparade #8<\/a>.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst freut es mich, wenn ein Artikel eine Diskussion anst\u00f6\u00dft, in dem er <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/J%C3%BCrgen_Habermas\">Habermas<\/a> zitiert. Ich f\u00fcrchte nur, dass Habermas (und das macht ihn mit dem Web 2.0 als Werkzeug zur politischen Partizipation vergleichbar) ein Minderheitenprogramm ist \ud83d\ude42<\/p>\n<p>Bei uns in Wien erlebt man gerade den H\u00f6hepunkt (?) des EU-Wahlkampfs &#8211; vielleicht auch ein Grund f\u00fcr meine d\u00fcsteren Prognosen im folgenden.<\/p>\n<p>Als Kontrast zum erw\u00e4hnten J\u00fcrgen Habermas \u00a0m\u00f6chte ich einen anderen deutschen Soziologen gegen\u00fcberstellen:<\/p>\n<blockquote><p>\u00bbPolitik\u00ab w\u00fcrde f\u00fcr uns also hei\u00dfen: Streben nach Machtanteil oder nach Beeinflussung der Machtverteilung, sei es zwischen Staaten, sei es innerhalb eines Staates zwischen den Menschengruppen, die er umschlie\u00dft.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das ist <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Max_Weber\">Max Webers<\/a> Definition von Politik (in Politik als Beruf). Klar zwischen den beiden zitierten liegen zwei Weltkriege und ein verbrecherisches M\u00f6rder-Regime, die ganze Welt ist heute anders konstruiert, aber hat sich die Politik f\u00fcr die meisten Menschen dadurch ge\u00e4ndert? Hier geht es mir vor allem um die Rezeption der Politik und der PolitikerInnen.<\/p>\n<p>Doch ich f\u00fcrchte, meine Argumentation ist ein wenig abgeglitten. B\u00fcrger- oder auch Zivilgesellschaftliche Aspekte sind ja f\u00fcr viele NPOs &#8211; nicht zuletzt aufgrund ihrer tagt\u00e4glichen Versuche der Legitimation \u00fcber derartige Mechanismen &#8211; ihr tagt\u00e4gliches Thema. Versucht man ihren Einfluss auf das politische System (jetzt w\u00fcrde ich das sogar eher wie <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Luhmann\">Luhmann<\/a> meinen, um einen dritten deutschen Soziologen in einem Blogpost zu verarbeiten) abzuw\u00e4gen, so ist dieser jedoch aus meiner pers\u00f6nlichen Sicht stark beschr\u00e4nkt. Beispiel gef\u00e4llig? Thema Finanzkrise, der gesamte Lebensstandard der Menschen in Europa sinkt, die Zahl der sozial Schwachen und Menschen in Not steigt, auch einige Banken h\u00e4ngen aufgrund ihrer riskanten Engagements in der Luft. Wohin gehen Milliarden Euros der \u00f6ffentlichen Hand? Richtig, in den Bankensektor.<\/p>\n<p>Zivilgesellschaftliches Engagement und politisches Envolvement im Sinne von Teilhabe sind &#8211; und ich wei\u00df, dass ich mich da weit hinauslehne &#8211; eher ein Minderheitenthema, ich w\u00fcrde sogar sagen, ein Elitenthema einiger intellektueller Gruppen, l\u00e4sst man jetzt die jeweiligen Vorfeldorganisationen verschiedenster politischer Parteien au\u00dfen vor.<\/p>\n<blockquote><p>Reicht es wenn Politikerinnen und Politiker im Social Web mitmischen, sich pr\u00e4sentieren und Zug\u00e4nge zu politischer Partizipation schaffen oder sollten politische Partizipationsm\u00f6glichkeiten speziell beworben werden, wie es Google auf YouTube in Kooperation mit Euronews tut? Fragt Hannes J\u00e4hnert.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ich denke, dass die direkte Partizipation nicht Teil der Motivation von Politikern ist, denn die Akkumulation von <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Politisches_Feld\">politischem Kapital<\/a> oder auch von Macht, wenn man es platt sagen m\u00f6chte, steht dieser Strategie diametral gegen\u00fcber. Das politische System funktioniert nach anderen Rationalit\u00e4ten und ist nicht anschlussf\u00e4hig an den \u00f6ffentlichen Diskurs in der Zivilgesellschaft. Zivilgesellschaftliches Engagement orientiert sich an Werten wie Gerechtigkeit, Antidiskiminierung oder Chancengleichheit, in Westeuropa an den Werten der Aufkl\u00e4rung, doch sind diese Werte mehrheitsf\u00e4hig? Mehrheitsf\u00e4higkeit von Werten ist wohl das Argument f\u00fcr die politischen Akteurinnen und das Web ist wohl daf\u00fcr kein optimaler Kanal, zumindest nicht als single line.<\/p>\n<p>Doch nach so viel an deprimierenden Zeitdiagnosen m\u00f6chte ich auch noch einige andere Effekte und Perspektiven ansprechen.<\/p>\n<p>Die Einstellungen von Menschen in Europa ver\u00e4ndern sich. Das zeigen beispielsweise auch die <a href=\"http:\/\/www.worldvaluessurvey.org\/\">World-Value-Surveys<\/a> von Ronald Inglehart. Doch diese \u00c4nderungen gehen relativ langsam vor sich. Zudem gibt es einen Hysteresis-Effekt, der auch dadurch entsteht, dass die Politik eher konservativ hinter den Werteentwicklungen hinterherhinkt. So genannte Kohorteneffekte verschieben erst dann die Werte-Kultur deutlich, wenn beispielsweise eine ganz neue Generation von PolitikerInnen in den \u00c4mtern ist.<\/p>\n<p>Diese j\u00fcngeren Kohorten sind es, die auf Web 2.0 abfahren, zumindest die &#8211; nennen wir sie einmal &#8211; Eliten dieser Gruppen sind f\u00fcr derartige Kan\u00e4le der Kommunikation empf\u00e4nglich und motivierbar. J\u00fcngste Tatbest\u00e4nde des <a href=\"http:\/\/news.google.at\/news?q=ebensee&amp;oe=utf-8&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;client=firefox-a&amp;um=1&amp;ie=UTF-8&amp;hl=de&amp;ei=aqEeSpqrOo6wsAbR5oDTCg&amp;sa=X&amp;oi=news_group&amp;resnum=5&amp;ct=title\">\u201epolitischen Aktionismus&#8220; in \u00d6sterreich<\/a> zeigen allerdings, dass diese Zielgruppen auch f\u00fcr ganz andere emetische Inhalte empf\u00e4nglich sind und auch selbst \u201epolitisch partizipieren&#8220;, wenn man derartige Verbrechen in dieser Kategorie \u00fcberhaupt subsummieren darf &#8211; die Akteure, so denke ich, taten dies aber in jedem Fall<\/p>\n<p>Lg<\/p>\n<p>Gerald Czech<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dies ist eine Antwort auf den Artikel von Hannes J\u00e4hnert (foulder) als Beitrag zur NPO-Blogparade #8. Zun\u00e4chst freut es mich, wenn ein Artikel eine Diskussion anst\u00f6\u00dft, in dem er Habermas zitiert. 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