{"id":167,"date":"2009-11-27T16:29:54","date_gmt":"2009-11-27T14:29:54","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/sociologist\/?p=167"},"modified":"2009-11-27T16:29:54","modified_gmt":"2009-11-27T14:29:54","slug":"die-geschichte-des-roten-kreuzes-in-niederosterreich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/2009\/11\/27\/die-geschichte-des-roten-kreuzes-in-niederosterreich\/","title":{"rendered":"Die Geschichte des Roten Kreuzes in Nieder\u00f6sterreich"},"content":{"rendered":"<p>Dieses Textfragement entstand bei der Erstellung meiner Diplomarbeit zu den Sozialstrukturen im \u00d6sterreichischen Roten Kreuzes als \u00fcbervollst\u00e4ndige historische Feldbeschreibung. Da einige Teile dieses historischen Abrisses in die Diplomarbeit wegen mangelnder Relevanz f\u00fcr das Thema keinen Eingang finden werden, ver\u00f6ffentliche ich diesen Text hier.<\/p>\n<p>Falls das Lesen am Schirm zu m\u00fchsam ist, hier die PDF-Version: <a rel=\"attachment wp-att-178\" href=\"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/sociologist\/2009\/11\/27\/die-geschichte-des-roten-kreuzes-in-niederosterreich\/geschichte-rk-no\/\">Geschichte RK N\u00d6<\/a><\/p>\n<p>Gerald Czech im November 2009<\/p>\n<h1>Die Geschichte des Roten Kreuzes in Nieder\u00f6sterreich<\/h1>\n<blockquote><p>\u201eIn jedem Spielakt ist in Gestalt der praktischen Kenntnis der Prinzipien des Spiels &#8211; die bei den neuen stillschweigend vorausgesetzt wird &#8211; die ganze Geschichte, die ganze Vergangenheit des Spiels pr\u00e4sent. Nicht zuf\u00e4llig ist eines der sichersten Indizien f\u00fcr das Bestehen eines Feldes [\u2026] das Auftreten einer ganzen Zunft von Konservatoren [\u2026] [L]auter Leute, die ein Interesse an der Erhaltung dessen haben, was im Feld produziert wird, also ein Interesse daran haben, zu erhalten und sich selbst als Erhaltende zu erhalten.\u201c (Bourdieu 2001, S. 110)<\/p><\/blockquote>\n<p>In diesem Text soll die Geschichte des Roten Kreuzes, zun\u00e4chst der Gr\u00fcndungsmythos und die Geschichte des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, dann die Historie des \u00d6sterreichischen Roten Kreuzes und zuletzt die relevanten historischen Details zum konkret betrachteten Feld, dem Nieder\u00f6sterreichischen Rotkreuz-Landesverband dargelegt werden. Diese Fakten sind im Falle der Bourdieuschen Theorie \u2013\u00a0 die die Felder als Spielschaupl\u00e4tze mit bedeutender Geschichte versteht, aus der sich die Regeln im Feld entwickeln \u2013 allerdings mehr als reine Kontextverortung und Rahmenwissen: F\u00fcr das Verst\u00e4ndnis eines Feldes ist es wesentlich, die Geschichte zu kennen und zu verstehen, denn diese Geschichte ist implizit in jeder Aktion der handelnden Akteurinnen und Akteure im Feld \u00fcber ihre jeweilige Repr\u00e4sentation im individuellen Habitus pr\u00e4sent (vgl. Bourdieu 2001, S. 110).<\/p>\n<h1><strong>Henry Dunant und die Gr\u00fcndung des Roten Kreuzes<\/strong><\/h1>\n<p>Das Rote Kreuz entstand nach einer Idee des Schweizer Gesch\u00e4ftsmanns Henry Dunant, der \u2013 zuf\u00e4llig in der Gegend, weil er den Franz\u00f6sischen Kaiser Napoleon, III. treffen wollte &#8211; 1859 nach der Schlacht von Solferino die Verwundeten in der Region um das norditalienische St\u00e4dtchen Castiglione sah und angesichts des Leides der Betroffenen drei Tage und N\u00e4chte lang mithalf, Wunden zu verbinden und Leiden zu linden, um \u201ezu tr\u00f6sten und zu retten\u201c. Beeindruckt von den Erlebnissen schrieb Dunant 1862 das Buch \u201eEine Erinnerung an Solferino\u201c, das er im Eigenverlag drucken lie\u00df und an Vertreter der Herrscherh\u00e4user und ranghohe Milit\u00e4rs in ganz Europa verschickte. (vgl. Bugnion 2006, S. 8; Dempfer 2009, S. 30\u201339; Haug 1995, S. 27\u201332; Ladurner 2009; Levathes 1981, S. 777; M\u00fcller 1975, S. 144; \u00d6sterreichisches Rotes Kreuz 2002, S. 7f; Vilt 1981, S. 12 )<br \/>\nDas wesentliche Element an Dunants Werk, so Vilt (vgl. Vilt 1981, S. 12\u201315), war die Abstraktion &#8211; er blieb nicht bei einer blo\u00dfen Wiedergabe der erlebten Ereignisse sondern er forderte L\u00f6sungen: Man m\u00f6ge private anerkannte und ausgebildete Hilfsgesellschaften gr\u00fcnden, die im Kriegsfalle die milit\u00e4rischen Sanit\u00e4tsdienste unterst\u00fctzen und von allen Konfliktpartei als neutral akzeptiert sind.<br \/>\nDie \u00d6ffentlichkeit und ihr Einfluss zur politischen Gestaltung der Realit\u00e4t war Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa allerdings noch nicht so ausgepr\u00e4gt, wie wir sie heute kennen. Die damaligen \u201eGlobal Players\u201c waren zumeist nicht parlamentarisch-demokratisch organisiert, sondern wurden als Monarchien in deutlich autokratischerem Ma\u00df von einem komplexen System interdependenter europ\u00e4ischer Herrscherh\u00e4user und Adelsgeschlechter regiert. Genau diese, besser gesagt deren Exponenten \u2013 heute w\u00fcrde man Stakeholder sagen \u2013 wurden vom Autor und Philanthropen Dunant kontaktiert. (vgl. K\u00fcbler 2001, S. 58f)<br \/>\nImmer mit in seinem Gep\u00e4ck, seine Publikation \u201eEine Erinnerung an Solferino\u201c, die aufgrund des literarischen Stils und der Aktualit\u00e4t in k\u00fcrzester Zeit zum Gespr\u00e4chsstoff innerhalb der Zielgruppe von Entscheidungstr\u00e4ger auf europ\u00e4ischen Niveau wurde. Die Zeitungen lobten sein Werk, das im Handel zun\u00e4chst \u00fcberhaupt nicht erh\u00e4ltlich war<sup><a name=\"1.1\" href=\"#1\">1<\/a><\/sup>, genauso, wie der bekannte Schriftsteller Victor Hugo. (vgl. Boissier 1985, S. 41; Dempfer 2009, S. 34; \u00d6sterreichisches Rotes Kreuz 2002, S. 13f)<br \/>\n\u201eAuf den steinernen Fliesen der Spit\u00e4ler und Kirchen von Castiglione liegen Seite an Seite Kranke aller Nationen: Franzosen und Araber, Deutsche und Slawen. Man legt sie einstweilen dort nieder, wo Platz ist, und sie haben nicht mehr die Kraft, sich zu bewegen und k\u00f6nnen sich auf dem engen Raum nicht r\u00fchren. Fl\u00fcche, L\u00e4sterungen und Schmerzensschreie, die wiederzugeben die Sprache nicht f\u00e4hig ist, hallen von den Gew\u00f6lben der geweihten R\u00e4ume wider.\u201c (Dunant 1997, S. 11)<br \/>\nVielfach war der franz\u00f6sisch-schweizer Gesch\u00e4ftsmann geschickt genug, seine Publikation nicht an die meist milit\u00e4risch ausgebildeten und damit f\u00fcr derartige Reize abgestumpften Grafen und Herzoge, an die Gener\u00e4le und Minister zu schicken, sondern an ihre sozial engagierten Gattinnen, die sich bereits bei den vergangenen Kriegen in Europa zum Beispiel als Krankenschwestern immer wieder in den Dienst der verwundeten Soldaten gestellt hatten.<br \/>\nDunant nutzte seine Kontakte geschickt, baute mit viel Engagement ein Netzwerk zu den jeweiligen Entscheidungstr\u00e4gern auf, in das er viel Energie steckte. Daraufhin versuchte die \u201eGenfer gemeinn\u00fctzige Gesellschaft\u201c, ein Verein bedeutender Genfer B\u00fcrger mit philantropen Bed\u00fcrfnissen, den Vorschlag Dunants, eine Hilfsorganisation zu gr\u00fcnden, die neutral im Kriegsfalle Hilfe leisten w\u00fcrde, umzusetzen, indem bereits 1863 zu einer internationalen Konferenz eingeladen wurde. Die Gr\u00fcndung des Roten Kreuzes und der Beschluss der so genannten &#8222;Genfer Konvention betreffend die Linderung des Loses der im Felddienst verwundeten Milit\u00e4rpersonen&#8220; im Jahre 1864 war eine Folge dieser Konferenz. (vgl. Haug 1995, S. 27\u201332)<br \/>\nAufgrund privater Fehlspekulationen und schwerer wirtschaftlicher Fehler wurde Dunant zu enormen Schadensersatzzahlungen verurteilt, die dazu f\u00fchrten, dass er vor der Genfer B\u00fcrgerschaft moralisch diskreditiert wurde. Das f\u00fchrte 1867 dazu, dass sich das Rote Kreuz von seinem Gr\u00fcnder distanzierte und Dunant als &#8222;ruheloser Wanderer&#8220; durch Europa zog und Vortr\u00e4ge hielt und philantrophische Projekte anging<sup><a name=\"2.1\" href=\"#2\">2<\/a><\/sup>, ohne sozialen oder finanziellen R\u00fcckhalt zu haben. 1887 zog er sich nach Heiden am Bodensee zur\u00fcck, wo ihn 1895 der Journalist Georg Baumberger auffand und \u00fcber ihn berichtete. Erst diese Berichterstattung rehabilitierte den Humanisten Dunant und f\u00fchrte letztendlich auch dazu, dass er im Jahr 1901 den allerersten Friedensnobelpreis<sup><a name=\"3.1\" href=\"#3\">3<\/a><\/sup> verliehen bekam. Das Preisgeld, das mit dem Nobelpreis verbunden ist,\u00a0 wurde \u2013 um es vor den Zugriffen von Dunants Gl\u00e4ubigern zu sichern \u2013 von einem norwegischen F\u00fcrsprecher bis zu seinem Tod verwaltet. (vgl. Haug 1995, S. 47\u201349; Dempfer 2009, S. 38; von Planta 2007, S. 11; Nobel 2001, S. 270)<br \/>\nDunant starb am 30. Oktober 1910 mit 82 Jahren. Noch heute wird am 8. Mai, dem Geburtstag des Gr\u00fcnders Jean Henry Dunants der Weltrotkreuz-Tag gefeiert. (vgl. Haug 1995, S. 50)<br \/>\nDempfer (vgl. Dempfer 2009, S. 28f) begr\u00fcndet die herausragende Stellung der calvinistischen franz\u00f6sischen Schweiz bei der Entstehung der humanit\u00e4ren Bewegung des Roten Kreuzes mit der protestantischen Ethik, wie dies auch Max Weber f\u00fcr den modernen Kapitalismus europ\u00e4ischer Pr\u00e4gung getan hat: Die Pr\u00e4destinationslehre, also die Tatsache, dass es vorher bestimmt ist, ob man die Seligkeit erwirbt, oder in Verdammnis stirbt, wie sie von Johannes Calvin verbreitet wurde, erlaubt es auf der einen Seite nach Reichtum zu streben und andererseits gegen\u00fcber denen, die \u00bbgottgewollt arm sind\u00ab mildt\u00e4tig zu sein.<\/p>\n<h1><strong>Das Internationale Rote Kreuz<\/strong><\/h1>\n<p>Das Rote Kreuz, so nannte sich die neugegr\u00fcndete Gesellschaft die im Auftrag der Staaten die H\u00fcterin der \u201eGenfer Abkommen\u201c wurde, situierte sich in Genf und hatte bereits im Deutsch-D\u00e4nischen-Krieg 1864 den ersten sehr erfolgreichen Einsatz. (vgl. Boissier 1985, S. 179; Dempfer 2009, S. 40f)<br \/>\nSeit dieser Zeit gibt es keinen Krieg, bei dem die Schweizerischen Delegierten des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) nicht im humanit\u00e4ren Einsatz vor Ort waren. Stets neutral und unparteilich findet man die Helfer immer auf beiden Seiten der Frontlinien.<br \/>\nIn den einzelnen Staaten, die das Genfer Abkommen ratifizierten wurden ebenso Rotkreuz-Gesellschaften gegr\u00fcndet, die einerseits den Sanit\u00e4tsdiensten der jeweiligen Armeen beistanden und anderseits unterschiedlichste humanit\u00e4re Aufgaben wahrnehmen konnten. Doch bis 1884 gab es keine weitere internationale Rotkreuz-Konferenz, das Treffen aller Signatarstaaten und der jeweiligen Rotkreuz-Gesellschaften. Die Kommunikation erfolgte daher \u2013 meist unidirektional \u2013 nur durch Publikationen aus Genf und direkt im Feld. Die nationalen Organisationen waren daher fast 20 Jahre voneinander entkoppelt und entwickelten sich je nach Bedarf der nationalen Strukturen und kriegerischen Konflikten, die in Europa damals noch zahlreicher waren. (vgl. Boissier 1985, S. 333\u2013335)<br \/>\nSeit der internationalen Rotkreuz-Konferenz 1884, wo die Zusammenarbeit der Bewegung definiert wurde, blieb die Struktur der Rotkreuz-Bewegung, was das Verh\u00e4ltnis zwischen nationalen Rotkreuz-Gesellschaften und IKRK betrifft, auch konstant: Es existieren unabh\u00e4ngige Rotkreuz-Gesellschaften in den Signatarstaaten der Genfer Konvention &#8211; untereinander nur lose vernetzt &#8211; und parallel dazu das Internationale Komitee vom Roten Kreuz in Genf, das auf der einen Seite die Kommunikation zwischen den nationalen Gesellschaften aufrecht erh\u00e4lt und andererseits selbst operativ t\u00e4tig ist. (vgl. Boissier 1985, S. 339)<br \/>\nDas Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) ist bis heute eine private unabh\u00e4ngige Schweizer Organisation, die \u2013 als \u201eSubjekt des humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts &#8211; verankert in den Genfer Konventionen, verschiedene Aufgaben im Rahmen von bewaffneten Konflikten \u00fcbernimmt. Diese Aufgaben im Krieg sind beispielsweise der Besuch von Spit\u00e4lern, von Kriegsgefangenen, die Versorgung von Verwundeten, aber auch der Suchdienst, der beginnend mit dem franz\u00f6sisch-preu\u00dfischen Krieg von 1870\/71, die Daten von verwundeten, gefallenen und gefangenen Soldaten feststellt und die Daten mit den kriegsbeteiligten Staaten austauscht, sowie eine Kommunikation zwischen den Kriegsgefangenen und ihren Angeh\u00f6rigen durch Rotkreuz-Nachrichten erm\u00f6glicht. (vgl. International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies 1997, S. 23f)<br \/>\nErst nach dem zweiten Weltkrieg \u2013 im Angesicht der furchtbaren Verbrechen, die von 1939- 1945 von Soldaten, aber auch von zivilen Einrichtungen der Regimes ver\u00fcbt wurden &#8211; im Jahr 1949 wurden die Genfer Abkommen erweitert: nicht nur die Landstreitkr\u00e4fte (bereits im 1. Genfer Abkommen verankert) waren fortan im Fokus des humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts, sondern auch Schiffbr\u00fcchige (II. Abkommen), Kriegsgefangene (III. Abkommen) und die Zivilbev\u00f6lkerung (IV. Abkommen). Die Ver\u00e4nderungen im Verlauf des ausgehenden 20. Jahrhunderts bewirkten im Jahr 1977 den Abschluss zweier Zusatzprotokolle, das erste betreffend den Schutz von Zivilpersonen in internationalen Konflikten und das zweite betreffend nicht-internationale Konflikte. Diese Zusatzprotokolle sind allerdings nicht so weitreichend ratifiziert, also von Staaten anerkannt und in nationales Recht umgesetzt, wie das f\u00fcr die Genfer Abkommen gilt. Speziell das zweite Zusatzprotokoll, wurde immer wieder als \u201eEinmischung in interne Angelegenheiten\u201c abgelehnt.<br \/>\nDas letzte Zusatzprotokoll zu den Genfer Abkommen wurde 2005 abgeschlossen und regelt die Anerkennung eines neuen Schutzzeichens, des \u201eRoten Kristalls\u201c, der nunmehr neben dem Roten Kreuz und dem Roten Halbmond als gesch\u00fctztes Symbol im V\u00f6lkerrecht verankert ist. (vgl. Dempfer 2009, S. 45)<br \/>\nDas IKRK ist als zentrale Drehscheibe der internationalen Rotkreuz-Bewegung auch f\u00fcr die Anerkennung so genannter &#8222;Nationaler Gesellschaften&#8220; verantwortlich, dabei wird \u00fcberpr\u00fcft, ob die grundlegenden Eigenschaften einer Rotkreuz-Gesellschaft eingehalten werden.<\/p>\n<h1><strong>Ein weiteres internationales Rotes Kreuz: Die F\u00f6deration<\/strong><\/h1>\n<p>Nach dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1919 wurde auf Initiative des Amerikanischen Roten Kreuzes mit Unterst\u00fctzung des damaligen amerikanischen Pr\u00e4sidenten Wilson die Liga der Rotkreuz-Gesellschaften gegr\u00fcndet. Diese Organisation war als Dachorganisation der Nationalen Rotkreuz-Gesellschaften geplant, analog zum damaligen V\u00f6lkerbund organisiert<sup><a name=\"4.1\" href=\"#4\">4<\/a><\/sup> und sollte f\u00fcr die humanit\u00e4re Rotkreuz-Arbeit au\u00dferhalb der Kriege und Konflikte verantwortlich sein. (vgl. Durand 1984, S. 139\u2013145; \u00d6sterreichisches Rotes Kreuz 2002, S. 22\u201325; International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies 1997, S. 51\u201356)<br \/>\nIn Cannes wurde 1919 die F\u00f6deration vorbereitet und am 5. Mai 1919 formell in Paris als \u201eInternationale Liga der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften\u201c gegr\u00fcndet. Die ersten Mitglieder waren die nationalen Rotkreuzgesellschaften von Frankreich, der USA, Gro\u00dfbritanniens, Italiens und Japan. (vgl. \u00d6sterreichisches Rotes Kreuz 2002, S. 22\u201325)<br \/>\nDoch die Liga war zu Beginn auch politisiert. Als Folge des Ersten Weltkriegs, war es den f\u00fcnf Entente-M\u00e4chten m\u00f6glich, die Rotkreuz-Gesellschaften der &#8222;Mittelm\u00e4chte&#8220; auszuschlie\u00dfen, aber auch das Russische Rote Kreuz. (vgl. Dempfer 2009, S. 47f)<br \/>\nDie Aufgaben der F\u00f6deration der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften, wie die Liga seit dem Jahr 1991 hei\u00dft, war von Anbeginn die humanit\u00e4re Hilfe in Katastrophen, bei Ungl\u00fccken und Seuchen, bei Hungersn\u00f6ten oder Epidemien. Deren gab es seit 1919 nat\u00fcrlich sehr viele. Die Zentrale der Liga war zun\u00e4chst Paris, erst im Zweiten Weltkrieg wurde nach der Invasion der Deutschen in Frankreich ebenso Genf zur Heimat der zweiten Rotkreuz-Dachorganisation. Bis heute existieren Spannungen zwischen der Schweizer Privatorganisation IKRK und der internationalen Dachorganisation \u201eF\u00f6deration\u201c, was die Aufgaben und ihre Koordination betrifft. (vgl. Dempfer 2009, S. 49f; \u00d6sterreichisches Rotes Kreuz 2002, S. 22\u201325; International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies 1997, S. 51\u201356)<\/p>\n<h1><strong>Das \u00d6sterreichische Rote Kreuz<\/strong><\/h1>\n<p>Das \u00d6sterreichische Rote Kreuz wurde im Jahre 1880 gegr\u00fcndet. Es ging aus den davor immer wieder anl\u00e4sslich eines Krieges gegr\u00fcndeten (und danach jeweils wieder liquidierten) Patriotischen Hilfsvereinen hervor, die Verwundete der k.u.k-Armeen unterst\u00fctzten und sich um Kriegswitwen- und -waisen annahm. (vgl. \u00d6sterreichisches Rotes Kreuz 2002, S. 33)<\/p>\n<h2><em><strong>Der Anfang<\/strong><\/em><\/h2>\n<p>Im Feldzug gegen Preu\u00dfen 1866 wollte der damalige Patriotische Hilfsverein Hilfsg\u00fcter auf die Schlachtfelder schicken, da \u00d6sterreich-Ungarn im Gegensatz zu Preu\u00dfen und Italien jedoch dem Genfer Abkommen nicht beigetreten war<sup><a name=\"5.1\" href=\"#5\">5<\/a><\/sup>, wurden diese G\u00fcter \u2013 mangels internationalem Status oder Mandat des Hilfsvereins &#8211; nicht vorgelassen. Die Wirkung des Vereins war daher auf das Reichsgebiet beschr\u00e4nkt, wo er Verwundete und Kranke pflegte. Dieser Verein l\u00f6ste sich \u2013\u00a0 anders als bisher \u2013 nicht nach dem Krieg auf, sondern etablierte sich, indem er die Geldmittel in einen Fonds legte, und wurde \u2013 \u00d6sterreich-Ungarn war inzwischen Signatarstaat der Genfer Konvention \u2013 mit Entschluss des Kaisers zu einer permanenten Einrichtung. Der \u201e\u00d6sterreichische Patriotische Hilfsverein f\u00fcr verwundete Krieger- Milit\u00e4rwitwen und Waisen\u201c bekannte sich zu den Prinzipien des Roten Kreuzes und verwendete als Namenszusatz \u201ezugleich Landeshilfsverein vom Rothen Kreuze f\u00fcr Nieder\u00f6sterreich\u201c<sup><a name=\"6.1\" href=\"#6\">6<\/a><\/sup>. (vgl. Vilt 1981, S. 19\u201330; \u00d6sterreichisches Rotes Kreuz 2002, S. 33)<br \/>\nWeitere Tochtervereine in B\u00f6hmen, in der Steiermark und in M\u00e4hren bzw. in Schlesien gr\u00fcndeten sich, auch ein Frauenhilfsverein f\u00fcr alle \u00f6sterreichischen L\u00e4nder wurde gegr\u00fcndet. Die Hilfsaktionen, die von den voneinander unabh\u00e4ngigen Vereinen organisiert wurden, beispielsweise 1878 w\u00e4hrend der Okkupation von Bosnien und der Herzegowina, verliefen unkoordiniert und teilweise chaotisch. Teilweise widersprachen sich die Ziele und Statuten der Teilorganisationen, von effizienter Hilfe keine Spur. Erst 1879 wurde, auf Initiative des Verteidigungsministers begonnen, diese Teilvereine an einen Tisch zu bringen und \u00fcber die Dachorganisation zu beraten, die mit 14. M\u00e4rz 1880 als \u00d6sterreichische Gesellschaft vom Rothen Kreuze (\u00d6GvRK) gegr\u00fcndet wurde. (vgl. Vilt 1981, S. 19\u201330 )<br \/>\nDelegierte des Roten Kreuzes, die im Kriegsdienst waren mussten entweder ausgebildete k.u.k. Offiziere sein, oder konnten bei Sonderverwendungen auch dem Zivilstand angeh\u00f6ren, mussten in jenem Falle aber eine Uniform tragen<sup><a name=\"7.1\" href=\"#7\">7<\/a><\/sup>. (vgl. Vilt 1981, S. 66f )<br \/>\nBereits 1900 wurde von der Bundesversammlung der \u00d6GvRK der Beschluss gefasst, die T\u00e4tigkeiten von der reinen Hilfeleistung bei au\u00dferordentlichen Not- und Ungl\u00fccksf\u00e4llen hin zu organisiertem zivil-staatlichen Sanit\u00e4tsdienst auszuweiten. Damit war wohl der Grundstein f\u00fcr den heute fl\u00e4chendeckend verf\u00fcgbaren Rettungs- und Krankentransportdienst gelegt. (vgl. Vilt 1981, S. 54; \u00d6sterreichisches Rotes Kreuz 2002, S. 44)<br \/>\nDer erste Transport-Einsatz der nagelneuen Verwundetentransportkutsche einer Rotkreuz-Dienststelle in der Bukovina, die heute im s\u00fcd\u00f6stlichen Polen liegt f\u00fchrte quer durch die Donaumonarchie in das Allgemeine Krankenhaus der Residenzstadt Wien. (vgl. Czech, 2009)<br \/>\nDie Aufgaben des Roten Kreuzes vor dem Ersten Weltkrieg waren zumeist rein auf die Unterst\u00fctzung der milit\u00e4rischen Sanit\u00e4tsdienste ausgerichtet, daher waren auch die Ressourcen beschr\u00e4nkt. Bei au\u00dfergew\u00f6hnlichen Notst\u00e4nden und Ungl\u00fccksf\u00e4llen wurden die &#8222;hiezu disponsiblen Kr\u00e4fte&#8220; unterst\u00fctzend eingesetzt. (vgl. Vilt 1981, S. 44f)<br \/>\nSo genannte &#8222;Blessiertentr\u00e4gerkolonnen&#8220;, bei denen der Kommandant vom Roten Kreuz gestellt wurde, die 23 sanit\u00e4tsdienstlich ausgebildeten Chargen und Soldaten von der k.k. Landwehr und die Fuhrleute aus der &#8222;Kondukteurschaft&#8220; des Rotkreuz-Feldspitals, genauso wie die Blessiertenwagen wurden organisiert. (vgl. Vilt 1981, S. 56f)<\/p>\n<h2><em><strong>Der Erste Weltkrieg<\/strong><\/em><\/h2>\n<p>Im Verlauf des Ersten Weltkriegs war die \u00d6GvRK haupts\u00e4chlich in den milit\u00e4rischen Sanit\u00e4tsdienst integriert, auch der Betrieb von Sanit\u00e4tsanstalten im gesamten Hinterland war Aufgabe des Roten Kreuzes. In Nieder\u00f6sterreich beispielsweise verzeichnete man in den ersten f\u00fcnf Kriegsjahren insgesamt 305.485 Patienten in den Sanit\u00e4tsanstalten, das waren 25,1 % der gesamten vom Roten Kreuz betreuten Verletzten und erkrankten Soldaten. (vgl. Vilt 1981, S. 163\u2013167)<br \/>\nNach Beginn des Ersten Weltkriegs wurde auch der zivile Rettungs- und Krankentransportdienst strukturiert. Alle Feuerwehrlandesverb\u00e4nde wurden an das Rote Kreuz angeschlossen, Ende 1916 gab es in \u00d6sterreich rund 4.800 Rettungsabteilungen unter dem Zeichen des Roten Kreuzes (organisatorisch zumeist in Feuerwehrhand). (vgl. Vilt 1981, S. 173f)<br \/>\nEine weitere Aufgabe des Roten Kreuzes war ab 1917 die Kur- und B\u00e4derf\u00fcrsorge f\u00fcr heeresentlassene Kriegskranke. Ein Kurhaus in Bad Gastein wurde beispielsweise 1918 zu diesem Zweck \u00fcbernommen und betrieben. (vgl. Vilt 1981, S. 178f)<br \/>\nNach dem Ende des Ersten Weltkriegs wurde \u2013 genauso, wie die staatlichen vormals k.u.k-Strukturen \u2013 auch die \u00d6sterreichische Gesellschaft vom Rothen Kreuze in mehrere nationale Rotkreuz-Gesellschaften aufgeteilt. Die Auseinandersetzungen \u00fcber die Verm\u00f6gensaufteilung dauerten einige Jahre. (vgl. Vilt 1981, S. 190\u2013196)<\/p>\n<h2><strong><em>Zwischenkriegszeit<\/em><\/strong><\/h2>\n<p>Der Friedensvertrag von Saint Germain von 1919 schr\u00e4nkte auch das Hauptaufgabengebiet der \u00d6GvRK ein: In Folge des Verbots von jeglicher Kriegsvorbereitung war auch die F\u00fcrsorge f\u00fcr Verwundete im Felde und erkrankte Soldaten verboten, das Rote Kreuz musste sich daher auf andere Aufgaben konzentrieren, beispielsweise die Gesundheits- und Wohlfahrtspflege und der Rettungsdienst, die Hilfeleistung bei \u00f6ffentlichen Notst\u00e4nden im In- und Ausland, die Zusammenarbeit mit anderen Tr\u00e4gern der freiwilligen Gesundheits- und Wohlfahrtspflege und das \u00d6sterreichische Jugendrotkreuz, das 1922 gegr\u00fcndet wurde. (vgl. Vilt 1981, S. 199\u2013200)<br \/>\nIn der Zwischenkriegszeit f\u00fchrte das Rote Kreuz weiterhin Rettungs- und Krankentransporte durch. Dabei wurde auf regionale und lokale Organisationen, also Freiwillige Feuerwehren, Freiwillige Rettungsgesellschaften oder Sport- und Kameradschaftsvereine zur\u00fcckgegriffen, die als &#8222;Korporationsmitglieder&#8220; pauschal dem jeweiligen Landesverein des Roten Kreuzes beitreten konnten und damit ihre Selbstst\u00e4ndigkeit bewahren und trotzdem mit den Ger\u00e4tschaften des Roten Kreuzes und mit Rotkreuz-Armbinde t\u00e4tig werden konnten. Dadurch konnte unter dem Zeichen des Roten Kreuzes nahezu fl\u00e4chendeckend ein rudiment\u00e4rer Rettungsdienst und Krankentransporte angeboten werden. Die dabei t\u00e4tigen Organisationseinheiten verstanden sich allerdings haupts\u00e4chlich lokal und eigenst\u00e4ndig, ein Ph\u00e4nomen, das mancherorts bis heute zu finden ist. (vgl. Vilt 1981, S. 219)<br \/>\nIm Rahmen der b\u00fcrgerkriegs\u00e4hnlichen Auseinandersetzungen in Ost\u00f6sterreich im Juli 1927, die im Brand des Justizpalastes m\u00fcndeten \u2013 die Polizei schoss damals auf die demonstrierenden Arbeiter (Berger 2007, S. 105\u2013110) wurde auch in \u00d6sterreich nach dem Vorbild der Deutschen Arbeiterschaft der Arbeitersamariterbund als Sektion des ASK\u00d6 gegr\u00fcndet<sup><a name=\"8.1\" href=\"#8\">8<\/a><\/sup>, \u201eda sich das b\u00fcrgerliche Rote Kreuz weigerte, verletzten Arbeitern zu helfen.\u201c (ASB\u00d6 Gruppe Floridsdorf-Donaustadt 2007)<\/p>\n<h2><em><strong>Nazidiktatur und Eingliederung ins Deutsche Rote Kreuz<\/strong><\/em><\/h2>\n<p>Ab 1938 wurde die \u00d6GvRK auf Initiative des gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Pr\u00e4sidenten des Deutschen Roten Kreuzes Ernst Robert Grawitz \u2013 er war gleichzeitig leitender SS-Arzt<sup><a name=\"9.1\" href=\"#9\">9<\/a><\/sup> &#8211; in das Deutsche Rote Kreuz (DRK) eingegliedert, welches analog zur Wehrmacht streng hierarchisch gegliedert und als der SS angegliederte Institution des verbrecherischen Regimes haupts\u00e4chlich kriegsunterst\u00fctzend t\u00e4tig war. Durch diese Eingliederung und Unterstellung wurde auch der Rettungsdienst und Krankentransport &#8211; die Hauptaufgabe der regionalen Rotkreuzdienststellen &#8211; nun vollst\u00e4ndig durch das Rote Kreuz durchgef\u00fchrt. (vgl. Vilt 1981, S. 241\u2013246; Dempfer 2009, S. 56f)<br \/>\nDie \u00dcbernahme ins DRK bewirkte auch die Modernisierung und den Aufbau fl\u00e4chendeckender Strukturen in der nunmehr als \u201eOstmark\u201c bezeichneten Region: die Organisation von Bereitschaften, die Errichtung von Krankenh\u00e4usern, Schwesternschulen, die Bereitstellung von Materialien und Bekleidung f\u00fcr das \u201eNationalsozialistische Sanit\u00e4tskorps, auch wenn es sich mit R\u00fccksicht auf die Genfer Konvention Deutsches Rotes Kreuz nennt\u201c<sup><a name=\"10.1\" href=\"#10\">10<\/a><\/sup>. (Dempfer 2009, S. 58)<br \/>\nDie Strukturen waren nunmehr nicht mehr eigenst\u00e4ndige Organisationen mit Assoziation zum Roten Kreuz, sondern \u2013 oftmals unter \u00dcbernahme der davor eigenst\u00e4ndigen Ressourcen &#8211; eine durchgehende paramilit\u00e4rische Organisationsform mit vollst\u00e4ndiger Eingliederung in die Luftschutz- und Milit\u00e4r-Einheiten des Regimes.<br \/>\nTrotz der Struktur und seiner N\u00e4he zum Regime waren die Aufgaben und Leistungen des Roten Kreuzes auch w\u00e4hrend des Krieges eine wichtige Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Zivilbev\u00f6lkerung, wenn auch nicht alle Teile der Bev\u00f6lkerung davon profitierten. Gerade die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rettungsdienst unterst\u00fctzten die Bev\u00f6lkerung und halfen \u2013 als Teil des Luftschutzes &#8211; nach den oft schweren Bombenangriffen mit, Verletzte zu versorgen. (vgl. Tesarek 2005, S. 03:15)<\/p>\n<h2><strong><em>Der Neuanfang 1945<\/em><\/strong><\/h2>\n<p>Die Rotkreuz-Arbeit im Rettungsdienst wurde von der Befreiung \u00d6sterreichs durch die Alliierten nicht unterbrochen, gleich nach Kriegsende versuchten Rotkreuz-Mitarbeiter in allen Bundesl\u00e4ndern die Strukturen von vor 1938 wiederherzustellen. So wurde das \u00d6sterreichische Rote Kreuz bereits im November 1945 wieder provisorisch gegr\u00fcndet<sup><a name=\"11.1\" href=\"#11\">11<\/a><\/sup>. Gleiches gilt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr die Landesverb\u00e4nde. (vgl. Vilt 1981, S. 247\u2013250)<br \/>\nUnabh\u00e4ngig von der rechtlichen Vereinsstruktur waren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sofort wieder im Einsatz, um ihre Dienste als Rotkreuz-Schwestern oder -Sanit\u00e4ter zu verrichten, in ganz \u00d6sterreich war ja durch die letzten Kriegsmonate enorm viel zerst\u00f6rt worden, sehr viele Verletzte und Verwundete mussten ebenso noch versorgt werden. (vgl. Vilt 1981, S. 247\u2013250)<br \/>\nDer Rettungsdienst wurde auch nach dem Zweiten Weltkrieg weiter betrieben und ausgebaut. Standen in den ersten Jahren nach dem Krieg die Wiederherstellung der Infrastruktur und das Anschaffen von Fahrzeugen und Arbeitsger\u00e4t im Vordergrund, so \u00e4nderten sich diese Bed\u00fcrfnisse im Laufe der Zeit: Gegen Ende des 20. Jahrhunderts war die Fl\u00e4chendeckung und die rasche Verf\u00fcgbarkeit von medizinischer Hilfe sehr wichtig \u2013 zahlreiche neue Dienststellen entstanden in ganz \u00d6sterreich, um diese Eintreffzeiten zu verringern. Ein weiterer Meilenstein im Bereich des Rettungsdienstes war die Etablierung eines fl\u00e4chendeckenden Notarztsystems, das im Laufe der 1980er und 1990er Jahre errichtet wurde. (vgl. Vilt 1981, S. 272\u2013278; \u00d6sterreichisches Rotes Kreuz 2003)<br \/>\nAuch der Bereich der Heimhilfe bzw. Hauskrankenpflege entstand im heutigen Sinne erst deutlich nach dem Zweiten Weltkrieg. War die Rotkreuz-Schwesternschaft \u2013 entstanden erst auf DRK-Initiative im Dritten Reich &#8211;\u00a0 auch nach dem Kriege noch haupts\u00e4chlich im Bereich der \u201eF\u00fcrsorge\u201c, der Kinderhilfe, der Fl\u00fcchtlingsf\u00fcrsorge bzw. direkt in Krankenh\u00e4usern in der Versorgung von Erkrankten und Verletzten t\u00e4tig, so wurde in den 1970er-Jahren dieser Bereich neu \u00fcberdacht und in Form der \u201eGesundheits- und Sozialen Dienste\u201c restrukturiert: Hauskrankenpflege und Heimhilfe \u2013 also extramurale Leistungen \u2013 waren aufgrund des demographischen Wandels notwendig. Auch andere neue Dienstleistungen, wie beispielsweise \u201eEssen auf R\u00e4dern\u201c wurden angeboten. (vgl. Vilt 1981, S. 284\u2013288)<\/p>\n<h2><em><strong>Das \u00d6RK heute<\/strong><\/em><\/h2>\n<p>Das \u00d6sterreichische Rote Kreuz ist mit seinen rund 5.000 hauptberuflichen und mehr als 45.000 freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Teil der Internationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung. (vgl. \u00d6sterreichisches Rotes Kreuz 02.01.2009)<br \/>\nDie weltweit g\u00fcltigen Rotkreuz-Grunds\u00e4tze<sup><a name=\"12.1\" href=\"#12\">12<\/a><\/sup> (\u00d6sterreichisches Rotes Kreuz, 2008) definieren Unabh\u00e4ngigkeit und Unparteilichkeit als zentrale Leitlinien jeglicher Rotkreuz-Arbeit. Jede N\u00e4he zu parteipolitischen oder religi\u00f6sen Gemeinschaften wird daher abgelehnt.<br \/>\nDie j\u00e4hrlich ver\u00f6ffentlichten Bilanzzahlen zeigen f\u00fcr das Jahr 2006 Gesamterl\u00f6se im Ausma\u00df von 446.199.000 Euro, die zu 64,86 % aus Kosteners\u00e4tzen und Leistungserl\u00f6sen, zu 11,25\u00a0% aus Spenden und Mitgliedsbeitr\u00e4gen, sowie zu 23,89 % aus anderen Quellen stammen. Aufwandseitig sind der Rettungs- und Krankentransportdienst (59 %), der Blutspendedienst (18 %) und die Gesundheits- und Sozialen Dienste (17 %) die gr\u00f6\u00dften Posten. (vgl. Fraisl 2008)<br \/>\nInsgesamt 48.4602 freiwillige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, 5.497 und 3.384 Zivildienstleistende f\u00fchrt das \u00d6sterreichische Rote Kreuz in seiner Bilanz an. Es ist damit wohl die gr\u00f6\u00dfte private Sozialinstitution \u00d6sterreichs. Vergleicht man die Mitarbeiterzahlen der vergangenen Jahre, so kann man eine deutlich steigende Tendenz, vor allem bei den Freiwilligen erkennen. (vgl. Fraisl 2008, S. 3)<\/p>\n<h2><em><strong>Dienstleistungsangebote heute<\/strong><\/em><\/h2>\n<p>Die Angebote an Dienstleistungen (Leistungsbereiche und Aufgaben vgl. \u00d6sterreichisches Rotes Kreuz, 2009) des Roten Kreuzes sind umfangreich und k\u00f6nnen hier nicht umfassend dargestellt werden. Sie beginnen bei den bekanntesten Diensten im Rettungs- und Krankentransport und reichen im Gesundheits- und Sozialbereich von der extramuralen Pflege bis hin zu station\u00e4ren und teilstation\u00e4ren Pflege- und Hospizeinrichtungen. Der Blutspendedienst ist ebenso Teil des Dienstleistungsangebots, wie das \u00d6sterreichische Jugendrotkreuz oder der Bereich der Erste-Hilfe-Ausbildung, aber auch im Migrationsbereich gibt es Angebote. Genauso breit wie das Leistungsportfolio gestalten sich die unterschiedlichen Zielgruppen f\u00fcr die Dienstleistungen. Aufgrund des geschilderten Spektrums kann man getrost annehmen, dass das Rote Kreuz in \u00d6sterreich den gesamten Lebensweg eines Menschen begleiten kann: Zur Geburt wird die Mutter mit dem Krankentransport des Roten Kreuzes in den Krei\u00dfsaal gebracht. Als Kind ist man mit dem Jugendrotkreuz konfrontiert, dann macht man f\u00fcr den F\u00fchrerschein einen Erste-Hilfe-Kurs; vielleicht ben\u00f6tigt man einmal den Rettungsdienst, ist dann als pflegender Angeh\u00f6riger mit den Beratungsleistungen bedient, um sp\u00e4ter selbst Klient f\u00fcr Pflege- und Betreuungsleistungen \u2013 vielleicht sogar in einer station\u00e4ren Einrichtung zu werden.<\/p>\n<h1><strong>Das Rote Kreuz in Nieder\u00f6sterreich<\/strong><\/h1>\n<h2><strong><em>Die Anfangsjahr<\/em><\/strong>e<\/h2>\n<p>Der Nieder\u00f6sterreichische Rotkreuz-Landesverband war eigentlich die Keimzelle f\u00fcr das Rote Kreuz im k.u.k. Reich. Der bestehende patriotische Hilfsverein f\u00fcr Nieder\u00f6sterreich wurde 1867 mit dem Zusatz \u201ezugleich Landeshilfsverein vom Roten Kreuz in Nieder\u00f6sterreich\u201c benannt. (siehe dazu auch: Der Anfang, Seite 8). Erst 1880 folgte die Dachorganisation f\u00fcr alle Landesvereine als \u201e\u00d6sterreichische Gesellschaft vom Rothen Kreuze\u201c (vgl. Burger 1993, S. 48)<br \/>\nDie Aufgaben der Landesvereine waren neben der Bereitstellung von sanit\u00e4tsdienstlicher und humanit\u00e4rer Unterst\u00fctzung \u2013 vornehmlich f\u00fcr die Armeen \u2013 auch der Betrieb von Vereinsreservespit\u00e4lern und Rekonvaleszentenh\u00e4usern, in N\u00d6 gab es davon im Jahr 1913 drei Spit\u00e4ler mit Ressourcen f\u00fcr 20 Offiziere und 900 Soldaten und sechs Rekonvaleszentenh\u00e4user f\u00fcr in Summe 32 Offiziere und 165 Soldaten (vgl. Vilt 1981, S. 86\u201388).<br \/>\nDie vornehmlich kriegsdienstlichen Aufgaben wurden ab der Jahrhundertwende auch um Unterst\u00fctzungsleistungen f\u00fcr den zivilen Bereich, vornehmlich bei gro\u00dfen Unf\u00e4llen, aber auch im Krankentransport erg\u00e4nzt. Der Transport von Verletzten und Verwundeten im Hinterland erfolgte in Zusammenarbeit durch freiwillige Feuerwehren und Turnvereinen, die im Anlassfalle als Organe der Roten Kreuzes agierten. (vgl. Vilt 1981, S. 96)<\/p>\n<h2><strong><em>Best Practice in Wiener Neustadt<\/em><\/strong><\/h2>\n<p>Bereits 1900 wurde vom Roten Kreuz als praktischer Versuch im Bezirk Wiener Neustadt ein Verwundeten- und Krankentransportdienst mit zwei Standorten (in Wiener Neustadt und in Schwarzau) errichtet. Das beigestellte Sanit\u00e4tsmaterial wurde von den Gemeinde\u00e4rzten verwaltet, die auch die Ausbildung geeigneter Feuerwehrm\u00e4nner in \u201eErster Hilfe\u201c \u00fcbernahmen. Die Kosten wurden von Sponsoren und von den Gemeinden \u00fcbernommen bzw. mittels \u201eFundraising\u201c erwirtschaftet. Dieser Leistungsbereich machte das Rote Kreuz in Wiener Neustadt<sup><a name=\"13.1\" href=\"#13\">13<\/a><\/sup> sehr popul\u00e4r, wie einem zeitgen\u00f6ssischen Bericht zu entnehmen war. (vgl. Vilt 1981, S. 125f)<\/p>\n<h2><strong><em>Trennungsthese<\/em><\/strong><\/h2>\n<p>In Nieder\u00f6sterreich gab es bereits sehr fr\u00fch eine diesbez\u00fcgliche vertragliche Vereinbarung zur Kooperation beim Rettungs- und Krankentransportdienst zwischen der Feuerwehr und dem Roten Kreuz, in dem sich die Feuerwehren verpflichteten, das Rote Kreuz zu unterst\u00fctzen und die Rotkreuz-Idee zu verbreiten, daf\u00fcr wurden Feuerwehrmitglieder vom Roten Kreuz ausgebildet. Rettungsstellen wurden vom Roten Kreuz errichtet und ausgestattet, die Feuerwehren stellten das Personal. Ausserdem konnten weitere Personen vom Roten Kreuz zus\u00e4tzlich an den Standorten t\u00e4tig werden, die nicht der Feuerwehr angeh\u00f6ren mussten. Das waren dann oft auch Rotkreuz-\u00c4rzte. Insgesamt waren bis 1937 in N\u00d6 4.083 \u201eRettungsm\u00e4nner\u201c ausgebildet worden, die an 1.142 Rettungsstellen ihren Dienst versahen. (vgl. Vilt 1981, S. 220\u2013222)<br \/>\nDas Rote Kreuz &#8211; damals Verein des gehobenen Bildungsb\u00fcrgertums und des Adels &#8211; \u00fcbte in diese Dienststellen die Koordination und den \u201e\u00e4rztlichen Dienst\u201c aus, w\u00e4hrend die Feuerwehr, bestehend vornehmlich aus dem niederen B\u00fcrgertum und den Bauern, die Mannschaft und die Kommandanten f\u00fcr die Mannschaft stellte. Dies stellt meiner Ansicht nach eine der Determinanten dar, die zu einer noch immer persistenten Segregation zwischen den Funktion\u00e4ren des Roten Kreuzes \u2013 die noch immer eher aus dem h\u00f6heren B\u00fcrgertum kommen &#8211; auf der einen und den \u201ediensttuenden\u201c Mannschaften auf der anderen Seite f\u00fchrt.<\/p>\n<h2><strong><em>Die Neugr\u00fcndung nach dem Zweiten Weltkrieg<\/em><\/strong><\/h2>\n<p>F\u00fcr die Zeit bis zum Ersten Weltkrieg und die Zwischenkriegszeit gibt es f\u00fcr das Rote Kreuz in Nieder\u00f6sterreich in den vorhandenen Quellen keine f\u00fcr die soziologischen Betrachtungen im Anschluss relevanten Besonderheiten zu berichten, die nicht bereits in der allgemeinen Geschichte des \u00d6sterreichischen Roten Kreuzes genannt wurden<sup><a name=\"14.1\" href=\"#14\">14<\/a><\/sup>.<br \/>\nWesentlich f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des Feldes allerdings, ist die Entwicklung nach dem zweiten Weltkrieg. Die Wiedergr\u00fcndung des Landesverbandes erfolgte 1945 zun\u00e4chst als Landesverband vom Roten Kreuz f\u00fcr Wien, Nieder\u00f6sterreich und das Burgenland. Dieser Landesverband wurde am Standort der \u00d6sterreichischen Gesellschaft vom Roten Kreuzes in der Milchgasse in der Wiener Innenstadt errichtet<sup><a name=\"15.1\" href=\"#15\">15<\/a><\/sup>. Die Aufspaltung in unabh\u00e4ngige Landesorganisationen erfolgte erst viel sp\u00e4ter. Zuerst entkoppelte sich das Burgenland und erst viele Jahre sp\u00e4ter der Landesverband Wien.<br \/>\nBesonderen Einfluss auf die Funktion\u00e4rslandschaft, so berichtet Volkmar Burger in einer Festschrift aus dem Jahre 1993, hatte die Verbotsgesetzgebung nach der ehemalige NSDAP-Mitglieder und Nazi-Funktion\u00e4re in \u00d6sterreich nicht als Funktion\u00e4re t\u00e4tig sein durften. Im Jahr 1950 wurde daher Direktor<sup><a name=\"1.16\" href=\"#16\">16<\/a><\/sup> Ing. Friedrich Proksch zum so genannten \u201eleitenden Beamten\u201c ernannt, eine Funktion, die sp\u00e4ter Landessekret\u00e4r genannt wurde und heute dem Vorsitzenden der Gesch\u00e4ftsleitung als monokratisches Organ entspricht. (vgl. Burger 1993, S. 52)<br \/>\nDie Funktion war nicht nur ein monokratisches Organ, sondern auch mit der Funktion des gew\u00e4hlten Landesrettungskommandanten junktimiert, was dazu f\u00fchrte, dass Ing. Proksch zum Vorgesetzten f\u00fcr den gesamten operativen Betrieb des N\u00d6 Roten Kreuzes war. In Kombination mit Pr\u00e4sidenten, die ihre statutarische Macht als gew\u00e4hltes oberstes Organ des Vereins nicht wahrnahmen, konnte der Landessekret\u00e4r auch s\u00e4mtliches Wissen \u00fcber die Organisation in Anspruch nehmen und als ihr Au\u00dfenvertreter nahezu uneingeschr\u00e4nkt auftreten. Die regionalen Bezirksstellenleiter waren zu jener Zeit n\u00e4mlich vom Pr\u00e4sidium eingesetzt und waren daher auf das Wohlwollen der Landesverbandsf\u00fchrung angewiesen. Sein zentralistischer und autorit\u00e4rer F\u00fchrungsstil, den er ohne Kompromisse durchsetzte, stie\u00df zwar vielerorts immer mehr auf Ablehnungen, seine Anordnungen wurden trotzdem in ganz Nieder\u00f6sterreich bis zu seiner Demission im Jahr 1982 befolgt und umgesetzt. (vgl. Burger 1993, S. 52)<\/p>\n<h2><strong><em>Lokale Demokratisierung<\/em><\/strong><\/h2>\n<p>In den 1970er-Jahren wurden \u2013 f\u00fcr den Bereich der Bezirksstellen Nieder\u00f6sterreichs &#8211; demokratischere Statuten beschlossen, die Bezirksstellen f\u00fchrten von nun an Wahlen durch. Auf Landesebene \u00e4nderte sich nichts.<br \/>\nRegionale Gemeindevertreter und Pers\u00f6nlichkeiten des \u00f6ffentlichen Lebens wurden in die so genannten Bezirksstellenaussch\u00fcsse gew\u00e4hlt, auch Vertreter der Mannschaft und Rechnungspr\u00fcfer wurden in die Aussch\u00fcsse gew\u00e4hlt. Die Bezirksstellenleiter wurden zwar weiterhin zentral bestellt \u2013 die Zustimmung des gew\u00e4hlten Ausschusses war allerdings zur Bestellung n\u00f6tig.<br \/>\nDer n\u00e4chste Demokratisierungsschritt f\u00fcr die regionalen Dienststellen wurde mit den n\u00e4chsten Statuten im Jahr 1976 absolviert: Nunmehr wurden auch die Funktion\u00e4re, also Bezirksstellenleiter und seine Stellvertreter, Schriftf\u00fchrer und Kassier f\u00fcr jede Bezirksstelle gew\u00e4hlt, auch die Mannschaftsoffiziere, das so genannte Kommando war zu w\u00e4hlen. Diese Demokratisierung f\u00fchrte \u2013 da die Wahl an keine Ausbildungserfordernisse gekn\u00fcpft war &#8211; zun\u00e4chst oftmals dazu, dass jene Mitarbeiter zu Kommandanten wurden, die in der Mannschaft am beliebtesten waren, oftmals durch intensives Beistellen verschiedenster lokaler Alkoholika bei den Mannschaftsversammlungen. \u201eBierkistlkommandanten\u201c nennt sie Burger (vgl. Burger 1993, S. 52\u201353) in seinem Beitrag zur historischen Entwicklung des N\u00d6 Roten Kreuzes: \u201eDa sich die Wahl der Offiziere nicht bew\u00e4hrte, wurde sie 1981 wieder abgeschafft, daf\u00fcr wurde die Offiziersausbildung obligatorisch.\u201c (Burger 1993, S. 53)<\/p>\n<h2><strong><em> Nach Jahrzehnten der Wandel<\/em><\/strong><\/h2>\n<p>Im Bereich des Landesverbandes, der in Wien IX in der Peregringasse residierte, \u00e4nderte sich trotz Demokratisierung an der Basis bis in die 1980er-Jahre wenig. Daf\u00fcr war der darauf folgende Wandel um so nachhaltiger.<br \/>\nEine zentrale Figur, Direktor Ingenieur Proksch hielt alle Z\u00fcgel fest in der Hand: Landessekret\u00e4r und Landesrettungskommandant. In den 1980er Jahren begannen sich immer mehr Bezirksstellen gegen die autorit\u00e4re und zentralistische F\u00fchrung zur Wehr zu setzten. Schlie\u00dflich trat auch der Pr\u00e4sident Obermedizinalrat Dr. Ernst Wechtl, ein praktischer Arzt aus Aspang im s\u00fcdlichen Nieder\u00f6sterreich 1982 zur\u00fcck, gleiches tat der Vizepr\u00e4sident Minister Otto R\u00f6sch. Damit war im Landesverband nur mehr ein Akteur t\u00e4tig, der nun versuchte, alles an sich zu rei\u00dfen: Ing. Friedrich Proksch lie\u00df sich zur Generalversammlung am 22. September 1982 zur Wahl als Pr\u00e4sident des Landesverbandes aufstellen, wurde allerdings von den Delegierten aus den Bezirksstellen, die sich endlich demokratisch gegen den zentralistischen Kurs wehren konnten, nicht gew\u00e4hlt. Entt\u00e4uscht legte er bald darauf die Funktion des Landesrettungskommandanten zur\u00fcck und mit Jahresende 1982 schied er auch als leitender Angestellter aus dem Rotkreuz-Landesverband aus. (vgl. Burger 1993, S. 53)<\/p>\n<p><strong><em>Zentral, dezentral, f\u00f6deral?<\/em><\/strong><br \/>\nNach der Eskalation um die Nicht-Wahl von Ing. Proksch zum Pr\u00e4sidenten wurden viele Gespr\u00e4che mit m\u00f6glichen Kandidaten um das Amt des Pr\u00e4sidenten gef\u00fchrt. Der Landespolitiker und Klubobmann der \u00d6VP im N\u00d6 Landtag Ing. Hans Kellner war seit einigen Jahren auch Rotkreuz-Bezirksstellenleiter der kleinen Bezirksstelle Atzenbrugg-Heiligeneich im Tullnerfeld und wurde immer wieder als potentieller Kandidat genannt. (vgl. Wallner 1999, S. 56)<\/p>\n<p>Kellner war bereits seit 1971 auch als Vizepr\u00e4sident im N\u00d6 Roten Kreuz t\u00e4tig, eine Funktion die lediglich auf dem Papier bestand. In der Krise trafen sich viele Bezirkshauptleute, die oftmals in Personalunion auch Bezirksstellenleiter im Roten Kreuz waren<sup><a name=\"17.1\" href=\"#17\">17<\/a><\/sup> im B\u00fcro des Klubobmannes, um L\u00f6sungen in der Krise zu finden. Man ersuchte Kellner, die Funktion des Pr\u00e4sidenten zu \u00fcbernehmen. (vgl. Lechner 1999, S. 49\u201350)<br \/>\nIng. Hans Kellner stellte sich der Wahl und wurde mit \u00fcberw\u00e4ltigender Mehrheit gew\u00e4hlt. Er \u00fcbernahm daher als gew\u00e4hlter Pr\u00e4sident die oberste F\u00fchrung des N\u00d6 Rotkreuz-Landesverbands, als leitender Angestellter wurde der vormalige Bezirkssekret\u00e4r von G\u00e4nserndorf Christian Czink besch\u00e4ftigt und in die Funktion des Landesrettungskommandanten wurde der M\u00f6dlinger Rotkreuz-Bezirksstellenleiter und Stadtrat Ing. Volkmar Burger gew\u00e4hlt. (vgl. Burger 1993, S. 53)<br \/>\nMit diesem kompletten Wechsel an der Spitze der Organisation ver\u00e4nderten sich auch die Strukturen und die Spielregeln im Feld. Kellner, der als Landwirtschaftslehrer das Bundesland Nieder\u00f6sterreich mit seinen stark rural gepr\u00e4gten Regionen hervorragend kannte, war auch ein geschickter und erfahrener Politiker, der gar kein Interesse an zentraler Machtaus\u00fcbung hatte. Die Machtstrukturen ver\u00e4nderten sich schlagartig, durch die abrupt endende Zentralmacht. Auf einmal waren die Bezirksstellen mit eigener Finanzmacht ausgestattet und f\u00f6deral selbst f\u00fcr ihren operativen Betrieb verantwortlich. Was sich nat\u00fcrlich nicht \u00e4nderte war die Struktur innerhalb der Bezirksstellen. Die Zentralmacht wurde lediglich von einer Person auf 56 \u2013 allerdings demokratisch gew\u00e4hlte &#8211; Personen in Nieder\u00f6sterreich verteilt.<br \/>\nDie Aufgaben des Landesverbandes wandelten sich von der F\u00fchrung in Richtung Steuerung und Richtlinienvorgaben, wobei der Fokus im Laufe der Pr\u00e4sidentschaft Kellners in Richtung f\u00f6deraler und dezentraler Machtaus\u00fcbung lag. (Siehe dazu Organisationsstruktur des N\u00d6 Roten Kreuzes).<br \/>\nDurch die fehlende zentrale Koordination \u2013 der Landessekret\u00e4r war hinsichtlich zentraler Steuerung \u00e4hnlicher Ansicht, wie der Pr\u00e4sident &#8211; wanderte das Pendel vom monokratisch und zentral gef\u00fchrtem B\u00fcrokratiemodell Anfang der 1980er hin zum nahezu unsteuerbaren und dezentralen Modell, wie es besonders deutlich bis in die 1990er-Jahre bestand. Erst langsam, haupts\u00e4chlich bewirkt durch \u00f6konomischen Druck, unterst\u00fctzt durch verschiedene Organisationsentwicklungsversuche, bewegt sich das Gesamtsystem langsam wieder in Richtung koordiniertem Gesamtverband.<br \/>\nAufgrund der Etablierung von St. P\u00f6lten zur eigenen Hauptstadt f\u00fcr das Bundesland Nieder\u00f6sterreich in den 1980er-Jahren war es der N\u00d6 Landesregierung ein Anliegen, auch alle Nieder\u00f6sterreichischen Zentralen unterschiedlicher Organisationen weg von Wien zu bringen: \u201eF\u00fcr alle Hilfsorganisationen ist als Standort die Stadt Tulln vorgesehen. 1993 war der Neubau des Verwaltungsgeb\u00e4udes und des Schulungsgeb\u00e4udes fertig gestellt und der Landesverband zog um.\u201c (\u00d6sterreichisches Rotes Kreuz, Landesverband Nieder\u00f6sterreich 2009)<\/p>\n<h2><em><strong> Ins neue Jahrtausend<\/strong><\/em><sup><a name=\"18.1\" href=\"#18\">18<\/a><\/sup><\/h2>\n<p>Aufgrund verschiedener nicht n\u00e4her erl\u00e4uterbarer Vorkommnisse trennte sich der Landesverband im Jahre 1998 vom leitenden Angestellten Christian Czink, eine Dreier-Gesch\u00e4ftsleitung als Kollegialorgan wurde eingerichtet, deren Mitglieder bereits davor mittlere Managementaufgaben im N\u00d6 Roten Kreuz hatten. Das waren Gerhard Wessely als \u201eSprecher der Gesch\u00e4ftsleitung\u201c, der bereits seit vielen Jahren die Ausbildung (damals die gr\u00f6\u00dfte Abteilung im Landesverband) leitete, Maria Kn\u00f6pfl, die langj\u00e4hrige Leiterin der Buchhaltungsabteilung und Carl-Heinz Langer, der davor viele Jahre als Leiter des operativen Rettungsdienstes t\u00e4tig war.<br \/>\nUm die Nachfolge von Ing. Kellner bewarben sich zwei Funktion\u00e4re, die beide lange Zeit im Arbeitsausschuss waren. Auf der einen Seite der damalige Landesrettungskommandant Ing. Volkmar Burger und andererseits der damalige Vizepr\u00e4sident Hadmar Lechner. Burger war ein Bauingenieur aus dem Bezirk M\u00f6dling, s\u00fcdlich von Wien, wo er auch selbst seit vielen Jahren Bezirksstellenleiter war. Auch sein politisches Engagement als langj\u00e4hriger \u00d6VP-Finanzstadtrat in M\u00f6dling war bekannt. Mit der Kandidatur zum Pr\u00e4sidenten legte Burger seine Funktion als Landesrettungskommandanten nieder und schlug der Generalversammlung auch seinen Nachfolger zur Wahl vor: Ing. Friedrich Eigenschink, der auch gew\u00e4hlt wurde und diese Funktion bis heute inne hat. Die Generalversammlung w\u00e4hlte Hadmar Lechner zum Pr\u00e4sidenten; Hofrat, Verwaltungsjurist und Bezirksstellenleiter der Bezirksstelle Melk an der Donau und als Bezirkshauptmann auch im nieder\u00f6sterreichischen politischen Netzwerk bekannt und verankert.<br \/>\nSein Nachfolger als Vizepr\u00e4sident wurde der ehemalige Nationlaratsabgeordnete aus dem Waldviertel, \u00d6konomierat Willibald Sauer, der inzwischen selbst Pr\u00e4sident des Roten Kreuzes, Landesverband Nieder\u00f6sterreich ist.<br \/>\nIm Jahr 2003 gab es erneut eine \u00c4nderung in der Gesch\u00e4ftsleitung. Carl-Heinz Langer \u00fcbernahm die Position des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers, die bis dahin eingerichtete kollegiale Leitung wurde wieder durch eine monokratische F\u00fchrung ersetzt.<sup><a name=\"19.1\" href=\"#19\">19<\/a><\/sup><\/p>\n<h2><em><strong> Die Causa LEBIG<sup><a name=\"20.1\" href=\"#20\">20<\/a><\/sup><\/strong><\/em><\/h2>\n<p>Im Oktober 2001 pr\u00e4sentierte das Land N\u00d6 eine Analyse, die vorschlug, die so genannten Leitstellen zu reorganisieren. Das sind die Organisationseinheiten, die die Notrufe und Anrufe entgegen nehmen und die Fahrzeuge des Rettungs- und Krankentransportes koordinieren. Zu diesem Zeitpunkt gab es in N\u00d6 mehr als 90 Leitstellen, beim Roten Kreuz deutlich \u00fcber 50. Die Funktion\u00e4rsgremien beschlossen daher eine Restrukturierung, die sich aufgrund der bestehenden Organisationsverh\u00e4ltnisse nur durch eine Herausl\u00f6sung der bestehenden Leitstellen in ein neues \u201eShared Service\u201c durchf\u00fchren lie\u00df.<br \/>\n\u201eAm 5. M\u00e4rz 2003 wurde die LEBIG (Leitstellen-Entwicklungs, -betriebs- und -integrationsgesellschaft mbH) offiziell gegr\u00fcndet.&#8220; (144 NOTRUF N\u00d6 GMBH 2008)<br \/>\nDiese Gesellschaft \u2013 zun\u00e4chst im Eigentum des Roten Kreuzes und sp\u00e4ter mit dem Christophorus-Flugrettungsverein, dem Betreiber der \u00d6AMTC-Notarzthubschrauber und dam N\u00d6 Arbeitersamariterbund als Minderheitsgesellschafter \u2013 \u00fcbernahm auch einen Gro\u00dfteil der angestellten Leitstellenmitarbeiterinnen und -mitarbeiter. Durch die Herausl\u00f6sung des Personals aus dem Betrieb wurden allerdings auch die laufenden Kosten explizit, die bis dahin als allgemeine Verwaltungsgemeinkosten nicht weiter auffielen. Diese wurden daher &#8211; kalkuliert auf den einzelnen vermittelten Auftrag &#8211; den Dienststellen verrechnet. Zudem wurde in moderne Infrastruktur im IT und Telekommunikationsbereich investiert und ein landesweites Qualit\u00e4tsmanagement eingef\u00fchrt, was zu einer zus\u00e4tzlichen Erh\u00f6hung der laufenden Betriebskosten gef\u00fchrt hat. Gleichzeitig verloren die regionalen F\u00fchrungskr\u00e4fte den direkten Zugriff auf die Leitstellen, die die zentralen Regelungs- und Steuerungsinstrumente f\u00fcr den Rettungs- und Krankentransportdienst sind.<br \/>\nAufgrund der gestiegenen laufenden Kosten und der Tatsache, dass die Infrastrukturinvestments auch eine Finanzierungsl\u00fccke hinterlie\u00dfen, versuchten viele Funktion\u00e4re, die Verantwortung und vor allem die Kosten an der LEBIG abzutreten. Das Land Nieder\u00f6sterreich \u00fcbernahm daher im Juni 2004 nach einigen Verhandlungen gleichzeitig mit der Finanzierung des Systems auch die Mehrheitseigent\u00fcmerrechte an der Gesellschaft und die Rettungsdienstorganisationen haben dort nur mehr eine Sperrminorit\u00e4t. Durch diese \u00dcbernahme wurden die laufenden Betriebskosten f\u00fcr die Bezirksstellen selbst gesenkt \u2013 allerdings gab man damit auch das Steuerungsinstrument f\u00fcr den Rettungsdienst und Krankentransport in Nieder\u00f6sterreich aus der Hand.<\/p>\n<h1><em><strong> Nachsatz<\/strong><\/em><\/h1>\n<p>Der Textteil zur Geschichte des Roten Kreuzes in Nieder\u00f6sterreich seit dem Zweiten Weltkrieg st\u00fctzt sich zum gr\u00f6\u00dften Teil auf sehr wenige Quellen. Die Autoren dieser Quellen waren zumeist selbst Organwalter der h\u00f6chsten F\u00fchrung des N\u00d6 Roten Kreuzes, daher kann man die Historie in dieser Form auch als \u201eTeil der feldspezifischen Illusio\u201c zur Gestaltung einer organisationsspezifischen Realit\u00e4t bezeichnen.<br \/>\nSpeziell die Interpretation der T\u00e4tigkeiten des ehemaligen Landessekret\u00e4rs und Landesrettungskommandanten Proksch sind in diesen Quellen extrem einseitig geschildert. Bedenkt man, dass beispielsweise Volkmar Burger unter Proksch Teil der jungen \u201eH\u00e4resie\u201c im Feld war und nach dessen Fall in die Orthodoxie aufstieg, so wird auch dieses Abschlie\u00dfen mit dem Paradigmenwechsel und die Negation der vorigen F\u00fchrungskr\u00e4fte unter Euphemisierung der eigenen Leistungen im Rahmen des organisationalen Wandels durchaus nachvollziehbar.<br \/>\nGerade hinsichtlich der Nieder\u00f6sterreichischen Rotkreuz-Geschichte nach dem Zweiten Weltkrieg w\u00e4re eine eigene quellenbasierte Studie sinnvoll und angebracht, zumal die Akteure der ersten Stunde nach der Absetzung von Ing. Proksch inzwischen verstorben sind und auch die zweite Generation der F\u00fchrungskr\u00e4fte danach inzwischen in der Reserve ist und ein abgekl\u00e4rter &#8211; vielleicht objektiverer \u2013 Blick auf die damaligen Entwicklungen nunmehr leichter f\u00e4llt.<\/p>\n<h1>Literaturverzeichnis<\/h1>\n<ul>\n<li> <strong>144 NOTRUF N\u00d6 GMBH<\/strong> (Hg.) (2008): Entwicklung. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"http:\/\/www.144.at\/wb\/pages\/de\/allgemeine-infos\/entwicklung.php\">http:\/\/www.144.at\/wb\/pages\/de\/allgemeine-infos\/entwicklung.php<\/a>, zuletzt gepr\u00fcft am 21. Juli 2009.<\/li>\n<li> <strong>ASB\u00d6 Gruppe Floridsdorf-Donaustadt<\/strong> (2007): Die Geschichte des Arbeiter-Samariter-Bundes \u00d6sterreichs. Arbeitersamariterbund \u00d6sterreichs. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"http:\/\/www.samariter.at\/ueber_uns\/ueber_uns_detail\/article\/die-geschichte-des-arbeiter-samariter-bundes-oesterreichs\/\">http:\/\/www.samariter.at\/ueber_uns\/ueber_uns_detail\/article\/die-geschichte-des-arbeiter-samariter-bundes-oesterreichs\/<\/a>\/86\/?cHash=6f40eed1ee, zuletzt aktualisiert am 15.10.2007, zuletzt gepr\u00fcft am 01. J\u00e4nner 2009.<\/li>\n<li> <strong>Berger, Peter <\/strong>(2007): Kurze Geschichte \u00d6sterreichs im 20. Jahrhundert. 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Weitere Beteiligte: Tesarek, Paul; Czech Gerald (Red.). DVD. Wien: ORF und \u00d6sterreichisches Rotes Kreuz.<\/li>\n<li> <strong>Vilt, Walter<\/strong> (1981): Die Entwicklung der \u00d6sterreichischen Gesellschaft vom Roten Kreuz von den Anf\u00e4ngen bis in die Gegenwart. Dissertation. Betreut von Univ. Prof. Dr. Ernst Bruckm\u00fcller. Wien. Universit\u00e4t Wien, geisteswissenschaftliche Fakult\u00e4t.<\/li>\n<li> <strong>Wallner, Franz <\/strong>(1999): Wir wurden nicht entt\u00e4uscht! In: Lechner, Hadmar (Hrg ). (Hg.): Hans Kellner. Ein Leben f\u00fcr die Gemeinschaft. Festschrift zum 70. Geburtstag. Tulln: Eigenverlag, S. 56\u201359.<\/li>\n<li> <strong>Wicke, Markus <\/strong>(2002): SS und DRK. Das Pr\u00e4sidium des Deutschen Roten Kreuzes im nationalsozialistischen Herrschaftssystem 1937 &#8211; 1945. Potsdam: Vicia.<\/li>\n<\/ul>\n<h1>Fussnoten<\/h1>\n<p><a name=\"1\">1<\/a> Dunant finanzierte und verlegte die erste Auflage von 1.600 St\u00fcck selbst, weil er das Buch nie in den Verkauf bringen wollte (vgl. \u00d6sterreichisches Rotes Kreuz 2002, S. 15)<br \/>\n<a href=\"#1.1\">zur\u00fcck<\/a><br \/>\n<a name=\"2\">2<\/a> So gr\u00fcndete er beispielsweise \u2013 bereits 1852 &#8211; in Genf auch den Schweizer Ableger des Vereins Christlicher Junger M\u00e4nner.<br \/>\n<a href=\"#2.1\">zur\u00fcck<\/a><br \/>\n<a name=\"3\">3<\/a> Insgesamt &#8211; Dunants Preis eingerechnet &#8211; erhielt das Rote Kreuz vier mal den Friedensnobelpreis: 1901 (Henry Dunant), 1917 (IKRK), 1944 (IKRK), 1963 (IKRK und Internationale F\u00f6deration der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften). (vgl. Durand 2001, S. 285)<br \/>\n<a href=\"#3.1\">zur\u00fcck<\/a><br \/>\n<a name=\"4\">4<\/a> In den Statuten des V\u00f6lkerbundes fand sich auch ein Verweis auf die Liga und ihre Aufgaben. \u00d6sterreichisches Rotes Kreuz 2002, S. 23<br \/>\n<a href=\"#4.1\">zur\u00fcck<\/a><br \/>\n<a name=\"5\">5<\/a> Vilt geht davon aus, dass dies aufgrund der \u201eNeutralisierung\u201c der Sanit\u00e4tsdienste im Abkommen entschieden wurde.<br \/>\n<a href=\"#5.1\">zur\u00fcck<\/a><br \/>\n<a name=\"6\">6<\/a> Damit kam es zur interessanten Situation, dass der Nieder\u00f6sterreichische Landesverband 13 Jahre \u00e4lter ist, als die Dachorganisation.<br \/>\n<a href=\"#6.1\">zur\u00fcck<\/a><br \/>\n<a name=\"7\">7<\/a> Daraus ergab sich offenbar die f\u00fcr \u00d6sterreich (und auch Deutschland) spezifische Eigenschaft der Rotkreuz-Organisation als Uniform- und Distinktionstragende Organisation, wie das im Rest der Welt f\u00fcr Rotkreuz-MitarbeiterInnen nicht \u00fcblich ist. Ein weiteres Element d\u00fcrfte die Regimen\u00e4he im Dritten Reich gewesen sein (s.u.).<br \/>\n<a href=\"#7.1\">zur\u00fcck<\/a><br \/>\n<a name=\"8\">8<\/a> Das ist fast 40 Jahre sp\u00e4ter, als in Deutschland, wo in Berlin bereits 1888 der Samariterbund entstand. Arbeiter-Samariter-Bund Deutschland o.J.<br \/>\n<a href=\"#8.1\">zur\u00fcck<\/a><br \/>\n<a name=\"9\">9<\/a> Zudem war Grawitz f\u00fcr die Ann\u00e4herung des Deutschen Roten Kreuzes an die SS verantwortlich und er ordnete Menschenversuche in den Vernichtungslagern an. (vgl. Wicke 2002, S. 36\u201341)<br \/>\n<a href=\"#9.1\">zur\u00fcck<\/a><br \/>\n<a name=\"10\">10<\/a> So zitiert Dempfer Dempfer 2009, S. 56 einen deutschen Rotkreuz-Funktion\u00e4r (nach Morgenbrod, Birgitt; Merkenich, Stefan (2008):Das Deutsche Rote Kreuz unter der NS-Diktatur 1933-1945)<br \/>\n<a href=\"#10.1\">zur\u00fcck<\/a><br \/>\n<a name=\"11\">11<\/a> Allerdings waren auch viele der vor 1938 verantwortlichen Funktion\u00e4re und Mitarbeiter aufgrund der Gr\u00e4ueltaten im Nazi-Regime und der anschlie\u00dfenden \u201eGleichschaltung\u201c ermordet oder vertrieben worden. Ein Umstand, der f\u00fcr viele \u00d6sterreichische Organisationen nach dem zweiten Weltkrieg gleich war, jedoch nirgendwo wirklich als relevant beachtet wurde.<br \/>\n<a href=\"#11.1\">zur\u00fcck<\/a><br \/>\n<a name=\"12\">12<\/a> Diese wurden im Jahr 1965 auf einer internationalen Rotkreuz-Konferenz in der Wiener Hofburg beschlossen und gelten seit dem weltweit.<br \/>\n<a href=\"#12.1\">zur\u00fcck<\/a><br \/>\n<a name=\"13\">13<\/a> Die Rotkreuz-Bezirksstelle in Wiener Neustadt ist auch heute noch eine der gr\u00f6\u00dften und leistungsf\u00e4higsten des Roten Kreuzes in Nieder\u00f6sterreich. Zahlreiche Innovationen und Leistungsbereiche wurden f\u00fcr Nieder\u00f6sterreich dort entwickelt. (Beispielsweise Trinkwasseraufbereitung oder die Hundestaffeln)<br \/>\n<a href=\"#13.1\">zur\u00fcck<\/a><br \/>\n<a name=\"14\">14<\/a> siehe dazu die Kapitel Der Erste Weltkrieg Seite 10, Zwischenkriegszeit Seite 10 und Nazidiktatur und Eingliederung ins Deutsche Rote Kreuz Seite 11<br \/>\n<a href=\"#14.1\">zur\u00fcck<\/a><br \/>\n<a name=\"15\">15<\/a> Auswirkungen dieser anachronistischen Zusammenfassung verschiedener Organisationsebenen und Einheiten in einem gemeinsamen Verein bestehen bis heute, zum Beispiel in der vom Generalsekretariat verwalteten \u201eSonderorganisationseinheit\u201c der Blutspendezentrale f\u00fcr Wien, Nieder\u00f6sterreich und das Burgenland.<br \/>\n<a href=\"#15.1\">zur\u00fcck<\/a><br \/>\n<a name=\"16\">16<\/a> Ein im Roten Kreuz noch immer verwendeter Amtstitel f\u00fcr die leitenden Angestellten der Landesverb\u00e4nde, der in fr\u00fcherer Zeit auch dem Chef des Bildungszentrums und der Blutspendezentrale zustand.<br \/>\n<a href=\"#16.1\">zur\u00fcck<\/a><br \/>\n<a name=\"17\">17<\/a> Es gab fr\u00fcher zahlreiche Bezirke, wo man als Bezirkshaupmann nahezu \u201eautomatisch\u201c auch Bezirksstellenleiter beim Roten Kreuz wurde, das Amt war sozusagen in \u201eErbpacht\u201c f\u00fcr den jeweiligen Hofrat reserviert.<br \/>\n<a href=\"#17.1\">zur\u00fcck<\/a><br \/>\n<a name=\"18\">18<\/a> Ab hier schildere ich die Geschichte des Roten Kreuzes in Nieder\u00f6sterreich zum gr\u00f6\u00dften Teil nicht mehr Quellengest\u00fctzt, sondern aus meiner pers\u00f6nlichen Erinnerung. Ich war ab 1996 im N\u00d6 Rotkreuz-Landesverband zun\u00e4chst als Zivildienstleistender und ab Februar 2007 als Angestellter mit Verantwortung f\u00fcr die Pressearbeit und das Marketing t\u00e4tig.<br \/>\n<a href=\"#18.1\">zur\u00fcck<\/a><br \/>\n<a name=\"19\">19<\/a> Ich beende an dieser Stelle die Chronologie der Geschichte des N\u00d6 Roten Kreuzes, zumal j\u00fcngere Ereignisse noch zu pr\u00e4sent sind, um diese aus der historischen Perspektive betrachten zu k\u00f6nnen.<br \/>\n<a href=\"#19.1\">zur\u00fcck<\/a><br \/>\n<a name=\"20\">20<\/a> Diese eine Causa ist deswegen von Relevanz, weil die Meinungen pro oder contra Verkauf der LEBIG-Anteile an das Land Nieder\u00f6sterreich noch immer Gegenstand verschiedener Auseinandersetzungen im Feld des N\u00d6 Roten Kreuzes sind, oder zumindest in manchem Konflikt mitschwingen. Nat\u00fcrlich gibt es in dieser Causa auch eine parteipolitische Komponente, die ich mangels neutraler Perspektive aber Au\u00dfen vor lasse.<br \/>\n<a href=\"#20.1\">zur\u00fcck<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Textfragement entstand bei der Erstellung meiner Diplomarbeit zu den Sozialstrukturen im \u00d6sterreichischen Roten Kreuzes als \u00fcbervollst\u00e4ndige historische Feldbeschreibung. Da einige Teile dieses historischen Abrisses in die Diplomarbeit wegen mangelnder Relevanz f\u00fcr das Thema keinen<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[1,5,9,11,17,21,24],"tags":[75,119,142],"class_list":["post-167","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-feldforschung","category-funktionare","category-geschichte","category-organisation","category-rotes-kreuz","category-studie","tag-geschichte","tag-niederosterreich","tag-rotes-kreuz"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/167","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=167"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/167\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=167"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=167"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=167"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}