{"id":192,"date":"2009-12-09T14:51:45","date_gmt":"2009-12-09T12:51:45","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/sociologist\/?p=192"},"modified":"2009-12-09T14:51:45","modified_gmt":"2009-12-09T12:51:45","slug":"die-theorien-pierre-bourdieus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/2009\/12\/09\/die-theorien-pierre-bourdieus\/","title":{"rendered":"Die Theorien Pierre Bourdieus"},"content":{"rendered":"<p>Dieses Textfragement entstand &#8211; analog <a href=\"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/sociologist\/2009\/11\/27\/die-geschichte-des-roten-kreuzes-in-niederosterreich\/\">zum Fragement zur Geschichte des Roten Kreuzes<\/a> &#8211; bei der Erstellung meiner Diplomarbeit zu den Sozialstrukturen im \u00d6sterreichischen Roten Kreuzes als \u00fcbervollst\u00e4ndige Beschreibung des Bourdieuschen Theoriengeb\u00e4udes. Da einige Teile dieses Abrisses in die Diplomarbeit wegen mangelnder Relevanz f\u00fcr das Thema keinen Eingang finden werden, ver\u00f6ffentliche ich diesen Text hier.<\/p>\n<p>Falls das Lesen am Schirm zu m\u00fchsam ist, hier die PDF-Version: <a rel=\"attachment wp-att-193\" href=\"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/sociologist\/2009\/12\/09\/die-theorien-pierre-bourdieus\/theorien-pierre-bourdieus\/\">Theorien Pierre Bourdieus<\/a><\/p>\n<p>Gerald Czech im November 2009<\/p>\n<p>Andere Bourdieu-Texte in meinem Blog (Diese sind zum Teil Grundlage des hier publizierten Textes):<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"..\/2009\/05\/28\/die-firma-okonomisches-oder-soziales-phanomen\/\">Die Firma: \u00f6konomisches oder soziales Ph\u00e4nomen?<\/a><\/li>\n<li><a href=\"..\/2009\/04\/06\/wissenschafts-und-erkenntnistheorie-im-werk-pierre-bourdieus\/\">Wissenschafts- und Erkenntnistheorie im Werk Pierre Bourdieusourdieu erkenntnistheorie<\/a><\/li>\n<li><a href=\"..\/2009\/04\/06\/sozialwissenschaftliche-mikrotheorien\/\">Sozialwissenschaftliche Mikrotheorien<\/a><\/li>\n<li><a href=\"..\/2009\/01\/01\/konzeptpapier-habitus\/\">Konzeptpapier: Habitus<\/a><\/li>\n<li><a href=\"..\/2009\/01\/01\/konzeptpapier-pierre-bourdieus-feldbegriff\/\">Konzeptpapier: Pierre Bourdieus Feldbegriff<\/a><\/li>\n<li><a href=\"..\/2008\/11\/21\/bourdieus-feldbegriff\/\">Bourdieus Feldbegriff<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<h1 style=\"text-align: left\"><strong>Die Theorien Pierre Bourdieus<\/strong><\/h1>\n<p style=\"text-align: left\">Gerald Czech, Dezember 2009<\/p>\n<h1>1.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0Kurzbiographie Pierre Bourdieus<\/h1>\n<p>Pierre Bourdieu ging als kritischer politischer franz\u00f6sischer Intellektueller auf der einen und als der Soziologe der Ungleichheitsforschung auf der anderen Seite nicht nur in die Wissenschaftsgeschichte ein. Wie Franz Schulteis in einem Interview f\u00fcr das Booklet zur DVD \u201eSoziologie ist ein Kampfsport\u201c betont, waren beide Perspektiven Bourdieus offenbar jeweils alleinstehend aber f\u00fcr unterschiedliche Zielgruppen pr\u00e4sent: \u201eWer \u00bbDas Elend der Welt\u00ab liest oder \u00bbGegenfeuer\u00ab, besch\u00e4ftigt sich meistens nicht mit \u00bbDie feinen Unterschiede\u00ab oder \u00bbDie Regeln der Kunst\u00ab oder umgekehrt.\u201c (Schrenk 2009, S. 30)<\/p>\n<p>Wesentlich erscheint in diesem Zusammenhang, dass Pierre Bourdieu \u2013 und hier ist er ganz in der Tradition des deutschen Soziologen Max Weber \u2013 als Wissenschafter werturteilsfrei die sozialen Tatsachen schildert, seine politischen \u00c4u\u00dferungen spielen sich au\u00dferhalb der wissenschaftlichen Publikationen ab. Auch das scheint ein Grund daf\u00fcr zu sein, warum diese zwei unterschiedlichen Bilder von Bourdieu auch Jahre nach seinem Tod noch immer so existieren.<\/p>\n<p>Aufgrund seiner Publikationssprache und seiner Verortung als franz\u00f6sischer Intellektueller war Bourdieu im deutschsprachigen Raum lange Zeit unbekannt. Erst Mitte der 1980er Jahre, fast 20 Jahre nach seinen ersten wichtigen Publikationen, wurde sein Werk auch im deutschsprachigen Raum bekannt und damit Inhalt des sozialwissenschaftlichen Diskurses.<\/p>\n<p>\u201eIm deutschsprachigen Raum bekannt wurde Bourdieu durch seine Studie \u00bbDie feinen Unterschiede\u00ab (Dt. 1982), die der kulturellen Reproduktion sozialer Ungleichheit gewidmet ist. Dabei entschl\u00fcsselte er die Kultur des Geschmacks und erkl\u00e4rte die Funktionsmechanismen des klassenspezifischen \u00bbHabitus\u00ab.\u201c (Wieselberg o.J. [2002])<\/p>\n<p>Bourdieu stammt \u2013 und das ist f\u00fcr einen Tr\u00e4ger h\u00f6chster akademischer W\u00fcrden in Frankreich mehr als untypisch \u2013 aus einfachen Verh\u00e4ltnissen. Er wuchs in einer peripheren Region an den Pyren\u00e4en auf und konnte dank eines Stipendiums zuerst das Gymnasium in Pau und anschliessend die elit\u00e4re akademische Ausbildung an der \u00c9cole normale sup\u00e9rieure absolvieren. (vgl. Bohn, Hahn 2007, S. 289\u2013291)<\/p>\n<p>\u201eWenn ich daran erinnere, da\u00df ich damals Philosophiestudent an der \u00c9cole normale sup\u00e9rieure war, mich also am Gipfel der Hierarchie des Bildungswesens befand, und zwar zu einer Zeit, als der Sieg der Philosophie ausgemacht schien, so h\u00e4tte ich wohl alles N\u00f6tige zur Erkl\u00e4rung meiner sp\u00e4teren Laufbahn im universit\u00e4ren Feld gesagt.\u201c (Bourdieu et al. 2007, S. 11f)<\/p>\n<p>Eine kurze Karriere als Gymnasialprofessor wurde durch seinen Milit\u00e4rdienst in Algerien beendet, zu einer Zeit, als die Spannungen in dieser franz\u00f6sischen Kolonie immer gr\u00f6\u00dfer wurden. Nach dem Milit\u00e4rdienst blieb Bourdieu in Algier, wo er ethnologische Studien \u2013 unter anderem in der Kabylei, einer ruralen Region Algeriens, trieb und an der Universit\u00e4t unterrichtete. Nach seiner R\u00fcckkehr in die franz\u00f6sische Heimat besch\u00e4ftigte er sich immer mehr mit soziologischen Themen, oftmals mit Fragen, die im Laufe seiner Studien in der Kabylei aufgetaucht sind, und die nun detaillierter betrachtet wurden. (vgl. Bohn, Hahn 2007, S. 289\u2013291)<\/p>\n<p>Aufgrund seiner Vielf\u00e4ltigkeit und seines politischen Engagements, war Pierre Bourdieu zun\u00e4chst in Frankreich und gegen Ende seines Schaffens \u2013 nicht zuletzt aufgrund seines Engagements als Mitbegr\u00fcnder der globalisierungskritischen Bewegung ATTAC &#8211; ein \u201eStar des intellektuellen Lebens, eine Figur mit gro\u00dfer Ausstrahlung und medialer Wirkung.\u201c (Schwibs o.J.[2002])<\/p>\n<p>Bourdieu galt bereits zu Lebzeiten \u2013 er starb im Jahre 2002 in Paris \u2013 als \u201eKlassiker der Soziologie\u201c.<\/p>\n<p>\u201eEr [war] ein ungebrochener Vertreter einer spezifischen franz\u00f6sischen Wissenschaftstradition, die in der Linie Durkheim, Canguilhem, Koyre durchaus ihre handfesten positivistischen Ankl\u00e4nge hat.\u201c (Schwibs o.J.[2002])<\/p>\n<h1>2.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Pierre Bourdieus Epistemologie<\/h1>\n<h2>2.1.Objektivismus und Subjektivismus als Dichotomie<\/h2>\n<p>Die erkenntnistheoretischen \u2013 oder besser epistemologischen \u2013 Positionen von Pierre Bourdieu beziehen sich in hohem Ma\u00dfe auf die beiden unterschiedlichen Herangehensweisen, mit denen soziale Welt gesehen, interpretiert und damit konstruiert wird. Es sind dies zwei Modi der Erkenntnis:<\/p>\n<p>Auf der einen Seite sieht Bourdieu den Objektivismus, der die soziale Realit\u00e4t als externe und objektive Struktur begreift, die die handelnden Akteure missachtet und als Objekte zu Spielb\u00e4llen der Struktur reduziert: \u201eDie objektivistische Tradition begreift die soziale Welt als ein Universum objektiver, von den Handelnden unabh\u00e4ngige Regelm\u00e4\u00dfigkeiten, die vom Standpunkt eines unparteiischen, die beobachtende Welt \u00fcberfliegenden Beobachters jenseits des Handelns aus konstruiert sind.\u201c (Bourdieu 2004, S. 86)<\/p>\n<p>Gerade der Strukturalismus, der nach dem zweiten Weltkrieg in der Philosophie und Ethnologie in Frankreich weit verbreitet war, ist eine objektivistische Theorie. Bourdieu war selbst zu Beginn seiner Forschungen stark strukturalistisch gepr\u00e4gt, stellte jedoch mehr und mehr fest, dass viele aufgeworfene Fragen nicht strukturalistisch erkl\u00e4rt werden konnten. \u201eBourdieu wirft dem Strukturalismus vor, diese Interessensbezogenheit des Handelns gesellschaftlicher Akteure vollkommen au\u00dfer acht gelassen zu haben zugunsten einer h\u00f6chst idealisierten Beschreibung der Regeln und kulturellen Muster.\u201c (Joas 2004, S. 525)<\/p>\n<p>Die zweite erkenntnistheoretische Position, die Bourdieu im soziologischen Diskurs wahrnimmt, ist die des Subjektivismus, wie er beispielsweise in der Ph\u00e4nomenologie oder auch in der Ethnomethodologie praktiziert wird.<\/p>\n<p>\u201e[\u2026][Der Subjektivismus] ist die absolute Gegenposition zur objektivistischen Beschreibung. Im Grenzfall [\u2026] ist die soziale Welt das Produkt der individuellen Handlungen. Danach verhalten sich die Menschen nicht etwa respektsvoll, weil es Hierarchien gibt; vielmehr erw\u00e4chst die Hierarchie letztendlich aus den unendlich vielen individuellen Respektshandlungen.\u201c (Bourdieu 2004, S. 86)<\/p>\n<h2>2.2.Praxeologie als L\u00f6sung?<\/h2>\n<p>\u201eIn der Alltagspraxis besteht ein permanenter Kampf zwischen Objektivismus und Subjektivismus. Jeder versucht, seine subjektive Vorstellung von sich als objektive Vorstellung durchzusetzen. Herrschender ist der, der \u00fcber die Mittel verf\u00fcgt, dem Beherrschten aufzuzwingen, ihn so wahrzunehmen, wie er wahrgenommen werden will.\u201c (Bourdieu 2004, S. 89)<\/p>\n<p>Das wirklich neue in Bourdieus Theorien und auch in seiner Epistemologie ist die dialektische Verschmelzung des subjektivistischen und des objektivistischen Modus zu einer so genannten Praxeologie \u2013 einer Theorie der Praxis \u2013 , in der die \u201eobjektiven\u201c gesellschaftlichen Strukturen (in der Einteilung der Soziologen als Makrotheorien bezeichnet) und die subjektiven individuellen Handlungsalternativen der Akteure (analog als Mikrotheorien bezeichnet) \u00fcber das Konzept des Habitus miteinander verkn\u00fcpft werden:<\/p>\n<p>\u201eUm zu einer aufhebenden Synthese zu gelangen, geht es Bourdieu um die erkenntnistheoretische Rehabilitierung der im objektivistischen Diskurs tendenziell eliminierten sozialen Akteure mit ihren analytisch relevanten Subjektivt\u00e4tsmerkmalen (Erfahrungen, Erlebnisweisen, Alltagspraktiken etc.), ohne deshalb freilich \u2013 wie im subjektivistischen Erkenntnismodus \u2013 die wissenschaftliche Reflexion objektiver Strukturen (insbesondere auch in deren Wirkung auf die sozial Handelnden) zu vernachl\u00e4ssigen.\u201c (Krauss 2001)<\/p>\n<p>Es existiert daher eine \u2013 im wahrsten Sinne des Hegelschen Begriffs \u2013 dialektische Beziehung zwischen den objektiven Strukturen der Felder und damit der Gesellschaft und dem subjektiven strukturierenden Handeln der Individuen. (vgl. Joas 2004, S. 530)<\/p>\n<p>Objektive Erkenntnis ben\u00f6tigt immer den Bruch mit der Alltagserfahrung durch die Abstraktion auf gesamtgesellschaftliche Ebene, w\u00e4hrend die subjektivistische Erkenntnis lediglich Alltagserfahrung in sozialwissenschaftliche Worte kleidet. Erst die Kombination dieser Modi durch die objektivistische Sicht, die den subjektiven Ph\u00e4nomenen hinzugef\u00fcgt wird, entsteht der dritte Modus der praxeologischen Erkenntnis.<\/p>\n<p>\u201eDiese v\u00f6llig ungew\u00f6hnliche Form des Reflektierens f\u00fchrt zum Verzicht auf die absolutistischen Pr\u00e4tentionen der klassischen Objektivit\u00e4t, verurteilt deswegen nicht zu Relativismus: Die Bedingungen der M\u00f6glichkeit des wissenschaftlichen Subjekts und die seines Objekts sind n\u00e4mlich identisch, und jedem Fortschritt in der Erkenntnis der gesellschaftlichen Bedingungen der Produktion wissenschaftlicher Subjekte entspricht ein Fortschritt in der Erkenntnis des wissenschaftlichen Objekts und umgekehrt. Das ist niemals so deutlich wie dann, wenn die Forschung das Feld der Wissenschaft selbst, das hei\u00dft das wahrhafte Subjekt wissenschaftlicher Erkenntnis, zu ihrem Objekt macht.\u201c (Bourdieu 1999, S. 332)<\/p>\n<h1>3.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Theorien von Pierre Bourdieu<\/h1>\n<p>Nachfolgend werden die wesentlichen Begriffe aus dem Werk von Pierre Bourdieu in kurzen theoretischen Abhandlungen erkl\u00e4rt und gegen\u00fcber gestellt. Insgesamt sind diese unterschiedlichen Theorieteile allerdings stark miteinander verschr\u00e4nkt und in h\u00f6chstem Ma\u00dfe interdependent. Aus diesem Grunde ist es auch schwierig zu entscheiden, mit welchem Konzept hier begonnen werden soll. Die wesentlichen Konzepte sind der Habitus, das Feld und die Kapitalien, die in weiterer Folge expliziert werden sollen, weil sie im empirischen Teil der Arbeit in unterschiedlichem Ausma\u00df als Grundlage f\u00fcr die Auswertungen herangezogen werden.<\/p>\n<h2>3.1.Pierre Bourdieus Feldbegriff<\/h2>\n<p>Das soziale Feld ist der erste zentrale Begriff in der bourdieuschen Theoriewelt, den ich in Folge anhand verschiedener Prim\u00e4r- und Sekund\u00e4rquellen explizieren will.<\/p>\n<p>Bourdieus Begriff des sozialen Feldes meint differenzierte gesellschaftliche Bereiche, hervorgegangen aus der Arbeitsteilung, mit eigenen Ressourcen und eigenen Spielregeln f\u00fcr das soziale Verhalten innerhalb dieses Feldes. (vgl.M\u00fcller 1992, S. 263; Iser 1983, S. 67)<\/p>\n<p>Analoge Begriffe \u2013 ebenfalls als konstruktivistische Ans\u00e4tze &#8211; findet man unter anderen Bezeichnungen, beispielsweise als \u201eWertsph\u00e4ren\u201c bei Max Weber, als \u201eSubsysteme\u201c bei Niklas Luhmann oder als \u201eSinnprovinzen\u201c bei Alfred Sch\u00fctz. (vgl. Bohn, Hahn 2007, S. 299)<\/p>\n<p>\u201eDie Logik des Feldes l\u00e4sst sich nur aus der empirischen Beobachtung des Feldes gewinnen, sie gehorcht keinen strukturellen Gesetzen, die f\u00fcr alle Felder gleich sind.\u201c (Hillebrandt 1999, S. 12)<\/p>\n<p>Diese sozialwissenschaftlich konstruierten R\u00e4ume dienen dazu, soziale Beziehungen und Netzwerke zu verstehen, Klassen abzugrenzen, Relationen zwischen den handelnden Akteurinnen und Akteuren im Feld aufzuzeigen und die Macht-Komplexit\u00e4t in der realen Welt zu analytischen Zwecken zu vereinfachen um diese theoretisch erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen. Der soziale Raum wird daher zu einem Raum von Unterschieden, von Differenzen und von Akteuren und Akteurinnen mit verschiedenen Wegen und Zielen. Die Ausdehnung eines Feldes ist nur durch die Feldeffekte definiert \u2013 wirkt also ein Feld weiter, so hat es eine gr\u00f6\u00dfere Ausdehnung. (vgl. M\u00fcller 2005, S. 36; M\u00fcller 1986, S. 164; Sch\u00fcrz 1999 S. 2; Anheier et al. 1995, S. 860; Bohn, Hahn 2007, S. 300)<\/p>\n<p>\u201eDer soziale Raum ist also nicht nur ein Raum von Unterschieden, sondern auch ein Raum von Beziehungen. Diese Beziehungen enthalten auch ein dynamisches Moment: Relevant f\u00fcr die Bewertung der Akteure ist nicht nur die aktuelle soziale Position eines Individuums bzw. einer Gruppe von Individuen in \u00e4hnlicher Lage, sondern auch deren Vergangenheit und Zukunft, deren trajectoire<em> <\/em>oder \u00bbReiseweg\u00ab im sozialen Raum, also die Frage, ob es sich um sozial aufsteigende oder absteigende Personen und Gruppen handelt.\u201c (Krais 2005, S. 92f)<\/p>\n<p>Innerhalb von Feldern geht man davon aus, dass die Akteure und \u2013innen \u2013 die an den Feldern beteiligten Individuen \u2013 um unterschiedliche soziale Positionen konkurrieren, das f\u00fchrt dazu, dass sich soziale Strukturen etablieren. Soziale Strukturen im Sinne sozialer R\u00e4ume in denen die Akteure und Akteurinnen unterschiedliche relative Positionen zueinander einnehmen, je nach dem in welchem Ausma\u00df diese verschiedene Ressourcen besitzen. Zus\u00e4tzlich gibt es unterschiedliche Karrierewege im Feld, so genannte \u201eTrajectoire\u201c, zuk\u00fcnftige wahrscheinliche Positionen eines Akteurs oder einer Akteurin. (vgl. Anheier et al. 1995, S. 860,M\u00fcller 1992, S. 263f)<\/p>\n<p>Ganz wichtig f\u00fcr das Verstehen von Feldern ist nach Bourdieu die Geschichte des Feldes, die sich in den feldimmanenten Regeln und Riten \u00e4u\u00dfert: \u201eDie gesellschaftliche Welt ist akkumulierte Geschichte. Sie darf deshalb nicht auf eine Aneinanderreihung von kurzlebigen und mechanischen Gleichgewichtszust\u00e4nden reduziert werden, in denen Menschen die Rolle von austauschbaren Teilchen spielen.\u201c (Bourdieu 1983, S. 183)<\/p>\n<p>Die Logik des Feldes wird als \u201eSpiel\u201c oder \u201eKampf\u201c um Ressourcen und um die symbolische Macht im Feld beschrieben, der zwischen den Akteurinnen und Akteuren im Feld stattfindet. Die historisch gewachsenen Regeln des Feldes werden von den Mitspielern und Mitspielerinnen implizit und unreflektiert durch ihren Feldeintritt angenommen und akzeptiert. Diese Regeln werden als \u201eIllusio\u201c bezeichnet. (vgl. Bourdieu 2001, S. 110; Hillebrandt 1999, S. 15; Aldridge 1998, S. 4)<\/p>\n<p>Spezifisch f\u00fcr jedes Feld ist die ungleiche Kapitalverteilung zwischen den Akteuren und Akteurinnen. Aus dieser Verteilung der Kapitalien ergeben sich die objektiven Positionen der Beteiligten, aber auch die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse und die daraus resultierenden Strategien der Akteuren und Akteurinnen im Feld. (vgl. Iser 1983, S. 67)<\/p>\n<p>\u201eDie Struktur des Feldes gibt den Stand der Machtverh\u00e4ltnisse zwischen den am Kampf beteiligten Akteuren oder Institutionen wieder, bzw., wenn man so will, den Stand der Verteilung des spezifischen Kapitals, das im Verlauf fr\u00fcherer K\u00e4mpfe akkumuliert wurde und den Verlauf sp\u00e4terer K\u00e4mpfe bestimmt.\u201c (Bourdieu 2001, S. 108)<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlicher Inhalt der Auseinandersetzung ist immer die Macht und die Anteile am jeweils feldspezifischen symbolischen Kapital. Dieser Grundkonsens \u00fcber die Existenz eines feldspezifischen symbolischen Kapitals und damit \u00fcber die Basis der Spielregeln f\u00fcr die Auseinandersetzung bezeichnet Bourdieu als \u201eDoxa\u201c bzw. \u201efeldspezifische Illusio\u201c eines Praxisfeldes.<\/p>\n<p>Die Begrifflichkeiten aus dem religi\u00f6s-kirchlichen Umfeld verwendet Pierre Bourdieu, um die Hauptakteure im Feld zu beschreiben. Die Orthodoxie ist die Feldelite, die Gestaltungsmacht, die in der Lage ist, die geltenden Spielregeln, die Grundprinzipien der feldimmanenten Wahrnehmung und Bewertung, die \u201eDoxa\u201c, zu gestalten. Als \u201eH\u00e4resie\u201c bezeichnet er wiederum die Bewegung der statusniederen Akteure oder Akteurinnen im Feld. Diese versuchen wiederum, selbst in den Besitz der Gestaltungsmacht, der Orthodoxie zu kommen, die Machtverh\u00e4ltnisse und damit auch die symbolischen Werte der einzelnen Kapitalien zu ver\u00e4ndern. (vgl. Wissing 2006, S. 194\u2013196)<\/p>\n<p>Allen Spielerinnen und Spielern im Feld gemeinsam ist, dass sie die Illusio akzeptieren, also das Feld und seine Grenzen, sowie die grundlegenden Regeln. F\u00fcr Akteure und Akteurinnen au\u00dferhalb des Feldes ist sowohl die Doxa als auch das Spiel nicht nachvollziehbar \u2013 die Wirkung der Illusio ist daher auch die Wirkung des Feldes, mit dem Enden dieser Feldeffekte sind auch die Grenzen des Feldes erreicht. (vgl. Bourdieu 2001, S. 109; Hillebrandt 1999, S. 16; Fuchs-Heinritz, K\u00f6nig 2005, S. 146f; Bohn 2005, S. 64)<\/p>\n<p>Der Habitus (siehe Habitus ab Seite 9) ist im Feld die strukturierende Struktur &#8211; er determiniert die geltenden \u201eSpielregeln\u201c und definiert das symbolische Kapital, die Spieleins\u00e4tze und die m\u00f6glichen Positionen im sozialen Raum, sowie ihre Zusammenh\u00e4nge. (vgl. Iser 1983, S. 69)<\/p>\n<p>\u201eWer sich am Kampf beteiligt, tr\u00e4gt zur Reproduktion des Spiels bei, indem er dazu beitr\u00e4gt, den Glauben an den Wert dessen, was in diesem Feld auf dem Spiel steht, je nach Feld mehr oder weniger vollst\u00e4ndig zu reproduzieren.\u201c (Bourdieu 2001, S. 109)<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt es zwischen diesen \u201eFeldillusionen\u201c und den W\u00fcnschen der Akteure und \u2013innen \u00dcbereinstimmungen. Jeder Feldakteur oder jede Feldakteurin hat seine\/ihre eigenen Bed\u00fcrfnisse, die er mit Hilfe des Feldes befriedigen will: \u201eJedes Feld (das religi\u00f6se, k\u00fcnstlerische, \u00f6konomische, usw.) bietet seinen Akteuren \u00fcber die besondere Form, in der es die Verhaltensweisen und Vorstellungen regelt, eine auf eine besondere Form von Iillusio gegr\u00fcndete legitime Form, ihre W\u00fcnsche zu verwirklichen.\u201c (Bourdieu 1999, S. 239)<\/p>\n<p>F\u00fcr gewisse Positionen innerhalb des Feldes ben\u00f6tigt man auch ad\u00e4quate Kapitalausstattung (siehe Formen des Kapitals ab Seite 12), man muss also mit feldrelevanter Macht in einer gewissen Mindestgr\u00f6\u00dfe ausgestattet sein.<\/p>\n<p>\u201eDiejenigen, die bei gegebenen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnissen das charakteristische Kapital-(mehr oder weniger vollst\u00e4ndig) monopolisieren, neigen eher zu Erhaltungsstrategien &#8211; Strategien, die im Feld der Produktion kulturelle G\u00fcter tendenziell die Orthodoxie vertreten -, die weniger Kapitalkr\u00e4ftigen dagegen (die oft auch die Neuen und damit meist J\u00fcngeren sind) eher zu Umsturzstrategien &#8211; Strategien der H\u00e4resie. Erst die H\u00e4resie, die Heterodoxie als kritischer, oft im Zusammenhang mit der Krise auftretender Bruch mit der Doxa bringt die Herrschenden dazu, ihr Schweigen zu brechen und jenen Diskurs zur Verteidigung der Orthodoxie, des rechten Denkens im doppelten Sinne, zu produzieren, mit dem ein neues \u00c4quivalent zur schweigenden Zustimmung der Doxa geschaffen werden soll.\u201c (Bourdieu 2001, S. 109)<\/p>\n<h2>3.2.Habitus<\/h2>\n<p>Als Habitus bezeichnet Bourdieu die strukturellen Dispositionen, die in weiterer Folge s\u00e4mtliche Praxis strukturieren. Im Habitus \u00e4u\u00dfern sich daher die inkorporierten Makrostrukturen der Gesellschaft auf pers\u00f6nlicher Mikroebene der Akteure und Akteurinnen. In den Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsschemata der gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteure manifestieren sich daher die gesellschaftlichen Normen und Werte. Diese \u00e4u\u00dfern sich vielf\u00e4ltig, beginnend bei der Bedeutung von Symbolen bis hin zum \u201eGeschmack\u201c. (vgl. Bourdieu, Steinru?cke 2005, S. 61\u201363; Joas 2004, S. 533)<\/p>\n<p>Der Habitusbegriff geht auf Klassiker wie Aristoteles zur\u00fcck, von wo er in die mittelalterliche Scholastik seinen Weg fand und beschreibt in vielschichtiger Bedeutung den Komplex von F\u00e4higkeiten, Gewohnheiten, Haltung, Erscheinungsbild oder Stil eines individuellen Akteurs. Im Rahmen seiner Praxeologie war f\u00fcr Bourdieu der Habitus die Schl\u00fcsselstelle, an der sich die gesellschaftlichen Makrostrukturen mit den akteursspezifischen Mikrostrukturen verbinden. Man k\u00f6nnte den Habitus daher auch als die Schnittstelle zwischen Objektivismus und Subjektivismus bezeichnen. F\u00fcr Pierre Bourdieu ist er handlungserm\u00f6glichend in dem er entlastet und damit rasches situationsgerechtes Agieren erlaubt. (vgl. Bohn, Hahn 2007, S. 295,Krais, Gebauer 2002, S. 18f)<\/p>\n<p>\u201eDer Habitus als ein System von &#8211; implizit oder explizit durch Lernen erworbenen &#8211; Dispositionen, funktionierend als ein System von Generierungsschemata, generiert Strategien, die den objektiven Interessen ihren Urheber entsprechen k\u00f6nnen, ohne ausdr\u00fccklich auf diesen Zweck ausgerichtet zu sein.\u201c (Bourdieu 2001, S. 113)<\/p>\n<p>Der Habitus vermittelt zwischen Struktur und Praxis und hat folgende vier Merkmale: aufgrund von Sozialisation ist er internalisierte Gesellschaftsstruktur; er steuert unbewusst \u00fcber ein System von Dispositionen die Praxisformen; die Individuen folgen trotzdem den eigenen Interessen und Strategien; die Dispositionen sind dauerhaft und stabil, werden oftmals schon in kindlicher Sozialisation internalisiert. (vgl. M\u00fcller 1992, S. 257f )<\/p>\n<p>Der Habitus erm\u00f6glicht eine \u201ekontrollierte und bedingte Freiheit\u201c der Akteurinnen und Akteure, die nicht v\u00f6llig frei sind, da sie sich auf die Makrostrukturen st\u00fctzen, die handlungsleitend und perspektiven-erm\u00f6glichend funktionieren und gleichzeitig weit weg sind von lediglich durch Strukturen gesteuerten Marionetten. (vgl. Iser 1983, S. 59)<\/p>\n<p>Wesentlich erscheint in diesem Zusammenhang, dass sich die Wirkung des Habitus unbewusst entfaltet. Die subjektiven Dispositionen stellen sich dem Individuum als Handlungsm\u00f6glichkeiten dar, die in einer bestimmten Situation bestehen, als Wahlfreiheit oder Alternativen, nicht als Begrenzung der individuellen Freiheit.<\/p>\n<p>In Bourdieus Feldtheorie steht der Habitus sozusagen als individueller Schl\u00fcssel zum Feld: \u201eWichtig ist, dass sich die habitualisierten Dispositionen eines sozialen Akteurs in Auseinandersetzung mit der Praxis des Feldes bilden und gegebenenfalls ver\u00e4ndern. In der extremsten Form entsteht so ein Habitus, der sich ausschlie\u00dflich mit dem Feld identifiziert, weil der soziale Akteur seinen gesamten praktischen Sinn aus der Praxis des Feldes gewinnt. So wird er zum Apparatschik, der dem Apparat alles verdankt, und ist folglich nichts weiter als der \u201aMensch gewordene Apparat\u2019\u201c (Bourdieu 1997d: 44f. zit. in: Hillebrandt 1999, S. 14).<\/p>\n<p>Der Habitus vermittelt f\u00fcr Bourdieu zwischen der Stellung einer Person im sozialen Raum \u2013 also auch im beobachteten Feld &#8211; und ihrem Verhalten und Einstellungen. Im Habitus h\u00e4tten sich ihre individuellen Erfahrungen und die ihrer Familie und ihrer Klasse (im Sinne kollektiver Geschichte) verk\u00f6rperlicht. Zwar sei ausgeschlossen, dass die Mitglieder einer Klasse exakt dieselben Erfahrungen und das auch noch in der gleichen Reihenfolge machten, die Aussicht, mit f\u00fcr diese Klasse typischen Situationen konfrontiert zu werden, sei f\u00fcr sie aber sehr viel gr\u00f6\u00dfer als f\u00fcr die Angeh\u00f6rigen der anderen Klassen. Dieser Habitus stimmt objektive Chancen und subjektive Erwartungen unter Ber\u00fccksichtigung der eigenen Grenzen aufeinander ab \u2013 er verbindet nutzenorientierte Strategien mit klassen- und feldspezifischen Verhaltensformen. (vgl. M\u00fcller 1986, S. 163; Hartmann 2005, S. 259; Iser 1983, S. 61f)<\/p>\n<p>\u201eGeschmack klassifiziert &#8211; nicht zuletzt den, der die Klassifikation vornimmt. Die sozialen Subjekte, Klassifizierende, die sich durch ihre Klassifizierungen selbst klassifizieren, unterscheiden sich voneinander durch die Unterschiede, die sie zwischen sch\u00f6n und h\u00e4\u00dflich, fein und vulg\u00e4r machen und in denen sich ihre Position in den objektiven Klassifizierungen ausdr\u00fcckt und verr\u00e4t.\u201c (Bourdieu 1987, S. 25)<\/p>\n<p>Der Habitus ist auch im Feld die strukturierende Struktur &#8211; er determiniert die geltenden &#8222;Spielregeln&#8220; und definiert das symbolische Kapital, die Spieleins\u00e4tze und die m\u00f6glichen Positionen im sozialen Raum, sowie ihre Zusammenh\u00e4nge. (vgl. Iser 1983, S. 69)<\/p>\n<p>Das Individuum wird daher \u2013 im Falle des \u201e\u00f6konomischen Habitus\u201c &#8211; vom Tr\u00e4ger eines \u201eB\u00fcndel von Pr\u00e4ferenzen\u201c<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> zu einer \u201ekoh\u00e4renten Struktur von Neigungen und Gewohnheiten\u201c. (vgl. Bourdieu 2005, S. 211)<\/p>\n<p>Der Habitus ist allerdings kein mechanisches Prinzip, das im Sinne einer trivialen Maschine eine input-output Relation zustande bringt, sondern es ist eine &#8222;konditionierte und eingeschr\u00e4nkte&#8220; Spontaneit\u00e4t, die sich entwickelt; eine &#8222;intelligente Antwort&#8220; auf einen aktiv ausgew\u00e4hlten Teilaspekt der Realit\u00e4t. Trotzdem bleibt der Habitus ein \u00f6konomisches Prinzip, erspart er doch aufgrund der Pr\u00e4selektion von Alternativen und M\u00f6glichkeiten, die sonst einzeln und (mehr oder weniger) rational bewertet werden m\u00fcssten, ein enormes Ausma\u00df an Zeit und Ressourcen. (vgl. Bourdieu 2005, S. 211f)<\/p>\n<p>\u201eDer Habitus ist das generative und vereinheitlichende Prinzip, das die intrinsischen und relationalen Merkmale einer Position in einen einheitlichen Lebensstil r\u00fcck\u00fcbersetzt, das hei\u00dft in das einheitliche Ensemble der von einem Akteur f\u00fcr sich ausgew\u00e4hlten Personen, G\u00fcter und Praktiken.\u201c (Bourdieu 2007b, S. 21)<\/p>\n<p>Aufgrund der \u00e4hnlichen Sozialisationen unterschiedlicher Klassen ist der Habitus auch ein Produkt genau dieser Klassenlagen, sozusagen Mittel zur Reproduktion ihrer sozial spezifischen Habitusformen. Er wird dadurch zum Handlanger der Vererbung von Ungleichheiten in sozialen Systemen. (vgl. Joas 2004, S. 548)<\/p>\n<p>Eine wichtige Eigenschaft des Habitus ist der so genannte \u201eHysteresis-Effekt\u201c. Bourdieu geht davon aus, dass habituelle Dispositionen \u00fcber lange Zeit konstant bleiben, also auch noch, wenn sich die Umwelt oder auch das f\u00fcr den Habitus verantwortliche Feld schon l\u00e4ngst ver\u00e4ndert haben. Durch die langsame Anpassung des Habitus passen die inkorporierten Strukturen nicht mehr zur objektiven externen Struktur, also aufgrund der langsamen Ver\u00e4nderung der strukturierenden Struktur im Vergleich zur Realit\u00e4t stehen die subjektiven Bewertungsschemata nicht im Einklang mit den externen Bewertungsschemata des Feldes oder der Gruppe. Dann werden beispielsweise falsche symbolische Kapitalien zugeschrieben, wie das etwa im Bereich des institutionalisierten kulturellen Kapitals passieren kann. (vgl. Bohn, Hahn 2007, S. 297)<\/p>\n<p>Auch Generationenkonflikte entwickeln sich aufgrund dieses Hysteresis-Effekts . Man erkennt, der Habitus wirkt aufgrund seiner langsamen Adaption als konservierender Faktor durch die Determinierung der M\u00f6glichkeiten des Handelns. Diese konservative Eigenschaft hilft mit, den Habitus in Krisen vor der \u201eInfragestellung\u201c zu sch\u00fctzen. (vgl. Iser 1983, S. 63f,Bohn, Hahn 2007, S. 297)<\/p>\n<p>Bourdieu erkl\u00e4rt also mit seinem Habituskonzept die Feldwirkung auf individueller Ebene. Er benutzt dazu eine doppelte Wirkung, die er generatives und reproduzierendes Prinzip nennt. Auf der einen Seite strukturiert der Habitus soziale Praxis und auf der anderen Seite reproduziert er soziale Struktur. (vgl. Iser 1983, S. 53)<\/p>\n<p>\u201eEr ist ein generatives Prinzip und somit \u00bbstrukturierende Struktur\u00ab bzw. \u00bbopus operandi\u00ab, insofern er sozial strukturierende Praxisformen hervorbringt, die im Lauf der Zeit durch individuelle Aneignung oder, wie Bourdieu sich ausdr\u00fcckt: durch Einverleibung gesellschaftlicher Strukturen und die Ausbildung dauerhafter Dispositionen erm\u00f6glicht werden. Der Habitus ist reproduzierendes Prinzip und somit \u00bbstrukturierte Struktur\u00ab bzw. \u00bbopus operatum\u00ab, insofern die individuelle Praxisformen den sozial strukturierten Dispositionen gem\u00e4\u00df gew\u00e4hlt werden und auf diese Weise zur Aufrechterhaltung der urspr\u00fcnglichen strukturellen Konstellationen beitragen.\u201c (M\u00fcller 1992, S. 256)<\/p>\n<p>\u201eCom grano salis kann man festhalten: Je egalit\u00e4rer eine Gesellschaft, desto bedeutender werden die feinen Unterschiede. Differenz distinguiert.\u201c (M\u00fcller 2005, S. 34)<\/p>\n<h2>3.3.Kapital<\/h2>\n<p>Ein wesentlicher Begriff in Bourdieus Theoriegeb\u00e4ude ist das Kapital. Er definiert Kapital als \u201eakkumulierte Arbeit\u201c. (Bourdieu, Steinru?cke 2005, S. 49), womit er an die marxistische Tradition ankn\u00fcpft. Bourdieus Kapitalbegriff geht aber deutlich weiter, als der simple \u00f6konomische Sinn als monet\u00e4re Ressource wie sie der Autor des Werks \u201eDas Kapital\u201c Karl Marx im 19. Jahrhundert definiert hat<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a>. Kapital ist bei Bourdieu als generalisierte Ressource zu verstehen, die monet\u00e4r oder nichtmonet\u00e4r sein kann und materiell bzw. auch immateriell.<\/p>\n<p>Als Kapital betrachtet Pierre Bourdieu unterschiedliche Formen von Ressourcen, deren Wert sich erst im spezifischen Feld aufgrund von Definitions-, Macht-, und Verteilungsk\u00e4mpfen ergibt. Die Verteilung der Kapitalien ergibt die spezifischen Machtverh\u00e4ltnisse im Feld und gibt damit auch die Positionen der Subjekte im sozialen Raum wieder. Bourdieus Kapitalsorten verstehen sich allerdings nicht als vollst\u00e4ndige Aufz\u00e4hlung aller Varianten von Macht; je nach untersuchtem Feld kann auch eine neue andere Ressource in Form feldspezifischem Kapitals hinzukommen. (vgl. Iser 1983, S. 70f)<\/p>\n<p>\u201eAls vis insita ist Kapital eine Kraft, die den objektiven und subjektiven Strukturen innewohnt; gleichwohl ist das Kapital &#8211; als lex insita &#8211; auch grundlegendes Prinzip der inneren Regelm\u00e4\u00dfigkeiten der sozialen Welt.\u201c (Bourdieu 1983, S. 183)<\/p>\n<h3>3.3.1\u00a0 Formen des Kapitals<\/h3>\n<p>Bourdieu unterscheidet als Idealfall im Prinzip drei unterschiedliche Kapitalien, die von ihm je nach untersuchtem Feld auch angepasst wurden:<\/p>\n<p>\u201eIn welcher Gestalt es jeweils erscheint, h\u00e4ngt vom jeweiligen Anwendungsbereich, sowie den mehr oder weniger hohen Transformationskosten ab, die die Voraussetzungen f\u00fcr sein wirksames Auftreten sind: Das \u00f6konomische Kapital ist unmittelbar und direkt in Geld konvertierbar und eignet sich besonders zur Institutionalisierung in der Form des Eigentumsrechts; das kulturelle Kapital ist unter bestimmten Voraussetzungen in \u00f6konomisches Kapital konvertierbar und eignet sich besonders zur Institutionalisierung in Form von schulischen Titeln; das soziale Kapital, das Kapital an sozialen Verpflichtungen und \u00bbBeziehungen\u00ab, ist unter bestimmten Voraussetzungen ebenfalls in \u00f6konomisches Kapital konvertierbar und eignet sich besonders zur Institutionalisierung in Form von Adelstiteln.\u201c (Bourdieu 1983, S. 184f)<\/p>\n<p>Als \u00f6konomisches Kapital versteht Bourdieu geldwerte Eink\u00fcnfte und andere finanzielle Ressourcen, die auch in Form von institutionellen Eigentumsrechten auftreten k\u00f6nnen, dieser Begriff ist mit Marxens Definition im Einklang. (vgl. Iser 1983, S. 75)<\/p>\n<p>Eine weitere Kapitalart ist das kulturelle Kapital, also (Aus-) Bildung, die Summe von theoretischem und praktischem Wissen, das in unterschiedlicher Form auftreten kann. Soziales Kapital als dritte von Bourdieu definierte Kapitalform beschreibt die Summe der aktuellen und potentiellen Ressourcen, die durch die Teilnahme bzw. Mitgliedschaft an sozialen Netzwerken und Organisationen mobilisiert werden k\u00f6nnen. Das symbolische Kapital wird feldspezifisch aus den anderen Arten bestimmt und tritt oft verschleiert (\u201eeuphemisiert\u201c) auf. In sp\u00e4teren Arbeiten definierte Bourdieu auch andere feldspezifische Kapitalien (siehe Weitere Kapitalien ab Seite 18). (vgl. Bohn 2005, S. 862; Savage et al. 2005, S. 40)<\/p>\n<p>\u201eDie Tatsache der gegenseitigen Konvertierbarkeit der verschiedenen Kapitalarten ist der Ausgangspunkt f\u00fcr Strategien, die die Reproduktion des Kapitals (und der Position im sozialen Raum) mit Hilfe m\u00f6glichst geringer Kapitalumwandlungskosten (Umwandlungsarbeit und inh\u00e4rente Umwandlungsverluste) erreichen m\u00f6chten. Die unterschiedlichen Kapitalarten unterscheiden sich nach ihrer Reproduzierbarkeit, also danach, wie leicht sie sich \u00fcbertragen lassen.\u201c (Bourdieu 1983, S. 197)<\/p>\n<p>Die unterschiedlichen Kapitalformen unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Konvertibilit\u00e4t<a href=\"#_ftn3\">[3]<\/a> und Liquidit\u00e4t, aber auch in Bezug auf Effekte wie beispielsweise Inflation. W\u00e4hrend \u00f6konomisches Kapital am leichtesten umzusetzen und in andere Kapitalformen transferiert werden kann, ist es komplizierter und dauert es l\u00e4nger, kulturelles Kapital zu akkumulieren. Auch soziales Kapital ist schwerer zu akkumulieren bzw. mobilisierbar. (vgl. Bohn 2005, S. 862)<\/p>\n<p>Je nach Dominanz der Kapitalformen in verschiedenen sozialen Feldern entwickeln sich auch die sozialen Strukturen unterschiedlich. Die Vorherrschaft von \u00f6konomischem Kapital beispielsweise f\u00fchrt zu geringerer Segmentation und leicht durchg\u00e4ngigen aber starren Hierarchien. Eine Dominanz von Sozialkapital f\u00fchrt in der Regel zu vielen wenig institutionalisierten Segmenten, die ein komplexes soziales Netzwerk formen. Eine Pr\u00e4dominanz von (symbolischem) kulturellem Kapital schlie\u00dflich f\u00fchrt zu hierarchischen und segmentierten Sozialstrukturen. (vgl. Bohn 2005, S. 865f)<\/p>\n<p>Grund daf\u00fcr ist das laufende Spiel im Feld, der Kampf um die Vormachtsstellung, der mittels unterschiedlicher Kapitalausstattung der Akteurinnen und Akteure stattfindet. (siehe dazu auch: Pierre Bourdieus Feldbegriff ab Seite 6)<\/p>\n<h3>3.3.2\u00a0 Kulturelles Kapital<\/h3>\n<p>\u201eDer Begriff des kulturellen Kapitals hat sich mir bei der Forschungsarbeit als Forschungshypothese angeboten, die es gestattete, die Ungleichheit der schulischen Leistungen von Kindern aus verschiedenen sozialen Klassen zu begreifen. Dabei wurde der Schulerfolg, d.h. der spezifische Profit, den die Kinder aus verschiedenen sozialen Klassen und Klassenfraktionen auf dem schulischen Markt erlangen k\u00f6nnen, auf die Verteilung des kulturellen Kapitals zwischen den Klassen und Klassenfraktionen bezogen.\u201c (Bourdieu, Steinru?cke 2005, S. 53)<\/p>\n<p>Kulturelles Kapital kann man in drei Formen finden: als inkorporiertes Kapital, verinnerlichtes kulturelles Kapital, als objektiviertes kulturelles Kapital in unterschiedlichsten Artefakten und in Form von institutionalisierten so genannten \u201eBildungstiteln\u201c. (vgl. Bourdieu 1983, S. 185)<\/p>\n<p>Als objektiviertes kulturelles Kapital versteht man Schriften, Gem\u00e4lde, Kunstwerke, technische Entwicklungen, also menschliche Artefakte. Diese Ressourcen k\u00f6nnen zwar mit \u00f6konomischem Kapital erworben werden, ihre Verwendung ist allerdings an die M\u00f6glichkeit der Dekodierung gebunden, bedarf daher inkorporiertes, also verinnerlichtes kulturelles Kapital. (vgl. Iser 1983, S. 72)<\/p>\n<p>\u201eInkorporiertes [kulturelles] Kapital ist ein Besitztum, das zu einem festen Bestandteil der \u00bbPerson\u00ab, zum Habitus geworden ist; aus \u00bbHaben\u00ab ist \u00bbSein\u00ab geworden. Inkorporiertes und damit verinnerlichtes Kapital kann deshalb (im Unterschied zu Geld, Besitz- oder sogar Adelstiteln) nicht durch Schenkung, Vererbung, Kauf oder Tausch kurzfristig weitergegeben werden.\u201c (Bourdieu 1983, S. 187)<\/p>\n<p>Als empirische Gr\u00f6\u00dfe zur Messung von kulturellem Kapital schl\u00e4gt Bourdieu vor, die Zeit zu verwenden, die zum Erwerb des kulturellen Kapitals ben\u00f6tigt wird, da diese \u2013 ganz nach dem alten Spruch \u201eZeit ist Geld!\u201c &#8211; den direkten Konnex zum \u00f6konomischen Kapital herstellt: \u201eDie st\u00e4rkste Grundlage f\u00fcr die symbolische Wirksamkeit von kulturellem Kapital ergibt sich zweifellos aus der Logik der \u00dcbertragung. [&#8230;]Es ist unmittelbar ersichtlich, da\u00df die zum Erwerb erforderliche Zeit das Bindeglied zwischen \u00f6konomischen und kulturellem Kapital darstellt.\u201c (Bourdieu 1983, S. 188)<\/p>\n<p>Institutionalisiertes kulturelles Kapital wird von einer gesellschaftlich legitimierten Institution bescheinigt und nivelliert daher graduelle Unterschiede, denn entweder hat man die Pr\u00fcfung f\u00fcr einen Bildungstitel bestanden, oder man hat dies nicht. Es handelt sich also um kategoriale Bezeichnungen f\u00fcr Bildungstitel, die in unterschiedlichem Ausma\u00df, je nach Feld einen gewissen Wert haben. Der Bildungstitel, das institutionalisierte kulturelle Kapital ist nach dem Erwerb aus sozialer Sicht auch vom urspr\u00fcnglich damit verkn\u00fcpften Wissen entkoppelt und damit unabh\u00e4ngig. Die feldspezifische Verkn\u00fcpfung mancher Positionen im Feld an gewisse Bildungstitel \u2013 man denke nur an die so genannten A-Beamten \u2013 und damit an ein spezifisches institutionalisiertes kulturelles Kapital macht auch die starke symbolische Wirkung dieser Ressource aus.<\/p>\n<p>\u201eDer Staat ist f\u00fcr Bourdieu dann auch als amtsgewaltiger W\u00e4chter \u00fcber Titel und Patente einer Zentralbank vergleichbar, seine Bezugsgr\u00f6\u00dfe sind die Kurse f\u00fcr symbolische Kapitalien.\u201c (Bohn 2005, S. 68f)<\/p>\n<p>Diese Titel der Bildungsinstitutionen entscheiden dann mitunter \u00fcber die zuk\u00fcnftige Entwicklung. Hier wird gesellschaftlich festgestellt ob kulturelle Kompetenz besteht, oder nicht.<\/p>\n<p>\u201eOffenkundig wirkt der Bildungstitel wie ein Adelspr\u00e4dikat: Dem gebildeten garantiert er eine gewisse Ausbildung, eine bestimmte Art, die Dinge zu sehen (\u201aManieren\u2018 im franz\u00f6sischen Sinn) und eine qua Bildungsstatus zugeschriebene Kompetenzvermutung, die im einzelnen nicht nachgepr\u00fcft wird.\u201c (M\u00fcller 1986, S. 177)<\/p>\n<p>Das Gegenteil passiert Personen, die eine derartige Legitimation einer \u201ealma mater\u201c nicht haben. Sie werden im Feld laufend wieder ihre Kompetenzen beweisen und sich Tag f\u00fcr Tag um Anerkennung bem\u00fchen m\u00fcssen. Viele Felder sind f\u00fcr diese \u201eAmateure\u201c \u00fcberhaupt gesperrt, man denke an Juristen ohne Universit\u00e4tsabschluss, oder an \u00c4rzte, die nicht studiert haben.<\/p>\n<p>\u201eDer schulische Titel ist ein Zeugnis f\u00fcr kulturelle Kompetenz, das seinem Inhaber einen dauerhaften und rechtlich garantierten konventionellen Wert \u00fcbertr\u00e4gt. \u201c (Bourdieu 1983, S. 190)<\/p>\n<p>Das kulturelle Kapital ist allerdings auch die M\u00f6glichkeit, soziale Distinktionen \u00fcber die Generationen weiter zu geben. Durch die fr\u00fchzeitige habituelle Manifestation kulturellen Kapitals entwickeln sich Kinder aus \u201eh\u00f6heren Klassen\u201c anders, als solche aus der Unterschicht.<\/p>\n<p>Familien bezeichnet Bourdieu als K\u00f6rperschaften, die versuchen, ihre Macht und ihre Privilegien zu perpetuieren, das hei\u00dft immer und immer wieder zu reproduzieren. Diese Reproduktionsmechanismen manifestieren sich in Fortpflanzungs-, Heirats-, Nachfolge-, Wirtschafts- und auch Bildungsstrategien. Je bedeutender das kulturelle Kapital innerhalb einer Familie ist, und je wichtiger das kulturelle Kapital gegen\u00fcber dem \u00f6konomischen Kapital ist, umso st\u00e4rker investieren die Familien in die Bildung. (vgl. Bourdieu 2007a, S. 35)<\/p>\n<p>Aus dieser Position kann man auch verstehen, warum die zuvor aufgestellte These, \u201einstitutionalisiertes kulturelles Kapital diene dazu, gesellschaftlich festzustellen, ob ad\u00e4quate kulturelle Kompetenz besteht, oder nicht\u201c, in vielen F\u00e4llen nur die tats\u00e4chlichen sozialen Strukturen euphemisiert und dazu dient, die Perpetuierung von Eliten zu verschleiern, was Elitenforscher, wie der deutsche Soziologe Hartmann (vgl. Hartmann 2002, S. 371)\u00a0immer wieder aufzeigen: Zwar nehmen die Abschl\u00fcsse an den Universit\u00e4ten zu, auch die Zahl der Promotionen steigt \u2013 doch die symbolische Wirkung der Bildungstitel wurde insofern angepasst, als dass nun gewisse Studien von bestimmten Universit\u00e4ten<a href=\"#_ftn4\">[4]<\/a> ben\u00f6tigt werden, damit die F\u00fchrungskr\u00e4fte in der Wirtschaft wieder \u201eunter sich\u201c bleiben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eWeil die Aneignung der Kulturg\u00fcter Anlagen und Kompetenzen voraussetzt, die ungleich verteilt sind (obwohl scheinbar angeboren), bilden diese Werke den Gegenstand einer exklusiven (materiellen und symbolischen) Aneignung, und weil ihnen die Funktion von (objektiviertem oder inkorporiertem) kulturellem Kapital zukommt, sichern sie einen Gewinn an Distinktion &#8211; im Verh\u00e4ltnis zum Seltenheitsgrad der zu ihrer Aneignung notwendigen Instrumente &#8211; und einen Gewinn an Legitimit\u00e4t, den Gewinn \u00fcberhaupt, der darin besteht, sich so, wie man ist, im Recht, im Rahmen der Norm zu f\u00fchlen.\u201c (Bourdieu 1987, S. 359)<\/p>\n<h3>3.3.3\u00a0 Adaptionen zum kulturellen Kapital in anderen Studien<\/h3>\n<p>Aufgrund der Definition der Kapitalien als generalisierte Ressourcen im Sinne von unterschiedlicher Macht diversifizieren sich diese innerhalb der Felder, die sich ja selbst im Laufe ihrer Entwicklungen immer wieder in Subfelder aufteilen. So entstehen, je nach Feld und herrschender Doxa verschiedene weitere Kapitalarten und Unterarten.<\/p>\n<p>\u201eHabitus und symbolische Kapitalien haben sich l\u00e4ngst anhand der Felder diversifiziert: in universit\u00e4res Kapital, juridisches Kapital, religi\u00f6ses Kapital etc., die letztlich als feldspezifische Machtformen begriffen werden, deren gesamtgesellschaftlicher \u00bbWert\u00ab im Machtfeld umk\u00e4mpft wird.\u201c (Bohn 2005, S. 61)<\/p>\n<p>Pierre Bourdieu  hat in seiner Arbeit \u00fcber das wissenschaftliche Feld \u201ehomo academicus\u201c (vgl. Bourdieu, Schwibs 2006, S. 82\u201399) selbst bereits Adaptionen zu seinen \u201ereinen\u201c Kapitaltypen angewendet. Seine Indikatoren in der Vollerhebung von akademischen W\u00fcrdentr\u00e4gern an franz\u00f6sischen Universit\u00e4ten in der Monographie \u201ehomo academicus\u201c operationalisierte er anhand von Variablen wie \u201eererbtes oder erworbenes Kapital&#8220;, \u201eBildungskapital&#8220;, \u201eUniversit\u00e4res Machtkapital&#8220;, \u201ewissenschaftliches Machtkapital und Prestige\u201c, \u201eintellektuelle Prominenz\u201c und \u201epolitisches oder \u00f6konomisches Machtkapital\u201c.<\/p>\n<p>Betrachtet man \u2013 als weiteres Beispiel zur Adaption von kulturellem Kapital \u2013 den Krieg als sozialen Raum, so gibt es einige f\u00fcr die Kriegssituation spezifische soziale Eigenschaften, da sich im Laufe eines kriegerischen Konflikts die Gesellschaft-strukturierenden Wirkungen der einzelnen Kapitalformen \u2013 je nach Stand der Kampfhandlungen und sozusagen geltender Doxa \u2013 laufend ver\u00e4ndern. Nicht zuletzt ver\u00e4ndern sich auch die Institutionen, die kulturelles Kapital anerkennen und institutionalisieren. Verschiedenes akkumuliertes kulturelles Kapital, das nicht unmittelbar kriegsrelevant, also milit\u00e4risch verwendbar ist, verliert an Wert, w\u00e4hrend beispielsweise Gewaltkompetenz an symbolischer Relevanz gewinnt. Eine analytische Betrachtung legt also nahe, das institutionalisierte kulturelle Kapital also f\u00fcr das Feld des Krieges in milit\u00e4risch relevantes und milit\u00e4risch nicht relevantes zu kategorisieren. (vgl. Frank 2007, S. 5f)<\/p>\n<p>Ein weiteres Beispiel zur Adaption und Konkretisierung des kulturellen Kapitals ist die Dissertation von Sarah Thornton (vgl. Thornton 1995, S. 11), die jugendliche Clubkultur in Gro\u00dfbritannien untersucht hat. Sie unterscheidet verschiedene so genannte \u201esubkulturelle Kapitalien\u201c nach ihrer symbolischen Wirkung in den jeweiligen distinkten Subkulturen. Aus der Perspektive der jeweiligen Subkultur handelt es sich n\u00e4mlich dabei um Prestigebringende und damit distinguierende feldspezifische Ressourcen und damit ganz im Sinne Pierre Bourdieus um Kapitalien: \u201eIn thinking through Bourdieu&#8217;s theories in relation to the terrain of youth culture, I&#8217;ve come to conceive of \u2018hipness\u2019 as a form of subcultural capital.\u201c (Thornton 1995, S. 11)<\/p>\n<p>Auch eine deutsche Studie zur regionalen Mobilit\u00e4t von Personen in strukturschwachen Bereichen im deutschen Bundesland Sachsen unterschied zwischen \u201eregionalspezifischen Kapitalien\u201c und allgemeinen, also beispielsweise zwischen regionalspezifischem kulturellen Kapital\u00a0 und institutionalisiertem kulturellen Kapital. Zum ersteren z\u00e4hlten beispielsweise Wissen \u00fcber die regionale Geschichte, die Aneignung eines spezifischen Dialekts und die generelle Identifikation mit der Region. Es wurde nachgewiesen, dass regionalspezifisches kulturelles Kapital die Mobilit\u00e4t senkt, w\u00e4hrend institutionalisiertes kulturelles Kapital diese hebt (vgl. Skrobanjek, Jobst 2006, S. 229f).<\/p>\n<h3>3.3.4\u00a0 Soziales Kapital<\/h3>\n<p>Da es verschiedene Effekte gibt, die sich nicht allein auf die Gesamtheit der individuellen Ressourcen eines Akteurs oder einer Akteurin reduzieren lassen, hat Pierre Bourdieu das Konzept des sozialen Kapitals eingef\u00fchrt. Darunter versteht man die Mobilisierungsf\u00e4higkeit von Gruppenkapital, das \u00fcber Beziehungsnetze der Akteurinnen und Akteure zur individuellen Verwendung potentiell zur Verf\u00fcgung steht. Das soziale Kapital erlaubt beispielsweise Mitgliedern von Clubs oder Vereinigungen materielle und auch symbolische Profite, zur Aufrechterhaltung m\u00fcssen allerdings auch laufend soziale &#8222;Investitionen&#8220; get\u00e4tigt werden. (vgl. Iser 1983, S. 74f)<\/p>\n<p>Das soziale Kapital beinhaltet die mobilisierbaren Ressourcen, die aus pers\u00f6nlichen Netzwerken bzw. Kontakten entstehen. \u201eDas Gesamt-Kapital, das die einzelnen Gruppenmitglieder besitzen, dient ihnen allen gemeinsam als Sicherheit und verleiht ihnen &#8211; im weitesten Sinne des Wortes &#8211; Kreditw\u00fcrdigkeit.&#8220; (Bourdieu, Steinru?cke 2005, S. 63)<\/p>\n<p>Das Sozialkapital entsteht aus den pers\u00f6nlichen Netzwerken der sozialen Akteurinnen und Akteure und es ver\u00e4ndert sich je nach Mobilisierbarkeit dieser Kontakte und ihrer Ressourcen. \u201eDer Umfang des Sozialkapitals, das der einzelne besitzt, h\u00e4ngt demnach sowohl von der Ausdehnung des Netzes der Beziehungen ab, die er tats\u00e4chlich mobilisieren kann, als auch vom Umfang des (\u00f6konomischen, kulturellen oder symbolischen) Kapitals, das diejenigen besitzen, mit denen er in Beziehung steht.\u201c (Bourdieu, Steinru?cke 2005, S. 64)<\/p>\n<p>Um soziales Kapital zu akkumulieren, bedarf es nat\u00fcrlich auch einiges an Anstrengungen, so genannte Beziehungsarbeit. Man muss laufend Kontakt halten und im Wege des eigenen Beziehungsnetzes in Kontakt stehen. (vgl. Bourdieu, Steinru?cke 2005, S. 65)<\/p>\n<p>Gerade Netzwerke sind es, die die bew\u00e4hrten Klassenreproduktionsmechanismen verst\u00e4rken. Die Alumni-Clubs der Business-Schools, Absolventenvereine der Privatschulen, gemeinsame Freizeitbesch\u00e4ftigungen, wie Golfspielen oder der Opernbesuch verst\u00e4rken Segregationseffekte und vermitteln Beziehungen, die sonst nicht gekn\u00fcpft w\u00fcrden: \u201eSie sitzen in den Kontrollgremien der wichtigsten Unternehmen, steuern die Kommunikation Dritter und sind immer h\u00f6chstens drei Handschl\u00e4ge voneinander entfernt\u201c, so beschreibt das Industriemagazin (vgl. Loidl 2007) die Elite der \u00d6sterreichischen Wirtschaft, die mittels einer Netzwerkanalyse aus den Daten des \u00d6sterreichischen Firmenbuchs in einem Ranking zusammengefasst wurden.<\/p>\n<p>Wesentliche Betrachtungen in dieser Hinsicht stellte beispielsweise der amerikanische Soziologe Mark Granovetter in seinem Werk \u201eThe strength of weak ties\u201c an. Granovetter zeigt in seiner Studie, dass es f\u00fcr die Erfolgschancen von Arbeitssuchenden wesentlicher ist, \u00fcber so genannte \u201eweak ties\u201c (schwache Verbindungen) verbunden zu sein, also \u00fcber Bekanntschaften und lose Freundschaften, als \u00fcber starke Verbindungen innerhalb von Gruppen. Grund ist, dass innerhalb von Gruppen mit hoher Koh\u00e4sion auch kaum Neuigkeiten oder andere Perspektiven kommuniziert werden, diese kommen &#8211; so wie auch ad\u00e4quate Jobangebote &#8211; von au\u00dferhalb dieser sozialen Gruppen. (vgl. Florian, Hillebrandt 2006, S. 203\u2013210)<\/p>\n<h3>3.3.5\u00a0 Weitere Kapitalien<\/h3>\n<p>Pierre Bourdieu selbst verwendete seinen Kapitalbegriff eher unsystematisch und vor allem in seinem Sp\u00e4twerk \u2013 beispielsweise bei der Beschreibung von Firmen als \u00f6konomische Akteure in \u201eThe Social Structures of the Economy\u201c\u2013 verstand er die Kapitalsorten deutlich breiter, als zuvor in den \u201eFeinen Unterschieden\u201c. Die Grundannahmen zu diesen generalisierten Ressourcen, ihre grundlegenden Wirkungen und Regeln bleiben allerdings bestehen.<\/p>\n<p>Die Kapitalien nach denen Bourdieu (vgl. Bourdieu 2005, S. 194f) das \u00f6konomische Feld definiert sind folgende: Das Finanzkapital (dieses Kapital ist die Hauptbedingung f\u00fcr Akkumulation, aber auch f\u00fcr die Erhaltung aller anderen folgenden Kapitalien); das kulturelle Kapital eines Unternehmens, das technologische Kapital (dieses Kapital erm\u00f6glicht die Differenzierung und die Weiterentwicklung von Firmen auf Basis von Forschung und Entwicklung), das juristische Kapital, das Organisationskapital (Informationen \u00fcber das Feld), das Handelskapital, das soziale Kapital (dieses Kapital aktiviert alle anderen Kapitalien \u00fcber Beziehungsnetzwerke), das symbolische Kapital (repr\u00e4sentiert Vertrauen und Glaubw\u00fcrdigkeit aller anderen Kapitalien nach Au\u00dfen).<\/p>\n<p>Diese Kapitalien wirken zwar auch \u00fcber den Preismechanismus, vor allem aber wirken sie \u00fcber strukturelle Mechanismen und Ver\u00e4nderungen. Diese Perspektive der Wirkung \u00fcber Struktur wird von den neoklassischen \u00f6konomischen Theoretikern strikt abgelehnt, diese kennen lediglich die interaktionistischen Wirkungen an der Schnittstelle vom Verk\u00e4ufer zum K\u00e4ufer.<\/p>\n<p>Denn die relative Position einer Firma innerhalb des \u00f6konomischen Subfeldes modifiziert gleichzeitig auch die relative Position und den Gewinn aller Kapitalien der anderen Firmen des Subfeldes (vgl. Bourdieu 2005, S. 195).<\/p>\n<p>Je schlechter eine Firma im Feld positioniert ist, desto mehr ist der Raum der M\u00f6glichkeiten \u2013 pr\u00e4determiniert \u00fcber den folgend beschriebenen \u201e\u00f6konomischen Habitus\u201c f\u00fcr diese Firma eingeschr\u00e4nkt \u2013 und vice versa, je st\u00e4rker die Position eines Unternehmens im Feld ist, desto mehr Einfluss hat das Unternehmen auf das Feld und kann die Regeln des feldimmanenten Spiels und damit auch den relativen Wert seiner Kapitalien selber mitbestimmen.<\/p>\n<h3>3.3.6\u00a0 Kapitalien und das Feld der Nonprofit-Organisationen (NPO)<\/h3>\n<p>Um im Feld der NPO herauszufinden, welches die relevanten Kapitalien sind, was sozusagen innerhalb der Illusio als \u201esymbolisches Kapital\u201c Wirkung entfaltet, versuchte eine Studie aufgrund von Interviews zu erarbeiten, die mit Vertretern der Orthodoxie im Feld durchgef\u00fchrt wurden: Eine qualitative Wiener Studie (vgl. Aghamanoukjan et al. 2007, S. 155\u2013157) von 17 Interviews mit F\u00fchrungskr\u00e4ften aus dem Profit- und dem Nonprofit-Sektor zeigt die Unterschiede in der Selbsteinsch\u00e4tzung, was die Relevanz der unterschiedlichen Kapitalarten nach der Bourdieuschen Theorie angeht: F\u00fcr den NPO-Bereich erweist sich das \u00f6konomische Kapital als besonders wichtig, w\u00e4hrend f\u00fcr die Manager aus dem Forprofit-Bereich das soziale Kapital als wichtiger gilt. In einer Detailbetrachtung sieht man allerdings, dass sich NPO-Manager auch auf das organisationale Umfeld beziehen, also die finanzielle Unsicherheit der Organisation auf diese Studie ausstrahlt. Hinsichtlich des kulturellen Kapitals, dessen Bedeutung in beiden Sektoren gleich eingesch\u00e4tzt wird, ist es im NPO-Bereich unbestritten, selbst viele Aus-, Fort- und Weiterbildungen zu besuchen und das eigene Kompetenzniveau laufend zu erh\u00f6hen, die tats\u00e4chlichen Titel in Form von institutionalisiertem kulturellem Kapital sind nach dieser Studie eher im Forprofit-Bereich von Bedeutung.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist ein Feld oftmals nicht so strukturiert, wie sich das die Orthodoxie im Feld w\u00fcnscht. Gerade die verschleiernden Wirkungen symbolischen Handelns als ein Teil der Machtaus\u00fcbung der Orthodoxie verw\u00e4scht die relative Relevanz von verschiedenen Kapitalausstattungen der Akteurinnen und Akteure im Feld, der Habitus mit seinen Beurteilungs- und Wahrnehmungsschemata tut sein \u00fcbriges, um die Realstruktur zu verschleiern. Aus diesem Grund kann die oben zitierte Studie auch nur eine grobe Richtung der Strukturierung des sehr heterogenen Feld der NPO geben, deren tats\u00e4chliche Relevanz f\u00fcr das Feld des \u00d6sterreichischen Roten Kreuzes sp\u00e4ter \u00fcberpr\u00fcft werden soll.<\/p>\n<p><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<h1>Literaturverzeichnis<\/h1>\n<p>Aghamanoukjan, Anahid; Eikhof, Doris; Leitner, Johannes; Meyer, Michael (2007): Leitern ohne Sprossen?\u00a0Karrieren im Nonprofit-Sektor. In: Helmig, Bernd (Hg.): Nonprofit-Organisationen und M\u00e4rkte. 7. Internationales Colloquium der NPO-Forscher im M\u00e4rz 2006 an der Universit\u00e4t Freiburg\/Schweiz. 1. Aufl. Wiesbaden: Dt. Univ.-Verl. (Marktorientiertes Nonprofit-Management), S. 151\u2013160.<\/p>\n<p>Aldridge, Alan (1998): Habitus and Cultural Capital in the Field of Personal Finance. In: Sociological Revue, Jg. 46, H. 1, S. 1\u201323. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1111\/1467-954X.00087\">10.1111\/1467-954X.00087<\/a>.<\/p>\n<p>Anheier, Helmut K.; Gerhards, J\u00fcrgen; Romo, Frank P. (1995): Forms of Capital and Social Structure in Cultural Fields: Examining Bourdieu&#8217;s Social Topography. In: American Journal for Sociology, Jg. 100, H. 4, S. 859\u2013903.<\/p>\n<p>Bohn, Cornelia (2005): Eine Welt-Gesellschaft. Operative Gesellschaftskonzepte in den Sozialtheorien Luhmanns und Bourdieus. In: Colliot-Th\u00e9l\u00e8ne, Catherine; Bourdieu, Pierre (Hg.): Pierre Bourdieu Deutsch-franz\u00f6sische Perspektiven. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1752), S. 43\u201378.<\/p>\n<p>Bohn, Cornelia; Hahn, Alois (2007): Pierre Bourdieu (1930-2002. In: K\u00e4sler, Dirk (Hg.): Von Talcott Parsons bis Anthony Giddens. 5., \u00fcberarb., aktualisierte und erw. Aufl. M\u00fcnchen: Beck (Beck&#8217;sche Reihe, 1289), S. 289\u2013310.<\/p>\n<p>Bourdieu, Pierre (1983): \u00d6konomisches Kapital, kulturelles Kapital, soziales Kapital. In: Kreckel, Reinhard (Hg.): Soziale Ungleichheiten. G\u00f6ttingen: Otto Schwartz; Schwartz (Soziale WeltSonderband, 2), S. 183\u2013198.<\/p>\n<p>Bourdieu, Pierre (1987): Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Frankfurt am Main: Surkamp Taschenbuch Verlag.<\/p>\n<p>Bourdieu, Pierre (1999): Die Regeln der Kunst. Genese und Struktur des literarischen Feldes. Frankfurt am Main: Suhrkamp.<\/p>\n<p>Bourdieu, Pierre (2001): \u00dcber einige Eigenschaften von Feldern. In: Bourdieu, Pierre; Beister, Hella; Schwibs, Bernd (Hg.): Soziologische Fragen. Dt. Erstausg., 1. Aufl., [Nachdr.]. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Edition Suhrkamp, 1872 = N.F., 872), S. 107\u2013114.<\/p>\n<p>Bourdieu, Pierre (2004): Das Paradox des Soziologen. In: Bourdieu, Pierre (Hg.): Soziologische Fragen. Dt. Erstausg., 1. Aufl., [Nachdr.]. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Edition Suhrkamp, 1872 = N.F., 872), S. 83\u201391.<\/p>\n<p>Bourdieu, Pierre (2005): Principles of an Economic Anthropoly. In: Bourdieu, Pierre (Hg.): The social structures of the economy. Oxford: Polity, S. 193\u2013219.<\/p>\n<p>Bourdieu, Pierre (2007a): Das neue Kapital. In: Bourdieu, Pierre; Beister, Hella (Hg.): Praktische Vernunft. Zur Theorie des Handelns. Dt. Erstausg., 1. Aufl., [Nachdr.]. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Edition Suhrkamp, 1985 = N.F., 985), S. 34\u201355.<\/p>\n<p>Bourdieu, Pierre (2007b): Sozialer Raum, symbolischer Raum. In: Bourdieu, Pierre; Beister, Hella (Hg.): Praktische Vernunft. Zur Theorie des Handelns. Dt. Erstausg., 1. Aufl., [Nachdr.]. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Edition Suhrkamp, 1985 = N.F., 985), S. 15\u201335.<\/p>\n<p>Bourdieu, Pierre; Egger, Stephan; Schultheis, Franz (2007): Ein soziologischer Selbstversuch. Dt. Erstausg., 3. Aufl., [Nachdr.]. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Edition Suhrkamp, 2311).<\/p>\n<p>Bourdieu, Pierre; Schwibs, Bernd (2006): Homo academicus. 1. Aufl., [Nachdr.]. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1002).<\/p>\n<p>Bourdieu, Pierre; Steinru?cke, Margareta (2005): Die verborgenen Mechanismen der Macht. Unvera?nd. Nachdr. der Erstaufl. von 1992. Hamburg: VSA-Verl. (Schriften zu Politik &amp; Kultur \/ Pierre Bourdieu. Hrsg. von Margareta Steinru?cke, 1).<\/p>\n<p>Florian, Michael.; Hillebrandt, Frank. (2006): Pierre Bourdieu. Neue Perspektiven f\u00fcr die Soziologie der Wirtschaft \/. 1. Aufl. Wiesbaden: VS Verl. f\u00fcr Sozialwiss.<\/p>\n<p>Frank, Cornelia (2007): Analyse von Kriegs\u00f6konomien als soziale Ordnungsformen aus Sicht der verstehenden Soziologie von Gewaltakteuren. Entstehung, Konsolidierung und Transformation der U\u00c7K als Fallbeispiel. Paper f\u00fcr das Panel \u201eSoziologische Ans\u00e4tze zu den Friedensbedingungen in Nachkriegsgesellschaften\u201c, Erster Workshop des AFK-Arbeitskreises Theorie am 5. \u2013 7. Juli 2007 in der Ev. Akademie Loccum. Universit\u00e4t Trier. Trier.<\/p>\n<p>Fuchs-Heinritz, Werner; K\u00f6nig, Alexandra (2005): Pierre Bourdieu. Eine Einf\u00fchrung. Konstanz: UVK-Verl.-Ges. (UTB Soziologie, 2649).<\/p>\n<p>Hartmann, Michael (2002): Leistung oder Habitus? Das Leistungsprinzip und die soziale Offenheit der deutschen Wirtschaftselite. In: Bittlingmayer, U. Eickelpasch R. Kastner J. Rademacher C. (Hrsg.) (Hg.): Theorie als Kampf? Zur politischen Soziologie Pierre Bourdieus. Opladen: Leske + Budrich, S. 361\u2013377.<\/p>\n<p>Hartmann, Michael (2005): Eliten und das Feld der Macht. In: Colliot-Th\u00e9l\u00e8ne, Catherine; Bourdieu, Pierre (Hg.): Pierre Bourdieu Deutsch-franz\u00f6sische Perspektiven. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1752), S. 255\u2013275.<\/p>\n<p>Hillebrandt, Frank. (1999): Die Habitus-Feld-Theorie als Beitrag zur Mikro-Makro-Problematik in der Soziologie &#8211; aus der Sicht des Feldbegriffs. Technische Universit\u00e4t Hamburg-Harburg. Hamburg. (Working Papers zur Modellierung sozialer Organisationsformen in der Sozionik, WP2).<\/p>\n<p>Iser, Maria (1983): Der Habitus als illegitimer Normalfall gesellschaftlicher Reproduktion. Die soziale Bedeutung von symbolischer Gewalt und strukturgesteuertem Lernen und Handeln in der Theorie von Pierre Bourdieu. Dissertation. Betreut von Michael Hofmann und Stefan Titscher. Wien. Wirtschaftsuniversit\u00e4t Wien, Allgemeine Betriebswirtschaftslehre.<\/p>\n<p>Joas, Hans (2004): Zwischen Strukturalismus und Theorie der Praxis &#8211; die Kultursoziologie Pierre Bourdieus. In: Joas, Hans; Kn\u00f6bl, Wolfgang; Joas, Hans; Kn\u00f6bl, Wolfgang (Hg.): Sozialtheorie. Zwanzig einf\u00fchrende Vorlesungen. Orig.-Ausg., 1. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1669), S. 518\u2013557.<\/p>\n<p>Krais, Beate (2005): Die moderne Gesellschaft und ihre Klassen &#8211; Bourdieus Konstrukt des sozialen Raums. In: Colliot-Th\u00e9l\u00e8ne, Catherine; Bourdieu, Pierre (Hg.): Pierre Bourdieu Deutsch-franz\u00f6sische Perspektiven. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1752), S. 79\u2013105.<\/p>\n<p>Krais, Beate; Gebauer, Gunter (2002): Habitus. Bielefeld: Transcript-Verl. (Einsichten).<\/p>\n<p>Krauss, Hartmut (2001): Zwischen Subjektivismus und Objektivismus. Zum Erkenntnisgehalt der theoretischen Konzeption Pierre Bourdieus. Glasnost Archiv. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"http:\/\/www.glasnost.de\/autoren\/krauss\/bourd.html\">http:\/\/www.glasnost.de\/autoren\/krauss\/bourd.html<\/a>, zuletzt gepr\u00fcft am 22. Februar 2009.<\/p>\n<p>Loidl, Rudolf (2007): Im Netzwerk der Macht. In: Industriemagazin, Ausgabe September 2007, 2007, S. 34\u201345. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"http:\/\/www.industriemagazin.at\/index.php?id=im-artikel&amp;tx_ttnews[tt_news]=2625\">http:\/\/www.industriemagazin.at\/index.php?id=im-artikel&amp;tx_ttnews[tt_news]=2625<\/a>.<\/p>\n<p>M\u00fcller, Hans-Peter (1986): Kultur, Geschmack und Disinktion. Grundz\u00fcge der Kultursoziologie Pierre Bourdieus. In: Neidhardt, Friedhelm; Lepsius, M Rainer; K\u00f6nig, Ren\u00e9 (Hg.): Kultur und Gesellschaft. Ren\u00e9 K\u00f6nig, dem Begr\u00fcnder der Sonderhefte, zum 80. Geburtstag gewidmet. Opladen: Westdt. Verl. (K\u00f6lner Zeitschrift f\u00fcr Soziologie und SozialpsychologieSonderheft, 27), S. 162\u2013189.<\/p>\n<p>M\u00fcller, Hans-Peter (1992): Die soziokulturelle Ungleichheitstheorie. In: M\u00fcller, Hans-Peter (Hg.): Sozialstruktur und Lebensstile. Der neuere theoretische Diskurs \u00fcber soziale Ungleichheit. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 982), S. 238\u2013351.<\/p>\n<p>M\u00fcller, Hans-Peter (2005): Handeln und Struktur. Pierre Bourdieus Praxeologie. In: Colliot-Th\u00e9l\u00e8ne, Catherine; Bourdieu, Pierre (Hg.): Pierre Bourdieu Deutsch-franz\u00f6sische Perspektiven. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1752), S. 21\u201342.<\/p>\n<p>Savage, Mike; Warde, Alan; Devine, Fiona (2005): Capitals, assets, and resources: some critical issues. In: The British Journal of Sociology, Jg. 56, H. 1, S. 31\u201347. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1111\/j.1468-4446.2005.00045.x\">DOI: 10.1111\/j.1468-4446.2005.00045.x<\/a>.<\/p>\n<p>Schrenk, Jakob (2009): Es gibt nur einen Pierre Bourdieu. Jakob Schrenk im Gespr\u00e4ch mit Franz Schulteis. In: Schrenk, Jakob (Hg.): Pierre Carles Soziologie ist ein Kampfsport. Pierre Bourdieu im Gespr\u00e4ch. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 25\u201333.<\/p>\n<p>Sch\u00fcrz, Martin (1999): Feine Unterschiede der Kapitalarten bei P. Bourdieu. Veranstaltung vom 23. 6. 1999. Wien. Veranstalter: Republikanischer Club.<\/p>\n<p>Schwibs, Bernd (o.J.[2002]): ORF ON Science &#8211; Bourdieu: Soziologie als \u00dcberlebensprogramm. Mehr als ein Meisterdenker. ORF. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"http:\/\/science.orf.at\/science\/news\/40745\">http:\/\/science.orf.at\/science\/news\/40745<\/a>, zuletzt gepr\u00fcft am 12. Februar 2009.<\/p>\n<p>Skrobanjek, Jan; Jobst, Solveijg (2006): \u201eBegrenzung\u201d durch kulturelles Kapital? In: Berliner Journal f\u00fcr Soziologie, H. 2 Juni 2006, S. 227\u2013244. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"http:\/\/dx.doi.org\/10.1007\/s11609-006-0018-0\">doi:10.1007\/s11609-006-0018-0<\/a>.<\/p>\n<p>Thornton, Sarah (1995): Club cultures. Music, media, and subcultural capital. Cambridge: Polity Press (Music\/culture).<\/p>\n<p>Wieselberg, Lukas (o.J. [2002]): Franz\u00f6sischer Soziologe Pierre Bourdieu gestorben. ORF ON Science. ORF. Online verf\u00fcgbar unter <a href=\"http:\/\/sciencev1.orf.at\/science\/news\/40727,\">http:\/\/sciencev1.orf.at\/science\/news\/40727,<\/a> zuletzt gepr\u00fcft am 9. Dezember 2009.<\/p>\n<p>Wissing, Hubert (2006): Intellektuelle Grenzg\u00e4nge. Pierre Bourdieu und Ulrich Beck zwischen Wissenschaft und Politik. Univ., Diss.&#8211;Osnabr\u00fcck, 2005. 1. Aufl. Wiesbaden: VS Verl. f\u00fcr Sozialwiss. (Forschungen zur europ\u00e4ischen Integration, 18).<\/p>\n<hr size=\"1\" \/><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Das ist die neoklassische mikro\u00f6konomische Sicht auf den Konsumenten, bei der ceteris paribus alle sozialen Randbedingungen egalisiert werden.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> \u201eHistorisch tritt das Kapital dem Grundeigentum \u00fcberall zun\u00e4chst in Form von Geld gegen\u00fcber, als Geldverm\u00f6gen, Kaufmannskapital und Wucherkapital.\u201c (Marx 1962, S. 161)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\">[3]<\/a> Die Konvertierbarkeit ist unter anderem auch eine der Grundvoraussetzungen, die Bourdieu f\u00fcr s\u00e4mtliche Kapitalien definiert.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\">[4]<\/a> Diese bezeichnet man dann konsequenterweise Elite-Universit\u00e4ten. Eine Tendenz, die in den Vereinigten Staaten schon lange Tradition hat, kommt damit auch nach Europa.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieses Textfragement entstand &#8211; analog zum Fragement zur Geschichte des Roten Kreuzes &#8211; bei der Erstellung meiner Diplomarbeit zu den Sozialstrukturen im \u00d6sterreichischen Roten Kreuzes als \u00fcbervollst\u00e4ndige Beschreibung des Bourdieuschen Theoriengeb\u00e4udes. 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