{"id":225,"date":"2010-04-21T16:25:24","date_gmt":"2010-04-21T14:25:24","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/sociologist\/?p=225"},"modified":"2010-04-21T16:25:24","modified_gmt":"2010-04-21T14:25:24","slug":"wissensmanagement-dekonstruiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/2010\/04\/21\/wissensmanagement-dekonstruiert\/","title":{"rendered":"Wissensmanagement dekonstruiert."},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Wie k\u00f6nnen gemeinn\u00fctzige Organisationen die kollaborativen Tools und Netzwerke des Internets nutzen, um Wissen zu generieren, zu vermitteln, zu bewahren und zu pflegen?<\/p><\/blockquote>\n<p>Das fragt <a href=\"http:\/\/nonprofits-vernetzt.posterous.com\/\">Brigitte Reiser<\/a> von Nonprofits-Vernetzt im Rahmen der aktuellen <a href=\"http:\/\/blog.nonprofits-vernetzt.de\/index.php\/npo-blogparade-15-wissensmanagement-in-gemeinnutzigen-organisationen-mit-hilfe-von-social-media\/\">NPO-Blogparade<\/a>.<\/p>\n<p>In ihrer Einleitung argumentiert Reiser, dass die Tools der Social Media f\u00fcr das Wissensmanagement nahezu pr\u00e4destiniert w\u00e4ren und das NPOs derzeit eher zu wenig Gebrauch von derartigen Tools per se machen:<\/p>\n<blockquote><p>Meines Erachtens w\u00fcrde das Wissen von Nonprofits an strategischem Wert gewinnen, wenn es \u00fcber das Internet st\u00e4rker \u00f6ffentlich gemacht w\u00fcrde. Nur so k\u00f6nnte man sich auf gesellschaftlicher Seite einen realistischen \u00dcberblick \u00fcber die Situation im sozialen\/kulturellen\/\u2026 Sektor verschaffen und L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten entwickeln.<\/p><\/blockquote>\n<p>Die Frage die sich hier stellt ist, ob das tats\u00e4chlich mit Wissensmanagement zu tun hat, oder \u00a0eher in Richtung Legitimation der Akteurinnen gegen\u00fcber der interessierten Zivilgesellschaft geht?<\/p>\n<p>Ich denke dass die \u201eneuen\u201c Tools bereits durchaus Eingang in die NPO-Alltagsrealit\u00e4t gefunden haben. Je nach Organisationskultur und\u00a0 -Selbstverst\u00e4ndnis gilt es allerdings unterschiedlichste Tasks umzusetzen. Diese Organisationsrealit\u00e4t habe ich ja bereits als Grundlage im Artikel \u201e<a href=\"..\/2009\/11\/25\/interne-herausforderungen-fur-web2-0-in-npos\/\">Interne Herausforderungen f\u00fcr Web2.0 in NPOs<\/a>\u201c angesprochen. Wahrscheinlich ist diese eigene Kultur, die feldspezifische Doxa oder \u201eIllusio\u201c, wie das Pierre Bourdieu (<a href=\"..\/2009\/12\/09\/die-theorien-pierre-bourdieus\/\">vgl. Blogbeitrag hier<\/a>) bezeichnen w\u00fcrde, ein viel wesentliches Merkmal f\u00fcr die Social Media Nutzung einer Organisation, als ihre \u00f6konomisch\/politische Zuordnung zum NPO-Sektor oder zur \u00d6konomie.<\/p>\n<p>Kollaboration ist beispielsweise f\u00fcr uns (das <a href=\"http:\/\/www.roteskreuz.at\">\u00d6sterreichische Rote Kreuz)<\/a> als stark operative NPO im Gesundheits- und Sozialbereich eine seit Jahren laufend ge\u00fcbte Praxis. Auch das Web1.0 war bereits zu einem erkl\u00e4glichen Teil Kommunikationstool f\u00fcr die eigenen MitarbeiterInnen und \u2013Mitarbeiter, die Tools der sozialen Medien haben diese Komponenten in jedem Fall gest\u00e4rkt. Eine aktive Suche nach \u201eWissensmanagement\u201c im gesamten Rotkreuz-Onlineportal findet insgesamt f\u00fcnf Beitr\u00e4ge \u2013 davon drei vom <a href=\"http:\/\/www.roteskreuz.at\/wien\/forschungsinstitut-des-roten-kreuzes\/\">Forschungsinstitut<\/a>, das eine j\u00e4hrliche \u201e<a href=\"http:\/\/www.roteskreuz.at\/fileadmin\/user_upload\/LV\/Wien\/Metanavigation\/Forschungsinstitut\/MitarbeiterInnen%20%2B%20Projektberichte\/T%C3%A4tigkeitsbericht%20FRK%202009%20Endversion.pdf\">Wissensbilanz<\/a>\u201c als T\u00e4tigkeitsbericht publiziert. Ein Treffer betrifft eine <a href=\"http:\/\/www.roteskreuz.at\/pflege-betreuung\/soziales\/prosa\/\">Projektdatenbank \u201ePROSA \u2013 Projekte mit Sozialem Anspruch\u201c<\/a> auf in unserem Portal. Das zeigt, dass die Begrifflichkeit \u201eWissensmanagement\u201c im Falle des \u00d6sterreichischen Roten Kreuzes keine gro\u00dfe Bedeutung hat, was nicht hei\u00dft, das bei uns kein Wissen generiert, vermittelt, bewahrt oder geplegt wird.<\/p>\n<p>Vielfach erscheint der Begriff des \u201e<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Wissensmanagement\">Wissensmanagement<\/a>\u201c gehyped, <a href=\"http:\/\/www.google.de\/search?hl=de&amp;client=firefox-a&amp;hs=eKb&amp;rls=org.mozilla%3Ade%3Aofficial&amp;q=wissensmanagement+beratung&amp;btnG=Suche&amp;meta=lr%3Dlang_de&amp;aq=f&amp;aqi=&amp;aql=&amp;oq=&amp;gs_rfai=\">viele Berater setzten auf dieses Pferd<\/a>, wiewohl die Spitze dieser Management-Mode schon fast vorbei sein d\u00fcrfte. Wann, und da meldet sich bei mir auch wieder der Praktiker, wird \u201eWissen gemanaged\u201c und wann nur \u201eintern Kommuniziert\u201c; wann ist ein Tool einfach Feedback-Generierend und wann wird damit Wissen bewahrt. Ist ein System zur Erfassung von \u201e<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Critical_Incident_Reporting_System\">Critical Incidents<\/a>\u201c, also zur Fehlererfassung bereits ein Wissensmanagement-Tool, wie sieht es mit <a href=\"http:\/\/www.roteskreuz.at\/kurse-aus-weiterbildung\/erste-hilfe\/erste-hilfe-online-kurs\/\">Online-Trainingsplattformen<\/a> aus?<\/p>\n<p>Als stark von sozialwissenschaftlichen Theoretikern gepr\u00e4gt postuliere ich jetzt, dass jegliche strukturierte Anwendung von Tools zur Verbesserung von innerorganisatorischem Sozialkapital (im Sinne der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bourdieu\">Bourdieuschen<\/a> Definition, also im Sinne von sozialer Vernetzung) im weitesten Sinn neben dem Feld selbst auch das Wissen des Feldes strukturiert. Allein die partizipative Grundhaltung der Feldorthodoxie, das Formulieren von \u201eBest Practices\u201c und \u201eLessons Learnt\u201c, das eigene interne Verkaufen von Erfolgsmodellen erlaubt schon die Kategorisierung als \u201eWissensmanagement\u201c. Und gerade diese Vernetzungen passieren durch die modernen Tools des Web2.0, so dieser <a href=\"http:\/\/oreilly.com\/web2\/archive\/what-is-web-20.html\">Begriff von Tim O\u2019Reilly<\/a> noch erlaubt ist. Ich bin mir sicher, das ganze l\u00e4sst sich auch systemtheoretisch begr\u00fcnden, ich bin allerdings im Moment noch derartig im Bourdieuschen Paradigma, dass ich hier geistig noch nicht flexibel bin.<\/p>\n<p>So gesehen wirken alle partizipativen Tools, deren Content durch die Verwendung von digitalen Systemen gespeichert werden, im Sinne der ersten Frage Wissen generierend. Die Frage ist nat\u00fcrlich, ob dahinter auch das strategische Ziel steht, diese Methoden zu just dieser Zielerreichung zu verwenden. Sonst ist das Wissensmanagement einfach eine Art Kollateralschaden des eigenen (hoffentlich zumindest strukturierten) Kommunikationshandelns.<\/p>\n<p>Wie schon in anderen Blogbeitr\u00e4gen sehe ich die neuen Tools des Social Webs nur als Erg\u00e4nzung zu bestehenden Tools. Auch die Methoden der Barcamps, Socialbars, \u2026 erscheinen weitere interessante M\u00f6glichkeiten hier bestehende Strukturen zu erg\u00e4nzen und damit im Sinne eines breiten Methodenmixes die strategisch geplanten Organisationsziele auch operativ zu erreichen. Mir ist schon klar, dass ich hier wenig operative Beispiele gebe, sondern um die Begrifflichkeiten und Ziele diskutiere &#8211; ich denke aber, dass genau das ein prim\u00e4r wichtiger Schritt ist, die Frage zu dekonstruieren und zu den dahinterliegenden Ph\u00e4nomenen vorsto\u00dfen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zum Schluss noch ein Link zu verschiedenen <a href=\"http:\/\/www.roteskreuz.at\/service\/social-media\/\">Social-Media Informationen des \u00d6sterreichischen Roten Kreuzes<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie k\u00f6nnen gemeinn\u00fctzige Organisationen die kollaborativen Tools und Netzwerke des Internets nutzen, um Wissen zu generieren, zu vermitteln, zu bewahren und zu pflegen? Das fragt Brigitte Reiser von Nonprofits-Vernetzt im Rahmen der aktuellen NPO-Blogparade. 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