{"id":247,"date":"2010-07-14T12:18:34","date_gmt":"2010-07-14T10:18:34","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/sociologist\/?p=247"},"modified":"2010-07-14T12:18:34","modified_gmt":"2010-07-14T10:18:34","slug":"ist-blutspenden-ein-menschenrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/2010\/07\/14\/ist-blutspenden-ein-menschenrecht\/","title":{"rendered":"Ist Blutspenden ein Menschenrecht?"},"content":{"rendered":"<p>Mein Beitrag zur <a title=\"Standard-Bericht: Schwules Blut\" href=\"http:\/\/derstandard.at\/1277337107668\/Thema-Life-Ball-2010-Schwules-Blut\">Debatte \u00fcber den Ausschluss von M\u00e4nnern, die Sex mit M\u00e4nnern haben, von der Blutspende<\/a>.<\/p>\n<p>Immer wieder flammt die Diskussion auf, ob das Blutspende-Verbot f\u00fcr M\u00e4nner, die Sex mit M\u00e4nnern haben (MSM), diskriminierenden Charakter hat. Einige Vertreter der schwulen Community sehen das definitiv so. (Dazu beispielsweise der<a href=\"http:\/\/michaelleiblfinger.at\/?p=506\"> Blogpost von Michael Leiblfinger<\/a>)<\/p>\n<p>Doch f\u00fcr das Rote Kreuz als Hersteller eines Medikaments \u2013 als solches sind ja Blutprodukte einzustufen \u2013 muss zun\u00e4chst die Empf\u00e4ngerseite beachtet werden. Das Blutsicherheitsgesetz definiert in seinem \u00a71 sehr deutlich, um was es bei der Sicherheit geht:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eDieses Bundesgesetz regelt die Gewinnung und Testung von menschlichem Blut und Blutbestandteilen sowie die damit zusammenh\u00e4ngenden Sicherheitsma\u00dfnahmen, um Spendern und Patienten den bestm\u00f6glichen Schutz zu bieten\u201c.<\/p><\/blockquote>\n<p>Als Grundlage daf\u00fcr, ist \u2013 und so lautet der zweite Absatz des \u00a71 BSG \u201e\u2026der Stand der medizinischen Wissenschaft einzuhalten\u201c.<\/p>\n<p>F\u00fcr das \u00d6sterreichische Rote Kreuz, als humanit\u00e4re Organisation ganz klar dem Menschen verpflichtet \u2013 nicht zuletzt lautet unser Slogan ja auch \u201eAus Liebe zum Menschen\u201c \u2013 ist es daher von jeher ein Dilemma, zwischen den \u2013 durchaus berechtigten Forderungen der SpenderInnen, die ja Gutes tun wollen, und den Rechten und Forderungen der Empf\u00e4ngerInnen, die Notleidend im medizinischen Sinne sind, abzuw\u00e4gen. Dabei machen wir es uns nicht leicht.<\/p>\n<p>Gerne will ich versuchen, im folgenden die medizinischen Grundlagen f\u00fcr den bestehenden Blutspende-Ausschluss von M\u00e4nnern, die Sex mit M\u00e4nnern haben, zu begr\u00fcnden. Es handelt sich im Grundsatz um eine epidemiologische Feststellung, also um eine medizinstatistische Aussage, die sich auf Studien zur so genannten \u201ePr\u00e4valenz\u201c (und da ist ein Unterschied zu den immer wieder ins Treffen gef\u00fchrten Neuerkrankungen, der so genannten Inzidenz) von HIV Erkrankungen st\u00fctzt.<\/p>\n<h2>HIV-Pr\u00e4valenz als Ma\u00dfzahl<\/h2>\n<p>Als <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Pr%C3%A4valenzratio\">Pr\u00e4valenz<\/a> (oder Pr\u00e4valenzratio) wird die Zahl bezeichnet, wie viele Menschen einer bestimmten Gruppe (Population) definierter Gr\u00f6\u00dfe an einer bestimmten Krankheit erkrankt sind, beziehungsweise f\u00fcr die Infektion mit dem HI-Virus, wieviele eine ebensolche Infektion haben.<\/p>\n<p>Diese Pr\u00e4valenzrate betr\u00e4gt f\u00fcr HIV in der \u00d6sterreichischen Gesamtbev\u00f6lkerung im Jahr 2006 0,0011, das hei\u00dft in einer Stichprobe von 1000 Personen war statistisch im Jahr 2006 ziemlich genau eine HIV-infizierte Person zu erwarten. Nimmt man nun die so genannte Pr\u00e4valenz von M\u00e4nnern, die Sex mit M\u00e4nnern haben (Quelle: <a href=\"http:\/\/eurohiv-database.invs.sante.fr\/\">http:\/\/eurohiv-database.invs.sante.fr\/<\/a>), so liegt diese signifikant \u00fcber der ersten Zahl. Die verf\u00fcgbaren Studien, beispielsweise aus der Schweiz 2004<a href=\"#_ftn1\">[1]<\/a> zeigen hier eine Pr\u00e4valenzrate von 0,09; nimmt man beispielsweise alle BlutspenderInnen in \u00d6sterreich im Jahr\u00a0 2004 (eurohiv-database), so lag die Pr\u00e4valenz bei 0,01. Das hei\u00dft, wenn man nun die Epidemiologie wieder \u00fcbersetzt, dass die Chancen, dass eine HIV-Infektion vorliegt, in der ausgeschlossenen Zielgruppe von M\u00e4nnern, die Sex mit M\u00e4nnern haben, deutlich h\u00f6her ist \u2013 je nach Studien, die man vergleicht \u2013 als dies bei allen anderen Blutspenderinnen und Blutspendern der Fall ist.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft aber auch, dass das Risiko f\u00fcr den Empf\u00e4nger einer Blutkonserve, sich mit den HIV-Viren zu infizieren entsprechend steigt, denn die modernsten <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Polymerase-Kettenreaktion\">PCR-Verfahren<\/a> in der Blut-Testung k\u00f6nnen leider noch immer nicht 100%ig garantieren, dass man alle Erreger finden kann. Die Meldungen, dass die Zahl der Neuinfektionen mit dem HI-Virus in allen Bereichen der Bev\u00f6lkerung sinken sind sehr erfreulich, doch das Gesamtrisiko \u2013 und damit das Risiko f\u00fcr den Empf\u00e4nger &#8211; reduzieren diese (im Moment) noch nicht.<\/p>\n<h2>Diskriminieren wir den Spender oder den Empf\u00e4nger?<\/h2>\n<p>Nach diesen statistischen Erkl\u00e4rungsversuchen daher die Frage: W\u00fcrden Sie diese M\u00f6glichkeit des Risikoausschlusses f\u00fcr den Empf\u00e4nger, und um nichts anderes darf es in dieser Diskussion gehen, au\u00dfer Acht lassen?<\/p>\n<p>So gesehen ist es hoffentlich nachvollziehbar, warum rechtlich und auch moralisch das Recht des Empf\u00e4ngers, eine sichere Blutkonserve zu erhalten deutlich h\u00f6her eingestuft wird, als das Recht des Spenders, Gutes zu tun.<\/p>\n<p>Warum man aufgrund derartiger Entscheidungen allerdings <a href=\"http:\/\/twitter.com\/R34lB0rg\/status\/18504863330\">als Schwulenhasser<\/a> bezeichnet wird, ist mir nicht ganz einsichtig.<\/p>\n<p>Ein Link zum Thema <a href=\"http:\/\/www.roteskreuz.at\/berichten\/aktuelles\/news\/datum\/2009\/08\/31\/induzierte-pluripotente-stammzellen-ips-kopie-1\/\">Blutspendeforschung und HIV<\/a> von Univ. Prof. Dr. Renate Heinz .<\/p>\n<hr size=\"1\" \/><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Balthasar H, Jeannin A, Dubois-Arber F. surveillance des comportements face au VIH\/sida chez les hommes ayant des rapports sexuals avec des hommes &#8211; Suisse, 1992-2004. Int J Public Helath 2007;52:27-38<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mein Beitrag zur Debatte \u00fcber den Ausschluss von M\u00e4nnern, die Sex mit M\u00e4nnern haben, von der Blutspende. 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