{"id":28,"date":"2008-01-14T18:59:10","date_gmt":"2008-01-14T16:59:10","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/sociologist\/2008\/01\/14\/10-gebote-der-feldforschung\/"},"modified":"2008-01-14T18:59:10","modified_gmt":"2008-01-14T16:59:10","slug":"10-gebote-der-feldforschung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/2008\/01\/14\/10-gebote-der-feldforschung\/","title":{"rendered":"10 Gebote der Feldforschung"},"content":{"rendered":"<p>Von Roland Girtler (<a href=\"http:\/\/www.soz.univie.ac.at\/rg-details\/\">http:\/\/www.soz.univie.ac.at\/rg-details\/<\/a>)<\/p>\n<p>Folgendes habe ich bei meinen ziellosen Recherchen im Web gefunden:<\/p>\n<ol>\n<li>Du sollst einigerma\u00dfen nach jenen Sitten und Regeln leben, die f\u00fcr die Menschen, bei denen du forschst, wichtig sind. Dies bedeutet Achtung ihrer Rituale und heiligen Zeiten, sowohl in der Kleidung als auch beim Essen und Trinken. &#8211; Si vivis Romae Romano vivito more!<\/li>\n<li>Du sollst zur Gro\u00dfz\u00fcgigkeit und Unvoreingenommenheit f\u00e4hig sein, um Werte zu erkennen und nach Grunds\u00e4tzen zu urteilen, die nicht die eigenen sind. Hinderlich ist es, wenn du \u00fcberall b\u00f6se und hinterlistige Menschen vermutest.<\/li>\n<li>Du sollst niemals abf\u00e4llig \u00fcber deine Gastgeber und jene Leute reden und berichten, mit denen du Bier, Wein, Tee oder sonst etwas getrunken hast.<\/li>\n<li>Du sollst dir ein solides Wissen \u00fcber die Geschichte und die sozialen Verh\u00e4ltnisse der dich interessierenden Kultur aneignen. Suche daher zun\u00e4chst deren Friedh\u00f6fe, M\u00e4rkte, Wirtsh\u00e4user, Kirchen oder \u00e4hnliche Orte auf.<\/li>\n<li>Du sollst dir ein Bild von der Geographie der Pl\u00e4tze und H\u00e4user machen, auf und in denen sich das Leben abspielt, das du erforschen willst. Gehe zu Fu\u00df die betreffende Gegend ab und steige auf einen Kirchturm oder einen H\u00fcgel.<\/li>\n<li>Du sollst, um dich von den \u00fcblichen Reisenden zu unterscheiden, das Erlebte mit dir forttragen und dar\u00fcber m\u00f6glichst ohne Vorurteile berichten. Daher ist es wichtig, ein Forschungstagebuch (neben den anderen Aufzeichnungen) zu f\u00fchren, in das du dir jeden Tag deine Gedanken, Probleme und Freuden der Forschung, aber auch den \u00c4rger bei dieser eintr\u00e4gst. Dies regt zu ehrlichem Nachdenken \u00fcber dich selbst und deine Forschung an, aber auch zur Selbstkritik.<\/li>\n<li>Du sollst die Mu\u00dfe zum &#8222;ero-epischen (freien) Gespr\u00e4ch&#8220; aufbringen. Das hei\u00dft, die Menschen d\u00fcrfen nicht als blo\u00dfe Datenlieferanten gesehen werden. Mit ihnen ist so zu sprechen, da\u00df sie sich geachtet f\u00fchlen. Man mu\u00df sich selbst als Mensch einbringen und darf sich nicht aufzwingen. Erst so lassen sich gute Gespr\u00e4chs- und Beobachtungsprotokolle erstellen.<\/li>\n<li>Du sollst dich bem\u00fchen, deine Gespr\u00e4chspartner einigerma\u00dfen einzusch\u00e4tzen. Sonst kann es sein, da\u00df du hineingelegt oder bewu\u00dft belogen wirst.<\/li>\n<li>Du sollst dich nicht als Missionar oder Sozialarbeiter aufspielen. Es steht dir nicht zu, &#8222;erzieherisch&#8220; auf die vermeintlichen &#8222;Wilden&#8220; einzuwirken. Du bist kein Richter, sondern lediglich Zeuge!<\/li>\n<li>Du mu\u00dft eine gute Konstitution haben, um dich am Acker, in stickigen Kneipen, in der Kirche,in noblen Gasth\u00e4usern, im Wald, im Stall, auf staubigen Stra\u00dfen und auch sonstwo wohl zu f\u00fchlen. Dazu geh\u00f6rt die F\u00e4higkeit, jederzeit zu essen, zu trinken und zu schlafen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Ich denke, da\u00df sich diese Gebote auch 1:1 auf so manche andere T\u00e4tigkeit \u00fcbertragen lassen, beispielsweise f\u00fcr die Delegierten des Roten Kreuzes im Sinne der immer wieder gepredigten &#8222;Cultural Awareness&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Roland Girtler (http:\/\/www.soz.univie.ac.at\/rg-details\/) Folgendes habe ich bei meinen ziellosen Recherchen im Web gefunden: Du sollst einigerma\u00dfen nach jenen Sitten und Regeln leben, die f\u00fcr die Menschen, bei denen du forschst, wichtig sind. 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