{"id":297,"date":"2011-04-20T17:43:52","date_gmt":"2011-04-20T15:43:52","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/sociologist\/?p=297"},"modified":"2011-04-20T17:43:52","modified_gmt":"2011-04-20T15:43:52","slug":"social-media-ein-mikro-oder-ein-makrophanomen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/2011\/04\/20\/social-media-ein-mikro-oder-ein-makrophanomen\/","title":{"rendered":"Social Media, ein Mikro- oder ein Makroph\u00e4nomen?"},"content":{"rendered":"<p>Heinz Wittenbrink schreibt in seinem <a href=\"http:\/\/heinz.typepad.com\/lostandfound\/2011\/04\/soziale-medien-und-eine-soziologie-der-ansteckung.html\">Blog zum Thema Soziale Medien und Theorien<\/a> unter dem Titel &#8222;Eine Soziologie der Ansteckung&#8220;:<\/p>\n<blockquote><p>Die These, die ich formulieren m\u00f6chte, ist: Soziale Medien stehen zu Massenmedien in einer \u00e4hnlichen Beziehung wie die Sozialtheorien in der Tarde\/Garfinkel\/Latour-Tradition zu denen der Durkheim\/Parsons\/Luhmann-Tradition.<\/p><\/blockquote>\n<p>Generell sehe ich im Web bzw. in der Analyse der Social Media immer tendenziell die Interaktionstheorien, im Sinne sozialwissenschaftlicher Mikrotheorien, die sich auf die Perspektive einzelner Akteurinnen und Akteure fokussieren. Auch die von <a href=\"http:\/\/prezi.com\/hgr_1fr2ker7\/web-literacy-zur-rhetorik-des-digitalen-zeitalters\/\">Wittenbrink und Ausserhofer<\/a> auf der re:publica pr\u00e4sentierte <a href=\"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/sociologist\/2011\/04\/18\/digitale-republik-oder-orthodoxie-einer-neuen-kulturtechnik\/\">Web-Literacy-Modellierung<\/a> versucht \u2013 in der <a href=\"http:\/\/de.wikibooks.org\/wiki\/Soziologische_Klassiker\/_Garfinkel,_Harold\">Tradition Garfinkels Ethnomethodologie<\/a> \u2013 auf der intersubjektiven Ebene Handlungstheorien zu generieren, nimmt also eine Mikroperspektive ein.<br \/>\nOben zitierte These setzt nun die \u201esocial Media\u201c pauschal mit diesen Mikrotheorien gleich, um die makrosoziologischen Ans\u00e4tze \u2013 so interpretiere ich das Namedropping \u201eDurkheim\/Parsons\/Luhmann\u201c \u2013 mit Massenmedien gleichzusetzen. Zun\u00e4chst einmal ist es schwierig nachzuvollziehen warum Medien, oder Cluster von unterschiedlichen Kommunikationskan\u00e4len nach kommunikationswissenschaftlicher Typologisierung in \u201eMassenmedien\u201c und \u201esoziale Medien\u201c nun mit verschiedenen Theoriekonzepten in Analogie gesehen werden k\u00f6nnen. Mir erschliessen sich die Parallelen nicht. Das liegt m\u00f6glicherweise in meinem Nichtwissen \u00fcber die Theorien Tardes.<\/p>\n<p>Ich denke, dass es schon an den Definitionen von \u201eSozialen Medien\u201c beginnt, denn hier werden \u00c4pfel mit Birnen in einen Topf geworfen. (Leider nicht anschlie\u00dfend vergoren und destilliert, was man gerade in der <a href=\"http:\/\/www.goelles.at\/cms\/index.php?page=destillate\">Steiermark <\/a>wirklich in hervorragender Qualit\u00e4t vermag).<br \/>\nAnalysiert man so etwas wie ein \u201eTargeting\u201c der Kan\u00e4le, so kann man grosso modo schon behaupten, Massenmedien w\u00e4ren tendenziell \u201eunguided missiles\u201c, im Gegensatz dazu ist Kommunikation im \u201eSozialen Netz\u201c sehr individualistisch und oftmals 1:1 Kommunikation, das allerdings ist das Telephon auch.<br \/>\nGrunds\u00e4tzliche Probleme bereitet oft, dass Makrotheorien ohne das Individuum per se auskommen k\u00f6nnen und daher auch f\u00fcr theoretische Perspektiven unbrauchbar sind, die nicht auf EinzelakteurInnen abstellen. Nicht umsonst versteht man Luhmann schwer, wenn Systeme nur aus innen und au\u00dfen bestehen, und das Innen durch Kommunikation definiert wird.<\/p>\n<p>Ich wei\u00df nicht, ob das auch f\u00fcr die methodologischen Ans\u00e4tze von Heinz Wittenbrink gilt, f\u00fcr meine Sozialkonstruktion war f\u00fcr das Mikro-Makro-Dilemma das<a href=\"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/sociologist\/2009\/12\/09\/die-theorien-pierre-bourdieus\/\"> Bourdieusche Konstrukt <\/a>immer sehr kommod, der ja \u00fcber den <a href=\"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/sociologist\/2009\/01\/01\/konzeptpapier-habitus\/\">Habitus <\/a>die Makroph\u00e4nomene der Gesellschaft mit den Mikroph\u00e4nomenen der Akteurinnen zu verkn\u00fcpfen wusste und damit zu einer durchaus praktikablen und verst\u00e4ndlichen Sozialtheorie beigetragen hat.<\/p>\n<h2>reflexive Moderne<\/h2>\n<p>Zus\u00e4tzlich glaube ich, da bin ich ganz bei <a href=\"http:\/\/www.amazon.de\/Das-postmoderne-Wissen-Ein-Bericht\/dp\/3851651480\">Lyotard<\/a>, dass in Bezug auf die Sozialtheorien die \u201egro\u00dfen Erz\u00e4hlungen\u201c vorbei sind, und auch f\u00fcr die Analyse der sozialen Medien neuere Sozialtheorien Fu\u00df fassen m\u00fcssen. Warum also nicht Anleihe bei Ulrich Beck oder Anthony Giddens nehmen, um diese Ph\u00e4nomene als Indikatoren eines sozialen Wandels zu deuten? Diese sozialen Medien stellen sich f\u00fcr mich als Kan\u00e4le der radikalen Moderne dar, sozusagen der nachhinkende kommunikative Wandel, der nach dem Zerfall der autokratischen Machtstrukturen, der traditionellen Familien und dem Einfluss der Religion nun die Sozialstruktur penetriert.<\/p>\n<blockquote><p><strong>Die radikalisierte Moderne:<\/strong> Weg von uniformen Wertvorstellungen hin zu anderen Lebensformen, die Fragmentierung, Unterschied und Kombinationen verschiedener Werte in den Mittelpunkt des Alltags stellen &#8211; das Ende von althergebrachten Begr\u00fcndungen und Legitimationen von gesellschaftlichen Werten, wissenschaftlicher Richtigkeit, althergebrachter Politik und der Existenz jedes einzelnen Menschen verweist die Individuen mehr und mehr auf sich selbst.<\/p><\/blockquote>\n<p>Vielen Dank an Heinz Wittenbrink, der mich erst durch seinen Blogpost dazu motiviert hat, es ihm gleich zu tun und lose Gedanken einmal schriftlich zusammen zu fassen, um diese sp\u00e4ter vielleicht in wissenschaftlichere Form zu bringen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heinz Wittenbrink schreibt in seinem Blog zum Thema Soziale Medien und Theorien unter dem Titel &#8222;Eine Soziologie der Ansteckung&#8220;: Die These, die ich formulieren m\u00f6chte, ist: Soziale Medien stehen zu Massenmedien in einer \u00e4hnlichen Beziehung<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[1,4,5,13,18,23,25,26,27],"tags":[63,104,136,146,183],"class_list":["post-297","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-bourdieu","category-feldforschung","category-luhmann","category-parsons","category-soziologie","category-systemtheorie","category-theorie","category-web20","tag-ethnomethodologie","tag-literacy","tag-republika","tag-social-media","tag-wittenbrink"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/297","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=297"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/297\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=297"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=297"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=297"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}