{"id":322,"date":"2011-07-04T19:11:17","date_gmt":"2011-07-04T17:11:17","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/sociologist\/?p=322"},"modified":"2011-07-04T19:11:17","modified_gmt":"2011-07-04T17:11:17","slug":"social-media-policy-der-caritas-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/2011\/07\/04\/social-media-policy-der-caritas-deutschland\/","title":{"rendered":"Social Media Policy der Caritas Deutschland"},"content":{"rendered":"<h2>Kritische W\u00fcrdigung eines wichtigen Versuchs.<\/h2>\n<p>Mit gro\u00dfem Stolz \u2013 wir waren als \u00d6sterreichisches Rotes Kreuz im deutschsprachigen Raum ziemlich die erste gro\u00dfe NPO, die eine <a href=\"http:\/\/www.roteskreuz.at\/fileadmin\/user_upload\/PDF\/Was_wir_tun\/Social-Media-Policy.pdf\">Social Media Policy (SMP)<\/a> <a href=\"..\/..\/..\/..\/..\/2011\/05\/29\/social-media-policy\/\">angedacht, partizipativ entwickelt und auch beschlossen haben<\/a> \u2013 beobachte ich, dass nun andere sehr gro\u00dfe Verb\u00e4nde in Deutschland analog vorgehen. Der deutsche Caritasverband beispielsweise, in Person des Webverantwortlichen Marc Boos, entwickelt im Moment ebenso eine SMP, die im <a href=\"http:\/\/blog.caritas-webfamilie.de\/2011\/05\/27\/social-media-leitfaden-fuer-caritas-entwurf\/\">Blog zur Diskussion<\/a> gestellt wird. Nicht zuletzt hatten wir im Rahmen der letzten <a href=\"http:\/\/npoblogparade.wordpress.com\/2011\/04\/27\/neue-runde-der-npo-blogparade-zu-social-media-policys-social-media-guidelines\/\">NPO-Blogparade<\/a> auch Social Media Policy als Thema. Eine Auswertung dieser Blogparade folgt demn\u00e4chst.<\/p>\n<p>Besonders freut es mich, dass ich \u2013 im Rahmen eines Workshops verschiedenster europ\u00e4ischer Caritas-Webverantwortlicher im heurigen Fr\u00fchjahr in Wien \u2013 \u00a0bereits meine Ansichten zum Thema Social-Media-Policy loswerden konnte. Das eine oder andere \u2013 so d\u00fcnkt mir \u2013 kann ich zwischen den Zeilen lesen. Auch mein re:publica-Workshop: \u201e<a href=\"http:\/\/recampaign.de\/gerald-czech-multidimensionale-partizipation-wege-zu-offenen-organisationen\">Multidimensionale Partizipation \u2013 Wege zu offenen Organisationen<\/a>\u201c widmete sich zum Teil genau diesem Thema, n\u00e4mlich der partizipativen Gestaltung von Organisationsrealit\u00e4t, beispielsweise im Sinne einer Social Media Policy.<\/p>\n<blockquote><p>Nutzen Sie hierzu <strong>bis zum 15. Juli die Kommentarfunktion am Ende des Artikels<\/strong>.\u00a0Die  Anmerkungen werden von den Kommunikationsverantwortlichen des Deutschen  Caritasverbandes diskutiert, bewertet und k\u00f6nnen so in die Endfassung  des Dokumentes einflie\u00dfen. Dieses will der Vorstand f\u00fcr die  Bundeszentrale in Freiburg, Berlin und Br\u00fcssel beschlie\u00dfen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Da im Blog \u00f6ffentlich zur Diskussion aufgerufen wird, bringe ich gerne auch meine Anmerkungen ein, wissend, dass die Meinung eines \u201eMarktpartners\u201c, auch wenn dieser aus dem befeindeten Ausland kommt, m\u00f6glicherweise als Provokation gedeutet werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst habe ich mir wieder einmal die \u00d6RK-Social-Media Policy zur Hand genommen, und diese selbst kritisch hinterfragt. Welche Inhalte betreffen welche Stakeholderinnen, welche sind Referenzen f\u00fcr andere interne Gruppen, welche referenzieren externe Zielgruppen? (<a href=\"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/sociologist\/2011\/05\/29\/social-media-policy\/\">Der Weg zur SMP, ein Blogpost<\/a>)<\/p>\n<h2>Erste Meta-Analyse der \u00d6RK-SMP<\/h2>\n<p>Die ersten Abs\u00e4tze sind positive Einleitungen, die versuchen sozialmediales NutzerInnenverhalten positiv zu besetzen und die Chancen aufzuzeigen, die sich f\u00fcr uns als Organisation bieten, danach folgen interne Referenzen auf die grundlegenden <a href=\"http:\/\/www.roteskreuz.at\/site\/leitbild\/die-rotkreuz-grundsaetze\/\">Wertewelten der Rotkreuz-Mitarbeiterinnen<\/a>, sowie auf das <a href=\"http:\/\/www.roteskreuz.at\/site\/leitbild\/\">Leitbild<\/a>.<\/p>\n<h3>Das stahlharte Geh\u00e4use der H\u00f6rigkeit (Max Weber)<\/h3>\n<p>Der n\u00e4chste Absatz hebt das Kommunikationsmonopol der Spitzen von Weberschen B\u00fcrokratie-Pyramiden f\u00fcr den Bereich der sozialen Medien auf. Gleichzeitig wird auf die unterschiedlichen Rollen jedes einzelnen hingewiesen (offiziell vs. Informell), die andererseits oftmals rein theoretische Kategorien sind. Gleiche Rollenzuschreibungen beschreibt der n\u00e4chste Absatz, allerdings zwischen den Kategorien \u201eprivat\u201c und \u201edienstlich\u201c.<\/p>\n<h3>Absolute Don\u2019ts<\/h3>\n<p>Mit (partei-)politischer Agitation und eigener Gesch\u00e4ftemacherei besch\u00e4ftigen sich die n\u00e4chsten beiden Punkte. Das sind Punkte, die klar Verbote aussprechen, im Gegensatz zur positiven Formulierung den meisten anderen Punkte in dieser Vorschrift.<\/p>\n<h3>Kant4Dummies<\/h3>\n<p>Der kategorische Imperativ ist der wesentliche Inhalt des n\u00e4chsten Punktes, der Versucht, den Umgang mit Trollen und mit kritischen Anmerkungen zu definieren. Analoges gilt f\u00fcr Umgangston und Netiquette, die aus meiner Sicht ebenfalls ganz wesentliche Merkmale einer Policy sein sollten.<\/p>\n<h3>Bilder sagen mehr als Worte<\/h3>\n<p>Darum muss man sich auch spezifisch mit der Wirkung des Rotkreuz-Zeichens (das ja <a href=\"http:\/\/www.roteskreuz.at\/organisieren\/organisation\/humanitaeres-voelkerrecht\/das-rotkreuz-zeichen\/\">v\u00f6lkerrechtlich<\/a> und im <a href=\"http:\/\/www.roteskreuz.at\/organisieren\/organisation\/wer-wir-sind\/rechtliche-grundlagen\/rotkreuz-gesetz-2008\/\">Bundesrecht<\/a> einen besonderen Schutz genie\u00dft) auf Bildern auseinander setzen. Auch hier geht es um das Aufzeigen von M\u00f6glichkeiten und um (sanfte) Verbote.<\/p>\n<h3>Datenschutz<\/h3>\n<p>Gerade Datenschutz, Urheberrecht, Schweigepflichten sind wesentliche Grundlagen, die auch in Sozialen Medien wie Facebook ihre G\u00fcltigkeit nicht verlieren.<\/p>\n<p>Ein Nachdenken \u00fcber Zielgruppen haben wir den Leserinnen und Lesern in den letzten Absatz der Social Media Policy geschrieben, um darauf hinzuweisen, dass interne und externe Zielgruppensegmente unterschiedliche Informationsbed\u00fcrfnisse haben.<\/p>\n<h3>Theoretischer Background<\/h3>\n<p>Spannend finde ich in einer ersten Analyse, dass mir auf die Schnelle zumindest drei Theoretiker eingefallen sind, die auf der Oberfl\u00e4che die paradigmatische Basis der Policy bilden k\u00f6nnten. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Max_Weber\">Max Weber<\/a> ist, genauso wie <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Immanuel_Kant\">Immanuel Kant<\/a> genannt. <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ralf_Dahrendorf\">Ralf Dahrendorf<\/a> sollte mit der Rollentheorie ebenfalls noch erw\u00e4hnt werden. Das sind nat\u00fcrlich eigentlich nur Verweise, in Wirklichkeit stehen auch (oder besser: vielmehr) organisationstheoretische und vor allem konstruktivistische Theorien im Hintergrund solcher Texte, die zuk\u00fcnftige Organisationrealit\u00e4t antizipieren.<\/p>\n<p><strong>Grundidee ist ja einerseits f\u00fcr die Gesamtorganisation das Feld abzustecken:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Wer ist verantwortlich?<\/li>\n<li>Welche Ressourcen erh\u00e4lt er daf\u00fcr (personell, materiell aber viel wichtiger auch: symbolisch)?<\/li>\n<li>Warum wird das nicht verhindert?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Weitere Nebenziele sind Br\u00fccken oder Klammern zwischen strategischer und operativer Ebene, die diese Tools (hoffentlich) bereits in ihre Lebensrealit\u00e4t integriert haben, um die dazwischen liegenden<a href=\"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/redcrosswebmaster\/2011\/06\/21\/konstruierte-social-media-realitat\/\"> taktischen F\u00fchrungs-Ebenen daran zu hindern, den Dschagannath-Wagen aufzuhalten<\/a> (um nun auch noch <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Anthony_Giddens\">Anthony Giddens<\/a> einzubringen) und damit diese h\u00e4retischen Aktivit\u00e4ten im Social Web zu unterbinden.<\/p>\n<h2>Zur Social Media Policy der Caritas<\/h2>\n<p>Aufgrund der Situation \u2013 ich gebe es zu \u2013 habe ich ein wenig eine Bei\u00dfhemmung. Daher erlaube ich mir, statt kritischer ex Kathedra Bloggerei (das bedeutet bei kirchlichen Organisationen wohl etwas anderes, f\u00fcrchte ich) eines so genannten Experten stelle ich einige Fragen, die ich auch f\u00fcr das \u00d6RK nicht alle beantworten k\u00f6nnte:<\/p>\n<ul>\n<li>Ist vorliegender Text eine Policy oder ein Strategiepapier?<\/li>\n<li>Trifft der Text die Bed\u00fcrfnisse der Zielgruppe, oder die Bed\u00fcrfnisse des beschlie\u00dfenden Gremiums?<\/li>\n<li>Ist der Text offen formuliert, schlie\u00dft also m\u00f6gliche zuk\u00fcnftige Ver\u00e4nderungen mit ein, oder ist er eine Art geschlossene \u201eAnlasstextdichtung\u201c?<\/li>\n<li>Ist der Text frei von euphemisierenden Phrasen und Gemeinpl\u00e4tzen der Social-Web- Berichterstattung in den Medien?<\/li>\n<li>Geht es wirklich um einen \u201eorganisational shift\u201c im Sinne des Aufl\u00f6sens verkrusteten (Kommunikation-) Strukturen?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Gerne verweise ich auch noch auf die <a href=\"http:\/\/hannes-jaehnert.de\/wordpress\/2011\/07\/02\/zur-diskussion-der-social-media-policy-fur-die-caritas-deutschland\/\">kritische Analyse der Caritas-SMP durch Hannes J\u00e4hnert<\/a> (ist der eigentlich in <a href=\"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/sociologist?s=j%C3%A4hnert\">jedem meiner Blogposts<\/a> verlinkt? Wollte ich nicht fr\u00fcher immer besser einen<a href=\"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/sociologist\/tag\/bourdieu\/\"> Bourdieu-Verweis<\/a> machen?)<\/p>\n<p>Abschliessend noch ein Lob: Ich denke, die gemeinsame Erarbeitung einer Social Media Policy per se ist derartig wichtig, um interne Decision-Maker auf das Thema zu sensibilisieren, dass der Inhalt eigentlich nur sekund\u00e4r ist. Auch die konstruktivistische Wirkung wird durch den inhalt nur sekund\u00e4r beeinflu\u00dft. Daher finde ich den Schritt der Deutsch-Sprachigen Caritas Verb\u00e4nde sehr mutig und bin auf das Gesamtergebnis mehr als neugierig!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kritische W\u00fcrdigung eines wichtigen Versuchs. 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