{"id":5,"date":"2007-06-27T15:13:06","date_gmt":"2007-06-27T13:13:06","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/sociologist\/2007\/06\/27\/motivationen-und-konflikte-zwischen-freiwilligen-und-angestellten\/"},"modified":"2007-06-27T15:13:06","modified_gmt":"2007-06-27T13:13:06","slug":"motivationen-und-konflikte-zwischen-freiwilligen-und-angestellten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/2007\/06\/27\/motivationen-und-konflikte-zwischen-freiwilligen-und-angestellten\/","title":{"rendered":"Motivationen und Konflikte zwischen Freiwilligen und Angestellten?"},"content":{"rendered":"<p>Nach Badelt (1999, Seite 100) nimmt das Ph\u00e4nomen \u201eehrenamtliche Arbeit\u201c einen speziellen Stellenwert in der sozialwissenschaftlichen NPO-Forschung ein. Systemtheoretische Analysen ergeben, dass NPOs vorwiegend als wissensbasierter Oranisationstypus existieren, intermedi\u00e4r zwischen dem machtbasierten politisch-administrativen und dem prim\u00e4r geldbasierten Wirtschaftssystem. (Zauner, 1999 Seite 133).<\/p>\n<p>Als kulturspezifische Verhaltensmuster in NPOs nennt Zauner (1999, Seite 125) eine Personalisierungstendenz, besondere Harmonieneigung, Egalit\u00e4tsneigung und Informalit\u00e4tstendenz. Diese Faktoren stehen in starker Konkurrenz zu den im \u201eFor-Profit-Sektor\u201c \u00fcblichen kulturellen Werte, die ja durch starke Konkurrenz und Unterscheidung gepr\u00e4gt sind. Auch Adam Smiths Standardwerk \u201eReichtum der Nationen\u201c definiert ja den optimalen (gesellschaftlichen) Wohlstand durch das individuelle und egozentrische Nutzenmaximieren und die systemimmanente optimale Ressourcenallokation, die daraus erfolgt. (vgl. Tiwari, 2003 Seite 4ff). NPOs obiger (und folgender) Definitionen f\u00e4nden in Smiths National\u00f6konomischen Theoriegeb\u00e4ude &#8211; wie auch in den volkswirtschaftlichen Theorien anderer \u201eklassischer \u00d6konomen\u201c &#8211; wohl keinen Platz.<\/p>\n<p>Nach Gubitzer (2006, S. 19), die in Ihrem alternativ-polit\u00f6konomischen Ansatz eines f\u00fcnfteiligen Sektorenmodells der Gesamtwirtschaft die verschiedenen Sektoren anhand ihrer Rationalit\u00e4ten definiert, wird der Non Profit-Sektor durch verschiedene Rationalit\u00e4ten \u2013 vor allem politisch-ethischer Natur gepr\u00e4gt. Eine Unterscheidung zwischen NGO \u2013 Non-Governmental-Organisations und NPO \u2013 Non-Profit-Organisations wird von der Autorin nach der T\u00e4tigkeit der Organisation getroffen: w\u00e4hrend NPOs als Dienstleister lediglich nicht nach Profitmaximierenden Kriterien arbeiten und ihre erwirtschafteten Gewinne f\u00fcr Organisationszwecke verwenden, sind so genannte NGOs prim\u00e4r im Bereich der Advocacy, der Bildung und der Information t\u00e4tig und erbringen daf\u00fcr keine direkten Dienstleistungen.<\/p>\n<p>Richtet man nun den Fokus der Betrachtungen vom makroskopischen Sektorenmodell und der National\u00f6konomie hin zu den mikro\u00f6konomischen Perspektiven der einzelnen Akteure, also den Freiwilligen, den Stakeholdern der Organisationen und deren KundInnen und KlientInnen, so kommt man hinsichtlich der Fragestellungen zu anderen Themen:<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich der Motivationen f\u00fcr freiwillige unbezahlte Arbeit unter Jugendlichen liefert eine j\u00fcngere Schweizer quantitative Studie (Rehberg, 2005) folgende Ergebnisse: Die Motivationsfaktoren treten zumeist als Kombination von \u201eEtwas Positives f\u00fcr andere erreichen\u201c, \u201eDas Streben nach Neuem\u201c und \u201eDie Suche nach dem Selbst\u201c auf. Durch den quantitativen Ansatz der Studie wurden kaum soziale Ph\u00e4nomene und Interdependenzen \u00fcberpr\u00fcft.<\/p>\n<p>Eine weitere Arbeit von Ziemek (2006) versucht den Ansatz \u00fcber die Modellierung von Motivationsfaktoren anhand dreier mikro\u00f6konomischer Modelle, die empirisch vergleichend auf ihre Relevanz hinsichtlich der tats\u00e4chlichen Motive f\u00fcr Freiwillige \u00fcberpr\u00fcft wurden. Aus der Arbeit geht hervor, dass der Freiwilligenbereich in den NGOs keine homogene Grundgesamtheit ist \u2013 daher sind die verschiedenen Motive zwischen den einzelnen NGOs und nach den soziographischen Merkmalen unterschiedlich und damit schlussendlich auch unvergleichbar.<\/p>\n<p>Gerade die gr\u00f6\u00dfte \u00d6sterreichische Organisation in diesem Sektor der Volkswirtschaft &#8211; das \u00d6sterreichische Rote Kreuz &#8211; stellt mit \u00fcber 47.000 freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und j\u00e4hrlich \u00fcber 10 Millionen ehrenamtlich geleisteten Stunden (<a href=\"http:\/\/bilanz.roteskreuz.at\/\">bilanz.roteskreuz.at<\/a>, 2006) wohl eine f\u00fcr die Feldforschung besonders interessante Herausforderung dar. Eben zitierten \u00fcber 47.000 Ehrenamtlichen stehen insgesamt rund 4.900 hauptberufliche MitarbeiterInnen und ungef\u00e4hr 3200 Zivildiener gegen\u00fcber.<\/p>\n<p>Das \u00d6sterreichische Rote Kreuz definiert in seinem <a href=\"http:\/\/www.roteskreuz.at\/show_medium.php?mid=3129\">Freiwilligenleitbild<\/a> (2001) ganz bewusst einen sehr offenen Zugang zu verschiedenen Motivationsebenen der freiwillig t\u00e4tigen:<\/p>\n<blockquote><p>Neben dem Wunsch zu helfen setzen unsere MitarbeiterInnen ihre Talente ein um sich selbst zu verwirklichen, ihre pers\u00f6nliche Kompetenz zu erweitern, Aufregendes zu erleben und gesellschaftliche Anerkennung zu erhalten. Basis daf\u00fcr bilden eine funktionierende, durchschaubare Struktur und kompetente F\u00fchrung und Unterst\u00fctzung. Sie erwarten sich von der F\u00fchrung vor allem fachliche und soziale Kompetenz, die Anerkennung ihrer Leistungen innerhalb der Organisation und eine Kultur, in der gemeinsame Ziele angestrebt werden und sie sich wohlf\u00fchlen. Diese Kultur findet ihren Ausdruck auch in einer gemeinsamen Identit\u00e4t. Durch ihre Mitarbeit bringen sie neben ihrem K\u00f6nnen und ihrem Potenzial auch ihre Funktion als Meinungsbildner und Multiplikatoren ein und sind somit ein Mosaikstein im Netzwerk der Hilfe.<\/p><\/blockquote>\n<p>Bez\u00fcglich der hier angesprochenen F\u00fchrungsstruktur und ihre Rezeption unter den Mitarbeitern existiert f\u00fcr den Bereich des Bundeslandes Nieder\u00f6sterreich vom Autor eine quantitative Studie (Czech, 2001) basierend auf Daten einer Mitarbeiterbefragung. Hierbei werden in vielen Bezirken \u2013 zumindest aus der Betroffenenperspektive \u2013 grobe M\u00e4ngel allerdings auch gro\u00dfe Unterschiede hinsichtlich der Qualit\u00e4t und der Effizienz der F\u00fchrungs-Strukturen im Roten Kreuz deutlich. Auch zwischen den unterschiedlichen Gruppen der Umfrageteilnehmer hauptberufliche und freiwillige Mitarbeiter, vornehmlich im Rettungsdienst bestanden manifeste Unterschiede.<\/p>\n<p>Die meisten Forschungs- und Erhebungsanstrengungen des \u00d6sterreichischen Roten Kreuzes waren bisher auf die Au\u00dfenwirkung fokussiert. Spezifische Studien zur Marke und den Markenwerten der Hilfsorganisation aus externer Sicht, aus Kundensicht oder aus Sicht der Auftraggeber sind oftmals durchgef\u00fchrt und (zumindest intern) auch publiziert worden.<\/p>\n<p>Mein Forschungsinteresse schlie\u00dft nun an die quantitative Studie von 2001 an und soll auf die Beziehungen und Motivationen der Mitarbeiter im speziellen eingehen. Gerade die Soziostruktur einer Organisation, bei der die MitarbeiterInnen regelm\u00e4\u00dfig gro\u00dfer k\u00f6rperlichen Anstrengungen \u2013 aber noch viel mehr gro\u00dfen psychischen Belastungen &#8211; unterworfen sind, wie das im Rettungsdienst laufend passiert, sollte besonders dazu neigen, Konflikte zu provozieren und auszutragen. Inwiefern die Ans\u00e4tze Zauners (1999) hinsichtlich der besonderen Harmonieneigung auch unter diesen Umweltbedingungen gelten, soll ebenso Gegenstand der Betrachtungen sein, wie die Rezeption der F\u00fchrungsstrukturen im unmittelbaren (eigene Dienststelle), im mittelbaren (Landesverbandsstrukturen), aber auch im entfernten Wirkungsbereich, zum Beispiel im Generalsekretariat des \u00d6sterreichischen Roten Kreuzes und deren Auswirkungen auf die (freiwilligen oder hauptberuflichen) Mitarbeiterinnen und ihre Sozialbeziehungen bzw. ihre Motivation zur weiteren Mitarbeit.<\/p>\n<p>Das Forschungsthema lautet daher:<br \/>\nBeziehungs- und Motivationsebenen zwischen freiwilligen und hauptberuflichen MitarbeiterInnen bei einer humanit\u00e4ren Non-Profit-Organisation am Beispiel des \u00d6sterreichischen Roten Kreuzes<\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p>Adams David (1970): The Red Cross \u2013 Organisational Sources and Operational Problems In: The American Behavioral Scientist 13, Seite 392ff<\/p>\n<p>Badelt Christoph (1999): Der Nonprofit-Sektor in \u00d6sterreich in: Badelt Christoph (Hrsg.): Handbuch der Nonprofit Organisation, Sch\u00e4fer Poeschel, Stuttgart: Seite 61 &#8211; 83<\/p>\n<p>Badelt Christoph (1999): Zwischen Marktversagen und Staatsversagen? NPOs aus sozio\u00f6konomischer Sicht in: Badelt Christoph (Hrsg.): Handbuch der Nonprofit Organisation, Sch\u00e4fer Poeschel, Stuttgart: Seite 97 \u2013 118<\/p>\n<p>Czech Gerald (2001): Ergebnisse der Mitarbeiterbefragung 2001. Rotes Kreuz Nieder\u00f6sterreich, Tulln, 2001<\/p>\n<p>Gubitzer Luise: Wirtschaft ist mehr! In Widerspruch 50\/06 (2006) Seite 17 \u2013 29<\/p>\n<p>\u00d6sterreichisches Rotes Kreuz (2001): Leitbild f\u00fcr Freiwilligenarbeit, Wien; <a href=\"http:\/\/www.roteskreuz.at\/1281.html\">http:\/\/www.roteskreuz.at\/1281.html<\/a><\/p>\n<p>Rajnish Tiwari (2003): Die unsichtbare Hand: Eine kritische Analyse des Ansatzes Adam Smiths zur L\u00f6sung Doppelter Kontingenz, Uni Hamburg, Hamburg: <a href=\"http:\/\/www.rrz.uni-hamburg.de\/RRZ\/R.Tiwari\/\">http:\/\/www.rrz.uni-hamburg.de\/RRZ\/R.Tiwari\/<\/a><\/p>\n<p>Rehberg Walter (2005): Altruistic Individualists: Motivations for Iternational volunteering Among Young Adults in Switzerland, In: International Journal of Voluntary and Nonprofit Organisations, Vol 16, No 2, Seite 109 -122<\/p>\n<p>Zauner Alfred (1999): Von Solidarit\u00e4t zu Wissen. Nonprofit Organisationen in systemtheoretischer Sicht in: Badelt Christoph (Hrsg.): Handbuch der Nonprofit Organisation, Sch\u00e4fer Poeschel, Stuttgart: Seite 75<\/p>\n<p>Ziemek Susanne (2006): Economic analysis of volunteers\u2019 motivations \u2013 A coss-country study In: The Journal of Socio-Economics, 35, Seite 532-555<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach Badelt (1999, Seite 100) nimmt das Ph\u00e4nomen \u201eehrenamtliche Arbeit\u201c einen speziellen Stellenwert in der sozialwissenschaftlichen NPO-Forschung ein. Systemtheoretische Analysen ergeben, dass NPOs vorwiegend als wissensbasierter Oranisationstypus existieren, intermedi\u00e4r zwischen dem machtbasierten politisch-administrativen und dem<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[17,21,23,24],"tags":[],"class_list":["post-5","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-organisation","category-rotes-kreuz","category-soziologie","category-studie"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}