{"id":663,"date":"2016-01-12T11:52:17","date_gmt":"2016-01-12T09:52:17","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/sociologist\/?p=652"},"modified":"2016-01-12T11:52:17","modified_gmt":"2016-01-12T09:52:17","slug":"braucht-es-eine-obergrenze-fur-fluchtlinge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/2016\/01\/12\/braucht-es-eine-obergrenze-fur-fluchtlinge\/","title":{"rendered":"Braucht es eine #Obergrenze f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge?"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-656\" src=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/01\/Bundesarchiv_B_145_Bild-F000250-0050_Deutsch-deutsche_Grenze_bei_Heldra-300x198.jpg\" alt=\"Zonengrenze bei Heldra 1952\" width=\"300\" height=\"198\" srcset=\"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/01\/Bundesarchiv_B_145_Bild-F000250-0050_Deutsch-deutsche_Grenze_bei_Heldra-300x198.jpg 300w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/01\/Bundesarchiv_B_145_Bild-F000250-0050_Deutsch-deutsche_Grenze_bei_Heldra-768x506.jpg 768w, https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/01\/Bundesarchiv_B_145_Bild-F000250-0050_Deutsch-deutsche_Grenze_bei_Heldra.jpg 800w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n<p>Wenn ein Pr\u00e4sidentschaftskandidat im Morgenjournal f\u00fcr eine \u201eObergrenze\u201c von Asylwerber eintritt, die er aus dem Status Quo der von Bund, L\u00e4ndern und Gemeinden errichtbaren Quartierkapazit\u00e4ten unter Ber\u00fccksichtigung von technischen Parametern errechnen will, so stelle ich mir die Frage, was hier genau gemeint sein kann und welche Wirkungen dadurch erreicht werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<h2><strong>Rotes Kreuz als humanit\u00e4rer Watchdog?<\/strong><\/h2>\n<p>In einem Video \u201eAuf ein Wort \u2026\u201c hat Rotkreuz-Generalsekret\u00e4r Dr. Werner Kerschbaum mehrere Fragen gestellt und auch die Rotkreuz-Positionen dazu ein wenig erl\u00e4utert.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" width=\"840\" height=\"473\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/I1h9_qkTM-Y?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"autoplay; encrypted-media\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>Das Rote Kreuz muss sich in solche politischen Diskussionen einmischen, wenn es um Menschen geht, die in Not sind. Das ist definitiv keine parteipolitische Einmischung, die auch im Sinne <a href=\"http:\/\/www.roteskreuz.at\/site\/leitbild\/die-rotkreuz-grundsaetze\/neutralitaet\/\">der Neutralit\u00e4t des Roten Kreuzes<\/a> gar nicht m\u00f6glich ist, es geht um <a href=\"http:\/\/www.roteskreuz.at\/organisieren\/gesellschaftspolitik\/startseite\/\">gesellschaftspolitische Interventionen<\/a> im Sinne von anwaltschaftlichem Handeln <a href=\"http:\/\/www.roteskreuz.at\/site\/leitbild\/mission-statement\/\">f\u00fcr besonders schutzw\u00fcrdige Gruppen<\/a> in der Gesellschaft.<\/p>\n<p>Im Sinne einer humanit\u00e4ren, das hei\u00dft menschlichen, Perspektive des Roten Kreuzes f\u00fcr eine Obergrenze an Fl\u00fcchtlingen sollten wir uns drei Fragenkomplexe stellen:<\/p>\n<ol>\n<li>Was ist grunds\u00e4tzlich damit gemeint. Meint man eine t\u00e4gliche, w\u00f6chentliche, monatliche Obergrenze an Fl\u00fcchtlingen, die ins Land d\u00fcrfen? Erfasst die Obergrenze, alle \u2013 auch minderj\u00e4hrige Fl\u00fcchtlinge? Kann es dabei aufgrund einer Obergrenze dazu kommen, dass Familien getrennt werden, das muss aus humanit\u00e4rer Sicht klar abgelehnt werden. Wer entscheidet \u00fcber solche Grenzen, gilt sie f\u00fcr mehrere Jahre?<\/li>\n<li>Inwieweit bewegt sich eine Obergrenze an Fl\u00fcchtlingen auf Rechtstaatlichen Grundlagen? Speziell das <a href=\"http:\/\/www.roteskreuz.at\/organisieren\/organisation\/humanitaeres-voelkerrecht\/\">humanit\u00e4re V\u00f6lkerrecht<\/a> ist hier im Fokus des Roten Kreuzes: W\u00e4re eine Obergrenze im Einklang mit der <a href=\"https:\/\/www.ris.bka.gv.at\/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Gesetzesnummer=10005235\">Genfer Fl\u00fcchtlingskonvention<\/a>? H\u00f6chstgrenzen sind dort eigentlich nicht vorgesehen.<\/li>\n<li>Der wesentlichste Fragenkomplex aus Sicht des Rotkreuz-Generalsekret\u00e4rs ist die Frage der tats\u00e4chlichen Auswirkungen einer derartigen Obergrenze. Speziell nat\u00fcrlich im Hinblick auf die Zielgruppe der besonders Schutzbed\u00fcrftigen. Was sind die Wirkungen einer derartigen politischen Entscheidung auf die Lebensqualit\u00e4t der Fl\u00fcchtlinge? Wird sie verbessert? Werden dadurch in den Krisenregionen weniger Fl\u00fcchtlinge sein, werden weniger Fl\u00fcchtlinge nach Europa kommen?<\/li>\n<\/ol>\n<p>Diese Fragen sind wichtige und wesentliche Perspektiven auf die Diskussion, gleichzeitig muss man die innergesellschaftlichen Herausforderungen der Integration und Inklusion beachten. Es geht um Lebensqualit\u00e4t f\u00fcr Menschen die benachteiligt sind. In diesem Sinne versteht sich das Rote Kreuz als hochpolitische Organisation, in der Weise, dass Rahmenbedingungen aktiv beeinflusst werden, die bestimmen, wie Menschen friedvoll miteinander zusammenleben k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2><strong>Lokal, regional international<\/strong><\/h2>\n<p>Das Rote Kreuz versucht im Rahmen dieser Diskussion als internationale humanit\u00e4re Bewegung immer alle Perspektiven und Wirkungen zu sehen. Nicht zuletzt sind es die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Roten Kreuzes (und Roten Halbmondes), die aufgrund dieser Arbeit das Vertrauen aller genie\u00dfen. Sei es vor Ort in Syrien, wo <a href=\"http:\/\/www.roteskreuz.at\/berichten\/aktuelles\/news\/datum\/2016\/01\/11\/syrien-ueberlebens-konvoi-fuer-tausende-menschen\/\">Hilfskonvoys in belagerte St\u00e4dte<\/a> organisiert und durchgef\u00fchrt werden, oder in den <a href=\"http:\/\/www.roteskreuz.at\/katastrophenhilfe\/wo-wir-helfen\/hilfe-in-der-syrien-krise\/\">Fl\u00fcchtlingslagern im Libanon, der T\u00fcrkei, in Armenien<\/a>.<\/p>\n<h2><strong>Interdependenz statt Sozialmechanizismus<\/strong><\/h2>\n<p>Genau diese ganzheitliche Perspektive vermisse ich im Moment in der Diskussion, denn wir leben ja nicht in einer eigenen abgeschlossenen Welt aus Mozartkugeln, Lipizzanern und SchiweltcupsiegerInnen, die man von au\u00dfen wie eine Schneekugel in die K\u00fcchenkredenz stellt. \u00d6sterreich ist Teil von gr\u00f6\u00dferen Staatengemeinschaften, sei es zun\u00e4chst der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Schengener_Abkommen\">Schengen-Raum<\/a>, der eigene politische und vor allem technisch-administrative Richtlinien zum Thema Grenzkontrollen und dem Umgang mit Fl\u00fcchtlingen bzw. Asylwerbern hat, oder die Europ\u00e4ische Union bzw. auch die UN. Solidarit\u00e4t zwischen unterschiedlichen Staaten und Gesellschaften ist hier genauso gefragt, wie die Beobachtung der Auswirkung dieser starken sozialen Ver\u00e4nderungen auf die eigenen Sicherungssysteme.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich gibt theoretisch wie praktisch es so etwas wie ein Ersch\u00f6pfungssyndrom einer Gesellschaft, wenn die Resilienz nicht ausreicht, da darf man nicht blau\u00e4ugig sein. Gesellschaften halten im Allgemeinen aber einiges mehr aus, als man ihnen zutraut. <a href=\"http:\/\/blog.roteskreuz.at\/reacta\/2014\/07\/13\/resilienz-in-katastrophen\/\">Resilienz<\/a> hei\u00dft dieses Ph\u00e4nomen. Doch sogar der Libanon funktioniert als Staat noch, obwohl 1,8 Millionen Fl\u00fcchtlinge aus Syrien vor Ort sind, bei einer Bev\u00f6lkerung von 4,8 Millionen Menschen.<\/p>\n<p>Die Grenzen der Gesellschaft, die diese Vulnerabilit\u00e4t ausmacht, lassen sich meiner Meinung nach nicht mit einer simplen technischen Obergrenze fixieren, denn das Ganze ist ein dynamischer Prozess. Hier machen technische und probabilistische Herangehensweisen keinen Sinn. Die Resilienzmechanismen in unserem komplexen und interdependenten Sozialsystem funktionieren anders: Nicht wie bei einem K\u00fcbel Wasser, der nach 10 Litern gef\u00fcllt ist \u2013 und dann geht echt nichts mehr hinein, sondern im Sinne eines dynamischen hochkomplexen Systems, bei dem jede neue Person mit ihren F\u00e4higkeiten und Beitr\u00e4gen selbst die Gesellschaft ver\u00e4ndert. Wissen <a href=\"http:\/\/www.econstor.eu\/handle\/10419\/123269\">schon die \u00d6konomen nicht<\/a>, wie sich die Situation auf die Wirtschaft auswirkt, und das ist noch einer der einfachsten Bereiche des sozialen Systems\u2013 weil eindimensional wirkungsorientiert.<\/p>\n<h2><strong>L\u00f6sung? Fehlanzeige: Diskurs.<\/strong><\/h2>\n<p>Was man aus meiner Sicht tun kann ist Sekund\u00e4rparameter herzuziehen, die die Wirkung innerhalb der Gesellschaft anzeigen. Daf\u00fcr muss man gemeinsam geeignete Indikatoren und ihre Grenzen definieren. Es braucht also mehr Diskurs in dieser Sache, mit Sachverstand und gegenseitigem Verst\u00e4ndnis und nicht noch mehr Polemik.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ein Pr\u00e4sidentschaftskandidat im Morgenjournal f\u00fcr eine \u201eObergrenze\u201c von Asylwerber eintritt, die er aus dem Status Quo der von Bund, L\u00e4ndern und Gemeinden errichtbaren Quartierkapazit\u00e4ten unter Ber\u00fccksichtigung von technischen Parametern errechnen will, so stelle ich<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":656,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_monsterinsights_sitenote_active":false,"_monsterinsights_sitenote_note":"","_monsterinsights_sitenote_category":0,"footnotes":""},"categories":[6,31,21,22],"tags":[],"class_list":["post-663","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-flucht","category-okonomie","category-rotes-kreuz","category-sozialpolitik"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-content\/uploads\/sites\/5\/2016\/01\/Bundesarchiv_B_145_Bild-F000250-0050_Deutsch-deutsche_Grenze_bei_Heldra.jpg","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/663","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=663"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/663\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/media\/656"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=663"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=663"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=663"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}