{"id":675,"date":"2018-10-15T14:29:27","date_gmt":"2018-10-15T12:29:27","guid":{"rendered":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/?p=675"},"modified":"2018-10-15T15:03:13","modified_gmt":"2018-10-15T13:03:13","slug":"pushups-und-pullermaenner-zu-begriffen-der-aktuellen-diskussion-rund-um-flucht-migration","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogneu.roteskreuz.at\/sociologist\/2018\/10\/15\/pushups-und-pullermaenner-zu-begriffen-der-aktuellen-diskussion-rund-um-flucht-migration\/","title":{"rendered":"Pushups und Pull(er)m\u00e4nner? Zu Begriffen der aktuellen Diskussion rund um Flucht&#038; Migration"},"content":{"rendered":"<h2><strong>Push-Faktoren und Pull-Faktoren?<\/strong><\/h2>\n<p>Die Begrifflichkeiten aus der Wirtschafts-Geographie beschreiben allgemeine sozialpsychologische, wirtschaftliche und individuelle Faktoren, die dazu f\u00fchren, dass jemand seine Heimat verl\u00e4sst und sich auf den Weg in andere Lebensr\u00e4ume macht. Das kann innerhalb eines Landes sein und f\u00fchrt zu Landflucht und Urbanisierung, innerhalb eines Kontinents oder auch Interkontinental. (vgl. Lee, 1966<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>)<\/p>\n<p>Diese Faktoren sind blo\u00df beschreibender Natur und so unterschiedlich, wie die Menschen und ihre Perspektiven. Dieser Theorie liegt ein \u00f6konomistisches und utilitaristisches Paradigma zugrunde, das andere grundlegende Studien der vergangenen \u00fcber 50 Jahre ignoriert. Es wird angenommen, Menschen verhalten sich wie physikalische K\u00f6rper und streben immer den h\u00f6chsten Nutzen an, komme was wolle. Unbestritten hat Migration mit der Situation vor Ort zu tun, die Richtung ist auch von der Situation im Zielland bestimmt. Eine Reduktion auf ein Vier-Felder-Argumentarium f\u00fcr die Migrationspolitik ist mir zu banal. Dieser <a href=\"https:\/\/blamingtherescuers.org\/\">Report<\/a>\u00a0zeigt zudem, dass Seenotrettung dazu keinen Teil beitr\u00e4gt..<\/p>\n<h2><strong>Ethik und die Imperative<\/strong><\/h2>\n<p>Humanit\u00e4re Organisationen, wie auch das Rote Kreuz, also helfen nicht aus Utilitarismus\u2013 nicht zweck- und nutzengerichet. Es ist der humanit\u00e4re Imperativ, der die Grundlage des menschlichen Handelns darstellt: Zu helfen, wenn jemand Hilfe ben\u00f6tigt. Ohne Frage nach Herkunft, Glauben, politischer \u00dcberzeugung und auch ohne sich daf\u00fcr zu interessieren, warum jemand in dieser Notlage ist. Es ist den Helfenden daher auch egal, ob jemand verschuldet in Not kommt. Das ist die Antwort, die humanit\u00e4re Grunds\u00e4tze auf die ethische Frage geben, wie man Handeln soll.<\/p>\n<p>Wir sind da, um zu helfen. Aus Liebe zum Menschen. Das sind die zentralen Werte des Roten Kreuzes. Menschlichkeit, also das Leid anderer zu sehen und zu erkennen und situationsad\u00e4quat Hilfe zur Verbesserung zu leisten &#8211; das ist der Kern des Rotkreuz-Handelns.<\/p>\n<p>Das ist ein Bezug auf ein philosophisches Prinzip des menschlichen Zusammenlebens, auf ethische Grundwerte. Diese Perspektive ist aus der Sicht des \u201epraktischen\u201c und vermeintlich \u201e\u00f6konomisch\u201c Denkenden nicht zug\u00e4nglich. Es gibt auch im Mittelmeer keine \u201eunsichtbare Hand\u201c (nach Adam Smith), die Erwachsene und Kinder vor dem Ertrinken rettet. Daf\u00fcr braucht es Menschen, wie die Besatzung der Aquarius.<\/p>\n<h2><strong>Gibt es eine L\u00f6sung?<\/strong><\/h2>\n<p>Die Pull(er)m\u00e4nner mit dem rein \u00f6konomistischen Ansatz gehen davon aus, dass sich alle Faktoren berechnen lassen und durch das Drehen am richtigen Rad \u201efeinjustiert\u201c werden. Wenn gen\u00fcgend Menschen ertrinken, wird die Indifferenzkurve zwischen der Meeres\u00fcberquerung und dem Leiden daheim ver\u00e4ndert \u2013 das Haushaltsoptimum w\u00e4re dann in Afrika zu bleiben. Oder der Druck dort wird auch h\u00f6her?<\/p>\n<p>Wer kann sich noch an den kleinen Alan Kurdi erinnern, der am 2. September 2015 bei Bodum im Mittelmeer ertrunken ist? \u00d6konomisch wohl vernachl\u00e4ssigbar. F\u00fcr mich nicht.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Lee, Everett(1966): A Theory of Migration. In: Demography, 5. Jahrgang, Nr. 1, 1966, S. 47\u201357; auch abgedruckt in J. A. Jackson (Hrsg.): Migration. Cambridge University Press, 1969, S. 282\u2013297 (Sociological Studies, Bd. 2) \u2013 ISBN 978-0-521-13568-9.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Push-Faktoren und Pull-Faktoren? 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