SN 241 – BRUSSELS AIRLINES

Foto TOm SeltsamDr. Michael Kühnel ist Sanitäter, Arzt, einsatzerfahrener Rotkreuz-Auslandsdelegierter und im Bereich der Hygiene und Trinkwasseraufbereitung ausgebildeter Techiker. Seine bisherigen Einsätze führten ihn nach Haiti und Pakistan. Er blogt von seinem Einsatz in Sierra Leone, wo er als Teil eines internationalen Teams der Ebola Epidemie Herr werden soll.


Der Flug bringt mich nach Sierra Leone, einem Land an der Westküste von Afrika, gleich neben Liberia und Guinea.

Sierra Leone ist eines der aermsten Laender der Welt und als ob Cholera, Dengue und Malaria nicht schon schlimm genug sind, hat es seit Februar einige Tote aufgrund von Ebola gegeben. Wenn man den Film Outbreak gesehen hat ist es ein grausliches Szenario. Wenn ich jetzt sage, dass es nicht ganz so schlimm ist, klingt es super.

Ebola – ein leiser Killer?

De fakto spritzt Blut nicht meterweit und Leute „explodieren“ auch nicht wirklich. Ebola ist eher ein leiser Killer. Das Blut veraendert sich, es kommt zu Kopf- & Gliederschmerzen, Fieber, Ausschlag, Erbrechen und irgendwann zu inneren Blutungen. Über die Sterblichkeitsrate gibt es unterschiedliche Infos: irgendetwas zwischen 60 und 95%. Die Gefahr geh von den verlorenen Koerpersaeften aus. Das Virus ist im Erbrochenen, im Blut, im Harn, im Stuhl. Klar kann man sich schuetzen. Aber wer hat schon Handschuehe, Desinfektionsmittel und genug Material zuhause? Stellen Sie Sich vor, Sie pflegen Ihre Mutter, Ihren Vater, die Geschwister und werden krank davon… und sterben….

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Warum ich mir das antue? Weil ich daran glaube, das man Menschen helfen muss, so gut man kann, weil ich daran glaube, mit dem Roten Kreuz helfen zu koennen und letztendlich, weil ich an mich glaube. All die Trainings, die wir absolviert haben, die Ausbildungen, die wir gemacht haben.. wofür, wenn nicht für solche Faelle?

Ein multinationales Team

Gestern ist unser Team angewachsen. Neben JP Taschereau, einem sehr erfahrenen „alten Hasen“, sind jetzt Coby, unsere Finnische Krankenschwester, Liz, Britin, David & Mauricio unser IT Team (USA, Kolumbien) und ich vorort. Die anderen beiden kommen im Laufe der Woche. Freetown ist, anders als erwartet, relativ gross. Der Level, auf dem wir uns befinden ist einiges unter dem gewohnten Europaeischen. Aber ein Bett, eine Dusche und sogar Public Viewing bei der WM gibt es. Was will man mehr?

Morgen geht es nach Kailahun und dort wird uns die Wirklichkeit einholen.

Fakten zum Einsatz

Die letzten News sagen

  • 276 auf Ebola getestete
  • 145 positiv
  • 65 bestaetigte Tote in 9 von 14 „Gemeinden“ von Kailahun ( Aktuelle Daten vom Gesundheitsministerium)

Die Dunkelziffer ist vermutlich höher. Geht man jetzt von 60% Mortalitaet aus, werden mindestens 80 Menschen folgen.

Also ist es hoechste Zeit etwas zu tun, bevor sich das ganze weiter ausbreitet. Kailahun ist am Dreilaendereck mit Liberia und Guinea. Also ist es leicht moeglich, dass es gross wird- wirklich gross.

Die Internet Verbindung wird kaum vorhanden sein, aber ich werde versuchen Eindruecke und Bilder zu uebermitteln…

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