Monrovia …

Eine afrikanische Millionenstadt. 1,2- 1,4 Millionen Menschen sind hier auf den Straßen unterwegs. Verkehr, der durch Hupen und für Europäer unkonventionelle Fahrweise gekennzeichnet ist, war hier immer eine der größten Gesundheitsrisiken. Seit einigen Monaten ist etwas dazu gekommen… schleichend und tödlich. Ebola.

Ebola hat es bis nach Europa geschafft- einerseits ist die mediale Berichterstattung am Höhepunkt, auf der anderen Seite gab es auch den ersten Fall einer Krankenschwester, die sich auf europäischem Boden angesteckt hat. Grund genug für mich nach meinem 1. Einsatz abermals in das Krisengebiet zu fahren um zu helfen.

Im Team des IKRK (Internationales Komitee des Roten Kreuzes) versuchen wir hier zu helfen. Schon bei meiner Ankunft freuten sich auch die Kollegen, dass wieder Verstärkung gekommen ist. Die Erwartungen sind hoch- die Verantwortung dementsprechend auch. Es ist schwer geeignetes Personal zu finden. Natürlich haben viele Menschen in Europa Angst und wollen nicht hier her. Absolut verständlich. Auf der anderen Seite können wir nicht alle Freiwilligen in die Krisenländer schicken. Das Österreichische Rote Kreuz hat es sich nicht nur zur Aufgabe gemacht, anderen Menschen zu helfen, wir sind auch unseren Mitarbeitern im Krisengebiet schuldig, sie zu schützen und gesund wieder heim zu bringen. Daher bedarf es sehr erfahrenen MitarbeiterInnen um alle wieder gut in Österreich abzuliefern.

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Die Klinik in Monrovia, Liberia.  in diesem Haus werden potentiell erkrankte Mütter unterkommen.

Unser derzeit schönstes Projekt ist eine große Klinik hier. Nach dem Ausbruch von Ebola wurde sie geschlossen. Die Kinderabteilung und auch die Geburtshilfe mussten ersatzlos gestrichen werden. Das ohnehin marode Gesundheitssystem wurde durch den Tod einiger med. Fachkräfte weiter geschwächt. Die Verbliebenen sind überarbeitet und haben weiterhin Angst- Wer ist der oder die nächste?

Diesmal ist nicht der Tod im Mittelpunkt – diesmal versuchen wir Leben zu schenken. Kommende Woche beginnt das 1. Training für med. Personal in PPE (Personal Protective Equipment= Schutzausrüstung). Drei Tage Trockentraining- anziehen, ausziehen und darin arbeiten, die Woche drauf nochmals drei Tage inkl. praktischer Beispiele. Was mache ich, wenn jemand zusammenbricht? Wie verpacke ich Blutproben von potentiell Erkrankten? Worauf muss ich bei potentiell Erkrankten werdenden Müttern beachten.

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Vorbereitung und klare Abläufe. Das sind wohl die wichtigsten Massnahmen zur Vorbeugung und Verhinderung weiterer Ebola-Infektionen.

Gleichzeitig sitze ich mit Dr. John, einem Arzt der seit 3 Monaten freiwillig in Liberia ist und hilft und Francis, meinem Kollegen, im Krankenhaus und wir überlegen, wo wir Isolationsbetten installieren. Sicher ist das einfach- man sucht sich ein Zimmer aus und riegelt es ab. Man muss sich aber vorstellen, dass bei jedem Besuch Abfall in Form einer gebrauchten Schutzausrüstung an fällt. Diese muss gesammelt und zum Incinerator (grosser Ofen zur Verbrennung von Abfall) gebracht werden. Den kann ich nicht quer durch das Krankenhaus vorbei an werdenden Müttern schleppen. Alles in allem eine sehr herausfordernde aber erfüllende Aufgabe. Potentiell Erkrankten Müttern muss Blut abgenommen und im Labor analysiert werden um zu sehen, wie es weiter geht.

Mitarbeitersicherheit steht auch im hiesigen Krankenhaus für uns an erster Stelle. Unsere Wat San Guys (Wasser und Hygiene) schauen sich die Wasserversorgung genauer an, unser Logistiker schaut, dass es genug Schutzausrüstung geben wird. Haben wir erst eröffnet, können wir nicht nach zwei Wochen sagen: Schade, wir haben keine Schutzausrüstung mehr. Kommen Sie in drei Wochen wieder.

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Bald wird man hier hoffentlich wieder Babygeschrei hören, im Kreißsaal der Klinik.

Sobald alle Voraussetzungen erfüllt wird auch Dr. Samuel wieder praktizieren. Er leitet das Krankenhaus schon über 30 Jahre und würde sich freuen wieder etwas zu tun. Er ist Arzt und – wie man an mir sieht – Ärzte können nicht rum sitzen und warten. Also hoffen wir alle im Team, dass er bald wieder beschäftigt wird. Trotzdem muss auch ihm klar sein, dass wir nicht alle behandeln und retten werden können.

Aber bei einer Säuglingssterblichkeit von fast 4 Prozent und einer Muttersterblichkeit von 1 Prozent zählt jede medizinische Unterstützung.

Am Beginn werden wir mit wenigen Betten starten und das Personal noch bei der Handhabung der PPE beobachten müssen. Aber dann werden sie wieder kommen… die Babies.

Bis zu 80 Geburten waren es vor Ebola pro Monat ähnlich dem Krankenhaus in Hartberg, wo ich Teile meiner Ausbildung absolviert habe. Es wäre toll, bald wieder Babygeschrei in den Hallen des Krankenhauses zu hören- es ist der Schrei nach Hoffnung- Hoffnung darauf, dass Ebola bald besiegt sein wird.

Alle Informationen zur Hilfe gegen Ebola

3 Kommentare

  1. Ich finde es mutig von EUCH allen, die sich dieser großen Herausforderung stellen, sich freiwillig melden und HELFEN, selber mit mulmigen Gefühl in der eigenen Haut, sich für arme kranke Menschen abmühen und ängstigen, ABER ich glaube, der größte DANK für jeden von EUCH wird sein, EINEN MENSCHEN DEN IHR HELFEN KONNTET UND ER EUCH MIT EINEM LÄCHELN VERLASSEN KANN:

  2. Lieber Michael
    ich bin sehr dankbar für deinen Bericht aus erster Hand – und auch für dein begeisterndes und vorbildliches Engagement als Arzt in Liberia.
    Schön auch zu sehen, daß mit der Geburtenstation -trotz und neben Ebola – auch wirkungsvolle Zeichen der Hoffnung gesetzt werden.
    Die Säuglingssterblichkeit in Liberia ist lt. Wikipedia übrigens fast 40 mal !! so hoch wie in Österreich, nämlich 157 von 1000 (Ö: 4 von 1000)
    Die österr. BR hat übrigens weitere 500.000€ für die Ebolabekämfung in Westafrika zur Verfügung gestellt
    MbG
    Werner Kerschbaun

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