Mit den Augen eines Zivis

ÖRK
Chris Kloyber; Zivi credit: ÖRK

Die Abstände zwischen dem Klingeln der Telefone sind nun etwas kürzer als sonst. Der Geräuschpegel im Büro ist noch etwas höher als sonst . Gleichzeitig kommt so etwas wie internationales Flair in unserem sonst national ausgerichteten Bereich auf: Port au Prince, Naypyidaw , Chengdu – selten beanspruchte und manchmal gänzlich unbekannte Gesichtsmuskeln werden bei den ersten tollpatschigen Versuchen, diese Namen auszusprechen, beansprucht. Jene Namen, die ein paar Wochen kontinuierlichen Trainings später selbstverständlich erscheinen und suggerieren, dass diese Orte nicht nur gedanklich gleich ums Eck wären.

Während bei den Betroffenen die gespenstische Ruhe nach dem Sturm und bei den (möglichen) Teammitgliedern die Ruhe vor dem Sturm herrscht, ist bei uns am ERU-Desk Hochbetrieb. Noch ist zwar noch nicht ganz klar, ob es tatsächlich zu einem Einsatz kommt, aber weil die Abwicklung eine gewisse Vorlaufzeit braucht, muss schon jetzt wichtige Vorarbeit geleistet werden. Wenn grünes Licht kommt, muss alles sehr schnell gehen und für Vieles wäre es dann schon zu spät.

Und weil die Linienarbeit auch nicht ruht, ist für uns Zivis diese Zeit am kurzweiligsten. Wir schwirren aus, um Informationen zu sammeln und unterstützen unsere fleißigen KollegInnen dort, wo wir können. Bei der Vorabrecherche: Wo liegt das Einsatzgebiet überhaupt? Welche Impfungen braucht man? Wo ist die nächste Botschaft und braucht man ein Visum? Oder bei den administrativen Vorbereitungen für das Teambriefing und der Sicherstellung der Einsatzbereitschaft des Teamequipements.

Gerade zu Beginn der Zivi-Laufbahn hat man manchmal das Gefühl mehr ein Stein im Weg, als eine wirkliche Hilfe bei einem ERU Einsatz zu sein. Zu verwirrend scheinen die ganzen Abläufe – Namen und Terminologien sind noch gänzlich fremd. Und dass das Anlaufen des Apparates erstaunlich oft an Freitagen zu Mittag stattfindet, ist mir immer noch ein Rätsel, auch wenn es ja einige mehr oder weniger plausible Erklärungsansätze geben soll. Andererseits stellt sich nun nach drei Einsätzen langsam eine gewisse Routine bei mir ein. Die Aufgaben sind schneller erledigt, kryptische Abkürzungen werden nun selbst so oft wie möglich verwendet und man hat so langsam das Gefühl das Ganze zu durchschauen.

Auch wenn meine neun Monate sich langsam dem Ende zu neigen, ist es eine bereichernde Erfahrung ein kleines Zahnrädchen bei der Abwicklung von ERU Einsätzen zu sein.

Chris(tian) Kloyber

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