Field Trip mit Hindernissen

Wir (Steve, Richard und ich) sind letzte Woche also aufgebrochen, um funkmäßig in Mirebalais, Hinche und Port au Paix nach dem Rechten zu sehen.

Zunächst war alles ganz „normal“. Der übliche Mittagsstau in Port au Prince (neben dem Vormittags- und Abendstau auch nicht ohne…) aber wir sind erstaunlich früh weggekommen. Erwin und Niall haben uns noch beim Einpacken kräftig unterstützt und so sind wir schon am frühen Nachmittag in Mirebalais angekommen. Wir haben bei der Gelegenheit auch gleich den Präsidenten des dortigen offices mitgenommen, der gerade zufällig in Port au Prince war. Das office ist in einem Haus an der Hauptstrasse untergebracht, alles macht einen eher verfallenen Eindruck. An der Wand ist ein Solarregler montiert, Drähte gehen aufs Dach, aber man erklärt uns immer wieder, dass dort nie ein Solarpanel gewesen sei. – Auch gut. Nachdem die Stromversorgung dort sehr oft tagelang ausfällt, kriegen sie von uns ein neues Solarpanel verpasst, nicht ohne den Hinweis, dass sie gut drauf aufpassen müssen 😉

Ausserdem gibts in der Branche noch einen LandCruiser, der früher als Krankentransportfahrzeug gedient hat, aber da ist keine Batterie mehr drin und der Kühler, so berichtet man uns, ist undicht. Es macht also keinen Sinn, das Funkgerät im Auto zu reparieren. Das Rote Kreuz hat seit 2 Jahren keine Miete mehr für das Gebäude bezahlt, weil kein Geld da ist. Was mit der Funkanlage passiert, wenn das Gebäude aufgegeben werden muss, daran mag ich gar nicht denken.

Das Hotel in Mirebalais ist allererste Sahne, mit Pool, Restaurant und Internet – Herz, was willst du mehr!

Am nächsten Tag gehts dann weiter nach Hinche. Die Strassen, die am Vortag schon schlecht waren, sind nun noch schlechter, aber das sollte noch schlimmer kommen. Hinche hat ein nettes office, die Volonteers sind aktiv und man hat das Gefühl, dass sie sich über die nun wieder funktionierende Funkanlage freuen.

Das office hat eine Menge Solarzellen am Dach, da haben wir die, die ursprünglich fürs Funkgerät vorgesehen waren, wieder angeschlossen, einen Solarregler installiert und ihnen neue Batterien verpasst und nun funktioniert die Anlage wieder hervorragend.

Beim Besichtigen des Hotels zeigt unser Fahrer etwas zuviel Ehrgeiz, direkt vors Hotel zu fahren und, nachdem er kein Großmeister im Rückwärtsfahren ist, passiert auch schon das erste Unglück.

Viel Schweiß und etwas Hilfe von den Hotelangestellten haben unseren Land Cruiser dann aber doch wieder flott gemacht. Erstaunlich, was das Fahrzeug, ohne Schaden zu nehmen, alles aushält.

Am nächsten Tag gehts dann weiter und jetzt führt uns der Weg vom Zentralraum hinauf in den hohen Norden Haitis. Port au Paix liegt am Meer und für die Reise dorthin haben wir einen ganzen Tag eingeplant. Die Strasse wird immer schlechter und schlechter und dann passiert es. Wir stecken in einem Schlammloch fest.

Dass es hier eine Umleitung gegeben hätte, kann man natürlich nicht wissen, Schilder gibts ja keine. Unser Fahrer Dominik lässt sich dadurch aber nicht aus der Ruhe bringen und bleibt erst einmal am Steuer sitzen. Währenddessen sammelt sich rund um das Auto eine Menschenmenge und einige helfen tatkräftig mit, das Auto wieder flott zu machen, indem sie das Schlammloch ausschöpfen und vor den Rädern den Schlamm herausschaufeln. Dabei gibt es heftige Diskussionen, was man wohl am besten als nächstes machen sollte, wir sind natürlich Gesprächsthema in der ganzen Umgebung. Es braucht unzählige Versuche, bis sich das Fahrzeug endlich bewegt und bis wir freikommen vergehen zwei Stunden. Wir haben natürlich sofort nach dem Festsitzen unsere Team Leaderin vom FACT Team verständigt und es ist ein gutes Gefühl, dass man in so einer Situation nicht alleine gelassen wird. Die Planungen im Hintergrund reichen bis zur Evakuierung per Helikopter, falls wir aus eigener Kraft bis zum Einbruch der Dunkelheit nicht mehr freikommen. Wir werden mit aktualisierten Infos über Strassenzustände und naheliegende, sicher Unterkünfte versorgt, aber lange ist nicht klar, ob es besser ist, die Strasse weiterzufahren, oder umzukehren. Schließlich sind wir dann frei und das Auto ist aus dem Schlamm. Ein Aufatmen geht durch die Menge, alles johlt und schreit vor Begeisterung bis – bis der gute Dominik im Rückwärtsgang wieder in das Loch hineinfährt. Also gut, alles noch mal von vorne. Als er nach gelungener Schaufelarbeit dann das Auto zum dritten Mal im Schlamm versenkt ist endgültig der Spaß vorbei und ein einheimischer Fahrer übernimmt das Steuer. Er fährt den Cruiser am Schlammloch vorbei durch die Umleitung, die aber auch nicht von schlechten Eltern ist. Es geht mitten durch ein Feld, rechts und links hohe Pflanzen und mitten durch tiefen Schlamm, der dem Fahrer auch alle Kunst abverlangt. Nur wenn man genau weiß, wie es hinter der nächsten Kurve weitergeht, kann man die Geschwindigkeit so hoch halten, dass man nicht sofort wieder steckenbleibt. Schließlich ist es geschafft, der Rest der Strecke ist zwar auch nicht ohne, aber zumindest gibt es keine größeren Schwierigkeiten mehr. Inzwischen ist es schon spät und wir beziehen in der nächsten Ortschaft ein bescheidenes aber sicheres Quartier. Das Abendessen und ein gutes Bier mit dem Präsidenten des lokalen Roten Kreuzes versöhnen uns wieder mit der Welt und so klingt der Tag trotz allem gut aus.

Natürlich haben wir durch unseren unfreiwilligen Aufenthalt etwas Zeit verloren, aber die Strasse von Gonaive nach Port au Paix ist erstaunlich „gut“ und wir kommen flott voran. Dort angekommen, quartieren wir uns erst einmal ins Hotel, das sehr nett am Meer liegt, ein. Das dortige office ist ein neues, noch unfertiges Haus, also gilt es, hier eine komplette Installation inclusive Antenne vorzunehmen. Am lokalen Markt finden wir einen geeigneten Mast, Abspannseile und anderes Kleinzeug und am nächsten Tag ist die Anlage fertig. Das Auto wird gründlich geputzt und Richard macht noch sein Usertraining und dann gehts wieder Richtung Süden.


Vorher


Nachher

Die nächste Nacht verbringen wir dann am Rückweg nach Port au Prince in Gonaive bei der BHC ERU. Dort herrscht, wie immer, beste Stimmung und ein Mission feeling vom Feinsten.

In der Umgebung sind aber noch immer viele Häuser überflutet und die Menschen haben die Hilfe, die das Rote Kreuz bringt, dringend nötig.

Bevor wir dann nach Port au Prince zurückkehren machen wir noch einen kurzen Abstecher zum Anlegeplatz des Bootes, das uns für die nächste Installation auf die nahegelegene Insel bringen soll.

Alles sieht einigermassen vertrauenserweckend aus und so planen wir den nächsten Field trip für Montag und Dienstag. Um uns mit dem nassen Element vertaut zu machen, darf natürlich auch ein kurzer Abstecher zum Beach nicht fehlen.

Auf der Weiterfahrt bemerke ich plötzlich, wie Dominik scheinbar Mühe hat, das Auto auf der Strasse zu behalten. Der Wagen scheint zu „schwimmen“ und ein kurzer Blick in den Rückspiegel sagt mehr als tausend Worte. Dominik wäre von alleine übrigens nicht auf die Idee gekommen, dass da was nicht stimmt.

Schließlich landen wir aber doch wohlbehalten im Hotel in Port au Prince und sind zwar erschöpft, aber glücklich, diesen Fieldtrip trotz aller Hindernisse erfolgreich beendet zu haben.

Bald gibts auch einen Bericht von unserem Ausflug zur Insel,
also stay tuned,

Robert

P.S. Hier noch ein kleines Bilderrätsel für die Freaks vom Fach unter euch. Wieviel Volt liefert diese Batterieverschaltung, die wir an einem Inverter in St. Marc gefunden haben? (Bild am besten anklicken, dann sieht man auch wo „pos“ steht (links unten). Unter den richtigen Einsendungen wird ein abgebranntes Netzteil verlost…..

8 Kommentare

  1. Hat der Landcruiser keine Winde? dass ist blöd. Ich glaube Sandbleche und Schneeketten 4 Stück müssen wir uns auch besorgen für das nächste mal. Danke jedenfalls für die tollen Berichte und Fotos!!!

    Ein erkälteter Werna aus der kalten Heimat

  2. Hier der verzweifelte versuch eines kleinen Wassermenschen dein Batterierätsel zu lösen

    Batterie1(Links vorne) zu 2 Reihenschaltung 12V+12V = 24V
    Batterie 2 zu 3 Paralellschaltung
    Batterie 3 zu 4 Paralellschaltung
    Batterie 4 zu 5 Reihenschaltung 24V+12V = 36V
    Batterie 5 zu 6 Paralellschaltung

    Danke dass ihr euch Zeit nehmt um mit euren tollen Berichten unsere Neugierde zu stillen.

    Best regards

    Wilfried

  3. 24V ist das was ich rausbringe, *g*
    Das abgebrannte Netzteil schickst dann nach eh scho wissen – shipping zu deinen kosten 🙂
    PS: Einfach eine Werkzeugkiste draufstellen und das Problem löst sich von selbst

  4. Liebe Leute!

    Ich versteh zwar nichts von eurer Arbeit, möchte aber trotzdem mal danke sagen für die super Berichterstattung!

    Alles Gute weiterhin! Liebe Grüße aus Klagenfurt!

  5. Hey Jungs – das klingt ja spannend! Wollts die Brigitte ned fragen ob’s wieder an Doc in charge braucht? I wü nämli wieder runter 🙂

    Grüzi aus dem kalten AKH,
    Bernhard.

    PS: Hab aus Insider-Quellen erfahren, dass die Catering ERU (für alle nicht ERUler – die gibts nicht, wär aber gern gesehen *g*) vermisst wird. Solltets euch mal mit der Isabelle zam setzen 😉

  6. Werkzeugkiste ist ein gutes Mittel zur Problemlösung – kann ich nur empfehlen – mit stromverstärkten 24 V stimme ich mit Alois überein – eine tolle Schalttechnik 5s1p

    ffpx
    Karl

  7. Leider verkalkuliert
    Wenn ich nichts unterschlage von links beginnend: P S S S P S – sagen meine bereits trüben augen – Werkzeugkiste isttaber noch immer aktuell

    ffpx
    Karl

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