..Verkehr…

Heute hab ich mir vorgenommen, euch etwas über den Strassenverkehr in Haiti aus der Sicht eines Europäers zu erzählen.

Also, wenn man das nicht gesehen hat, ist es schwer, sich eine Vorstellung von den Verhältnissen zu machen. Zunächst einmal, geht es grundsätzlich in der Stadt nur im Schrittempo voran, weil die Strassenbedingungen nichts anderes zulassen. Die Löcher im Asphalt, die ohne weiteres einen halben Meter tief sein können, Fussgänger und jede Menge anderer Hindernisse lassen keine höheren Geschwindigkeiten zu. Und sollte (was selten genug vorkommt) ein kleiner Abschnitt der Strasse halbwegs ok sein, dann befindet sich dort sicher eine Speed-Break, aber eine der ordentlichen Sorte. Die Dinger heißen hier „Schlafende Polizisten“. Vorrangregeln sind weitgehend unbekannt, man fährt, soweit es eben geht, ohne in einen anderen hineinzufahren. Dass dadurch ein anderer auch abrupt abbremsen muss, ergibt sich von selbst und ist unvermeidbar. Aber hier zählt jeder Zentimeter, den man gefahren ist, egal ob ein anderer Vorrang gehabt hätte. Die Autos, die hier fahren, sind aus verständlichen Gründen nahezu ausschließlich Geländefahrzeuge, andere Fahrzeuge hätten bei diesen Strassenverhältnissen keine lange Lebensdauer und kämen kaum irgendwo hin. Es kommt oft vor, dass die Hauptstrassen und die angrenzenden Nebenstrassen völlig verstopft sind, dann dauert so ein Trip vom Office zum Hotel der sonst 10 Minuten braucht, eben zwei Stunden. Auch die Hauptstrassen sind nicht wesentlich breiter als die Nebenstrassen, überall liegt Müll und an allen Ecken und Enden der Stadt wird Müll einfach angezündet und die Rauchschwaden sind kilometerweit zu riechen.

Als öffentliche Verkehrsmittel dienen TapTaps, das sind Pickups, bei denen man ein Dach über den Lastbereich gebaut hat und die nach hinten hin um einen Sitz verlängert sind. Sie sind oft bunt bemalt und weil sie auch häufig voll sind, hängen an allen Ecken und Enden noch Passagiere aussen dran. Aber es gibt auch Busse, alte amerikanische Schulbusse, orange, wie man sie aus den Filmen kennt. Andere Busse sind bunt angemalt und alle sind immer voller Menschen.

Überland sind die Verhältnisse jedoch ganz anders. Abgesehen von kurzen Strassenabschnitten, die asphaltiert (oder was man hier so bezeichnen kann) sind, gibt es praktisch nur Schotterstrassen und Pisten und viele Flussdurchfahrten. Die sind aber dafür so, dass ein Land Cruiser (immerhin ein anerkannt gutes Geländefahrzeug) an seine Leistugsgrenzen stösst. Manchmal auch darüber.


Gefahren wird so, dass die Belastung auf Mensch und Material ungefähr gleich (dem Maximum) bleibt, variiert wird nur die Geschwindigkeit. Das heißt, 4 Stunden Fahrt sind vier Stunden an der Grenze des Erträglichen. Mehr hält man auf einmal sowieso nicht aus, man ist dann derartig durchgeschüttelt, dass man oben und unten nicht mehr auseinander halten kann. Das heißt aber nicht, dass man schnell untewegs war. Eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 17 km/h gilt als durchaus zufriedenstellend.

Oft geht es auch durch Furten und dann muss der Fahrer öfters die herumstehenden Menschen fragen wo es an der anderen Flusseite überhaupt weitergeht.

Die Rechtsregel ist unbekannt, wäre auch lächerlich, gefahren wird, wo es eben geht. – und soweit es geht. Es gilt das Recht des Stärkeren. Fussgänger sind in dieser Rangordnung ganz unten, dann kommen Radler, Autos und LKWs. Wenn es geregnet hat, ist auf diesen Strassen das Durchkommen unmöglich – wie lange? Solange es eben dauert bis sich der erste traut, Tage, Wochen, Monate. Auf Motorrädern sitzt man grundsätzlich zu dritt, an praktisch allen Fahrzeugen hängen irgendwo aussen Menschen drauf oder sitzen auf dem Dach. Oft balancieren sie waghalsig auf den hoffnungslos überladenen LKWs.

Die Strassen sind gesäumt von liegengebliebenen Fahrzeugen und Reifenpannen sind bei uns ca. einmal pro Woche üblich. Wenn man Glück hat, ist der Wagenheber brauchbar und einsatzbereit, wenn nicht, dann behilft man sich eben anders.

Aber dazu gibts in Kürze noch eine andere spannende Geschichte…vom Field Trip letzte Woche, also,

stay tuned!
Smidi

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