Aus dem Office …

Einer der mühsamen Tage im Office. Nicht, weil so viel zu tun gewesen wäre, sondern genau das Gegenteil. Der Plan wäre gewesen, die Fahrzeuge fertigzustellen, die Außenbeleuchtung des Office zu installieren, und das spanische Telekom Material aus dem Warehouse ins Office zu holen, um die brauchbaren Dinge sicherzustellen …

Die Realität sieht folgendermaßen aus:
Fahrzeuge: die benötigten Kabel sind nach wie vor im Zoll. Angeblich stimmt irgendwas mit den Zollpapieren nicht. Also keine Fahrzeuginstallation. Ginge aber auf der anderen Seite auch garnicht, denn die Fahrzeuge sind bei einer vorgeschriebenen „Inspection“, die in einer halben Stunde erledigt ist – zumindest wurde das so dargestellt, tatsächlich kommen die Fahrzeuge aber erst am späten Nachmittag wieder zurück.

Daraus folgt, daß natürlich auch aus der Fahrt zum Warehouse nichts wird.

Dafür beschäftigt man sich dann mit Dingen, für die sonst keine Zeit bliebe: Zb. mit der Reinigung (dh, genaugenomen Wäsche und sorgfältiges Trocken) der in Gonaives abgesoffenen Funkgeräte. Kaum zu glauben, daß die Geräte das aushalten ….

Funkgerät von Gonaives vor der Behandlung
Funkgerät von Gonaives vor der Behandlung
und nachher ...
und nachher ...

Und die Aussenbeluchtung ist sowieso ein eigener Fall:
Den Nachtwächtern ist versprochen worden, daß es in der Nacht eine Beleuchtung gibt, damit sie ihren Job machen können. Da es meistens aber keinen Strom aus der Steckdose gibt, was liegt näher, als daß die IT&Telekom Leute dafür sorgen, daß ein Licht aufgeht… (die liebevolle Bezeichnung Office-Bitch ist nicht so weit daneben, denn alles, was mit Strom betrieben wird (und das ist nun mal das gesammte Office) ist offenbar Sache der Telekom)…
Den Generator, der unter Tags läuft, auch in der Nacht laufen zu lassen, geht nicht, denn den aufzutanken ist nicht Sache der Nachtwächter, und außerdem ist sehr fraglich, ob er die Betriebsstunden aushält.
Also ist die einzige (einigermaßen einfache, und auch mit den vorhandenen Mitteln machbare) Lösung, mit einem 120 Volt Netzteil eine Batterie zu laden, und von dieser über einen 240 Volt Wechselrichter unsere Leuchtstoffröhren zu betreiben. Wenn es in der Nacht hin und wieder ein paar Stunden Strom aus dem Ortsnetz gibt, sollte sich das mit der Kapazität der Batterien ausgehen. Wenn nicht, dann wird es irgendwann finster …

Der Haken daran ist nur, daß wir nur mehr ein 120 Volt Netzteil haben, und die anderen fünf, die bestellt und auf dem Weg von Genf hierher sind, irgendwo zwischen Bermuda-Dreieck und Zoll versunken sind. Also vorläufig nur eine große Lampe an der Vorderseite …

Ein wenig Abwechslung bringt da am Nachmittag die Tatsache, daß die Field-Trip Mannschaft inzwischen zum dritten Mal zwischen Saint-Michel-del’Atalaye und Boitide im Schlamm steckengeblieben ist, und eine Zeitlang nicht einmal klar ist, ob es besser ist, zurück zu fahren, oder doch zu versuchen weiter nach Saint-Michel zu kommen. Sicher ist jedenfalls, daß es sicher nicht möglich sein wird, auch nur annähernd in die Gegend von Port de Paix zu kommen. Mithilfe tatkräftiger unterstützung der Bevölkerung wird der landcruiser aus dem Schlamm geholt, nach einigen Telephonaten mit den Kollegen von der Shelter ERU, dem Croix Rouge Haitienne und anderen NGOs wegen aktuellen Meldungen über den Straßenzustand wird ein Quartier in Saint-Michel organisiert, das zwar eher schlicht in der Ausstattung ist (kein Strom, kein Wasser) aber immerhin, die Security ist OK. Morgen soll es dann um sechs in der Früh weitergehen über Gonaives Richtung Port de Paix. Laut letzten Meldungen sind die Straßen bis dorthin relativ frei befahrbar…

erwin

ps.: Dafür gibts noch ein paar Bilder vom letzten Field Trip …

Zwischen Gonaives und Cap Haitien
Zwischen Gonaives und Cap Haitien
Zwischen Gonaives und Cap Haitien
Zwischen Gonaives und Cap Haitien
Cap Haitien
Cap Haitien

Ein Kommentar

  1. Hi Erwin,
    geht es doch mit dem bloggen?

    Vielen Dank für Eure spannenden Berichte und sehr guten Fotos vom Einsatz. Der Blog ist eine Bereicherung für unseren Online-Auftritt, denn er macht Eure Arbeit direkt erlebbar. Man kann Eure „Liebe zum Menschen“ förmlich riechen.

    mlg
    Gerald

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