Sind wir nicht alle ein bisschen Henry??

Eine Woche ist um.. wieder eine…

Während wir hier versuchen, unsere Arbeit gut zu machen, lesen wir in den Online Printmedien von den Umstürzen/ Unruhen/ Kämpfen in Nordafrika. Etwas, dass mich hier besonders beeindruckt, sind die KollegInnen, die dort vor Ort helfen. Ich lasse mich hier nicht über die Geschehnisse aus, das ist nicht Aufgabe des RKs, aber meine Hochachtung allen, die im Schutzzeichen des Roten Kreuzes bzw. Halbmondes dort unter Einsatz ihres Lebens ihr bestes tun um Menschen zu helfen.

Wenn man hier so arbeitet und mit dem Team ins Feld fährt, tritt die Angst (nicht die Vorsicht) etwas in den Hintergrund, das auch wir hier keine ungefährliche Mission haben.  Am Freitag erst hatte ein Fahrer Bekanntschaft mit einem Baum machen müssen, weil irgendso ein wahnsinniger Buschauffeur die ganze Strasse brauchte und unser Fahrer nur noch ausweichen konnte. Gottlob ist niemandem etwas passiert. Auch das Auto sieht nicht ganz so schlimmaus, da er den Baum nur auf Höhe der Fahrertür seitlich erwischt hat. Ganz weiss ich nicht Bescheid, warum die Fahrerseite, aber egal. Also auch hier gilt: immer Augen auf.

Diese Woche hat unser Team zuwachs bekommen: Harald, ein Deutscher Kollege, wird ab April die Arbeit von Mike übernehmen, nachdem der knapp 1 Jahr hier gearbeitet und gelebt hat.

Jetzt kommt auf alle vermehrt Arbeit zu. Die Vorarbeit vom Shelterteam bzw. unseren Kunden sind abgeschlossen. Bald also wird der Bau der Hütten beginnen. Wie bereits 1x beschrieben wird das am Fliessband geschehen. IKEA Haitian Style…Dann auch kann das Team mit dem Latrinenbau beginnen und werden die Menschen nochmals geschult- auch im Hygienebereich. Natürlich wurden auch bisher Latrinen gebaut, aber jetzt verstärkt-wenn ich kein Dach über dem Kopf habe, ist mir eine Latrine herzlich egal. Aus diesem Grund wirds jetzt bautechnisch rund gehen in der Umgebung von Leogane: Häuser, Latrinen,…

„Bitte meiden Sie dieses Gebiet grossräumig, da es zu erheblichen Verzögerungen wegen LKW Ladetätigkeiten geben kann. Benutzen Sie die Umfahrung nach Jacmel“

Was gabs diese Woche?

Zunächst mal ist es am Montag rund gegangen.. Es hat geshaked… Nein keine Disco..auch weibliche Wesen waren nicht involviert. In Haiti war es das erste mal für mich… Richtig: ERDBEBEN. In der Nacht bin ich mit schrecklichen Kopfschmerzen und einem leicht schwankenden Gefühl aufgewacht- das obwohl ich hier nichts alkoholisches trinke. Was macht man, wenn so ein Beben vorbei ist? Richtig aufs WC und wieder ins Bett gehen. Am nächsten Tag hat mir ein Fahrer erzählt, dass alles 30 sec. gedauert hat, habe also wieder mal alles verschlafen. Umso komischer war es dann, das das Beben 2.9 hatte und das Epizentrum einige 100km entfernt war. Hätte mehr gedacht. Egal. Hätten wir DAS hier auch abgehakt.

Erstmals hatten wir diese Woche wieder volunteers community meetings, also eine Zusammenkunft, bei der geschaut wird, wie läuft die Arbeit, gibt es Probleme, bei denen wir helfen können (ausser Geld, Haus, Auto,….)? Eine Community hat wirklich auch das Thema Müll eingebracht. Also stört es sie doch. Einzig: es ist uns natürlich nicht möglich Leute zu bezahlen, damit sie den eigenen Mist weg räumen. Aber beim Thema Abfall werden wir sie wo es geht gerne unterstützen.. Ich muss mich für das Foto entschuldigen. Die Location war gratis zu haben, der Strand aber nicht so schön. Deshalb habt Ihr auch nichts versäumt 😉

Auch versuche ich langsam zunächst mal mein HP Team für das Thema Malaria zu sensibilisieren. Wichtig sind hier zum Beispiel Moskitonetze zum Schlafen. Einer unserer lokalen Kollegen hat mir erzählt, dass es NGOs in Leogane gibt, die Netze verteilen. Auch hier ist es wichtig, sich untereinander abzustimmen, um das Geld gezielt und zum grösstmöglichen Nutzen einsetzen und sich koordinieren zu können.

 

 

Ich möchte noch ein bisschen RK Kunde mit den LeserInnen betreiben: Das Rote Kreuz und der Rote Halbmond sind nicht, wie ich es immer wieder mal höre 2 verschiedene Organisationen.

Am Anfang schuf Henry das Kreuz und es war rot. Nein, im Ernst: zu Ehren Henry Dunants, dem Gründer des RK, der Schweizer war, wurde die schweizer Fahne (weisses Kreuz auf rotem Grund) einfach umgedreht. Es hat also NIX mit irgendwelchen religiösen Zeichen zu tun. Der Halbmond, wurde als Zeichen für Länder eingeführt, die meinten, die Idee sei toll, aber das Kreuz aus geschichtl. Gründen inakzeptabel. Also ist der Rote Halbmond= das Rote Kreuz in vielen (nicht nur) muslimischen Ländern. Es gibt auch nur 1 Zeichen pro Land (siehe Grundsätze). Als neutrales Logo wurde vor kurzem der Rote Diamant, Kristall, Raute- wie auch immer- eingeführt. Es soll, wie es an sich immer war, frei von jeglicher religiöser Symbolik sein.

So viel zur Geschichte. Zum Abschluß möchte ich jetzt noch mal von meinen Kochkünsten erzählen. Ja ich kann auch bügeln und nein, ich bin schon vergeben. SORRY

Am Samstag war es soweit. Backen mit Michi. Karottenkuchen. Heute ist Montag und alle leben noch. Probleme: keine Waage, keine Reibe, keine Ahnung.

Aber mit einer Wasserwaage (inkl. Physikkenntnissen), einer „flotten Lotte“ und viel Vertrauen is das eigene Können ist das Ding recht ansehnlich geworden. Einzig die gesalzenen Erdnüsse (Wal- oder Haselnüsse waren nicht zu bekommen) waren etwas hmm… gewöhnungsbedürftig. Aber er wurde aufgegessen.

Karottenkuchen HAITIAN STYLE

Dafür gab es hier gestern erstmals  überhaupt zum Frühstück Palatschinken- typisch österreichisch (also vor 1914).. Ich hab böhmische Vorfahren.. da gilt das schon.  Es war zwar keine Pizza, aber den Leuten schien es geschmeckt zu haben.

Damit schliesse ich für heute und freue mich auf eine kurze Arbeitswoche (auf Haiti wird Fasching gefeiert und auch der Regenerationstag – also Aschermittwoch- frei gegeben.) Also gehts erst Donnerstag wieder weiter. Ich schliesse mit den Worten auf einem meiner Lieblings RK T- Shirts:

Sind wir nicht alle ein bisschen HENRY ?

Alles Gute allen RK KollegInnen im Einsatz- wo auch immer. An alle anderen, lasst doch mal Euren Henry raus es macht wirklich Spaß!!

PS: Alles Gute an Matthias, meinen Neffen, zum 11. Geburtstag

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