Bombenanschläge, Bankprobleme, andere Unterbrechungen

Es gibt hier wohl keinen Tag an dem man nicht von unzähligen Impressionen geradezu überfallen wird. Genauso wie es wohl auch keinen Tag gibt, der einmal nicht mannigfaltig herausfordert.

Und eines gibt es hier auch in einer beharrlichen Regelmäßigkeit: Arbeitsunterbrechungen. Die wahrscheinlich größte Herausforderung.

Sonntag war wohl wieder ein Tag der besonderen Herausforderungen und Eindrücke. Der Tag begann mit einem SMS vom Radio Room Karachi: In der Nacht hat es einen Bombenanschlag auf die Eisenbahn unweit unserer sogenannten Site 1 gegeben. Der Bahnhof ist ungefähr 500 bis 1000 Meter von unserer Anlage entfernt. Einer unserer Mitarbeiter hatte die Explosion in der Nacht gehört. Ob es Verletzte oder Tote gab, kann ich nicht sagen.

So oder so, gab es jedenfalls gleich einen Arbeitsstopp; noch bevor der Arbeitstag richtig begonnen hatte. Was es noch gab, war die Weisung: „Avoid this Area!“. Ein Satz den sich Tomas und ich gut gemerkt hatten. Unser Fahrer aber offensichtlich leider nicht. Woraufhin wir 40 Minuten lang direkt am Bahnhof im pakistanischen – ich betone pakistanischen – Stau steckten, um über die Sicherheitslage zu diskutieren. Und um dann dem wohl längsten, beeindruckendsten und …beängstigendsten Polizeikonvoi den wir beide je gesehen hatten, und hoffentlich auch jemals wieder sehen werden, zu begegnen. Beide hatten wir uns für eineinhalb Sekunden überlegt ein Foto zu machen. Unser Verstand und all die vorhergehenden Sicherheitsbriefings haben uns dann aber doch noch rechtzeitig gebremst. Somit musst du dich dazu mit meinen Erzählungen begnügen, die auch hier enden. Wir sind ja schließlich die Föderation und halten uns daher naturgemäß mit Infos zurück…

Generell war die Sicherheitslage an diesem Tag eher angespannt. Denn abgesehen von dem Anschlag gab es auch noch einen Zwischenfall im Pakistanischen Grenzgebiet, von dem du bestimmt in den Nachrichten gehört hast.

Da am Wochenende außerdem auch der Muharram begann, musste die Arbeit am Sonntag schließlich sicherheitshalber auch noch früher eingestellt werden.

Eine Entscheidung die Wasseraufbereitern immer schwer fällt, die aber auf jeden Fall richtig war und durch unsere nicht-westlichen Mitarbeiter aufs stärkste unterstützt wurde. Da die eigentliche Wasseraufbereitung ohnehin großteils von unseren Roten Halbmond Kollegen betrieben wird, wurde die an diesem Tag bereits eingeschränkte Produktion zumindest aufrecht erhalten.

Heute, Mittwoch, sind wir alle wieder deutlich relaxter und folgen Katrins Beispiel, die grundsätzlich nicht leicht aus der Ruhe zu bringen ist.

 

 Mit ganz anderen Arten von Arbeitsunterbrechungen, oder zumindest deren Bevorstehen, hatte Robert diese Tage zu kämpfen. Der hier ganz eindeutig immer noch keinen Traumjob hat! Wie schon im letzten Blog erwähnt gibt´s nämlich Trouble mit der Tankstelle. Das heißt eigentlich nicht mit dieser, sondern mit den Uhren der hiesigen Banken, die offensichtlich ganz anders ticken als wir das so gewohnt sind. Trotz einigem Hin und Her wurde uns tatsächlich – und im wahrsten Sinne des Wortes – der Diesel-Hahn abgedreht.

Wer weiß, wie viel Diesel eine Aufbereitungsanlage mit ihren Pumpen und deren LKWs für die Wasserverteilung benötigt, kann erahnen wie …unentspannt eine derartige Situation einen Teamleader machen kann.

So oder so, die Lage scheint mittlerweile geklärt zu sein. Ich werde Robert fragen, wenn er den Berg Rechnungen hinter dem er gerade versteckt ist erledigt hat. Den Stillstand der Wasser Produktion konnte er jedenfalls abwenden. Geld ist ja grundsätzlich da – an dieser Stelle sei übrigens Nachbar in Not und dem Schwedischen Rotem Kreuz gedankt, die diese großflächige und dringend notwendige Hilfsaktion überhaupt erst ermöglichen(!!!!) – nur sagen einem die Banken hier offensichtlich nicht Bescheid, wenn sie einen Transfer nicht durchführen können.

 

 Was gibt´s sonst Neues?

  • Mit heute, 30. November, haben wir unseren 8millionsten Liter Wasser verteilt – jetzt sind wir richtig stolz *ggg* !
  • In unserer kleinen „Hauptstadt“ hat sich die Verteilung verkehrs- bzw. sicherheitsbedingt leider deutlich erschwert.
Distributionbesprechung
  • Unsere ersten Hygiene Promoter und Hygiene Promoterinnen haben Gunnel´s Schule der Hygiene Promoter und Hygiene Promoterinnen verlassen und promoten jetzt fleißig Hygiene. (Ich liebe diesen Satz *g* )
Gunnel´s Schule der Hygiene Promoter und Hygiene Promotorinnen (1. Klasse)
  • Somit bereiten wir langsam den Exit vor, damit unser nächstes Team weniger Arbeit hat und nicht gelyncht wird, wenn es in einem Monat kommt die Tanks abzumontieren. (…das ist jetzt nur bedingt zynisch zu verstehen. Eine ordentliche Exit-Strategie muss von Anfang an da sein!)
  • Tomas schult fleißig Rohrverbindungen und Tankreparaturen und lässt sich dabei auch gerne die lokale 3-Kleber-und-Sand-Methodezeigen – echt interessante Methode.

    Fittings- und Dichtungstraining
  • Katrin, immer noch unser Teamsonnenschein J, hat mittlerweile ein paar Falten mehr. Das liegt aber nicht an der Arbeit oder an der Sonne; nein: Sie ist wieder Mal ein Jahr älter geworden J! Aus diesem Grunde gab´s auch eine sehr nette und halb überraschende Überraschungsparty. Wie alt sie geworden ist, verrate ich hier aber nicht – bin ja ein Gentleman!
Katrins-Birthday-Preparation
Katrin´s Morgenüberraschung
Kuchen-Distribution

PartygästeGeburtstagskind

  • Von Robert gibt´s nichts Neues. Der rechnet immer noch, und organisiert, und organisiert, und organisiert …ich sag ja: Kein Traumjob!
Strapazierter Teamleader beruhigt strapazierten Tankstellenbesitzer
  • Mich freut besonders, dass die Wasserverteilung im Süden deutlich verbessert werden konnte. Die Assessments sind praktisch fertig. Trotzdem sind wir noch dran mehr Wasser an den/die/das Mann/Frau/Kind zu kriegen. Also immer noch Arbeit dort.

    Wasserhahn Modell 2011

 

 

Das wär´s so weit von uns. Im Namen des Teams schöne Grüße aus Pakistan!

Rainer

PS: Hier hat man großes in der Hose:
(Ist übrigens Schuhgröße 47!)

 

 

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