final comment, abschließendes resumee…

Dienstag, 13.12.2011, ca. 09 Uhr früh am Wiener Flughafen als man gerade die Zarges Boxen vor sich herschiebt: „Hallo sie da! Was haben sie denn in diesen Boxen? Organe?“ wird man gefragt. „Nein.“ sagt man dann. „Natürlich nicht. Da sind nur persönliche Gegenstände drin. Kleidung usw. Nix verbotenes.“ versucht man zu erklären. „Ach so….wo waren sie denn?“ – „In Pakistan. Einsatz mit dem Roten Kreuz.“ – „Aha…was war denn da?“ – „Flut.“ – „Ach so….so wie in Bangladesch? Vielleicht waren sie ja in Bangladesch?“ – „Nein….wir waren in Pakistan.“ (man beachte die Geduld die aufgebracht wird, obwohl man jetzt schon etwas genervt ist). „Ach so…Pakistan….die Leute da sind ja schon ziemlich arm, oder?“ – „Ja, sind sie. Kommt drauf an.“ – „Aber das Land ist ja voller Terroristen. Wieso fahren sie dann da hin?“ – „Nein, nein. Ganz so ist es nicht.“ sagt man (+ innerlicher Aufschrei) und versucht, so schnell wie möglich wegzukommen. Und so ein „Willkommensgespräch“ erstmal zu verdauen.

Ja, Österreich, Wien, hat uns wieder. Der Magen rebelliert nach der ersten europäischen Kost. Der Körper ist schon da, der Kopf noch in Pakistan. Wie sehen wohl die distribution points aus? Wie klappts mit der Auslieferung? Wie läuft die Hygiene Promotion? Wird auch wohl nix an der derzeitigen Aufstellung der Tanks geändert? Werden die Reaktsionzeiten in den Aluminium,- und Chlor-Tanks eingehalten?………Die Gedanken sind noch sehr beschäftigt.

Man freut sich wieder daheim zu sein. Man merkt sofort den Unterschied: die Strassen sind sauber, der Verkehr geordnet, die Luft klar und frisch (so klar und frisch wie sie in einer Stadt halt sein kann), kein Staub in der Luft, man sieht Frauen auf der Strasse…..dann wagt man sich das erste mal in ein Einkaufszentrum und fühlt sich irgendwie fehl am Platz. Als man Österreich verlassen hat, hat die Weihnachtswerbung gerade mal zaghaft angefangen. Jetzt ist alles voll im Gange, man wird bombardiert mit Weihnachtsliedern, überdimensionalen Christbäumen, Konsumartikeln und sieht alles in einem etwas anderen Licht als vorher. Von etwas weiter weg. Von ausserhalb.

Der Einsatz war nicht das, was man sich erwartet hat (obwohl man, wenns nicht der erste Einsatz war, schon weiss das man grundsätzlich sowieso nix erwarten kann, weils immer anders kommt als man denkt). Was nimmt man daraus mit, was bleibt besser dort? Es war teilweise frustrierend, teilweise herausvordernd. Auf jeden Fall aber kein „normaler“ Einsatz. Die ERU….Emergeny Response Unit…..kommt zum Einsatz wenn es irgendwo einen emergency gibt. Das sagt schon der Name. Was aber wenn man vom emergency nicht mehr viel sieht? Wenn es schwer wird einzuschätzen wieviel Not schon vor der Flut da war und wieviel erst durch die Flut entstanden ist? Da arbeitet der Kopf….und das Herz. Man will ja jedem helfen, muss aber Prioritäten setzen. Und die Grenze ziehen zu einem Langzeit-Development-Projekt. Wann hört der ermergency Einsatz auf und wann fängt die Entwicklungshilfe an? Wie gesagt: es war herausvordernd.

Auch auf anderen Ebenen. Was wenn man versucht das Beste zu geben, Pläne zu machen und sein Wissen weiterzugeben und am Ende all diese Pläne sowieso geändert werden? Man nie das so machen, kann wie man es vorher ausgemacht hat? Man dann schon wirklich genervt ist, weil nach 1 1/2 Wochen immer noch nix weitergeht?

Dann steht man irgendwann am Dach des Hauses der pakistanischen volunteers in Nawabshah (Benanzirabad), sieht den Vollmond über der Stadt, hört den Muezzin zum Gebet rufen und dann sickerts langsam durch und man denkt sich: „Halt. Stop. Ich bin ja in Pakistan. Da laufen die Uhren anders.“ Überhaupt läuft alles anders. Es dauert nicht lang und man hat das Herz der Leute hier buchstäblich erobert. Und sie sind wirklich am Boden zerstört wenn man wieder fährt. Sie würden alles für einen tun und wenn man fragt warum, dann hört man oft die Antwort: „Weil du unser Gast bist.“ Auf der anderen Seite lernt man das manche Sachen nicht so ablaufen wie sies eigentlich sollten. Man weiss es nicht 100%ig, man sieht es nicht, aber man weiss das etwas falsch läuft.

Nacht über Nawabshah (Benanzirabad)
Nacht über Nawabshah (Benanzirabad)

Klar hat man seine Vorurteile. Aber spätestens wenn man auf einem abgesperrten Flughafengelände mit ein paar Security-guards zusammensitzt und über Terroristen in Pakistan Scherze macht (was einem dann ehrlich gesagt schon etwas surreal vorkommt) und man nicht weiss ob man lachen soll oder am besten nach dem besten Fluchtweg sucht, weiss man etwas besser wie die Leute in diesem Land ticken. Obwohl man nie ganz dahinter kommen wird. Aber es ist wenigstens ein Anfang.

Tja, das wars. Vier Wochen vergehn im Nachhinein betrachtet wie im Flug. Man hat sicher einiges gelernt. Und wenns nur das ist das man nie, ich betone: NIE, einen ausgedruckten Voucher mit den Flugdetails wegwerfen sollte, weil man nie weiss, ob man ihn nicht doch braucht um in ein mit Maschinengewehren bewachtes Flughafengebäude zu kommen. Und das man immer genug Zeit einplanen sollte um eventuelles Übergepäck umpacken zu können. Und das man, falls man den Boardingpass beim Duty-free shop vergisst, doch noch ins Flugzeug kommt, weil die einem einen neuen ausdrucken können. 🙂

group picture with volunteers and Team 2
group picture with volunteers and Team 2

Mission accomplished.

Allah hafiz

6 Kommentare

  1. Hi Katrin 🙂
    Grad wollt ich was abschließendes blogen, weils ja praktisch keine Ende gab. Da hab ich deinen gesehen und muss sagen: Treffender geht´s wohl nicht! 🙂
    Und danke: Hab viel von dir gelernt!

  2. . Ich lese deinen Blog hier von Saudi-Arabien aus. Am Sonntag geht mein Flieger nach Österrreich. Ich kann sehr gut mit dir mitfühlen. Da weiß man erst zu schätzen wie schön wir es in Österreich haben. Alles sauber, alles sicher und trotzdem sind die Menschen nicht glücklicher. Es sollte jeder mal von den Nörglern in so ein Land fahren, dann wären alle glücklicher. Dann wünsche ich dir noch ein frohes Weihnachtsfes und Salam aus Baysh/KSA.

  3. Welcome back, Katrin et al!

    Wunderbares Posting – Herz & Hirn, mission & „daheim“, Sinn & Unsinn – du hast die returnee-Gedanken wirklich rübergebracht…

    Verirrt Euch nicht auf den vorweihnachtlichen Punschstand-Trampelpfaden und vermeidet die Überdosis Jingle Bells beim Weihnachts-Shopping!
    Möge der Heimkehrer-Blues an Euch vorbeigehen!

    Merry X-mas,
    Jürgen

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