UN-SPIDER Expert Meeting: Crowdsource Mapping for Disaster Risk Management and Emergency Response

Anfang Dezember fand in der UNO City Wien ein Treffen von Expertinnen und Experten zum Thema Crowdsource Mapping for Disaster Risk Management and Emergency Response statt. Organisiert wurde die Veranstaltung vom United Nations Office for Outer Space Affairs (UNOOSA). Auch das Rote Kreuz war mit nationalen und internationalen Fachleuten vertreten.

Das dreitägige Treffen von Expertinnen und Experten fand diesmal in Wien statt.
Das dreitägige Treffen von Expertinnen und Experten fand diesmal in Wien statt.

Aufgrund der technischen Entwicklungen der letzten Jahre entstanden Gruppierungen unterschiedlicher Art (z.B. OpenStreetMap, Ushahidi oder CrisisMappers), die diverse Dienstleistungen im Bereich Disaster Risk Management oder Emergency Response anbieten. Zur Wahrnehmung dieser Aufgaben bildet ehrenamtliches Engagement ein wesentliches Element (Stichwort „Digital Volunteering“). Das United Nations Office for Outer Space Affairs (UNOOSA) bzw. United Nations Platform for Space-based Information for Disaster Management and Emergency Response (UN-SPIDER) hat diesen Trend aufgegriffen und 2011 “Space-based information for Crowdsource Mapping” zum Thema eines Expertentreffens gemacht. Ziel ist die Verbesserung des Austausches und der Kooperation zwischen Expertinnen und Experten aus dem Bereich der Weltraumtechnologie, der Crowdsourcing sowie der Katastrophenmanagement Community.

Mag. Markus Woltran, Associate Expert bei UNOOSA, erläutert die Intention des Projektes:

„Crowdsource Mapping ist eine Disziplin, die einen Brückenschlag zwischen verschiedenen Expertisen darstellt. Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist daher unumgänglich, wodurch Bedarf an der Zusammenführung von Wissen aus den Bereichen weltraumgestützter Technik, Crowdsourcing & Crowdsource Mapping und Katastrophenmanagement besteht. Durch die Organisation des Expertentreffen verfolgt UN-SPIDER einen wesentlichen Teil seines Mandates. Im Mittelpunkt steht hier, als „Bridge, Platform und Gateway“ zu fungieren“, so Mag. Woltran.

Über 80 Expertinnen und Experten aus den Bereichen Weltraumtechnologie, Katastrophenmanagement und Crowdsourcing nahmen am Meeting teil.
Über 80 Expertinnen und Experten aus den Bereichen Weltraumtechnologie, Katastrophenmanagement und Crowdsourcing nahmen am Meeting teil.

„Seit Aufnahme des Themas in den Fokus von UN-SPIDER haben wir zwei Expert Meetings abgehalten, deren Ergebnisse in einem Bericht festgehalten und auf unserem Knowledge Portal veröffentlicht wurden. Darauf aufbauend wurde nun das dritte Meeting abgehalten, an dem insgesamt mehr als 80 Expertinnen und Experten teilgenommen haben.“, so Mag. Markus Woltran im Anschluss an das Meeting.

In einem Newsletter von UN-SPIDER (Vol. 2/12, Okt. 2012) wird Crowdsource Mapping als die ideale Ergänzung beschrieben, um nach Katastrophen die Erstellung von Lagebildern zu ermöglichen bzw. deren Qualität zu verbessern. Die Idee von Crowdsource Mapping ist dabei möglichst viele verfügbare Daten zu sammeln und diese in Karten umzuwandeln. Diese Daten können dabei aus den unterschiedlichsten Quellen stammen, wobei social-media-Kanäle von immer größerer Bedeutung werden. Die Bereitstellung dieser web-basierten Karten auf Plattformen soll für Einsatzkräfte von Hilfsorganisationen eine wertvolle Unterstützung für die Planung und Durchführung von Hilfseinsätzen sein. Da die Karten web-basiert sind ist eine Bearbeitung und Nutzung von überall aus möglich und ist nicht mehr ortsgebunden.

Zur ersten großen Anwendung von Crowdsource Mapping kam es nach dem Erdbeben in Haiti im Jahr 2010, wo Satellitenbilder und daraus erstellte Karten rasch verfügbar waren und Grundlage für die Einsatzplanung wurden. UN-SPIDER koordinierte dabei die zeitnahe Bereitstellung von Satellitenbildern, wobei es erstmalig keine Restriktionen durch Urheberrechte gab. Dadurch konnten die bereitgestellten Daten möglichst vielen Nutzern für eine weitere Bearbeitung zugänglich gemacht werden.

Beispiel einer Crowdsource Map der Organisation Ushahidi, die im Rahmen des Erdbebens auf Haiti 2010 angefertigt wurde.
Beispiel einer Crowdsource Map der Organisation Ushahidi, die im Rahmen des Erdbebens auf Haiti 2010 angefertigt wurde.

Zahlreiche „ignite talks“ und „technical presentations“ vermittelten beim diesjährigen Expert Meeting einen umfassenden Eindruck über die Möglichkeiten von Crowdsource Mapping für das Management von Katastrophen. In mehreren „break out sessions“ wurden in Kleingruppen relevante Themen diskutiert, die im Anschluss im Plenum vorgestellt wurden.

In "break out sessions" wurde der fachliche Austausch intensiviert.
In „break out sessions“ wurde der fachliche Austausch intensiviert.

Von Seiten des Roten Kreuzes nahmen neben Yann Rebois vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK)und Matthew Lloyd vom New Zealand Red Cross noch Josephine Shields Recass von der Internationalen Förderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften, Stefan Loizmayr und Philipp Polanski, die beide in der ERU Water & Sanitation tätig sind, teil. Clemens Liehr, ehrenamtlicher Mitarbeiter beim Roten Kreuz Purkersdorf-Gablitz, war seitens seines Arbeitgebers zum Meeting entsandt.

Seitens des Roten Kreuzes waren mehrere Personen am Meeting vertreten
Seitens des Roten Kreuzes waren mehrere Personen am Meeting vertreten

Auch seitens des Roten Kreuzes gab es zwei technical presentations. Yann Rebois vom IKRK stellte in seiner Präsentation Kooperationsmodelle und Beispiele für die erfolgreiche Anwendung von Crowdsource Mapping dar. Matthew Loyd vom New Zealand Red Cross stellte in seiner Präsentation ein technisches Projekt vor, in dem ein Tool entwickelt wurde, das die satelliten-gestützte Nutzung von Smart Phones ermöglicht, obwohl keine Netzinfrastruktur verfügbar ist.

Die Ergebnisse des UN-SPIDER Expert Meetings werden in Form eines Reports (Conference Room Paper) dem „Scientific and Technical Subcommittees“ (S&T) präsentiert werden und auf dem Knowledge Portal von UN-SPIDER veröffentlich werden. Eine der wesentlichen Erkenntnisse ist, dass die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Communities noch vor einigen Herausforderungen steht. UN-SPIDER wird in den kommenden Monaten versuchen diese Probleme zu adressieren und durch theoretische Aufarbeitung unterschiedliche Fragestellungen zu bearbeiten. In diesem Rahmen sollen unter anderem Begrifflichkeiten und Methoden, aber auch die möglichen Formen der Kollaboration unter den 3 Communities, geklärt werden. Zusätzlich wurde im Rahmen des Expertentreffens die Möglichkeit einer Simulationsübung besprochen. Ein erster Informationsaustausch hierzu hat bereits stattgefunden und es wurde bereits Interesse eines möglichen Gastgeberlandes bekundet.

Link-Tipps:

UN-SPIDER Knowledge Portal

UN-SPIDER Expert Meeting 2012

GMES Emergency Management Service

Projekt-Bericht der Vereinten Nationen

UNOCHA-Bericht „Disaster Relief 2.0: The Future of Information Sharing in Humanitarian Emergencies”

American Red Cross „The Case for Integrating Crisis Response with Social Media”

Einige Beispiele der Crowdsource Mapping Community:

Ushahidi – www.ushahidi.com

InSTEDD – www.instedd.org

Crisis Mappers – www.crisismappers.net

Google Crisis Response – www.google.org/crisisresponse/

Virtual Disaster Viewer – http://vdv.mceer.buffalo.edu/vdv/select_event.php

HOT Humanitarian OpenStreetMap – http://hot.openstreetmap.org/

The Standby Task Force – http://blog.standbytaskforce.com/

CrisisCommons – http://crisiscommons.org/

MapAction – http://www.mapaction.org/

2 Kommentare

  1. Hierzulande ist man leider immer noch der Auffassung, dass freie Softwaretools (z.B. Ushahidi, Sahana, etc) in der Kathilfe nichts taugen, obwohl international von IFRC und UN bereits genutzt!
    Eigentlich schade 🙁

  2. Ich denke, dass die Nutzung von social media im Katastropheneinsatz noch verhältnismäßig neu ist und die Nutzung in großem Stil in Österreich noch etwas Zeit braucht. Eine umfassende Einführung von derartigen Tools braucht finanzielle und personelle Ressourcen und die sind natürlich limitiert.

    Nichtsdestotrotz muss man den Trend weiterverfolgen und den Boden ebnen. So, wie es z.B. das Kanadische Rote Kreuz tut: http://redcrosstalks.wordpress.com/2013/01/07/tech-talk-breakout-year-for-social-media-in-emergencies/

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