Am Geisterplanet

Lidwina Dox ist Hygiene-Promotion Expertin und Delegierte in einer Deutsch-Österreichischen Mass Sanitation management-ERU auf den Philippinen.

Letzten Donnerstag wurde spontan entschieden, dass ich mit Georg Ecker und Thorsten nach Takloban fahren sollte. Thorsten und ich sollten quasi die Vorhut bilden und alles für das Team vorbereiten, die anderen sollten in Cebu bleiben und sich um unser Equipment kümmern. Bevor wir losstarteten, bekamen wir ein Briefing. Die Schlüsselnachrichten waren, dass man in drei Wochen möglicherweise mit einem weiteren Taifun rechnen müsse, es am Anfang Plünderungen gab und die Gefangenen zweier Gefängnisse bei der Katastrophe verschwunden und natürlich freiwillig nicht wieder aufgetaucht sind. Sonst sei alles soweit okay…

Wir hatten eine wirklich schöne und friedliche Reise mit dem Boot über Nacht! Kein Seegang eine leichte Brise, wie angenehm nach der Hitze. Es war noch Nacht als wir auf Leyte ankamen. Wir schlichteten uns ins Auto zwischen Gepäck, Wasser und Zarges-Boxen und versuchten eine Runde zu schlafen während die Grillen zirpten, die Hähne krähten und ein Motor leise im Hintergrund brummte. Als es dämmerte wars mit der Idylle schlagartig vorbei – um uns herum das pure Chaos. Wir schlugen uns in Richtung Takloban durch und umso näher wir der Stadt kamen desto schlimmer wurden die Zustände. “Ghostplanet” – ich wurde den Begriff in meinen Gedanken nicht mehr los. Fast alle Bäume lagen kreuz und quer, entwurzelt oder in der Mitte abgebrochen am Boden oder auf den Häusern, Lastwagen und Autos befanden sich wild umgedreht wo sie nicht hinghörten und die Häuser waren entweder ein Haufen undefinierbares Gerümpel oder schwer beschädigt. Am Straßenrand standen Schilder, die immer die gleich Worte beinhalteten: We need food and water!

Die Zerstörungen auf den Philippinen sind enorm. Bild: IKRK ( ICRC / Olivier Matthys)
Wie am Geisterplanet: die Zerstörungen auf den Philippinen sind enorm. Bild: IKRK ( ICRC / Olivier Matthys)

Die meisten Menschen hatten alles verloren und viele von ihnen sind von der Insel geflüchtet oder sind  in Evakuierungszentren untergeschlüpft. Wir nisteten uns im Leyte Parkhotel ein, angeblich einmal ein Nobelschuppen, jetzt ein Camp für viele die hierher kamen um zu helfen. Neben Werner sind auch noch das Rote Kreuz, ACF, Unicef…da. Vom Hotelfeeling war nichts geblieben. Mäuse in den Zimmern, kein Strom, kein Wasser, kein Essen, überall nur Zelte und Menschen. Von hier aus bereiteten wir die Ankunft der anderen vor. Die Tage waren  wirklich anstrengend.

 

Heute sind sie gekommen, das restliche Team und unser Equipment. Wir  begannen am Dorfplatz Dulags  die LKWs abzuladen, und unser Camp aufzubauen. Das halbe Dorf half mit. Während geschleppt und gebaut wurde schüttete es oder war unglaublich heiß, in der halb zerstörten Kirche probte ein Chor und herrliche Klänge drangen zu uns herüber, am Dorfplatz wurde gesägt und gefegt, Kinder machen Musik mit den leeren Plastikflaschen und ein medizinisches Notfallteam versorgte die Menschen… am Ende des Tages waren die Lastwagen  schon längst abgeräumt und unser Camp soweit aufgebaut, dass das Team dort  heute schon die erste Nacht übernachten kann…

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