Neunzehn neugierige Nachwuchsdelegierte: Vom Basiskurs Internationale Einsätze (BKI)

Ein Blogbeitrag von Heidemarie Jahn

Neunzehn Nachwuchsdelegierte aus ganz Österreich im Durchschnittsalter von 25-35 lernten Ende Juli im Südsteirischen Laubegg in drei Tagen das Wichtigste für einen Auslandseinsatz, vom Disaster Response Management über die Logistik bis zum Umgang mit GPS, Funkgeräten und Satellitenkommunikation. Auch der Umgang mit und der Einsatz von Medien will zumindest durchgegangen sein, denn schon bei unserer Ankunft in Laubegg und dem Aufstellen der Zelte tauchte unerwartet ein Reporter samt Kameramann und Stabmikrofon von einem unbekannten TV-Sender auf und stellte uns vor laufender Kamera in Einzelinterviews die sensationsmaximierenden Fragen für seine ZuseherInnen: „Im Hintergrund sieht man sehr viele uniformierte Rotkreuz-Mitarbeiter. Es sieht nach einer Katastrophe aus. Was ist denn passiert?“, gefolgt von: „Und wer finanziert das alles?“ Natürlich handelt es sich auch hier um eine Simulation um in einer Videoanalyse zu sehen, was passiert, wenn unvorbereitete RK-Delegierte auf ReporterInnen treffen.

Hilfe weltweit leisten, wenn Hilfe benötigt wird.

Doch warum fühlt man sich tatsächlich berufen, Menschen im Ausland unter nicht immer friedlichen Bedingungen zu helfen? Die individuellen Motivationen sind vielfältig, doch zum Grundtenor gehört das Erfolgsgefühl, gemeinsam mit Menschen und RK-KollegInnen aus aller Welt Hilfe zu leisten, wo sie benötigt wird, auch über Ländergrenzen hinweg. Viele KursteilnehmerInnen bringen bereits private und berufliche internationale Erfahrung mit, sprechen Fremdsprachen oder haben sogar selbst einen multikulturellen Hintergrund, und möchten ihre Kompetenzen für die Auslandshilfe zur Verfügung stellen.

Alle von ihnen bringen innerhalb ihrer jeweiligen nationalen Spezialisierung berufliche Erfahrung mit und/oder haben innerhalb ihrer Sondereinheiten auch eine nationale Grundausbildung abgeschlossen.

Der BKI ist sozusagen der „internationale Führerschein“ für Rotkreuz-HelferInnen, die nach dem Kurs sogleich in die Datenbank für internationale Delegierte kommen, aus deren Pool dann, je nach Qualifikationsanforderung der Katastrophenlage und Verfügbarkeit der Delegierten, kleine Teams zusammengestellt werden, die dann in bis zu vier einmonatigen Rotationen mit einigen Überlappungstagen für Handovers in den Einsatz reisen.

Was sind also die Inhalte des BKI?
Zu den Basics, die das ÖRK seinen Mitgliedern mitgibt, gehört zunächst einmal das „Behind the Scenes“ im Generalsekretariat nach einer Katastrophe, anders gesagt: Wie es von einem Erdbeben in Nepal dazu kommt, dass österreichische Teams und Materialien ausgesendet werden. Dazu gehören internationale Alarmierungsmechanismen und Kommunikationsstrukturen, aber auch Finanzierung und Medieneinsatz für Spendenaufrufe.

Vor unserer Abreise in die Steiermark hatten wir in Wien-Inzersdorf noch Gelegenheit, das Rotkreuz-Katastrophenhilfezentrum zu besichtigen und uns vom Lagerleiter die besonderen logistischen Herausforderungen von Frachtflügen in schwierig zugängliche Gebiete der Erde erklären zu lassen (einen kurzen Überblick findet ihr hier: https://www.youtube.com/watch?v=DvNJx8F9j4k). Die Kosten für einen Frachtflug sind entsprechend der Nachfrage von internationalen Hilfsorganisationen, die innerhalb kürzester Zeit Material transportieren wollen, sehr hoch und machen oft den wesentlichen Teil der Gesamtkosten eines Einsatzes aus. Daher wird versucht, viele benötigte Dinge vor Ort zu erwerben oder anfertigen zu lassen (zB Schaufeln). Dies kurbelt nicht nur die lokale Wirtschaft wieder an und kann Betroffene vom Geschehenen ablenken, sondern ist auch langfristig wesentlich günstiger.

Cultural Awareness

Um die Nachhaltigkeit der Hilfsmaßnahmen mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen zu gewährleisten, werden diese gemeinsam mit der Lokalbevölkerung besprochen und entsprechen weitestgehend deren Bedürfnissen, Bräuchen und Wünschen. Daher war auch Cultural Awareness Teil unseres Kurses. Diese trägt aber auch zu einem guten Arbeitsklima mit internationalen KollegInnen, der eigenen Sicherheit und der Stressminimierung durch Prävention des Kulturshocks bei.

Personal Equipment aka „Die Kiste“
Alle Delegierten bekommen für die Zeit ihres Einsatzes eine Kiste mit einer Standardausrüstung geliehen, welche aus den lebensnotwendigsten Artikeln bestehen, darunter Moskitonetz, Lärmschutzkopfhörer und insbesondere für die ersten Tage eine Wasserfilterpumpe und Campingkocher.

One-Flame Cooking
Damit wir auch alle wissen, wie wir mit dem Campingkocher hantieren ohne uns mit der Stichflamme die Armhaare zu versengen, ist nicht nur die persönliche Ausrüstung, sondern auch das One-Flame Cooking Teil des Trainings – in Form einer Kochshow! Vier Teams kochten mit jeweils einem Kocher, einem Heurigentisch und bereitgestellten einfachen Zutaten nach vorgegebenen Rezepten „um die Wette“ und präsentierten einander im Anschluss die fertigen Gerichte. Das Menü unseres Abendessens konnte sich sehen lassen: Italienisches Risotto, mexikanisches Chili, israelisches Shakshuka und indisches Chicken Curry haben wir mit viel Spaß und Teamwork zubereitet und natürlich auch gegenseitig verkostet.

Wie geht es nun weiter?
Nach einem lehrreichen Wochenende mit viel interessantem Austausch zwischen den TeilnehmerInnen der unterschiedlichen Spezialrichtungen und auch mit den kursdurchführenden MitarbeiterInnen aus dem Generalsekretariat, kehren wir aus dem Einsatz- und Bildungszentrum Laubegg wieder in unser reguläres Arbeitsleben zurück, unter anderem die technische Produktionsfirma, die Sozialeinrichtung, die Forschung, die Softwarefirma. In weiteren Fortbildungen vertiefen und wiederholen wir innerhalb unserer Sondereinheiten unsere Kenntnisse und stehen innerhalb kürzester Zeit bereit, wenn das ÖRK aus dem Ausland angefordert wird.

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