ERU-Einsatz in Pakistan

Nicht nur die Mission selbst, sondern auch ihre Vorbereitung ist ein Team-Job. Aus dem Leben eines ERU-Desk-officers berichtet Jürgen Högl.

Nachdem das FACT-Team („Field Assessment and Coordination-Team“) der Föderation die Situation in den Hochwassergebietne Pakistans erhoben hat, werden 5 ERUs in die betroffenen Regionen entsandt.
Gemeinsam mit dem Pakistanischen Roten Halbmond (PRCS) und der Föderation (IFRC) werden die folgenden ERU-Teams in Pakistan arbeiten – Schwerpunkt der Aktivitäten ist die Sindh-Provinz im Südosten des Landes:

Logistik – Schweiz / Dänemark
Basic Health Care – Finnland
Mass Sanitation – Großbritannien
WatSan M15 – Spanien
WatSan M40 – Schweden / Österreich

Die Entscheidung, welche Nationen dabei in den Einsatz gehen, wurde nach den bestehenden Einmeldungen in Genf und den verfügbaren Mitteln von den nationalen Gesellschaften und IFRC gemeinsam getroffen – aktuell haben sich ÖRK und das schwedische Rotes Kreuz (SRC, intern auch SweX genannt) entschieden, eine gemeinsame Einheit nach Pakistan zu schicken.

Die sommerliche Urlaubszeit führt nicht nur dazu, dass ich den ERU-Desk des ÖRK übernommen habe (Lieber Günter, viel Spaß im Urlaub!), sondern auch zu einem personellen Engpaß bei unseren schwedischen Kollegen. Ferien und die hohe Einsatzfrequenz führen bei den Skandinaviern dazu, dass sie ihre zwei geplanten Delegierten nicht aufstellen können. Kein Problem – wir haben die Mitarbeiter und treiben auf die Schnelle noch zwei zusätzliche Wassertechniker für den Einsatz auf; damit werden sechs Österreicher auf dem Cargo-Flight nach Karachi sitzen.

Eine solche Joint-Mission bringt auch zusätzliche Herausforderungen hinsichtlich des eingesetzten Equipments – derzeit rollt das schwedische Material aus Schweden per Truck nach Wien. Auch „Kleinigkeiten“ wie der Rechtsverkehr in Pakistan führen übrigens zu durchaus beachtlichen logistischen Aufwenden – dazu in einem späteren Betrag mehr.

Am ERU-Desk laufen in der Vorbereitung eines ERU-Einsatzes alle Fäden zusammen; als Schnittstelle von Einsatzplanung, Koordination mit den Akteuren auf der internationalen und nationalen Ebene, Logistik, Medienarbeit, Einsatzfinanzierung Personalplanung und vielem mehr braucht man als Desk-officer am besten folgende Eigenschaften:

– Zwei Sprachzentren im Gehirn – um in Deutsch und Englisch parallel zu denken und aus Telefonkonferenzen mit 40 Teilnehmern noch sinnvolle Wörter herauszufiltern
– Drei Ohren – um am Mobiltelefon und am Festnetz parallel telefonieren zu können, während im Hintergrund eine Besprechung läuft
– Die Sturheit eines Ziegenbocks, um die für gestern versprochenen Informationen von allen möglichen Seiten, die man längstens heute braucht, um morgen sinnvoll arbeiten zu können, zu bekommen
– Die Nerven eines Base-Jumpers, um die Spannung vor dem Absprung auch noch geniessen zu können
– Die seherischen Fähigkeiten der Kassandra, um zu erahnen, welche überraschenden Wendungen und News morgen kommen könnten

.. und vor allem ein Team wie das unsere, in dem man sich darauf verlassen kann, dass jeder seinen Job nicht nur nach bestem Wissen und Gewissen, sondern wirklich mit Überzeugung und „Hingabe“ macht.

Die Mitglieder dieses Team haben jedenfalls ganze Arbeit geleistet und die Mission auf Schiene gestellt; seien es
– die Logistiker, deren Arbeit schlußendlich in den Bauch einer Iljuschin führt,
– die Öffentlichkeits-Arbeiter, die vor der Aufgabe stehen, eine „vergessene Katastrophe“ in den Medien zu platzieren,
– der EU-Desk-Officer, der „real-time“ einen EU-Antrag stellt, um Mittel für den Einsatz aufzustellen,
– unsere AssistentInnen und Zivis, die wirklich perfekte Unterstützung liefern (Irene, danke für Deinen Job als „HR-officer“)
– die Verantwortlichen in den Landesverbänden, die Ihre Mitarbeiter ausbilden, mit uns auswählen und bis zum Briefing bringen.

… und die Mitglieder des ERU-Teams, die in den nächsten Wochen wieder einmal beweisen werden, dass sie allen Herausforderungen der Mission gewachsen sind. Schon jetzt mal viel Erfolg bei der Mission!

Eine Übersicht über die „neuen Module“ der ERU WatSan findet ihr übrigens unter: http://www.roteskreuz.at/382.html

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